Hör auf, ums Recht haben zu kämpfen! - Podcast 012

Uli and Bernd Bott explain why people see the same facts differently, using the 6-vs-9 visual to show how mental models create conflict. They propose pausing, staying curious, and dropping the need to be right. Both sides of debates like COVID vaccination are usually driven by fear, not stupidity.
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Hallo hier bei Gemeckerfrei, dem Eltern-Podcast für dein liebevolles, entspanntes und glückliches Familienleben. Setz dich mit uns an den Tisch. Wir, Uli und Bernd Bott, heißen dich herzlich willkommen.
Hallo, herzlich willkommen!
So schön, dass du hier bist.
Genau.
Und uns zuhörst.
Genau. Kennst du dieses, dieses Bild? Hast du es vielleicht schon mal irgendwo gesehen? Da liegt eine Ziffer auf dem Boden und auf der einen Seite steht eine Person und auf der anderen Seite steht eine Person und die eine Person sagt, das ist eine 6 und die andere Person sagt: Nee, das ist eine 9. Und dann streiten die sich darüber, ob das jetzt eine 6 ist oder eine 9. Und logischerweise haben aus ihrer jeweiligen Perspektive beide gleichermaßen recht.
Und beide gleichermaßen Unrecht.
Ja, genau. Und da wollen wir heute mal drüber sprechen, weil uns das gestern nämlich wieder selber passiert ist, dass wir ein, also es lag quasi eine Ziffer zwischen uns, auf die wir beide drauf gucken mussten und die wir beide verstehen mussten. Aber wir haben halt unterschiedlich draufgeguckt.
Von zwei Seiten.
Genau.
Also es war ja auch wirklich bildlich so, wir saßen uns ja auch gegenüber. Es war halt so, hat schon gepasst. Ja, genau.
Wenn man es noch konkret machen will. Also wir haben so ein, wir hatten eine Schulung für ein Produktivitätstool.
Mit dem ganzen Team quasi.
Und der Bernd und ich haben dann versucht, eine Struktur aufzusetzen, wie wir das nutzen. Wir haben so cool aneinander vorbeigeredet, dass man schon wirklich drüber lachen musste. Aber es war halt auch so ein Punkt, wo es nicht möglich war, dass einer sagt: Ja, dann machen wir es halt so, wie du es willst, weil es musste ja jeder von uns verstehen.
Ja, genau. Und das war jetzt, also ich meine, das Beispiel mit der 6 und der 9, das ist ja wirklich nur einfach dieses abstruse Beispiel. Da würde man natürlich In Wahrheit wirst du natürlich einfach das jetzt als zwei Erwachsene, die sich gegenüberstehen oder sitzen, das sofort bemerken. Aber wenn es halt um die Dinge geht, die ein bisschen komplexer sind, dann musst du ja erst einmal miteinander da draufkommen. Ah, okay, ich gucke jetzt von zwei Seiten drauf oder aus zwei verschiedenen Perspektiven. Oder ich denke das jetzt gerade total anders wie der andere. Und Da kommt es dann ganz schnell zu so, wie soll man das nennen, Reibungskonflikten oder?
Ja, beziehungsweise halt zu verstehen, dass wir mitunter nicht in der Lage sind, Dinge wirklich mit dem, mit der, aus denselben Augen wie der andere zu sehen. Wir sagen oft auch: Ich sitze doch nicht in deinem Kopf. Du sagst es eigentlich oft zu mir. Ich sitze doch nicht in deinem Kopf. So dieses: Nimm mich mal mit. Wir sind dann oft auch zu schnell. Dann haben wir schnell mal Zeitstress. Dann wollen wir irgendwie schnell zum Ende kommen und denken: Das ist doch total logisch. Also ist doch total logisch, die Struktur, die ich da jetzt vorhabe. Und der andere sagt so: Hä? Was willst du? Meinst du eigentlich? Und hä, wie soll das jetzt eigentlich funktionieren? Ja, und da einfach das als— das nicht als— viele, glaube ich, machen an der Stelle, oder vielen passiert an dieser Stelle, dass sie sich unverstanden fühlen oder dass sie sich verteidigen oder dass sie denken, was ist denn der andere für ein Depp, der will mich jetzt nicht verstehen, oder ist der denn so blöd, dass er es nicht rafft? Also da sind ja, sind wir ganz schnell mit Bewertungen. Dabei geht es einfach nur darum zu erkennen, dass wir alle unterschiedlich sind, dass wir alle einfach unterschiedliche Denkstrukturen entwickelt haben und dass wir unterschiedlich in der Geschwindigkeit sind, unterschiedlich im— dass wir einfach unterschiedlich sind. Und dass das ja in vielen Bereichen ist es ja auch ein totales Geschenk, dass wir unterschiedlich sind. Und in manchen, an manchen Stellen ist es halt ein bisschen herausfordernd, dann einen gemeinsamen Weg zu finden.
Ja, weil die Kommunikation so schwer wird. Weil du an verschiedenen Stellen ansetzt. Das ist das, also ihr und wir gestern auch.
Ja, weil wir nicht verstehen, wo der andere anders denkt.
Genau.
Weil uns unseres so normal vorkommt.
Ja, und selbst wenn dann der andere sagt: Ja, fang noch mal von vorne an. Das vorne ist meistens ist noch schon viel zu weit weg von dem, wie es der andere eigentlich bräuchte und so. Also das—
Ja, mein vorne war was anderes als dein vorne.
Ja, ja, genau.
Und darüber lachen zu können, das ist die hohe Kunst. Ja, sich da nicht in die Wolle zu kriegen, sondern dann einfach zu sagen, du, wir probieren jetzt einfach, jetzt lass uns einfach. Also wir haben dann auch das voll kleinschrittig gemacht, weil wir halt gedacht haben, okay, jetzt müssen wir halt mal irgendwie, wenn wir jetzt da schon die Kurve kratzen und dann ist es uns natürlich ist es nämlich auch gelungen. Und wir wollen dir einfach nur mitgeben, dass es, dass das ganz normal ist, dass das immer wieder passiert. Genau.
Also das ist überhaupt keine, das ist, also du könntest, oder sagen wir mal so, wir hätten jetzt gestern auch die Möglichkeit gehabt zu sagen, boah, hey, das mit dem Miteinander-Business und so, das müssen wir jetzt irgendwie anders machen. Jetzt macht es nur einer von uns und der andere passt sich dann an oder was weiß ich. Oder das Tool fliegt raus oder wir zoffen uns. Genau, was weiß ich. Ja, also so, und so in der Beziehung könntest du sagen, okay, ja, wir verstehen uns nicht, ja, oder bei dem Thema kommen wir nicht zusammen oder so, ne. Das ist das, was ja schnell passiert, ja, anstatt zu sagen, okay, wie du ja gerade schon gesagt hast, ne, also erstmal drüber lachen hilft schon mal, ja. Manche sagen, kann man vielleicht dann auch einfach mal sein lassen, vielleicht verschieben, Pause machen, einen Break reinmachen. Und weil es gibt immer eine Lösung, es gibt immer einen Weg. Und es ist nur wichtig, dass wir die Türen nicht zu früh zumachen.
Ja, also weil du ja auch gerade gesagt hast, das nicht zu sagen, da kommen wir nicht zusammen, da sind wir so unterschiedlich, sondern einfach immer nur zu sagen, okay, und Wie profitieren wir denn von unserer Unterschiedlichkeit?
Ja, genau. Und dann, also ich bin auch mal gespannt, wie wir das jetzt lösen. Also ich kenne das schon, das ist jetzt ganz ehrlich auch da. Ich werde dann auch emotional und so und dann will ich ja fertig werden oder was auch immer.
Dann hat man zu lange nichts gegessen.
Ja, genau. Dann steigert sich ja dann so rein, was weiß ich. Und dann mal so diesen, erst mal diesen Dreh hinzukriegen und sozusagen okay, jetzt bin ich auch mal gespannt.
Verstehen. Das ist das, was du dann oft denkst, glaube ich, dass du glaubst, ob ich jetzt wohl zu blöd bin oder warum ich mich jetzt so anstelle. Aber gleichzeitig ist halt, denke ich dann auch, aber ist doch total logisch, was ich da gerade meine.
Es ist ja auch, weil wir immer wieder, es gibt ja den Gedanken, es gebe eine Logik. Dann sagen wir mal, gibt es ja noch Schlimmeres, es gibt weibliche Logik und männliche Logik. Das ist Schwachsinn. Es gibt eine Bernd-Logik, es gibt eine Uli-Logik und eine Egon-Logik. Und eine Blablabla. Also das ist ja einfach, weil die Perspektive immer anders ist. Und da kommen wir natürlich jetzt auch genau dahin, dass es was, was so der Magic Point ist, eigentlich anzuerkennen, dass keiner recht hat.
Ja, genau.
Und damit natürlich auch keiner Unrecht hat.
Ja, genau. Und dass es eben Situationen gibt, da funktioniert es zwischen euch total simpel.
Ja, wie telepathisch.
Ja, genau, weil da schwingt ihr halt gleich. Da braucht ihr nicht drüber, da versteht ihr euch blind. Und das gibt Bereiche, da versteht ihr euch blind. Und dann gibt es andere Bereiche, da seid ihr voll unterschiedlich. Aber es ist möglich, dass einer quasi den Hut auf hat.
Genau, das ist ja häufig bei so Standardsachen irgendwie ums Haus oder so was. Ja, vielleicht.
Oder haben wir ja auch schon mal.
Genau, das ist ja.
Dass einer einen Hut auf hat. Und dann gibt es Themen, da müsst ihr einen gemeinsamen Umgang damit finden.
Genau. Und habt den aber eben nicht schon automatisch, sondern da müsst ihr wirklich auf die Finde gehen.
Genau. Und da geht es einfach darum, dass du neugierig wirst. Sozusagen, okay, wie genau funktioniert das Gehirn von meinem Partner? Was, welche Schleifen denkt der da? Aus welch, von wo aus guckt der da drauf? Ja, also unter Umständen macht es ja total, ist es ja total spannend, mal aus seiner Perspektive da drauf zu gucken, weil du womöglich Dinge erkennst, für die du bisher blind gewesen bist.
Ja, und gleichzeitig ist es ja auch immer für jeden total cool, wenn er mal seine Perspektive versucht, dem anderen darzulegen oder zu erklären.
Ohne dieses: Ich weiß, wie es geht. Du musst jetzt endlich kapieren.
Einfach nur so in der Freude dran, gegenseitig einfach mal so sich selber oder sich gegenseitig da eben anzunähern und sich diese, die Gedankenkonstrukte oder was auch immer man da im Kopf hat, sich die so gegenseitig darzustellen, dass man eben anfängt, den anderen da verstehen zu können.
Und ich finde, das ist das Salz in der Suppe.
Das ist total cool. Das ist echt total cool. Auch wenn es manchmal kommt, mal so wie wir jetzt gestern vielleicht auch. Manchmal kommt man an dem Punkt erst ein bisschen später, dreht so eine kleine Schleife in so ein bisschen wie soll man das nennen, Gehackel oder so. Ja, aber es ist halt dann immer wieder total cool, sich da so anzunähern und das so auszuprobieren, wenn man dann damit so ein bisschen spielt.
Ja, was halt wichtig dabei ist, ist, dass du diese Dinge nicht beziehungsgefährdend empfindest, dass du nicht das Gefühl hast, wenn es jetzt mehrere solcher Punkte gibt, das heißt, ihr könnt nicht miteinander und ihr müsstet über Trennung nachdenken. Nachdenken. Ja, das ist einfach nur, andere Sichtweisen sind immer nur eine Bereicherung. Und es geht ja auch nicht darum, dass du die Sichtweise des anderen übernimmst. Es geht ja erst mal nur darum, dass du sie stehen lässt, dass du erkennst, da hat er eine andere Sichtweise als ich oder ich eine andere Sichtweise als sie oder wie auch immer. Und das zu erkennen und da keine Bewertung drauf zu geben. Und das ist das Einzige, um was es geht. Und dann im nächsten Schritt, Menschen wollen ja immer Lösungen finden, ne? Also dann geht's natürlich darum zu sagen, wie findet man denn jetzt eine Lösung? Aber wenn dieser ganze emotionale Kladderadatsch von wegen einer könnte schuld sein oder einer weiß es besser oder einer ist blöder oder whatever, wenn dieser ganze emotionale Quatsch weg ist, dann geht es eigentlich total leicht.
Ja, absolut. Und du musst die Dinge ja noch nicht mal immer sofort schon lösen. Also auch da kann man einfach sagen, okay.
Ich weiß bis heute nicht, wie der Bernd gestern da gedacht hat.
Ich weiß auch nicht, ob es ich noch weiß.
Aber ich weiß es bis heute nicht. Aber ich weiß, dass ich neugierig darauf bin, es noch weiter herauszufinden.
Ja.
Und wir würden an der Stelle, also das ist nämlich so ein Thema, als wir gerade drüber gesprochen haben, was wir jetzt darüber sprechen, haben wir gedacht, okay, eigentlich würde sich das voll anbieten, da noch mal über das, über so ein aktuelles Thema mitzusprechen und noch mal da dir einen Impuls mitzugeben im Hinblick auf Corona und dieses ganze Trennende, was da gerade gesellschaftlich passiert, weil auch an der Stelle Wenn du jetzt zum Beispiel nimmst, jemand, der sich impfen lässt versus jemand, der sich nicht impfen lässt. Das ist ja auch wieder nur der eine, der aus der Richtung auf die 6 guckt und der andere, der aus der anderen Richtung auf die 9 guckt.
Im Endeffekt haben beide nur Angst. Ganz oft. Also der eine hat Angst vor Corona, der andere hat Angst vor der Impfung.
Und vielleicht hat der, der sich impfen lässt, kennt vielleicht jemanden, der daran gestorben ist. An Corona gestorben ist, und jemand, der sich nicht impfen lassen will, hat vielleicht, kennt vielleicht jemand mit einem Impfschaden oder was auch immer. Also im Endeffekt vereint uns alle, dass wir halt mehr oder weniger Angst haben vor der Situation, die uns jetzt schon so lange Zeit unser Leben so beeinflusst. Und auch dazu sagen, okay, selbst wenn, wenn Es gibt ja total viele Paare, die auch unterschiedliche Standpunkte dazu haben, wo einer sich impfen lässt, der andere nicht, oder wo der eine Angst hat, der andere nicht, wo der eine übervorsichtig ist, der andere nicht, wie auch immer. Und da einfach auch zu sehen, das ist auch wieder nur so ein Aspekt, wo ihr als Paar gemeinsam, als Paar oder auch gesellschaftlich gesehen, wo wir eben gemeinsam aufpassen dürfen, dass wir die Sichtweise des anderen wertschätzen, ohne unsere eigene deshalb aufgeben zu müssen. Aber halt eben zu sagen, okay, so leben und leben lassen. Was, wenn jeder seine Sichtweise haben darf und wir uns darauf besinnen, dass jeder von uns immer aus seiner besten Option handelt. Und jeder Standpunkt, den wir einnehmen, ist immer das Beste, was wir gerade tun können. Und das hilft garantiert überhaupt nichts, wenn wir da den anderen bewerten, abwerten und selber bewerten, abwerten. Sonst geht immer nur darum, Verständnis dafür zu haben, wie jeder Einzelne von uns im Moment gerade tickt. Und dann Dann kann die Liebe wieder fließen. Und Liebe ist halt das super Heilgegenmittel gegen Angst.
Ja, und was ja, also klar geht es jetzt hier uns gerade um die Paarbeziehung, aber im Endeffekt gilt es ja für alle Beziehungen. Das ist ja das, was wir mit diesem, wo du ja zu Hause anfangen kannst, dieses gesellschaftliche Thema auch ein bisschen zu heilen oder abzumildern.
Erfrieden beginnt zu Hause. Alles, was wir gerade gesellschaftlich erleben, ist ja in uns und in unseren Familien, weil sonst wäre es ja nicht Teil unseres Lebens. Ja, das ist ja unsere ganz feste Überzeugung. Alles, was wir erleben, haben wir zuerst schon in uns. Diese Widersprüche und Widerstände und Bewertungen waren zuerst schon in Und wie viel mehr kannst du ab heute aufhören, dich selbst zu bewerten, um dann auch andere weniger zu bewerten und einfach mehr neugierig zu sein? Auch so mit sich selbst. Ist ja spannend, was ich da gerade denke. Ist ja spannend, was ich da gerade, was mein Kopf mir da gerade für eine Geschichte erzählt. Ist ja spannend, wie der Bernd da drauf guckt. Ist ja spannend, dass das Kind meint, einmal über die Zähne geschrubbt wäre, sauber geputzte Zähne. Ja, also ist ja spannend, dass das Kind Kind meint, was weiß ich, ein halbes Röschen Brokkoli wäre schon eine Riesenmenge Gemüse. Ja, also ist ja spannend. Und dann sagen, okay, seine Sicht auf die Welt, ihre Sicht auf die Welt, und was ist meine Sicht auf die Welt, und wie finden wir Wege, die für uns beide funktionieren oder für uns alle funktionieren? Okay, ich glaube, wir sind fertig.
Ich glaube auch. Ja, es gab jetzt nichts mehr dazu. Ich könnte jetzt nichts mehr draufsetzen.
Ja, und das ist zum Beispiel auch so was total Spannendes, weil manchmal bin ich dann nämlich zum Beispiel ungeduldig, weil ich denke, jetzt könnte er doch noch mal was sagen. Und dann, wenn er dann nichts sagt, dann denke ich, ich muss noch schneller, noch mehr reden. Derweil ist es genau Es kommen immer die richtigen Worte zur richtigen Zeit. Und jetzt sind eben alle Worte in dieser Podcastfolge oder in diese Podcastfolge geflossen, die es gerade zu diesem Thema gebraucht hat. Und wir wünschen dir ganz viel Freude damit, ganz viel Erkenntnisse, ganz viel Spaß in deiner Beziehung beim Perspektiven austauschen, Perspektiven wechseln. Und vor allen Dingen hör auf, ums Recht kämpfen. Hör auf, Recht haben zu wollen. Hör auf, ums Recht zu kämpfen, und geh einfach davon aus, dass jeder Mensch, der in dein Leben tritt, immer aus seiner besten Option handelt. Alles Liebe.
In diesem Sinne, alles Liebe für dich.
Ja, bis bald.
More from Uli

Wieso du machmal dein Kind an die Wand klatschen könntest (obwohl du es liebst)









