Hörerfrage: Mein Kind gibt so schnell auf, was kann ich tun? - Podcast 045

In dieser Podcast‑Folge beantworten Uli und Bernd Bott eine Hörerfrage, warum Kinder oft nach dem ersten Versuch aufgeben und wie Eltern ihr Kind dazu bringen können, dran zu bleiben. Die beiden führen das Gespräch von einer ergebnisorientierten Sichtweise hin zu einer lernstrategiebasierten Perspektive. Sie stellen ein Modell von fünf aufeinander aufbauenden Lernstrategien vor: Interesse zeigen, engagiert sein, wiederholtes Üben (Flow), Dranbleiben (Persistenz) und schließlich die Integration dieser Strategien in die kindliche Identität. Für jede Strategie geben sie konkrete Beobachtungen, Beispiele (Fahrradfahren, Schwimmen, Kiten) und praktische Tipps, wie Eltern das Verhalten erkennen, unterstützen und durch gezieltes Feedback stärken können. Sie betonen, dass es nicht um das Erlernen einzelner Fertigkeiten geht, sondern um das Erlernen von Lern‑ und Problemlösungsstrategien, die ein Leben lang nützlich sind. Abschließend ermutigen sie Eltern, die bereits vorhandenen Anzeichen von Dranbleiben zu feiern und das Kind in seiner Selbstfürsorge und Selbstwirksamkeit zu bestärken.
Chapters
Hallo hier bei Gemeckerfrei, dem Eltern-Podcast für dein liebevolles, entspanntes und glückliches Familienleben. Setz dich mit uns an den Tisch, wir, Uli und Bernd Bott, heißen dich herzlich willkommen.
Hallo und herzlich willkommen, so schön, dass du uns heute zuhörst.
Heute machen wir das erste Mal eine Folge zu zu einer Hörerfrage oder Hörerinnenfrage.
Genau. Und die Frage war: Wie kann ich mein Kind dazu bekommen, bewegen, dranzubleiben und mal was durchzuziehen und nicht nach dem ersten Versuch wieder hinzuschmeißen?
Genau. Und da ging es um so Dinge wie Fahrradfahren, Schwimmen lernen.
Ja, genau.
Das waren eigentlich die hauptsächlichen Beispiele.
Genau. Natürlich kann man jetzt wieder sagen, okay, wenn das Kind so weit ist, Fahrradfahren oder Schwimmen zu lernen, dann wird es das auch voller Begeisterung und selbsttätig aus sich heraus tun. Damit wäre diese Folge jetzt zu Ende.
Genau. Und wir können Feierabend machen.
Aber es ist natürlich wie alles im Leben, ist auch dieses Thema einfach total vielschichtig, weil natürlich macht es total Sinn, sich mal anzugucken, welche Lernstrategien wir Menschen eigentlich benutzen und was man mittlerweile auch in der Lernforschung und in der Neurobiologie eigentlich darüber weiß, wie Kinder lernen lernen. Weil es eben in der heutigen Welt viel weniger darum geht, was kann ich, sondern es geht viel mehr darum, wie kann ich es mir beibringen.
Es geht ja sogar nicht mehr darum, was weiß ich, sondern es geht eben immer noch darum, wie kann ich jetzt in dem Moment genau das Wissen finden oder mir eben das Wissen beibringen, das ich jetzt brauche.
Ja, genau. Deshalb ist schon mal der erste Schritt, ist schon mal total cool von der Mama, die da gefragt hat, weil die eben nicht gesagt hat, wie bringe ich mein Kind dazu, dass es jetzt Fahrradfahren lernt, sondern weil sie schon gesagt hat, okay, wie bringe ich mein Kind dazu, dass es dran bleibt beim Fahrradfahren lernen. Also sie hat schon den Switch gemacht von ich sehe nur das Ergebnis Fahrradfahren hin zu ich krieg schon irgendwie mit, dass es was mit der Strategie, das zu lernen, zu tun haben könnte. Ja, und da wollen wir heute einfach mal so ein bisschen, bisschen fachlicher auch in diese Lernstrategien reintauchen, auf die Lernstrategien gucken und hoffen, dass dir ein Licht dabei aufgeht, was dein Kind eigentlich schon alles kann, selbst wenn du glaubst, dass es ganz anders wäre.
Ja, weil wir das, weil du vielleicht als Hörerin oder Hörer hier einfach noch einfach auch schon in diesem so sehr ergebnisorientierten System aufgewachsen bist. Und wenn wir von Ich nehme das Beispiel Fahrradfahren noch mal. Wenn wir von Fahrradfahren lernen sprechen, haben wir eigentlich nur im Kopf, wann kann das Kind jetzt einfach Fahrrad fahren, also selbstständig da fahren und so weiter, und nicht das eben im Kopf haben, okay, was lernt es eigentlich unterwegs, was ist der Ganze, was sind die einzelnen Schritte.
Ja, die einzelnen Schritte und wo kann ich überall eigentlich die Strategien schon beobachten.
Genau, sich freuen und sagen: Ja cool, jetzt hat es mit XY schon das eben gelernt.
Genau. Und für die Strategien ist einfach wichtig zu sehen, dass Strategien sich aufeinander aufbauen. Die erste Strategie, die Kinder lernen, ist interessiert zu sein. Da geht es erst mal einfach darum, Interesse zu entwickeln. Da ist das Kind noch gar nicht besonders tätig, sondern das sind diese ganzen beobachtenden Dinge. Wenn die Kinder dir zu, wenn das kleine Kind zuguckt, wie du im Haushalt irgendwas machst, wenn es zuschaut, wie ein Nagel reingehauen wird, oder wenn es zuschaut, wie gekocht wird. Also wenn die einfach zuschauen, beobachten, nachfragen: Wie geht das? Wie machst du das? Und so, das ist interessiert sein. Und dann kommt die zweite Lernstrategie, das ist engagiert sein. Das ist, wenn die anfangen, in einer Sache zu versinken. Zum Beispiel, wenn Teilnehmer von uns uns erzählen, dass ihre Kinder nie— also die haben total viel Lego, aber die spielen überhaupt nicht richtig mit dem Lego. Und dann erinnern sich die Erwachsenen, die Eltern, daran, wie sie selber früher Lego gespielt haben, sagen: Ich habe da stundenlang gebaut und mein Kind schaut es einmal an, probiert 3 Steine aufeinander zu bauen und dann schmeißt es wieder weg und geht wieder. Dann ist einfach klar, dass du als Kind, wenn du da stundenlang Lego bauen konntest, hast du die Lernstrategie engagiert sein zu dem Zeitpunkt, an den du dich da gerade erinnerst, schon gekonnt.
Ja, und natürlich erinnert man sich an den Zeitpunkt, weil das ist ja der, in dem man sich dann intensiv damit beschäftigt hat.
Ja, wo es halt auch voll Bock gemacht hat.
Bock gemacht hat und ja auch lange gedauert hat dann.
Ja, genau. Die Zeiten, wo du irgendwie vielleicht stundenlang nach irgendeinem Teil gesucht hast und dann happy warst. Ich habe immer Häuser gebaut und Gärten und habe immer die Zäune und die Dachziegel gesucht. Und den Prozess dahin, bis ich so weit war, dass ich da über Stunden an so einem Haus bauen konnte, den erinnere ich natürlich überhaupt nicht mehr so gut. Und das ist eben das. Die Kinder müssen auch dann als nächste Lernstrategie engagiert sein. Lernen. Das bedeutet, sie müssen in der Lage sein, dass sie ihre Tätigkeit x-fach wiederholen können. Zum Beispiel bei dieser einen Tätigkeit, die den meisten Eltern den letzten Nerv raubt. Bin ich gespannt, ob dem Bernd einfällt, was ich meine. Wenn die Kinder das die ganze Zeit machen. Jetzt guckt er mich an wie drei Fragezeichen. Bestimmt hast du das schon erlebt, dass dein Kind 100.000 Mal hintereinander den Lichtschalter an- und ausschalten wollte. Und das ist zum Beispiel eine dieser Tätigkeiten, wo Kinder wiederholen, oder wenn derselbe Löffel 23-mal abgespült werden muss, oder wenn 17-mal Wasser von A nach B gefüllt wird, oder all diese Dinge, wo das Kind Sachen, die wir vielleicht auch nutzlos finden, ganz oft wiederholt und wiederholt und wiederholt. Dabei trainiert das Kind diese Lernstrategie des Engagiertseins. Und das ist einfach, wenn das Kind anfängt, die ersten, also wenn es konzentriert bei einer Sache ist. In der Pädagogik nennt man das dann diesen Rote-Beckchen-Effekt. Wenn du das Gefühl hast, die sind so, also dass sie so richtig voll, nicht Rotbäckchen oder sonst irgendwas, sondern so, wenn die so Feuer und Flamme sind. Und wenn du die auch ansprechen kannst und die reagieren überhaupt nicht, weil die voll in ihrem Tunnel sind. Das, was wir in der letzten Podcastfolge auch als Flow bezeichnet haben, das ist eigentlich dann, wenn das Kind diese Lernstrategie engagiert sein beherrscht. Erst dann kann es auch richtig im Flow sein. So, und das ist die Voraussetzung. Also interessiert sein und dann engagiert sein ist die Voraussetzung, dass das Kind überhaupt Standhalten erlernen kann. Standhalten oder dranbleiben. Als nächste Lernstrategie. Also wenn du jetzt zum Beispiel feststellst, dass in eurem Alltag wenig Zeit ist, um engagiert was zu tun, also um auch mal stundenlang die gleiche Tätigkeit zu wiederholen, dann wäre es kein Wunder, wenn dein Kind nicht dranbleiben kann, weil es überhaupt nicht engagiert sein als Strategie erwerben kann. Und diese Strategien bauen eben wie so Treppenstufen aufeinander auf. Du kannst nicht dranbleiben lernen, bevor du engagiert bist, zum Beispiel.
Und wenn ich es richtig verstehe, heißt es ja auch, dass das, also das darf ja auch durchaus ein paar Tage sein oder sogar länger, dieses Engagiertsein. Das darf sich wirklich hinziehen. Ja, also das wollte ich nur noch so eben so mitgeben. Das ist jetzt nichts, was man innerhalb von 3 Tagen irgendwie durchgeht.
So, wir lernen jetzt engagiert sein. Genau, Strategie durch.
Die Uli hat es so gesagt, mal so zack, zack, zack, zack.
Wir sprechen da in der Pädagogik von 5 Strategien und wir gehen eigentlich davon aus, dass dass das Kind schulreif ist, wenn es diese 5 Strategien erworben hat. Also das ist eigentlich die Aufgabe der kompletten frühen und mittleren Kindheit bis zum Alter von 6 oder 7 Jahren, in denen das Kind diese 5 Strategien erwirbt. Und wenn es die halt noch nicht erworben hat, während es in dieser Zeit war, weil keiner da war, der der einen Blick dafür hatte und das Kind dabei unterstützt oder begleitet hat, dann wird es halt auch später, muss es halt später diese Strategien erlernen. Also wenn dein Kind jetzt, wenn es jetzt ein älteres, ich weiß nicht, wie alt das Kind ist von der Hörerin, selbst wenn es jetzt schon 8 oder 9 wäre, dann ist es eben, kann es trotzdem eben sein, dass es diese Strategie des Dranbleibens noch nicht kann, weil es bisher noch kein keine Möglichkeit hatte, diese Strategie zu erwerben, weil die Erwachsenen, die es begleitet haben, von den Strategien nichts wussten.
Genau, und das ist nicht schlimm, weil das könnte man wahrscheinlich sogar noch als Erwachsener lernen.
Klar, das hast du ja gemacht mit Sport machen zum Beispiel. Hast du ja dranbleiben gelernt. Ja, ist ja keine Frage. Also da braucht man sich überhaupt kein schlechtes Gewissen machen, sondern einfach nur sagen, ach so, also ich muss bevor ich im Blick habe, was mein Kind lernt, muss ich viel mehr im Blick haben, welche Strategien mein Kind erwirbt, weil die braucht es sein Leben lang. Am Ende des Tages kannst du immer Fahrradfahren lernen und gleichzeitig passiert auch nichts, wenn du kein Fahrradfahren kannst. Ja, also wir hatten mal eine Freundin, die hatte einen Freund, da kannte mal jemand, der jemand kannte, der war super erfolgreicher Journalist, aber konnte nicht Fahrradfahren. Ja, meine Güte, das hat dem jetzt als Erwachsenen halt auch nicht geschadet, dass er kein Fahrrad fahren konnte. Ist trotzdem durch die Welt gefahren als Reisejournalist und war super erfolgreich damit. Ja, also von dem her, es geht nicht um die einzigen einzelnen Fertigkeiten, sondern es geht um die Fähigkeit zu lernen. Das ist ein ganz wichtiger Satz aus dieser Podcastfolge. Es geht nicht um den Erwerb von Fertigkeiten, sondern um das Erlernen von Strategien, um lernen zu können, lernen zu lernen. Naja, aber zurück. Dritte Strategie ist dann das Dranbleiben. Also dein Kind ist interessiert, es hat zugeschaut, es hat sich selbst eine Aufgabe gesucht, es hat nachgefragt, es hat sich dafür interessiert. Dann hat es gelernt, engagiert zu sein, indem es konzentriert mit Feuereifer dabei ist und wiederholt und seine Tätigkeit wiederholt und die Zeit vergisst und neue Ideen entwickelt und ist körperlich so voll dabei. Und das ist jetzt der Moment, wo das Kind als Nächstes anfängt zu lernen, dranzubleiben. Und jetzt geht es darum, einfach mal zu sehen, was bedeutet denn dranbleiben eigentlich? Weil unter Umständen, das ist das, was wir vorher schon mal angerissen haben, unter Umständen ist ein Kind schon viel besser im Dranbleiben, als du bemerkst. Weil für dich dranbleiben bedeuten würde, vielleicht das Kind, um bei der Hörerfrage zu bleiben, trainiert eine halbe Stunde lang Fahrradfahren und nicht nur 2 Minuten. Es kann aber sein, dass das Kind in den 2 Minuten sich für sich schon der Herausforderung stellt, Fahrradfahren zu lernen. Also vielleicht hat es Angst vorm Fahrradfahren, und vielleicht ist es schon eine Riesenherausforderung für das Kind, überhaupt überhaupt mal das Fahrrad in die Hand zu nehmen.
Also stellt sich der Herausforderung.
Genau.
Das ist schon eben ein Zeichen für dranbleiben.
Genau. Oder eben zu sagen, das Kind setzt sich auf, fängt an, Fahrrad zu fahren und versucht herauszufinden, worin das Problem besteht. Ah, ich muss hier Gleichgewicht halten. Oh Scheiße. Ja, und selbst wenn es das nur für 30 Sekunden tut, Kann sein, dann, und dann wieder weglegt, hat es schon einen Schritt gemacht, den es gestern noch nicht gemacht hatte. Und wenn es dann die Entscheidung trifft, dass es jetzt genug ist, ist es auch eine Form von Dranbleiben.
Und da kommt jetzt quasi so von der Seite auch noch rein, dass es immer ganz viel Selbstfürsorge auch ist, ist, ja, genau, total wichtig ist, weil du willst ja auch nicht verbissen, du willst ja nicht, dass dein Kind verbissen wird, ja, und dann sagt, ich muss das jetzt aber lernen, und es ist eigentlich schon überhaupt keine Kraft mehr da und keine Energie mehr da, sondern einfach so dieses Ding, okay, ich bin da mal vollkommen begeistert, auch bei unseren Kindern früher gewesen und auch heute noch, ja, Wenn die dann irgendwann sagen, okay, für heute reicht es mir.
Ja, oder der Johannes heute beim Kiten, hätte 2 Stunden Kiten gehabt, ist nach einer Stunde, hat er aufgehört, weil er gesagt hat zu mir, so hohe Wellen, so starker Wind reicht für heute. Und da auch eigene Grenzen zu erkennen und die an die Grenzen zu gehen, aber auch nicht über die Grenzen drüber, ist auch eine Form von Dranbleiben. Also wir wollen dir jetzt noch so ein paar Aspekte mitgeben. Was bedeutet das, wenn Kinder dranbleiben? Und dann kannst du einfach mal für dich auschecken, wo dein Kind das vielleicht schon macht, was du bisher nicht als Dranbleiben erkannt hättest. Also zu sagen, das hat man schon gesagt, das Kind stellt sich einer Herausforderung.
Ja, es versucht eben herauszufinden, worin das Problem besteht.
Ja, und es gibt trotz Zögern nicht auf oder startet danach einen neuen Versuch.
Es kehrt nach einer Pause wieder zurück. Also es fängt auch am nächsten Tag zum Beispiel wieder an, Fahrrad zu fahren.
Ja, es gibt ja auch ganz viele Kinder, die zum Beispiel auf der Schaukel, also die schaukeln und auf einmal ist es genug, dann gehen sie weg und du denkst, was, also so lange war das jetzt noch gar nicht, 3 Minuten oder so, und dann laufen sie dreimal um die Schaukel rum und dann setzen sie sich wieder drauf oder hängen sich mit dem Bauch wieder drüber und fangen wieder von vorne damit an. Also kann auch sein, dass wenn du jetzt in dem Moment, wo das Kind vielleicht das Fahrrad wegstellt, wenn du nicht sofort sagen würdest: Komm, probier doch noch mal weiter, sondern einfach mal, sorry fürs Wording, die Klappe halten würdest und mal beobachtest, was passiert. Kann sein, das Kind läuft dreimal ums Fahrrad rum, holt noch irgendwas, trinkt einen Schluck, kommt wieder und probiert weiter. Ja, das ist ein ganz wesentlicher Aspekt von Dranbleiben. Nur das kann nicht aus dem Kind entstehen, wenn wir schon die ganze Zeit wieder ihm da reinquatschen, sozusagen. Na, dann trifft das Kind Entscheidungen, haben wir gesagt. Es probiert verschiedene Wege und Möglichkeiten aus.
Ja, es entwickelt Alternativen.
Ja, es bittet um Rat oder Hilfe oder stellt Fragen.
Ja, schaut sich bei anderen Lösungsstrategien ab.
Genau. Lässt sich aber auch nicht drängeln und bleibt beim eigenen Rhythmus. Ja, auch super wichtig.
Ja, und hält Frust aus. Es ist hartnäckig, verteidigt die eigenen Interessen.
Ja, und macht nach einer Störung oder einer Enttäuschung auch wieder weiter. Das sind alles quasi Kennzeichen dafür, dass dein Kind schon in der Lage ist oder schon dabei ist, dranbleiben als Strategie zu erlernen. Und da würde ich einfach viel mehr den Fokus drauf richten, Was kann mein Kind denn da schon? Anstatt zu sagen: Ja, aber ist nur 10 Minuten, hat nur 10 Minuten versucht zu schwimmen oder ist ins Wasser gesprungen. Jetzt sagen wir mal, angenommen, das ist für das Kind voll die Herausforderung, ins Wasser zu springen. Vielleicht weil es Angst vor Wasser hat, vielleicht weil das Wasser tief ist, weil es kalt ist, whatever. Wir wissen es ja immer nicht so genau, können wir ja gar nicht immer in unsere Kinder reingucken. Jetzt hat sich das Kind der Herausforderung gestellt, ins Wasser zu springen. Jetzt ist es vielleicht untergetaucht oder es hat schon mal 2 Schwimmzüge gemacht und jetzt merkt es für sich vielleicht, es ist an seine Grenzen damit gegangen und dafür, damit reicht es für heute oder für den Moment. Und vielleicht macht es in 10 Minuten wieder weiter, wenn du es in Ruhe lässt. Und wie viel mehr kann dein Kind schon dranbleiben, als du erkennen kannst, dass als du bis gestern erkannt hast, dass es dran bleibt? Und wie viel mehr kannst du es dafür feiern, was es schon kann? Und im Anschluss zu dem von, von letzter Woche: Wie viel mehr kannst du auch den Raum öffnen, dass das Kind engagiert sein kann, dass es Zeiträume hat, wo es sich engagiert mit den Themen beschäftigen kann, die für es selbst gerade relevant und wichtig sind? Weil das die Voraussetzung dafür Dafür ist, wenn du deinem Kind nicht ermöglichst, dass es wiederholt, wiederholt, wiederholt, wiederholt und eintaucht. Also zum Beispiel, wenn ich das Schwimmbad nehme, gibt ja ganz viele Kinder, die können über Stunden vom Beckenrand springen oder vom Einerbrett oder so was oder vom Dreierbrett, auch mit Schwimmärmchen oder Schwimmweste oder wie auch immer. Und wie schnell sind wir dabei, dass wir dann nach 10 Mal runterspringen sagen: Ach komm, jetzt trainieren wir aber mal Schwimmen. Jetzt übst du aber mal noch Schwimmen. Wenn du das unter dem Aspekt von den Strategien hier betrachtest, dann lässt du dein Kind so lange springen, bis es satt ist mit Springen, weil damit lernt es engagiert sein und baut diese Lernstrategie aus, und die braucht es anschließend zum Schwimmenlernen auch. Dann gibt es noch zwei weitere Strategien, aber ich glaube, über die erzählen wir irgendwann anders mal, weil heute wollten wir ja übers Dranbleiben sprechen. Und da haben wir jetzt erzählt, was es dafür braucht, damit Kinder überhaupt dranbleiben lernen können, und wollten dich dafür sensibilisieren, dass du besser erkennst, wo dein Kind es schon kann, und dass du insgesamt dich viel mehr entspannst im Hinblick auf das, was dein Kind kann, und vielmehr den Blick darauf richtest, wie dein Kind die Dinge tut. Und das kannst du dann auch wieder feedbacken. Wenn du deinem Kind zum Beispiel wissen lässt, dass du sagst, boah, du kannst echt stolz auf dich sein, weil du jetzt gerade dich der Herausforderung gestellt hast, ins Wasser zu springen, damit gibst du dem Kind die die Information, dass es sich einer Herausforderung stellen kann. Weil für die Kinder ist das halt einfach total normal. Nur wenn du das dein Kind immer wieder wissen lässt, jetzt angenommen, boah, jetzt guck mal, da hast du dich jetzt auch einer Herausforderung gestellt, weil du hast dich getraut, alleine zum Bäcker zu gehen. Und schau mal, da heute hast du dich noch mal einer Herausforderung gestellt, weil Du hast deinem Bruder was abgegeben, was du eigentlich lieber behalten hättest. Irgendwie so, ne? Ist in den verschiedensten Bereichen. Und immer wenn du dein Kind wissen lässt, dass es sich an der Stelle gerade einer Herausforderung gestellt hat, dann lernt es für sich: Ah, ich bin jemand, der kann Herausforderungen bewältigen.
Genau. Und das ist ja Diese Punkte werden quasi ja zu einem Teil der Identität deines Kindes.
Genau, weil ich habe zum Beispiel, es war jetzt wieder spannend mit dem Kiten und dem Johannes, ja, da sind wir gestern zu der Kiteschule gegangen und das ist ja hier alles auf Englisch oder Französisch und dann wollten wir für heute eine Stunde ausmachen und das war das erste Mal jetzt, dass er hier eine Stunde ausmachen wollte und Und der Johannes hat das alles komplett alleine auf Englisch gemanagt und so. Ich hätte halt die Kreditkarte hinhalten können, wenn ich sie dabei gehabt hätte. Aber ansonsten war ich nur dafür da, ihm zu zeigen, wo die Surfschule ist, die wir da schon gefunden hatten, wo wir schon mit dem gesprochen hatten. Und dann habe ich anschließend, sind wir zurückgegangen und dann habe ich das zu ihm gesagt, habe gesagt, boah Johannes, krass, ich bin echt beeindruckt, wie du das hier für dich regelst und alles da ausmachst und wie du da voll lässig auf Englisch mit denen da redest und das alles hinbekommst. Und dann sagt er: Ja, wirst doch normal. Weil das ist das, alles, was wir einfach so tun, erscheint uns normal. Aber in dem Moment, wo jemand anders sozusagen die Taschenlampe drauf richtet und sagt: Guck mal da, Da machst du was Besonderes. Und jetzt in Bezug aufs Dranbleiben einfach zum Beispiel sagen: Krass, guck mal, da hast du eine Lösungsstrategie entwickelt, oder guck mal, da hast du um Hilfe gefragt. Das ist was total Wertvolles, um Hilfe fragen zu können. Oder schau mal, da hast du Frust ausgehalten. Je öfter du das deinem Kind mitgibst, dein Kind wissen lässt, umso mehr lernt es weiß das Kind von sich, dass es diese Fähigkeiten besitzt, und dann kann es die für sich in der Zukunft auch aktiv einsetzen in Situationen, wo es die Fähigkeit per se vielleicht noch nicht hat. Der Johannes wird jetzt aufgrund dessen, was ich ihm gestern als Feedback gegeben habe, was übrigens zu der vierten Lernstrategie gehört, über die wir wann anders sprechen, Das wird dazu führen, dass er noch viel leichter und flüssiger die nächsten Male in Kontakt und Konversation geht und es ja auch heute schon gemacht hat, wie er uns erzählt hat.
Genau, hab viel Spaß dabei, dein Kind besser zu beobachten, rauszufinden, wo es schon dranbleiben kann.
Genau, und dabei zu unterstützen. Lernstrategien zu entwickeln, statt Ergebnisse zu erzielen, weil die Ergebnisse kommen dann von selbst. Hab's schön!
Alles Liebe!
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Wieso du machmal dein Kind an die Wand klatschen könntest (obwohl du es liebst)









