Ist Meckern wirklich einfach nur menschlich?

In diesem Video erklärt Uli Bott vom Projekt „Gemeckerfrei“, warum das häufige Meckern, Schimpfen und Ausflippen von Eltern nicht nur ein harmloses, menschliches Verhalten ist, sondern ernsthafte negative Folgen für die psychische Gesundheit von Kindern und langfristig für die Gesellschaft hat. Er argumentiert, dass Elternschaft keine angeborene Fähigkeit, sondern ein erlernbarer Skill ist, der emotionale Selbstregulation und Verantwortung erfordert. Durch ein konkretes Beispiel (die nicht ausgeräumte Wäscheschüssel) zeigt er, wie Eltern ihre eigenen Grenzen überschreiten, wenn sie aus Frustration heraus meckern, und damit die Persönlichkeitsgrenzen des Kindes verletzen. Bott betont, dass das Übertragen der eigenen emotionalen Reaktionen auf das Kind das Kind adultisiert, Bindungstraumata erzeugt und das Risiko für psychische Erkrankungen erhöht. Er plädiert dafür, das Meckern komplett aufzugeben – ähnlich wie beim vollständigen Rauchstopp – und stattdessen mit sanfter Selbstreflexion und erlernten Erziehungstools zu arbeiten, um Kindern eine glückliche, entspannte Kindheit zu ermöglichen.
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Elternsein ist anstrengend, absolut keine Frage. Es ist wahrscheinlich das Schwierigste, was wir jemals im Leben tun. Und selbstverständlich machen wir Fehler. Das geht gar nicht anders, weil wir gar nicht wissen, wie Elternsein geht. Aber jetzt zu sagen, es ist doch normal, wenn ich meckere, es ist doch normal, wenn ich ausflippe, es ist doch normal, wenn mein Kind meine roten Knöpfe drückt— es wird zwar gerne gemacht, Gerade von den Stimmen, die sich gegen Perfektionismus im Elternalltag zur Wehr setzen. Und da ist mir eines wichtig: Bei mir geht es überhaupt nicht um Perfektionismus. Mir geht es um die Auswirkung deines Gemeckers auf dein Kind, darum, was dein Wutanfall, dein Verärgertsein mit der Seele deines Kindes und langfristig mit unserer Gesellschaft macht. Und wenn ich einfach sehe, dass jedes 5. Kind innerhalb eines Jahres an einer psychischen Erkrankung erkrankt, dann machen wir unseren Job als Eltern gerade nicht so gut, wie wir ihn machen könnten. Und ich finde, dass es den Kindern nicht gerecht wird, wenn wir uns dahinter verstecken, dass wir sagen, wir sind ja auch nur ein Mensch und wir können es halt nicht besser und deshalb sind wir halt so, wie wir sind. Weil du kannst lernen, wie Elternsein geht. Das ist einfach nur eine Fähigkeit, die jeder von uns mit den entsprechenden Tools und Ansätzen entwickeln kann. Und ich finde, wir haben die Verantwortung, unseren Kindern gegenüber, die beste Mama oder der beste Papa zu sein, die oder der wir sein können. Da geht es nicht darum, dass wir uns fertig machen, wenn wir einen Fehler machen, sondern es geht darum, dass wir Fehler als Fehler erkennen, sie annehmen als Teil eines Lernprozesses und dann schauen, wie wir das ändern können, wie wir besser werden können. Damit nehmen wir die Verantwortung für die Kindheit unserer Kinder auf uns und machen nicht die Kinder dafür verantwortlich, wie glücklich und erfüllt ihre Kindheit ist oder nicht. Und ganz ehrlich, eine Kindheit, in der ich als Kind regelmäßig immer wieder angemeckert, geschimpft, angeschrien oder für die Gefühle meiner Eltern verantwortlich gemacht werde, das ist einfach keine glückliche Kindheit. Hallo, ich bin Uli von Gemeckerfrei und in diesem Video zeige ich dir, wie du den Spagat schaffst zwischen Sanftheit mit dir selbst und gleichzeitig der Bereitschaft zu lernen, wie Elternsein heute wirklich geht, damit dein Kind glücklich und entspannt aufwachsen kann. Wir alle kennen das, diese Situationen mit unseren Kindern, die uns an den Rand des Wahnsinns bringen. Wenn ich zum Beispiel drüber nachdenke, dass ich früher unseren Kindern die Wäsche in einzelne Schüsseln sortiert habe und ihnen die hingestellt habe mit der Bitte, dass sie die mit in ihr Zimmer nehmen und ausräumen sollen. Und dann komme ich 3 Tage später in eines dieser Kinderzimmer, und nicht nur, dass die Wäscheschüssel immer noch dasteht, voll natürlich, nein, es wurde sogar schon das unterste T-Shirt rausgezogen und alles, was in dieser Wäscheschüssel noch liegt, sieht total verkrumpelt und zerknittert aus. Ich hätte mir also die Arbeit mit Wäschelegen und Bügeln längstens sparen können. Und natürlich erscheint uns das normal und angemessen, dass wir dann ausflippen, meckern, schimpfen, unseren Unmut kundtun und unser Kind wissen lassen, dass wir uns respektlos behandelt fühlen. Wir erklären das dann gerne damit, dass das ja normal ist, wenn unser Kind uns triggert, dass wir dann überreagieren. Und gleichzeitig gibt es viele Eltern, die denken, sie müssten ihr Kind wissen lassen, was das Verhalten des Kindes in ihnen auslöst. Wir müssen einfach erkennen, dass wir als Mamas oder Papas die Großen sind. Wir sind die Erwachsenen in diesem Spiel. Und in dem Moment, in dem wir dem Kind die Verantwortung für unsere Gefühle zuschieben und sagen: Ja, ich mecker dich an, weil ich bin ja auch nur ein Mensch und du hast mich so getriggert, dass ich nicht mehr anders konnte. Das bedeutet ja, dass wir es rechtfertigen, dass wir ausflippen. Wir rechtfertigen, dass es in Ordnung ist, die Grenzen anderer Menschen zu überschreiten. Weil in dem Moment, in dem ich ein Kind anmeckere, anschreie, anmotze, schimpfe, ignoriere ich die Grenzen, die Persönlichkeitsgrenzen dieses Kindes. Und wenn ich jetzt auf das Beispiel von oben zurückkomme, dass ich mich respektlos behandelt gefühlt habe, weil mein Kind die Wäscheschüssel nicht ausgeräumt hat, dann hatte ich da den Eindruck, das Kind überschreitet meine Grenze. Und als Antwort darauf meckere ich das Kind an und überschreite die Grenze des Kindes. Damit handle ich ja keinen Deut besser als mein Kind. Aber ich bin doch die Große, ich bin doch die Erwachsene, ich müsste doch wissen, wie das geht. Wenn ich das aber gerade noch nicht weiß, dann kann es doch nicht die Lösung sein, dem Kind dafür die Verantwortung aufzudrücken, sondern dann ist es doch an mir zu lernen, wie das geht. Und das ist der Fehler, den so viele machen. Die denken, sie müssten sich unter Druck setzen, die perfekten Eltern zu sein, oder wenn sie sich dagegen dagegen abgrenzen und dagegen wehren wollen, dann kommt diese Laissez-faire-Haltung raus. Ich bin als Mama oder Papa doch auch nur ein Mensch, und wenn das Kind mich triggert, dann ist das eben das Problem des Kindes, wenn ich dann zurückmeckere oder schimpfe. Aber es geht doch auch anders. Ich kann doch auch lernen, mich selbst emotional zu führen, um dann in der Lage zu sein, meine eigene Reaktion vom Verhalten des Kindes zu trennen. Das bedeutet ja nicht, dass ich nicht zu dem Kind sagen kann, du, bitte sortiere jetzt diese Wäsche in den Schrank, oder ich möchte, dass du die Wäsche in den Schrank sortierst. Ich muss ja nicht zu allem Ja und Amen sagen, aber ich muss nicht emotional darauf reagieren. In dem Moment, in dem ich emotional werde, rutsche ich selbst in die Position eines Kindes. Ich bin nicht mehr die Mama oder der Papa, sondern ich reagiere aus der Haltung eines verletzten kleinen Kindes heraus. Und das darf in meiner Welt nicht passieren, weil das eben Folgen hat für unser Kind, weil das Kind dann nicht mehr Kind bleiben kann, sondern adultisiert wird in die Rolle des Erwachsenen schlüpfen muss, irritiert ist, Bindungstraumata entwickelt und damit der Grundstein für psychische Erkrankungen gelegt wird, die sich entweder schon im Kindesalter zeigen oder dann, wenn das Kind erwachsen ist. Und das möchte ich einfach, dass uns das gelingt als Eltern von heute, dass wir das vermeiden. Und vielleicht erscheint dir das ein bisschen krass, wenn wir dafür plädieren, dass im Elternalltag nicht gemeckert wird, aber wenn du daran denkst, mit dem Rauchen aufzuhören, dann ist es viel, viel einfacher, komplett aufzuhören zu rauchen, als 3 oder 5 Zigaretten am Tag zu rauchen. Genau genommen bist du halt auch gesünder, wenn du gar keine Zigarette rauchst, als wenn du 3 oder 5 rauchst. Also lass es mich so ausdrücken: Warum solltest du Meckern als Mittel im Elternalltag betrachten, wenn es doch auch ohne geht? Und nein, das hat nichts damit zu tun, dass du zu allem Ja und Amen sagst. Es gilt einfach zu erkennen, dass das Verhalten deines Kindes und deine Reaktion zwei verschiedene Paar Schuhe sind, die nichts miteinander zu tun haben müssen. Es ist wie wenn du beim Auto feststellen würdest: Ja, weil der Tank leer ist, muss ich Öl nachfüllen. Stimmt ja nicht. Wenn der Tank leer ist, musst du Benzin tanken, aber du musst nicht das Öl nachfüllen. Und Meckern ist einfach ungesund. Und wenn du dazu noch mehr erfahren willst, dann schau dir dieses Video an: Meckern schadet deinem Kind mehr, als du glaubst.
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