Loslassen heisst nicht fallen lassen! - Podcast 147

In dieser Podcast‑Folge von Uli und Bernd Bott, den Gründern von Gemeckerfrei, wird das zentrale Thema "Loslassen" im Kontext von Elternschaft behandelt. Die beiden betonen, dass Loslassen nicht gleichbedeutend mit Fallenlassen oder Überbehüten ist, sondern ein bewusster, schrittweiser Prozess, bei dem Eltern ihre Kinder altersgerecht eigenständige Erfahrungen machen lassen, während sie einen sicheren, unterstützenden Rahmen bieten. Sie erklären, dass Eltern in einer Service‑Rolle agieren: Sie dienen dem gesunden Aufwachsen ihrer Kinder, ohne dass die Kinder die Bedürfnisse der Eltern erfüllen müssen. Der Transformationsprozess der Eltern‑Kind‑Beziehung wird als kontinuierliche Identitätsverschiebung beschrieben – Eltern lieben jeden Tag ein etwas anderes Kind, weil das Kind sich ständig weiterentwickelt. Praktische Beispiele (Familienbett, Hausaufgaben, Küchenarbeit, Motorrad‑Führerschein) illustrieren, wie kleine, konsequente Schritte des Loslassens zu mehr Autonomie, Vertrauen und einer gleichberechtigten Beziehung führen. Das Prinzip "Giving is Receiving" wird vorgestellt: Geben ohne Erwartung schafft langfristig Rückfluss von Liebe und Vertrauen. Abschließend geben die Bott‑Brüder konkrete Handlungsimpulse, wie Eltern ihre eigenen Loslass‑Muster reflektieren und bewusst Mini‑Schritte einbauen können, um Überbehütung zu vermeiden und die Entwicklung ihrer Kinder zu fördern.
Chapters
Du bist im Service, also du dienst denen, dass die gesund aufwachsen können.
Ist eigentlich eine ständige Transformation der Beziehung.
Gerade wenn man so bedürfnisorientiert unterwegs ist, wenn man seine Kinder aus ganzem Herzen liebt, dann neigen wir mitunter dazu, dass wir— Hallo und herzlich willkommen hier beim Gemeckerfrei Podcast, dem Podcast für liebevolle Beziehungen in der Familie, als Paar und mit dir selbst.
Schön, dass du wieder da bist. Wir sind— oder dass du vielleicht auch das erste Mal da bist.
So, wir sind Uli und Bernd Bott, wir sind die Gründer von Gemeckerfrei, sind mehrfache Spiegel-Bestseller-Autoren und seit Jahren dafür unterwegs, dich dabei zu unterstützen, den Familienalltag, die Beziehung Beziehung, das Leben zu kreieren, von dem du träumst, das du dir wünschst. Und dazu teilen wir unser bestes Wissen, zum einen aus unserem Alltag mit unseren eigenen 4 Kindern auf Weltreise, zum anderen eben alles, was wir fachlich gelernt haben aus der Begleitung von vielen, vielen Zehntausenden Menschen in den letzten 20, 30, weiß ich nicht wie viel Jahren. Genau, und wir freuen uns, dass du hier bist heute mal wieder mit mit einem richtigen, in Anführungszeichen, Kinderthema, Familienthema.
Und zwar wollen wir heute einfach mal drüber sprechen, dass Loslassen nicht heißt fallen lassen. Genau, loslassen heißt nicht fallen lassen.
Genau. Und den, das würde ich mir so als Zitat, als Merksatz irgendwie an Kühlschrank, hinters Ohr, auf die Stirn, keine Ahnung, also so, dass du omnipräsent hast, dass dir klar ist, dass du das, dass dir das in Fleisch und Blut übergeht, dass deine Kinder loszulassen nicht bedeutet, dass du sie fallen lässt.
Genau, das ist total wichtig. Und da wollen wir einiges, haben wir eine Geschichte auch zu erzählen dazu, ja, von jemandem. Und ja, und ich so ein bisschen in unsere Gedankenwelt dazu mitnehmen.
Also erstmal vielleicht noch, bevor wir die Geschichte teilen, noch so diese Überleitung dahin. Aber manchmal, gerade wenn man so bedürfnisorientiert unterwegs ist, wenn man seine Kinder aus ganzem Herzen liebt, wenn man auf jeden Fall möchte, dass die Kinder sich geliebt fühlen, dann neigen wir mitunter dazu, dass wir Loslassen mit Fallenlassen verwechseln, dass wir glauben, wenn wir die Kinder loslassen, lassen, wenn wir sie ihre eigenen Erfahrungen machen lassen, dann wären wir keine guten Eltern, dann wären wir nicht für sie da. Und genau das Gegenteil ist der Fall, weil in dem Moment, wo du altersgerecht ein Kind eigene Erfahrungen machen lässt, während es im geschützten Rahmen der Familie ist, sozusagen, kannst du es auffangen, wenn es dabei auf die Nase fällt. Nur wenn es nie fallen darf, während du es auffangen könntest, dann kann es später nicht fallen, dann lernt es nicht zu fallen, sozusagen. Und deshalb ist das schon mal total wichtig. Loslassen beginnt mit dem Tag der Geburt und wir sind als Eltern die ganze Zeit gefordert, unsere Kinder loszulassen. Also was mich ja gerade tatsächlich so fordert, ist auch wieder, einer unserer Söhne hat gerade Motorradführerschein gemacht. Ich bin echt, also mit Rollerfahren, das habe ich ja jetzt hingekriegt, aber so auf diesen schnellen Maschinen und so finde ich es immer noch nicht meine Lieblings, mein Lieblingsthema.
Toll, dass du es ihnen ermöglichst. Ja, loslassen, loslassen, loslassen. Und das Coole ist halt, wenn du das verstehst, jetzt auch egal wie alt deine Kinder gerade sind, wenn du jetzt ab heute verstehst, dass Loslassen ein ständiger Prozess ist, dann wird es dir viel leichter fallen, ja, weil du es bewusst jeden Tag tust. Und dann sind es halt jeden Tag nur kleine Schritte, und du musst nicht dann zwischendrin irgendwelche großen Schritte gehen, bzw. die gehst du ja dann nicht freiwillig, sondern dein Kind sagt: Und jetzt will ich aber, und jetzt lass mich alleine, und was weiß ich, ja. Und dann hast du immer so, so, so, so Trennungsschmerzen.
Ja, und ich würde es voll gern noch mal highlighten, weil ich finde es total wichtig, was du gerade gesagt hast. Wenn du die kleinen Schritte nicht gehst, wenn du die Mini-Schritte im Loslassen nicht gehst, dann wird dein Kind das eine Zeit lang tolerieren und irgendwann platzt dem sozusagen der Kragen. Und für seine eigene Integrität und für seine Weiterentwicklung und sein Wachstum muss dein Kind dann das mit Vehemenz einfordern, dass du es loslässt. Und das ist das, wo ihr, wo Kämpfe entstehen, wo Streit entsteht, wo, wo ihr aneinander geratet und wo du dann von jetzt auf gleich so einen Riesenchamp machen müsstest, um das wieder ins Lot zu bringen. Und der Riesenchamp fällt uns meistens eben auch nicht so leicht. Und dann ist in Anführungszeichen die Kacke am Dampfen, dann wird es schwierig in eurem Alltag.
Ja, und was das Loslassen ja noch bedeutet, ist, dass es vielleicht sogar gar nicht ein Loslassen ist in dem Sinne, sondern ist eigentlich eine ständige Transformation der Beziehung. Das ist ja das, was passiert, ne? Das heißt, du gehst immer Ein Schritt weg von der: Ich bin Mama, ich bin Papa, ich beschütze, ich sage, wie es geht, ich versorge, was weiß ich. Immer ein Stück davon weg und dafür ein Stück in die Beziehung zu dem ja irgendwann erwachsenen, eigenständigen Kind hin, mit dem du eine ganz andere Beziehung hast als mit dem 3- oder 4-Jährigen.
Ja, und das ist ja genau das, was vielen Menschen so total schwerfällt, diesen Identitätswechsel. Weil das, dass du jeden Tag, ne, dass, dass du zu deinem Kind, also eigentlich liebst du jeden Tag ein anderes Kind. Also genau genommen liebst du jeden Tag ein anderes Kind, weil dein Kind, das morgen früh aufwacht, das Kind, das morgen früh in dem Bett deines Kindes aufwacht, ist nicht das Kind, das du heute Abend ins Bett bringst. Ja, weil es sich weiterentwickelt, weil es wächst, weil es transformiert, weil es mehr die Person wird, die es werden will.
Genau.
Und du als Mama, als Papa entwickelst dich ja auch ständig weiter. Du bist ja auch ständig wieder eine neue Person. Und da sind wir gerade als Eltern. Also Elternsein macht einem das so wahnsinnig bewusst, finde ich.
Ja, total. Weil man halt jeden Tag Veränderung so konfrontiert ist, weil Kinder natürlich diese noch viel mehr Veränderungen in kurzer Zeit durchleben.
Gestern solltest du noch dabei liegen, während das Kind einschläft, und heute darfst du ihm nicht mal mehr einen Gutenachtkuss geben, weil das hat jetzt entschieden, das macht es jetzt alleine. Zum Beispiel. Oder wie unser, das eine Beispiel, das wir immer wieder erzählen, wo wir am Buffet waren, wo der verzweifelte Elternteil zu dem Kind gesagt hat: Aber gestern mochtest du doch Brokkoli. Und das Kind so: Ja, aber heute nicht. Also meine heutige Identität mag halt keinen Brokkoli. So fertig wie es morgen ist, kann ich dir nicht sagen. Und so, so ist Elternsein eine ständige Veränderung. Und Loslassen beinhaltet oder bedeutet eigentlich nur, dass du das annimmst und akzeptierst und annimmst, so rum muss man sagen, dass du akzeptierst und annimmst, dass Elternsein ein ständiger Prozess von Veränderung ist. Und da steckt noch ein anderer wesentlicher Punkt drin, nämlich dass wir als Eltern, das ist, da sind wir in, in Service, würde man im Englischen sagen, ja. Also wir dienen, du dienst deinem Kind dabei, behütet, geborgen aufwachsen zu können, und gleichzeitig frei, ne.
Genau, das ist der, der Rahmen, das ist unsere Aufgabe, diesen Rahmen zu stellen. Und da kriegen wir nichts zurück. Wir kriegen schon was zurück, aber nicht— ja, also es darf keine Notwendigkeit entstehen.
Ja, genau. Also du bist im Service, du dienst deinem Kind, dass es gut wachsen kann, aber dein Kind ist nicht dafür da, deine Bedürfnisse zu erfüllen. Das ist das, was du gerade auch gemeint hast. Ja, das ist Du kriegst natürlich was zurück, im Sinne von, dass ihr eine gute Beziehung habt, dass dein Kind dich anstrahlt, dass es dir vertraut, whatever. All das kriegst du schon zurück. Und das ist aber so ein, weißt du, das ist so ein, das darfst du nehmen als Geschenk, das dich zusätzlich erfreut, aber das keine Notwendigkeit ist, dass du dieses Geschenk bekommst. Kann man das so erklären? Also deine Kinder sind nicht dafür da, deine Bedürfnisse zu erfüllen.
Genau, die sind, die müssen nicht für dich da sein, ne. Also ja, da haben wir eben eine Geschichte gerade, weil wir haben letztens uns mit einer Frau unterhalten, die eine 14-jährige Tochter hat, und dann hat sie nur so erzählt, dass sie, haben wir uns irgendwie über Familienbett und so, jüngeren Kindern, die gesagt hat, ja, sie haben halt Auch noch die Amerikaner haben sogar ein Wort dafür für das Dreierbett. Keine Ahnung, halt so ein Familienbett gebaut. Ja, kennt ihr ja alle wahrscheinlich.
Genau. Und das eben, die hatten 4 Kinder und das eben ein Kind zwischen den Beinen und das nächste. Und das ist dieses Gehuddel, Gemuddel, was halt da so entsteht, wenn 6 Leute in einem Bett schlafen. Und die eine Frau hat dann erzählt von ihrer 14-jährigen Tochter, die eben auch bis sie, glaube ich, 10 war oder 12 war, weiß nicht mehr genau, mit ihr im Bett geschlafen hat und dann irgendwann aber entschieden hat, so jetzt ist genug und sie zieht jetzt aus. Und also wunderbar, ne? Und die Mutter so, und eigentlich blutet immer das Herz, und eigentlich war das so schön, und eigentlich wird sie das auch so schön finden, wenn das immer noch so wäre, und so. Und dann manchmal geht sie dann zu ihrer Tochter und kuschelt sich zu ihr ins Bett, und dann fragt, oder, na, und dann sagt die Tochter, sagt dann zu ihr, Mama, du kannst dich schon herkuscheln, aber einschlafen Tust du bitte in dein Bett, weil das ist weird. Genau, also dieses, wo die Tochter für sich die Grenze zieht, und in dem Fall ist es cool, dass sie es kann, weil in dem Moment, wo die Mutter das Bedürfnis nach Nähe oder ihr Bedürfnis nach Nähe über die Tochter versucht auszuleben, wird, wie die Tochter schon richtig gesagt hat, wird ja, also da wird komisch, ne?
Also da ist es einfach dann verkehrt rum an der Stelle.
Dein Kind ist nicht dafür da, deine Bedürfnisse zu bedienen, ja. Also wenn du ein Bedürfnis nach Kuscheln, nach Nähe, nach Zuwendung, nach was auch immer hast, dann brauchst du Menschen in deinem Leben, die dir dabei helfen, diese Bedürfnisse zu erfüllen. Und das sind nicht deine Kinder, ne? Deine Kinder sind auch nicht dafür da, dass dein Bedürfnis nach Ruhe erfüllt wird. Dein, ne, wir sind auch neulich gefragt worden, wie ist denn das, wenn ich mich mit Freunden treffe, da komme ich irgendwie nicht dazu, irgendwie auch nur 3 Sätze zu reden.
Also wir reden jetzt von so 6-jährigen Kindern oder so was. Ja, so, alle, die Kinder haben, kennen das, ne? Man trifft sich, halber Satz, und dann ist man wieder weg. Und 10 Minuten später versucht man, bei dem halben Satz das Gespräch wieder fortzusetzen. Ganz normal, ne?
Die Kids sind nicht dafür da, da an der Stelle zurückzustecken und dein Bedürfnis nach erwachsenen Gesprächen zu erfüllen. Ja, also deine Kinder Du bist im Service, also du dienst denen, dass die gesund aufwachsen können. Und es sind ein paar Jahre in deinem Leben, die du da investierst. Und Giving is Receiving, also alles, was du gibst, kommt sowieso tausendfach zu dir zurück. Zum einen in der direkten Beziehung zu deinen Kindern. Also was haben wir wunderschöne Beziehungen zu unseren Kindern. Das ist also jetzt schon sehr erwachsen sind, ja. Aber es ist, also ich habe gestern, gestern live gemacht in unserer Gruppe und, und habe da schon gesagt, ich würde euch alle am liebsten einfach mal einen Tag mitnehmen, dass ihr so wie Männchen auf der Schulter hier dabei seid, damit ihr eine Idee davon bekommt, wie schön das sein kann, Familie zu leben, und um einfach zu erkennen, okay, dafür mache ich das. Dafür mache ich das, dafür fühlt sich das vielleicht auch mal nach Verzicht an, dafür challenge ich mich mit dem Loslassen, wenn ich wieder irgendwas wie Motorradfahren absegne, wo ich eigentlich so, ja, so, und das ist das Giving is Receiving, du kriegst so viel mehr zurück, als du gibst, gibst, und gleichzeitig gibst du nicht, um zurückzubekommen. Das ist nicht die Intention. Du gibst nicht, um zurückzubekommen, sondern du gibst, um zu geben. Und die, das Beiwerk, die Auto, das, was automatisch huckepack mitkommt, ist, dass du zurückbekommst. Und jetzt wollen wir dich einladen, dass du einfach mal für dich überlegst, Okay, wo bin ich vielleicht stehen geblieben? Wo stecke ich vielleicht noch in der Identität einer Mama, eines Papas fest, von einem kleineren Kind, als mein Kind jetzt gerade tatsächlich schon ist?
Und es ist ganz, es ist eigentlich immer so, wenn uns Eltern erzählen, ja, mein Kind macht noch nicht XY und der ist doch schon so alt. Wenn du jetzt mal überprüfst von dem, was wir gerade jetzt erzählt haben, die letzte Viertelstunde, Was hast du selber für einen Verdacht? Woher kommt es in Wahrheit? Es kommt eben genau— ich glaube, du bist auf dieselbe Schlussfolgerung gekommen— es kommt eben daher, dass wir als Eltern diesen Space nicht freigeben.
Es wäre auf der einen Seite zwar gerne wollen, dass das Kind zum Beispiel sich selber anzieht, sich selber die Zähne putzt, oder was selber sieht, dass man den Geschirrspülmaschine ausräumen soll. Aber gleichzeitig in anderen Bereichen unser Kind eben noch wie ein kleines Kind behandeln. Und das, was der Bernd meint, den Space nicht freigeben, den Raum nicht freigeben, wo das Kind sich in diese Version hineinentwickeln kann.
Und es beginnt eben. Es ist halt meistens andersrum, als wie es sich die meisten Eltern wünschen. Würden. Ja, es ist genauso wie wenn es um Abwasch geht und das Kind will halt lieber abspülen als abtrocknen. Es kann halt aber noch nicht abspülen, das ist mir schon klar, das Zeug wird davon nicht sauber. Und es ist trotzdem total wichtig, dass du, wenn es abspülen will, es abspülen lässt, weil dann wird es später irgendwann freiwillig mithelfen, wenn es dann kann.
Ja, und wenn du das auch wertschätzt, wie das Kind dann abspült, ne, also, und, und sein Bestes gibt. Und wenn das bedeutet, dass du halt mit einem feuchten Lappen abtrocknest, um die haste noch rauszuwischen. Ja, meine Güte, mach's halt so, dass es das Kind nicht mitbekommt. Ja, das wäre cool, dass es nicht das Gefühl hat, dass das nutzlos ist, was es da tut. Und dann immer mehr loslassen, immer mehr das Kind eigenständig Erfahrungen machen lassen in allen Bereichen deines Alltags. Oder nimm jetzt mal gerne dir ein paar Minuten Zeit, vielleicht nimmst du dir was zu schreiben und überlegst mal, wo du wo das mit dem Loslassen schon ganz gut gelingt, wo du glaubst, gelingt es schon ganz gut? Und wo glaubst du, bist du noch der, der da den Finger drauf hat, also die, die, die den, den Deckel drauf hat vielleicht, ne? Also wo du das Kind deckelst.
Ich habe noch ein Beispiel für ältere Kinder: Hausaufgaben. Kontrollierst du Hausaufgaben? Sagst du, wann die gemacht werden? Willst du die noch mal sehen? Redest du drüber? Was habt ihr denn auf? Das sind so, das sind, da kannst du es zum Beispiel wunderbar einem Kind überlassen. Und weiß ich jetzt, wenn sich wahrscheinlich ganz viele ertappt fühlen und sagen, oh ja, ja, da habe ich irgendwie immer noch die Kontrolle, da will ich immer noch die Kontrolle drüber haben. Braucht es nicht. Genau, das sind die Dinge, wo es dir schwerfällt, da kannst du davon ausgehen, dass das ist, wo du schon hinten dran bist, quasi im Loslassen.
Ja, und, und da auch eben zu sehen, ne, Loslassen heißt nicht Fallenlassen. Wenn du ein Kind, wenn du ein Kind die Verantwortung überträgst, zum Beispiel für seine Schulsachen oder für sein, was es anzieht, oder wie auch immer, dann kann es im geschützten Rahmen deiner, der Familie, kann es Erfahrungen machen. Und wenn es schlechte Noten hat oder wenn es mal krank wird, weil zu dünn angezogen ist, gewesen ist, dann, dann seid ihr da und fangt es auf. Und dann kann es aus Erfahrung lernen und muss das nicht später tun, wenn es auf sich alleine gestellt ist. Und dadurch lernt es mit Missgeschicken oder mit, mit Erfahrungen umzugehen. Ja, also auch mit Dingen, die mal nicht so klappen, mit Misserfolgen oder mit Sachen, die halt nicht so, so easy smooth laufen, halt umzugehen. Zugehen.
Und was auch noch eine ganz wichtige Erfahrung ist, dass je mehr du loslässt, umso mehr werden die Kinder mit der Zeit auch lernen, dass sie dich dann fragen, also dass sie auch um Unterstützung bitten. Ja, wenn sie zum Beispiel selber irgendwie merken, Mist, ich bin jetzt zweimal ohne Hausaufgaben in die Schule gekommen, weil ich es irgendwie nicht hinkriege, dann kommen sie vielleicht mittags mal an und sagen, hey Mama, hey Papa, wie kann ich denn das hinkriegen? Ja, könnt ihr mich da unterstützen? Und jetzt wäre es gut, wenn du sagst, ja, klar, ich kann dich unterstützen und ich gucke einfach immer, dass du es machst, sondern sagst einfach, na ja, kannst du dir vielleicht einen Plan machen, ne? Wann wäre denn ein guter Zeitpunkt für deine Hausaufgaben, die immer zu machen, ne?
Wie so, ja, oder auch zu fragen, welche Form von Unterstützung wünschst du dir denn? Was kann ich denn für dich tun? Und dann müsst ihr das halt zusammen rausfinden, was dein Kind gerade von dir braucht, ne? Und das, was der Bernd gerade gesagt hat, lässt sich gut zusammenfassen, ne? Wenn du dein Kind loslässt ist, kann es aus freien Stücken wiederkommen. Und das ist das, was am Ende dann die guten Beziehungen zu deinen erwachsenen Kindern ermöglicht, ausmacht. Weil die kommen aus freien Stücken wieder, wenn du sie losgelassen hast, wenn sie merken, sie sind nicht dafür da, deine Bedürfnisse zu erfüllen, sondern du bist einfach da wie der Fels in der Brandung. Und wenn sie was von dir brauchen, kannst du kommen. Und gleichzeitig kann sich dann mehr und mehr mehr eben auch eine ebenbürtige Beziehung entwickeln, wo es auch Bereiche gibt, wo du sagen kannst, ja, du, das weiß ich jetzt nicht, das kannst du besser, kannst du mir da mal helfen. Und dann wird mit der Zeit halt aus einer Eltern-Kind-Beziehung halt so eine wirkliche Beziehung auf, ja, wirklich auf Augenhöhe, ja, auf Herzhöhe. Ja, also ich fand jetzt, ich habe jetzt auch gerade so ein bisschen gestolpert, weil eigentlich sind wir ja schon gleich würdig auch mit den kleinen Kindern, aber gleichzeitig ist es natürlich so, dass wenn es hart auf hart kommt, muss musst du als Eltern von kleinen Kindern, musst du die Zügel in die Hand nehmen, ne. Du kannst so gleichwürdig mit deinem Zweijährigen sein, wie du willst, wenn das auf eine viel befahrene Straße rennt, musst du es halt davon abhalten, einfach weil du den Überblick hast und das Kind hat es noch nicht. Und wenn deine Kinder erwachsen sind, dann wird es irgendwann halt wirklich gleichberechtigt. So ist vielleicht der richtige Begriff. Was mir noch wichtig ist, bevor wir jetzt zum Schluss kommen, auch wenn ich weiß, wir haben die 20 Minuten schon wieder gerissen, aber Was mir total wichtig ist, noch kurz zu sagen, weil manchmal wird dieses Loslassen auch dahingehend missverstanden, dass man von den Kindern erwartet, dass sie Dinge, die sie schon selber können, doch bitteschön auch selber erledigen, ne. Also so dieses, ich lass dich jetzt los, also du, wenn ich bei den Hausaufgaben bleibe, du, Hausaufgaben sind nicht meine Sache und das musst du selber hinkriegen und du bist ja schon alt genug. Und selbst wenn das Kind kommt und sagt, schwer, und weiß nicht. Und weil, also vielleicht kann das Kind nicht sagen, kannst du mir helfen, aber vielleicht bringt es zum Ausdruck, dass es ihm gerade schwerfällt. Und dann zu sagen, ja, das ist ja, ich habe ich ja gelernt, das ist jetzt voll loslassen und das nicht meine Baustelle. Nee, nee, nee, nee, nee, nee, das ist nicht gemeint, weil dann geht's wieder um dein Bedürfnis, dass du sagst, will ich nichts damit zu tun haben, oder ist mir zu anstrengend, dem Kind jetzt die Hose anzuziehen, die Jacke zuzumachen, die Zähne zu putzen und so weiter und so weiter, ne. Da merkst du wieder, es ist Loslassen. Ob es Loslassen ist oder Fallenlassen ist, entscheidet sich danach, wer entscheidet, wo der Weg lang geht. Und beim Loslassen führt das Kind, beim Fallenlassen führst du. Beim Fallenlassen oder beim Überbehüten, das sind eben die zwei negativ aus— also, ne, die zwei Negativpole zum Loslassen.
Genau, also wieso, wieso oft ist es einfach, dass du in den Situationen immer wieder so einen Schritt zurückgehen darfst, um in so eine kurze Beobachterposition zu gehen. Nimm die Perspektive ein. Für mich ist immer bisschen wie so eine kleine Drohne über, über der Situation, ja, die das beobachtet. Und überleg mal, ah, wer führt denn hier gerade? Oh Mist, ich habe hier gerade übernommen. Ich habe gesagt, na, zieh doch deine Hose selber an, du kannst es doch schon. Ah, Kind hat mir eigentlich das Signal gegeben, das ist mir gerade zu viel. Ja, und dann ist es halt mein Ding zu sagen, okay, dann ziehe ich dir heute halt die Hose an. Und ist auch gar nicht zu sagen, morgen machst du es aber wieder selber oder so, sondern einfach macht es ja sowieso. Das ist das, das Wichtige daran. Wir müssen das, oft sind wir Eltern da so kurzfristig im Denken, dass wir dann das Gefühl haben, wenn ich jetzt einmal dem Kind wieder helfe beim Anziehen, dann muss ich das jeden Tag machen. Nein, ist genauso wie wenn Normalerweise mache ich morgens unseren Kaffee, und wenn irgendwas ist, weil, keine Ahnung, ich gerade langsam aus dem Bett komme und Uli ist mal erst an der Kaffeemaschine, dann heißt es ja auch nicht, dass sie nicht am nächsten Tag wieder eingebracht kriegt.
Absolut. Und je mehr du da ins Vertrauen gehst und einfach loslässt, dass deine Kids das alles schon zum richtigen Zeitpunkt lernen werden, desto mehr passieren die Dinge einfach ganz von alleine. Unser einer Sohn, der macht eben wie gesagt gerade Führerschein und da ist er alleine woanders hingeflogen und macht es dort. Und jetzt habe ich vorher mit dem telefoniert und da hat er mir erzählt, was er jetzt wieder gekocht hat. Der hat noch nie gekocht. Ja, der ist 19, der hat also, der ist wirklich der von unseren Kindern, der am wenigsten in der Küche stand, weil der da einfach nicht so wirklich Ja, ein bisschen hat er schon mal so, was man so gelernt hat, so ein bisschen. Der jüngere Sohn oder so, die waren so richtig auch immer, kann ich dir helfen und ich will mitmachen und so. Das war nicht seins. Und jetzt hat er mir wieder erzählt, er hat sich einen Kichererbsensalat gemacht und dann hat er mich wieder gefragt, okay, jetzt hat er schon die Tomaten, hat jetzt schon 4 Tage im Kühlschrank liegen und wie lange sich die wohl noch halten und so weiter. Und dann habe ich so gesagt, was, ja voll cool, dass du jetzt hier da so rumkochst und so. Ja, er könnte auch essen gehen und das ist eigentlich auch finanziell, macht es jetzt nicht unbedingt so viel Sinn, dass er selber kocht. Aber er hat sich gedacht, ist doch eigentlich mal ganz cool, dass er da jetzt mal 3 Wochen lang so lernt, mal selber zu kochen. Und absolut.
Und der macht es halt jetzt so, ne. Für den war das halt nichts, da irgendwie sonst so mitzukochen, immer so, ne. Da hilft er schon mal, was schneiden und sowas, ist jetzt schon klar, aber weil er auch total hilfsbereit ist. Aber halt jetzt kann er das halt einfach so für sich selber übernehmen und experimentiert darum. Und immer so verschiedene WhatsApp-Gruppen in der Family, wo dann immer, dann sieht man immer, da der dem, weil der große Bruder hat sich immer diesen Kichererbsensalat gemacht, wie hast du das und so weiter. Das ist total geil, weil halt das selbst, das ist seine eigene Initiative jetzt, und genau jetzt passt das halt auch.
Also loslassen heißt nicht fallen lassen und auch nicht überbehüten. Wir wünschen dir viel Freude beim Ausprobieren, beim für dich rausfinden, wie es für euch funktioniert, und freuen uns natürlich über dein Feedback zu dieser Folge. Und wenn du nächste Woche wieder einschaltest, danke fürs Zuhören, Danke fürs Zuschauen, tschüss, liebe, ciao!
Danke fürs Zusehen. Was ist deine Meinung zu dem Thema? Was willst du uns vielleicht dazu fragen? Was willst du uns dazu sagen? Schreib's hier in die Kommentare, wir freuen uns drauf, mit dir in Interaktion zu treten. Und wenn dir das Video gefallen hat und du ab sofort nichts mehr verpassen willst von uns, dann klick jetzt auf Abonnieren, hier oder hier, je nachdem, wo du es gerade anguckst. Vielen Dank und alles Liebe bis zum nächsten Mal!
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