Mobbing Opfer? Warum Eltern jetzt hinsehen müssen! - Podcast 185

Uli Bott and Bernd Bott explain why children become bullies or victims: low self-worth. Parents must first heal their own childhood wounds, then teach kids that their value doesn't depend on grades or popularity. A Waldkindergarten story shows how a child labeled a bully was actually being secretly victimized.
Chapters
Kinder, die kein Selbstbewusstsein haben oder wenig Selbstwert haben, die machen ihren eigenen Wert von ihrer Leistung abhängig. Wenn zum Beispiel jetzt ein Kind kommt und sagt, sein bester Freund hat gesagt, du bist nicht mehr mein Freund, was passiert dann üblicherweise in uns Eltern? Hallo und herzlich willkommen hier beim Gemeckerfrei-Podcast.
Podcast für liebevolle Beziehungen in der Familie, als Paar und mit dir selbst. Wir sind Uli und Bernd Bott, wir sind die Gründer von Gemeckerfrei, Eltern von 4 Kindern und Großeltern von einem Enkel, Spiegel-Bestseller-Autoren, und das Allerwichtigste ist, wir haben schon tausenden Eltern, tausenden Mamas und Papas, so wie du vielleicht auch einer bist, geholfen, sich ihren liebevollsten Familienalltag zu erschaffen.
Weil ganz ehrlich, hat ja niemand von uns Kinder bekommen, um sich mit ihnen zu streiten. Und deshalb ist es uns einfach ein Herzensanliegen, dich dabei zu unterstützen, wie du dieses Familienleben leben kannst, von dem du vielleicht früher mal geträumt hast. Heute haben wir ein Thema für dich mitgebracht, das gehört sozusagen ein Stückchen in die Resilienzreihe, weil sich unsere Community ja das Thema Resilienz gewünscht hat und das so ein großes Thema ist, dass wir das in mehrere Folgen sozusagen aufteilen. Und eines davon ist das Thema von heute: Mobbing, warum Eltern jetzt hinsehen müssen.
Und den Titel hast du wahrscheinlich auch schon gelesen und fragst dich jetzt wahrscheinlich auch, was hat das jetzt mit Resilienz zu tun eigentlich? Genau, unser Einstieg.
Genau, da, da wollen wir einfach mal drüber sprechen, über Resilienz, über Mobbing und vor allen Dingen natürlich, was du zu Hause tun kannst, damit dein Kind weder Opfer noch Täter in so einem Mobbinggeschehen wird. Und wenn ich noch mal ein bisschen aushole, bevor wir Resilienz und so, dann, dann einfach, weiß ich nicht, wie es dir geht, aber so dieses Thema, wie unsere Kinder mit anderen Kindern auskommen, wie die Freunde haben, wie die gemocht werden, nicht gemocht werden, selber mögen, nicht mögen und so weiter. Also dieses ganze Thema Freundschaften, das war für uns beide eher so ein rotes Tuch, heißes Eisen. Also fanden wir halt, fanden wir nicht so easy, unsere Kinder dabei zu begleiten, weil, und das geht dir vielleicht auch so, weil wir alle an der Stelle ja schon unsere eigenen Kindheitserfahrungen mitbringen und Kindheits- und Jugenderfahrungen, will ich sagen, ja, genau, ganz wichtig ist. Ja, voll.
Das hat man sich fast noch besser gemerkt.
Oft. Ja, und, und es ist so spannend, weil früher dachte ich tatsächlich, ich bin so der einzige Alien, der sich immer mal wieder ausgeschlossen fühlt. Und ich glaube, du warst auch so ein Alien, der sich immer mal so gefühlt hat. Und das Witzige war, oder was, also jetzt im Nachhinein muss ich drüber lachen, weil als ich dann Erzieherfortbildungen gegeben habe und es um das Thema Zugehörigkeit ging, also wie sich Kinder zugehörig fühlen und wer sich so von den Erwachsenen wann wie zugehörig gefühlt hat, da ist so rausgekommen, dass ich mit diesem Gefühl, der einzige Alien zu sein, überhaupt nicht alleine war, sondern wenn ich so gefragt habe in diesen Fortbildungsgruppen, wer denn das Gefühl kennt, sich mal in einer Gruppe von anderen Kindern oder Jugendlichen nicht zugehörig gefühlt zu haben, dann sind rate mal, wie viele Hände hochgegangen? So alle.
10 von 10.
Ja, ja, genau. Also alle. Und deshalb ist Gehen wir mal davon aus, dass entweder du oder dein Partner, deine Partnerin, also dass einer von euch Eltern auch eine persönliche Verstrickung zu diesem Thema mitbringt, zu diesem Thema Freundschaften, Kameradschaften bis hin zu Hänseleien oder Mobbing. Und das macht natürlich, dass wir super emotional und auch nicht rational. Wie sagt man denn da? Kann man ja so sagen, oder? Nicht rational, dass wir da nicht rational reagieren. Also wenn zum Beispiel jetzt ein Kind kommt und sagt, sein bester Freund hat gesagt, du bist nicht mehr mein Freund. Was passiert dann üblicherweise in uns Eltern?
Wir kriegen die roten Flaggen, gehen hoch. Hilfe, Hilfe! Um Gottes Willen, mein Kind hat keine Freunde mehr. Anstatt zu denken, ja, okay, okay, sagt er halt, sagen Kinder halt mal schnell, ist meistens genauso schnell auch wieder erledigt.
Ja, weil man halt auch sehen darf, dass Kinder haben ja noch überhaupt nicht so einen Bezug und so ein Verständnis von Vergangenheit und Zukunft, wie wir das haben, weil das in ihren Gehirnstrukturen ja gerade erst sich entwickelt und so. Und das bedeutet, wenn ein Kind sagt, und du bist mehr mein Freund, dann heißt es übersetzt: Ich komme gerade mit mir nicht klar und ich komme gerade mit dir nicht klar und ich weiß gerade nicht, wie wir es anstellen müssen, dass es miteinander klappt. Das ist das, was hinter dieser Aussage steckt.
Und plus natürlich das Ding, dass es halt auch eine Aussage ist, die vielleicht den ein oder anderen auch ein bisschen triggert, was dann ja auch immer einfach eine spannende Reaktion erzeugt bei den Kindern.
Und gleichzeitig eben zu sehen, ein wichtiger Aspekt, um Mobbing vorzubeugen, ist, dass du da deine eigene Verstrickung zu diesem Thema betrachtest und auflöst. Weil du kannst deine Kinder nicht kompetent begleiten, wenn du von jeder, von jedem Konflikt zwischen Kindern getriggert bist und in deine persönliche Geschichte geschickt bist.
Ja, und damit Angst bekommst und ja eine Unsicherheit entwickelst, die sich auf dein Kind überträgt. Das ist ja das, was passiert. Das ist die Gefahr, die passiert. Und ein unsicheres Kind hat keinen, das hat einen angeknacksten Selbstwert in dem Moment, hat kein Standing, hat kein Standing dann. Und dann können die Probleme quasi anfangen. Aber das ist der Nährboden.
Genau. Und was hat Resilienz damit zu tun? Also merkst du vielleicht schon, Resilienz bedeutet ja eine innere Stärke, um auch mit Herausforderungen oder vermeintlich schwierigen Situationen gut umgehen zu können. Und da bist du als Mama oder Papa, haben wir, merkst du, wie du da gefragt und gefordert bist, das quasi dafür zu sorgen, dass dein Kind resilient wird, indem du die Dinge, die dein Kind erlebt, losgelöst von deiner eigenen Geschichte betrachtest und bewertest oder eben gar nicht bewertest. Genau. Und das ist, das ist ein Aspekt von Resilienz. Und dann lass uns einfach mal weiter gucken. Was hat das mit Mobbing zu tun? Oder was ist eigentlich Mobbing? Weil genau genommen ist Mobbing einfach ja immer nur das Symptom und nie eine Ursache, sondern es ist immer nur, Mobbing ist immer nur ein Symptom. Das bedeutet, wir haben bei Mobbing an sich ja immer einen Täter und ein Opfer, Kind, wenn es um Kinder oder Jugendliche geht, und wir sind da auch häufig sehr schnell mit unserem Urteil, wer der Täter ist und wer das Opfer ist, aber genau genommen treffen sich an der Stelle zwei Kinder, deren Strategien einfach nur zwei Seiten derselben Medaille darstellen. Weil du hast ein Opferkind, das einen mangelnden Selbstwert hat und das, was das Täterkind tut, mit sich machen lässt, und du hast das Täterkind, das auch einen mangelnden Selbstwert hat und dadurch ein Überheblichkeitskomplex entwickelt und glaubt, allen zeigen zu müssen, dass es besser ist als die anderen.
Also es ist auch so, gibt auch in dieser, also es gibt ja tatsächlich so eine Art Mobbing-Forschung, und da ist es an sich klar, jedes Jeder Mobbingtäter, und ich muss jetzt kurz dazu sagen, ich tue es mir ganz schön schwer, weil wir ja eigentlich auch immer ungern von Täter und Opfer sprechen, aber in dem Fall ist es einfach eine Rollenunterscheidung. Aber es gibt eigentlich keinen Mobbingtäter, der nicht auch vorher ein Mobbingopfer war. Also das ist an sich immer das Gleiche. Es ist immer, es spielt immer zusammen.
Absolut.
Und das ist das eben, das ist die gleiche Grundlage. Es ist ein angeknackster Selbstwert oder eben ein Ein nicht vorhandener oder ein sehr stark reduzierter Selbstwert, eine Unsicherheit, und das führt dazu, dass entweder die Haltung da ist, um zum Opfer zu werden, oder der Überheblichkeitskomplex entsteht, um zum Täter zu werden. Beidem beugst du eben vor. Oder wenn es jetzt darum geht, was kann ich als Eltern tun, dann geht es eben darum zu schauen, Wie nimmst du dich einerseits selbst raus? Das haben wir ja schon gesagt. Und wie sorgst du dafür, dass dein Kind, dass der Selbstwert deines Kindes nicht so abrauscht?
Ja, und das ist natürlich ein Riesenthema, das wir auf gar keinen Fall abschließend in dieser Podcastfolge behandeln können. Nur wir wollen so ein paar Gedankenanstöße geben. Also auch noch mal da das, was der Bernd gerade gesagt hat, dass sich Täter und Opfer oft so dass das so Wechselspiele eigentlich sind. Ich kann mich erinnern, in meiner Zeit, als ich im Waldkindergarten, wie hieß das, hatten wir so einen Verein und ich war in diesem Vorstand von diesem Waldkindergarten. Und da hatten wir das Problem, dass ein Kind anscheinend ein anderes Kind gemobbt hat und mit Steinen geschmissen hat. Und also wirklich auch so, dass man das dass halt alle nicht mehr wussten, wie kann man jetzt eigentlich damit umgehen mit der Situation und muss dieses Kind jetzt quasi den Kindergarten verlassen. Also das war die, darum ging es quasi. Und das Kind war in der, in der Täterschublade, die Eltern waren in der Täterschublade sozusagen, weil sie es ja angeblich anscheinend nicht schaffen, mit ihrem Kind umzugehen. Und dann haben wir uns glücklicherweise die Situation Situation noch mal genauer angeschaut, sind da mitgegangen als Eltern, haben uns das angeschaut, was da so im Alltag passiert. Und dann ist halt rausgekommen, dass das Kind, das als Opferkind gegolten hat, das Täterkind so unsichtbar oder so heimlich drangsaliert hat, dass das Täterkind eigentlich das Opferkind war. Also, na, auch das, das heißt, ich, wir wollen hier überhaupt keinen, wir wollen überhaupt keine Schuld zuweisen, wir wollen kein, wir wollen auch nicht sagen, Mobbing wäre harmlos, ne. Deshalb vielleicht an der Stelle hier noch mal kurz als kleinen Disclaimer: Wenn dein Kind auf der einen oder anderen Seite in Mobbing involviert ist und du das Gefühl hast, du kriegst es alleine nicht geregelt, dann such dir bitte professionelle Unterstützung. Das ist Hier geht es nicht darum, harte, schwere Mobbingfälle in 20 Minuten zu heilen.
Ja, das können wir hier gar nicht, weil es eben so, wie du es gerade schon beschrieben hast an dem Beispiel, weil es ein komplexeres Thema ist meistens, weil das nicht schwarz-weiß ist.
Genau. Und deshalb zu sagen, okay, ich muss auch mal die Bewertung loslassen. Wer ist der Täter und wer ist das Opfer? Ich muss mir die Situation genauer angucken. Und ich darf anschauen, wie geht es, den Selbstwert zu steigern und hier wieder zu sehen, was hat es mit Resilienz zu tun? Weil resilient zu sein bedeutet, damit klarzukommen, wenn Dinge nicht so funktionieren, wie wir uns das vorstellen oder wünschen. Und bei Kindern ist es eben so, dass die schnell, also Kinder, die kein Selbstbewusstsein haben oder wenig Selbstwert haben, die machen ihren eigenen Wert von ihrer Leistung abhängig. Und den kann man noch mal groß machen. Kinder mit niedrigem Selbstwert machen ihren eigenen Wert von ihrer Leistung abhängig.
Und Leistung muss jetzt nicht immer Schulleistung sein, sondern das kann ja auch im Freundeskreis Leistung sein. Also was kannst du? Bei mir war das immer, wie gut konnte man BMX fahren, war damals der Trend. Da war ich halt der Vollloser, weil ich war irgendwie bewegungsmäßig noch nie so der, das, also nicht bei solchen Sachen war ich halt nicht so, das war halt einfach nicht meins, oder keine Ahnung, vielleicht hätte ich es auch öfter machen müssen, aber auf jeden In dem Fall war das, das war, das ist auch Leistung. Also da muss man schon sehr genau hinschauen. Es geht nicht nur um Schulnoten.
Ja, oder wir haben ja auch schon mal eine Podcast-Folge gemacht zum Lieblingskind. Das ist ja auch, hat ja auch damit zu tun, um, hat ja auch mit Leistung zu tun sozusagen. Wenn das Kind von sich das Gefühl hat, dass sein Geschwisterkind mehr Liebe, Aufmerksamkeit Zuneigung, wie auch immer, bekommt. Also das geht durch alle Lebensbereiche, geht dieses Thema durch, ob das Kind für sich das Gefühl hat, dass es Dinge nicht können kann und trotzdem wertvoll ist. Ist eigentlich die Definition von Resilienz: Ich weiß, dass ich nicht alles kann, und das hat nichts, das ändert nichts an meinem Wert.
Genau. Und wenn ich das selber, wenn ein Kind selbst diese Resilienz hat und damit ja diese innere Stärke hat, dann steht es auch anderen gegenüber so da, dass das gar nicht passiert.
Weder dass es zum Opfer noch dass es zum Täter wird.
Weil es es gar nicht nötig hat.
Genau.
Und weil es es auch gar nicht, weil es diese Schwäche gar nicht ausstrahlt, die ja oft dann das, wenn es jetzt eine klassische Täter-Opfer-Beziehung sich einstellt, dann Da hat das Opfer auch eine gewisse Schwäche, sonst wäre es nicht das Opfer. Sonst würde es nicht zum Opfer. Der Täter hat auch eine Schwäche, der geht nur anders damit um. Wer diese Schwäche nicht hat, dem wird beides nicht passieren.
Genau. Und das ist nämlich kein Zufall, ob dein Kind in so einer Mobbing-Situation landet oder nicht. Und das ist was, was wir dir hier hoffentlich jetzt mitgeben. Konnten, dass du einfach weißt, du hast es in der Hand. Du kannst da ganz, ganz viel dazu beitragen, ob das deinem Kind in Anführungszeichen passiert oder nicht passiert. Das, was nicht funktioniert, ist Angst davor zu haben, dass es passieren könnte. Weil wenn du uns schon ein bisschen folgst, kennst du uns und weißt, dass genau das, was es, das ist das genau, mehr macht, ne, dass die Angst davor genau dazu führt, dass mehr wird. Aber wenn du dein Kind darin stärkst, wenn du dich darin stärkst, erstmal deine Geschichte aufarbeitest, deinen eigenen Selbstwert im Blick hast und anschließend den Selbstwert deines Kindes in den Blick nimmst und dafür sorgst, dass Selbstwert bei euch losgelöst ist von Können, von Fähigkeiten, von Fertigkeiten, von Ergebnissen, Sondern dass ich wertvoll sein kann, einfach weil ich bin. Weil ich meine, dein kleines Baby hast du auch geliebt, obwohl es nur— Entschuldigung— geschrien, geschissen und geschlafen hat. Ja, so. Und das hat überhaupt nichts geleistet, dieses Baby. Du hast es schon geliebt, bevor es lächeln konnte. Und es hat überhaupt nichts geleistet. Es musste nichts leisten für deine Liebe. Oder als es noch im Bauch war oder so, haben wir unsere Kinder geliebt, ohne dass die irgendwas dafür geleistet haben. Und genauso geht es Darum geht's, dass du dein Kind liebst dafür, dass es ist, und nicht dafür, was es tut. Und das ist schon ganz großer Baustein, der dich dahin bringt, dass du einen wirksamen Anti-Mobbing-Schutzschirm über deinem Kind entfaltest.
In diesem Sinne, vielen Dank fürs Zuhören und Zuschauen.
Bis zum nächsten Mal, alles Liebe, tschüss!
More from Uli

Wieso du machmal dein Kind an die Wand klatschen könntest (obwohl du es liebst)









