Piercings & Tattoos - muss das sein? - Podcast 077

A 55-year-old mother and her 21-year-old daughter Anja talk about self-expression through piercings, tattoos, and hair color. Anja has 16 tattoos and 3 piercings. The mother explains how she set boundaries like no chemical dye before 16 and no tattoos before 18, while learning when to step back and let her daughter make her own choices.
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Hallo und herzlich willkommen hier bei einer neuen Folge im Gemeckerfrei-Podcast, dem Podcast für liebevolle Beziehungen in der Familie, in der Partnerschaft und mit sich selbst. Und heute gibt es eine ganz besondere Folge, weil ich habe hier heute einen Gast sitzen, und zwar ist es unsere wundervolle Tochter, die Anja, die 21 ist und aktuell mit uns hier auf Weltreise ist. Und die Anja und ich, wir führen heute einen Mutter-Tochter-Talk sozusagen über all die Themen, bei denen Jugendliche auch mal andere Meinungen haben als ihre Eltern. Und wir haben das unter den Titel gestellt: Tattoos, Piercings, muss das sein? Weil das war so für mich tatsächlich eines der roten Tücher.
Ja, es war glaube ich für dich am aller herausforderndsten.
Ja, von den Sachen, die ich so ausprobiert habe, war das glaube ich das Alleine die Vorstellung, dass man sich Farbe unter die Haut spritzen lassen könnte, freiwillig, oder sich irgendwie die Zunge durchlöchern oder so was. Da kriegen wir keine 10 Pferde hin, finde ich echt. Ah, also das hat mir wirklich körperlich wehgetan. Diese Vorstellung, dass dieses Wesen, das ich mal vor vielen Jahren 9 Monate unter meinem Herzen getragen habe, jetzt freiwillig sich da irgendwie in Anführungszeichen verstümmeln lässt. Und ich teile das nur mit dir, weil das meine Wahrnehmung dazu ist, ja. Und ich mag dich einladen, oder wir wollen dich einladen, wenn dein rotes Tuch halt was anderes ist, dann red, also dann übertrag das halt für dich auf diese andere Situation, weil wenn du selber Tattoos hast, Piercings hast, dann ist das für dich wahrscheinlich relativ harmlos.
Absolut.
Wenn deine Teenager da ankommen und sich durchstechen lassen wollen, durchlöchern lassen wollen. Und also so wie der Bernd und ich zum Beispiel, wir hatten früher Freunde, die waren ein Stück älter als wir und hatten damals schon Kinder. Und das waren so Hippie-Eltern. Da wurde regelmäßig im Wohnzimmer der Joint geraucht und so. Und da waren die Kinder, waren halt voll so: Könnt ihr mal nicht normal sein? Zieht euch endlich mal gescheite Klamotten an und so. Also es geht einfach nur darum, wie gehst du damit um, wenn deine Teenager Dinge anders machen, als du sie machen würdest?
Ja, absolut.
Und darüber reden wir heute. Ja, und ich freue mich voll, dass du hier bist, Dania.
Danke, dass ich hier sein darf.
Genau. Und Ja, wir machen jetzt, glaube ich, gerade den dritten Versuch hier, weil es tatsächlich technisch irgendwie gerade, war gerade der Wurm drin. Aber nichtsdestotrotz freuen wir uns jetzt auf eine wundervolle Zeit miteinander und hoffen, dass wir dich inspirieren können. Ja, total. Genau. Und wenn man mal so zurückdenkt, Anja, dann was waren denn so die Bereiche, wo du dich so ausprobiert hast und Dinge anders gemacht hast als als ich vielleicht, ja.
Ja, ganz bewusst hat es ja so mit 14 angefangen mit dem Make-up, mit Schminken, mit Schminken, und dann nicht so ein bisschen schminken, sondern halt so richtig dolle alles schminken.
Du warst voll die, also YouTube hat dich wirklich zur Schminkmastermeisterin gemacht.
Ja, also ich konnte das auch wirklich gut, das war jetzt nicht so, dass das halt irgendwie hässlich geschminkt war, es war halt einfach nur dolle und viel, viel, viel mehr, als du jemals tragen würdest.
Absolut. Also ich bin echt, also ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben dreimal irgendwie so richtig Make-up im Gesicht gehabt und ansonsten auch, also damals allerhöchstens mal vielleicht ein Lidstrich oder so, und damals auch noch kein Lippenstift. Das habe ich ja auch erst später für mich entdeckt und sonst irgendwie halt so voll der Nature-Look sozusagen, gerade wenn ich noch dran gedacht habe, mir morgens irgendeine Creme ins Gesicht zu klatschen. Und dann irgendwie die Anja, die da irgendwie eine Stunde, zwei vor ihrem Schminktisch saß und zentimeterweise sich da Zeug ins Gesicht gemacht hat und das dann aber gleichzeitig mit einem Kleidungsstil kombiniert hat, der einfach noch mal eine ganz andere Sprache gesprochen hat.
Also Absolut klar, total. Es war einfach, da sind ganz viele Welten eigentlich in mir aufeinandergeprallt und das wollte alles ausprobiert werden. Und ich wollte halt nicht warten und die Dinge nacheinander machen, sondern ich wollte halt alles jetzt sofort.
Ja, und es war gleichzeitig, war es echt so, dass du manchmal dann morgens so ins Esszimmer kamst und also ich wollte ja immer gerne was Nettes zu dir sagen und so, und manchmal war es echt schwer, dann noch irgendwie so was zu sagen wie Du siehst aber toll aus heute, oder? Also so wie du. Mit Rückblicken kann ich das sehr gut nachvollziehen.
Damals hätte ich es nicht verstanden. Ich war natürlich der Meinung, es ist absolut das Allerbeste. Natürlich, klar, sonst hätte ich es ja nicht gemacht. Ich war ja selber extrem überzeugt davon. Aber wenn ich mir jetzt Fotos angucke, denke ich mir auch mutig.
Und gleichzeitig ist es halt einfach, und das haben wir, als wir eben uns auf die Folge vorbereitet haben und so drüber gesprochen haben, haben wir halt rausgefunden, dass es halt einfach ganz viel um Ausprobieren ging, ne? Ja, du wolltest halt rausfinden, wer du in dieser Welt sein willst.
Ja, wer ich sein will, wie ich rüberkommen will, wie ich wirken will, was ich ausstrahlen möchte. Ich wollte einfach ausprobieren, was sich halt passend anfühlt und wer ich halt bin.
Ja, und hast dazu halt vieles genutzt, was es auf der Palette der Möglichkeiten gab. Ja, und das ist ja eigentlich, wenn man das mal so genau betrachtet, eine total großartige Eigenschaft, sich zu trauen, sich auszuprobieren.
Ja, total. Es ist total hilfreich, weil ich meine, wenn ich es nicht ausprobiere, ich werde nie wissen, ob ich es mag oder ob ich es nicht mag. Und ich habe es halt ausprobiert und habe dann bei manchen Sachen festgestellt, brauche ich nicht wieder. Und andere Sachen habe ich halt beibehalten, weil ich sie halt mochte.
Und gleichzeitig ist es ja immer noch so, also eigentlich sind wir doch alle die ganze Zeit nur dabei, Dinge auszuprobieren und irgendwie dann zu sortieren, zu sagen behalte ich, mag ich, mag ich, mag ich, mache ich öfter, mag ich nicht. Lass ich wieder sein. Also das ist doch eigentlich, machen wir das doch gerade auch die ganze Zeit so.
Klar, hört ja eigentlich nicht auf.
Genau, und ein ganz wichtiger Aspekt, und das kannst du dir als mega Learning an der Stelle für dich schon mitnehmen, dass das niemals gegen dich gerichtet ist.
Nie, nie, nie, niemals. Ich wäre niemals auf die Idee gekommen, mir die Haare bunt zu färben, um die Mama zu ärgern. Nie.
Ja, warum auch?
Ja, wieso hätte ich das sollen? Ich wollte dich damit ja nicht stören. Ich wollte einfach nur herausfinden, ob es meins ist und ob ich mich damit gut fühle.
Absolut. Und dann waren die Haare halt auch mal lila, grün, schwarz, knallorange, alles rot. Und halt auch immer, weil du das ja dann immer selber gemacht hast, auch mit allen Unfällen, die dabei passiert sind. Von ich bin total happy, wie das Ergebnis aussieht, bis bis zu ich habe die totale Krise, weil es halt nicht so geworden ist, wie ich das haben wollte.
Ja, und auch beim selber Haare schneiden habe ich dann auch mal festgestellt, es gibt schon einen Grund, warum Menschen das lernen.
Da hatte ich auch mal die Krise, das weiß ich noch. Genau, und dann hast du ja irgendwann mit, als du dann 18 warst, mit Piercings angefangen und ein bisschen später dann auch mit Tattoos.
Ja, das war so ein Monat dazwischen oder so. Es war sehr close.
Ja, genau.
Es war jetzt nicht so, dass das lange gedauert hätte.
Also du warst, es war so nett, also du warst netterweise, war das so, dass du uns da schon immer drauf vorbereitet hast, dass du schon immer gesagt hast, also wenn ich 18 bin, dann, weil das ist schon auch was total Wichtiges. Und das, da kommen wir an der Stelle schon mal dran vorbei, dass wir als Eltern natürlich schon bei allem die Kinder, die Kids ausprobieren lassen, gefordert sind rauszufinden, wo müssen wir eigentlich die Führung übernehmen, weil die Kids das selber an der Stelle noch nicht können. Ja, also zum Beispiel gab es so einen Grundsatz bei uns, der war keine chemische Haarfarbe unter 16, weil ich eine Friseurin hatte, die halt mir da sehr davon abgeraten hat, weil sie gesagt hat, dass es halt nicht erprobt ist und dass es viele Teenager oder Jugendliche gibt, die sich jünger die Haare färben lassen, die irgendwelche allergischen Reaktionen oder so was haben und denen es dann damit nicht gut geht. Und deshalb haben wir das dann einfach auch übernommen zu sagen, okay, also unter 16 kannst du alles, was Pflanzenfarben sind, in deine Haare packen. Und das hast du ja auch gemacht. Absolut. Und als du dann 16 warst, konntest du eben auch alles an chemischen Blondierung und Lila und so, das ging halt damit mit den Pflanzenfarben nicht.
Und als ich dann 16 war, ging das dann halt auch.
Genau, und Schminke und so, das durftest du halt davor schon, weil da haben wir eben nichts gesehen, was da gesundheitlich gefährdend sein könnte. Und gleichzeitig aber zum Beispiel auch beim Kleidungsstil oder so, da war es dann schon so, dass du einfach, dass es Zeiten gab, in denen du nicht überblickt hast, was für Wirkungen von Kleidungsstilen unter Umständen ausgehen können.
Ja, absolut, ich konnte es einfach nicht einschätzen. Ich war mir dessen einfach nicht bewusst.
Genau. Also so bauchfrei und tiefer Ausschnitt und dann noch so eine Hotpants, die irgendwie mehr zeigt als verdeckt. Zu kurz ist.
Man darf einfach zu kurz ist sagen.
Genau. Und da halt einfach auch als Mama, als Papa in den sauren Apfel zu beißen. Bei allem, da ich erlaube, meinen Kindern sich auszuprobieren, an der Stelle einfach so die schützende Hand über sie zu halten und zu sagen, also das Ja, das ist total wichtig, weil es gibt Dinge, die kannst du machen und da passiert nichts und da ist alles safe.
Bunte Haare zum Beispiel. Mein Gott, was soll schon passieren, dass jemand in der Schule blöd guckt? Ja, selber schuld. Aber bei Klamotten, vor allem wenn es um kürzere Dinge geht und dann um nachts unterwegs sein oder auch irgendwie mit anderen Leuten unterwegs sein, die man noch nicht so gut kennt, da ist es einfach wichtig, dass dass die Eltern da halt übernehmen, dass aufgepasst wird.
Also, und du hast es jetzt nicht gemocht in dem Moment?
Ich hab's gehasst! Ich fand es total scheiße! Natürlich hat mir das nicht gefallen!
Und natürlich hast du es auch in dem Alter nicht verstanden.
Ich hab's in dem Alter auch nicht verstanden, aber rückblickend 5, 6 Jahre später kann ich halt sagen: Dankeschön! Aber in dem Moment fand ich das natürlich blöd. Weil sich das in dem Moment als einschränkend angefühlt hat, aber ihr habt das ja nie gemacht, weil ihr mich einschränken wolltet, sondern weil ihr auf mich aufpassen wolltet, aber das hätte ich halt damals nicht gecheckt.
Genau, und da darfst du als Mama, als Papa halt für dich klar haben, was könnte schlimmstenfalls passieren. Das ist da immer, wie ganz oft bei Gemeckerfrei, einfach die Zauberfrage zu sagen, okay, also sind es Dinge wie jetzt mit einer zerrissenen Jeans ins Restaurant gehen oder in die Schule oder falls ihr irgendwie in die Kirche geht, in die Kirche oder wie auch immer, also so Dinge, Dinge, die halt einfach nur, wo man aneckt sozusagen, weil man sich gegen gesellschaftliche Normen verhält, die sind ja jetzt in dem Sinne nicht gefährlich.
Ja, absolut.
Genau, das ist ja eher so, dass man wirklich auch sehen muss, okay, wie findet denn Weiterentwicklung in der Welt statt, indem Menschen kommen, die Dinge anders machen, als sie bisher gemacht wurden? Und da kannst du deinen Teenager eigentlich nur für alles, was er anders macht feiern. Ja, und gleichzeitig gibt es halt eben Dinge, wo sagst du, wie wir es eben schon gesagt haben, nachts irgendwo in der Stadt leicht bekleidet unterwegs zu sein, kann halt von manchen Menschen als eine Einladung verstanden werden, die du nicht aussenden willst. Und wenn dein Teenager das halt noch nicht selber überblickt, darfst du halt da entsprechend auch die Führung übernehmen und das aushalten, dass dein Teenager dich an der Stelle halt doof findet.
Ja klar, weil also das wird in dem Moment nicht für Dankbarkeit sorgen, aber ein paar Jahre später halt dann schon, wenn ihr halt drüber sprecht und wenn ihr eure Beziehung halt so aufbaut, dass das halt einfach das Wichtigste ist.
Also dass die Beziehung zwischen dir und deinem Teenie, deinem Kind, das Wichtigste ist. Ja genau, und manchmal braucht man da auch einfach ein bisschen Geduld und einen längeren Zeithorizont sozusagen, also dass du halt einfach denkst, also ist doch klar. Also wir alle mögen das ja nicht, wenn uns was verboten wird. Ja, natürlich. Kann ja keiner von uns leiden, wenn wir mal ehrlich sind, mag das doch niemand gerne. Ja, und dein Teenager halt auch nicht.
Klar, wieso sollte er auch?
Genau, und jetzt geht es halt darum zu gucken, dass du ihm möglichst viele Dinge, die auch aus deiner Sicht nicht gefährlich sind, die vielleicht verrückt sind, die du vielleicht nicht magst, die, die nicht gegen deinen Geschmack gehen, gegen deine Werte gehen. Also wir waren ja die absoluten Ökos, also Öko-Einkäufer und so weiter. Und dann so ein Kind, das sich irgendwie Wasserstoffperoxid in die Haare schmiert. Also das war jetzt nicht, es war jetzt nicht wertekonform. Ja, also das ist nicht mit meinen Werten übereingekommen. Aber das war nicht in dem Sinne gefährlich, dass ich dass wir das hätten einschränken müssen, sondern da konnten wir sie halt einfach machen lassen. Und da einfach klar zu haben, je älter dein Kind wird, umso wichtiger ist es, also umso mehr musst du es machen lassen.
Ja, voll.
Und es fängt eigentlich bei der Geburt an, ne? Da und dann in Baby-Steps und dann in immer größeren Schritten einfach die Verantwortung für das eigene Leben an dein Kind zurückzugeben.
Ja.
Hast du das eigentlich als Teenager irgendwann mal bewusst wahrgenommen, dass wir dir Verantwortung für dich übergeben haben?
Ja, total. Also zum Beispiel angefangen damit, als wir entschieden hatten, dass ich mehr Taschengeld bekomme und davon halt aber auch alle Klamotten bezahle. Das war so, also das fällt mir jetzt gerade so ganz spontan ein, wo ich so ganz bewusst wahrgenommen habe, okay, ich habe selber die Verantwortung dafür, was mache ich mit dem Geld, und ich habe auch selber die Verantwortung, davon eine Winterjacke zu kaufen, die halt auch mal 100, 150 kostet, oder neue Schuhe, die halt auch mal ein bisschen mehr kosten. Dass es aber halt meine Verantwortung ist und dass es halt nicht ein Mama, ich brauche neue Schuhe ist.
Ja, oder auch wenn ich mir, wenn ich gerade so zurückdenke, dann auch immer, wenn du halt entschieden hast, du hast die Schule wechseln sollen.
Oh ja, stimmt! Ja, ich war ja auf sehr vielen verschiedenen Schulen und das habe ich halt selber entschieden und ihr seid dann halt mitgegangen und habt gesagt, okay, ist in Ordnung, kannst du machen.
Ja, das stimmt. Und eben auch so mit diesen, wir haben uns gerade vorher nämlich noch darüber unterhalten, dass die Anja gesagt hat, sie kann sich nicht erinnern, dass wir mal was gegen Haare färben gesagt hätten und dann Also ich habe schon, wir haben sie schon wissen lassen, dass wir das jetzt nicht für besonders gesund halten, aber gleichzeitig war das was, was wir dann, also wo wir nicht auf die Idee gekommen wären zu sagen, das darfst du nicht oder so was.
Wir haben auch nie, also du hast mir dann, als ich es gemacht habe, klar, du hast mir gesagt, das kann giftig sein und das ist nicht das Beste für deine Haare und für deinen Kopf und so weiter und so fort, aber du hast mir auch nie gesagt, das ist blöd aussieht.
Nee, und ich habe dir auch kein schlechtes Gewissen eingeredet oder so was. Auch wenn du dann kamst und es hat dir nicht gefallen, hat auch keiner von uns gesagt, siehste, das hast du jetzt davon.
Nein, du hast mich immer noch getröstet und gesagt, okay, wie kriegst du das denn jetzt wieder hin? Ja, also es war nie so, dass wir da irgendwie aneinandergeeckt wären.
Also das ist ganz wichtig, dass du deinen Teenager dabei begleitest, Dinge auszuprobieren, und dass es einfach ganz normal ist beim Ausprobieren, dass es Dinge gibt, die nicht so funktionieren, funktionieren, wie man sich das vielleicht vorstellt. Und es ist ja genau genommen auch die ganze Zeit im Leben so. Ja klar. Und dann jetzt, was Tattoos und Piercings angeht, da war für uns einfach klar, also da waren der Bernd und ich einfach dann klar, dass wir nicht die Verantwortung dafür übernehmen wollen, dir das zu erlauben, bevor du selber 18 bist. Weil wir einfach gesagt haben, das sind Dinge, Also gerade Tattoos, die hast du irgendwie vermutlich dein Leben lang, und das, da will ich einfach nicht die Verantwortung dafür übernehmen. Das soll sie einfach zu einer Zeit machen, wo sie komplett selber dafür verantwortlich ist. Und deshalb haben wir gesagt, kannst du also, wenn du 18 bist, das ist deine Wahl und deine Entscheidung. Und dann hast du das eben auch angefangen und hast ja jetzt mittlerweile auch, ich weiß nicht, hast mal gezählt, 16 Tattoos und weiß ich nicht, wie viele Piercings. Ja, 3 Piercings. Und jetzt letztens hast du dir ja auch noch mal Piercings machen lassen an Stellen, an denen ich laut schreie, schon allein bei der Vorstellung. Hat auch so wehgetan. Aber du findest es sau schön.
Es ist sau schön.
Und da war das halt einfach so, dass ich dann da haben wir dann geschrieben, weil als du beim Piercer noch warst und ich habe mich einfach dafür interessiert, ob es geklappt hat, wie schmerzhaft es war und so weiter, wie es war. Und dann ist uns eigentlich erst durch die Reaktion deiner Freundinnen ist uns das eigentlich erst aufgefallen, dass das eigentlich auch, wie wir damit umgehen, für dich vielleicht auch spannend sein könnte als Zuhörer. Ja, absolut. Also ich habe der Anja dann halt, weil ich konnte halt auch, sie hat mir dann ein Foto geschickt und ich konnte halt auch nicht nur schreiben, boah, sieht das toll aus, weil es wäre halt gelogen gewesen, weil ich in dem Moment, ich hatte halt nur abstehende Haare am ganzen Körper, weil es mich so geschüttelt hat.
Ja, deine erste Reaktion war Autsch.
Ja, genau. Und dann, aber weil ich ja, dann habe ich halt geschrieben, dass ich dich dafür feiere, dass du Dinge magst, und machst, die ich nicht mag und die ich auch nicht machen würde. Ja, und das ist also, mehr Wertschätzung kannst du eigentlich deiner Tochter oder deinem Sohn, deinen Kindern nicht geben, als wenn du einfach sie dafür feierst, dass sie Dinge anders machen, als du es selber machen würdest, gemacht hast, als du selber mögen würdest und so weiter. Und deshalb wollen wir dir das einfach unbedingt mitgeben. Entwickle die Haltung, dass du feierst, wenn deine Kids Dinge auf ihre Weise tun.
Ja, und es ist halt auch aus Kindersicht, ist das halt auch so wertvoll, weil du halt, also weil ich mich gesehen fühle und weil ich mich wertgeschätzt fühle und weil ich mein Tun wertgeschätzt fühle, ohne dass ich machen muss, was du magst. Ohne dass ich eine Mini-Version von dir werden muss.
Ja, das wäre ja furchtbar. Ja, absolut. Mich gibt es ja schon. Ja, richtig. Und deine Freundinnen haben dann eben das so gefeiert, weil sie sich gar nicht vorstellen konnten, dass ihre Mütter so reagieren, bzw. sie gesagt haben, wenn ich das mal schaffe, wenn ich selber Kinder habe, so zu reagieren, wäre das ja besonders cool. Und wenn du jetzt zuhörst, dann nimm es einfach als Inspiration für dich und trainiere diese Haltung. Und das fängt ja schon an, also ganz genau genommen, geht es ja, da geht es ja zurück bis in deine Kleinkindheit, wo du irgendwie mit zweieinhalb oder drei Jahren im Sommer bei 25 Grad oder 30 Grad der Meinung warst, du musst jetzt ein rosa Ski-Overall ausführen und bist mit dem halt im Garten rumgesprungen. Oder alternativ halt irgendwie im Februar bei -15 Grad im Prinzessinnenkleid mit Sandalen. Ja, und da halt und in allen Kombinationen, also was du an Strumpfhosen und Leggings mit Kleidern und Röcken kombiniert hast und was du an Strumpfhosen unter kurze Hosen angezogen hast. Und die Fotos sehen zum Teil wild aus und gleichzeitig waren es halt immer so, also du hast halt nie Dinge angezogen, die ich dir rausgelegt habe.
Ja, ich wollte halt selber entscheiden.
Ich hätte, ich wäre auch nie auf die Idee gekommen, dir Kleidung rauszulegen.
Zum Glück.
Aber das hätte auch bei uns einfach mal überhaupt nicht funktioniert, weil du halt einfach— ich musste ganz im Gegenteil, es war dann bei deinen kleineren Brüdern eher so, dass ich dann manchmal lernen musste, dass die das mögen, dass ich ihnen was hinlege, weil sie sich dann nicht selber entscheiden müssen. Und da musste ich das manchmal sogar erst wieder trainieren, sozusagen. Und da einfach immer zu gucken, was ist dein Kind für eine Persönlichkeit und was braucht es von dir für eine Unterstützung und für eine Begleitung? Und Und wie kannst du es dabei begleiten, dass es sich selbst zum Ausdruck bringt, auf seine ganz individuelle Art und Weise?
Ja, das hast du schön gesagt.
Dankeschön. Genau, und das finde ich, das machst du einfach total großartig, Anja, wie du dich zum Ausdruck bringst und wie du dich ausprobierst und wie du halt immer mehr und mehr und mehr die Person wirst, die du halt hier auf dieser Erde sein willst und wie du dich halt ins Leben klitzerst und dabei Schritt für Schritt für Schritt über uns hinauswächst. Und das ist einfach auch so wichtig, dass du halt von klein auf den Raum aufmachst, dass deine Kinder über dich hinauswachsen dürfen und dich davon nicht getoucht fühlst, also so Konkurrenzding oder so, sondern dass du halt einfach den Raum aufmachst und siehst, alles, was du beiträgst, dass das Pflänzchen wachsen kann, führt dazu, dass daraus halt eine Pflanze wird, die halt wieder der Nährboden für andere Pflanzen ist und halt einfach so den Rippeleffekt, wie sich die Welt weiterentwickelt und verändert. Ja, und jedenfalls finde ich es voll super, Anja, dass du uns ausgesucht hast als deine Eltern. Ja, ich finde das auch super. Ich mag das auch super gerne, deine Tochter zu sein. Okay, hervorragend. Genau. Und wir wünschen dir als Zuhörerin einfach, bevor wir jetzt hier ins Schmachten kommen, als Zuhörerin, als Zuhörer, geh los und entwickle solche Beziehungen zu deinen Kindern, weil Es ist einfach, es gibt einfach nichts Schöneres. Und du bist am Ende des Tages viel länger Mama oder Papa von einem erwachsenen Kind als von einem Kleinkind. Und deshalb einfach investiere in jeder Sekunde in die Beziehung, indem du die Verantwortung an die Kids zurück übergibst, da die Führung übernimmst, wo die Kids es für sich noch nicht können, aber nur da, nur da und fang an, das zu lieben, wenn sie Dinge anders machen als du, weil das zeigt nur an, dass du den Raum aufmachst, dass die Welt sich weiterentwickeln kann.
Ja, absolut.
Danke fürs Zuhören. Ja, total. Hab eine schöne Woche, alles Liebe, tschüss.
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