So wird dein Kind zum Lügner - Podcast 178

Uli and Bernd Bott explain why children lie and how parents can encourage honesty instead. Kids lie when they fear punishment, crave approval, copy their parents' white lies, lack a culture of mistakes, or need autonomy. Parents can help by staying calm about errors, admitting their own lies, and letting kids feel safe telling the truth.
Chapters
Wenn Fehler machen als was Negatives betrachtet wird, wird niemand bereit sein, einen Fehler zuzugeben.
Das ist die Vorlage für eine Lüge.
Hätten wir dann gesagt, boah, der ist aber süß, der Kuchen, dann hätten die Kinder gesagt, hmm. Hallihallo und herzlich willkommen hier beim Gemeckerfrei-Podcast, Podcast für liebevolle Beziehungen in der Familie als und mit dir selbst. Schön, dass du hier bist, dass du uns zuschaust, zuhörst. Wir sind Uli und Bernd Bott, wir sind die Gründer von Gemeckerfrei.
Wir sind Eltern von 4 Kindern und auch schon Großeltern von einem Enkel.
Genau.
Wir sind Spiegel-Bestseller-Autoren und haben schon Tausenden Menschen dabei geholfen, ihr Familienleben, ihre Beziehungen in der Familie liebevoller, schöner, intensiver und eben gemeckerfreier zu gestalten.
Genau. Heute geht's um ein Thema, das glaube ich wirklich alle Eltern kennen.
Eigentlich wollten wir die Pinocchio-Musik heute als Titelmelodie nehmen, aber das dürfen wir nicht.
Und zwar: So werden deine Kinder zu Lügnern, oder so machst du deine Kinder zu Lügnern. Und wie Natürlich, wenn du uns schon kennst, geht es immer darum rauszufinden, okay, was ist eigentlich unser Anteil als Eltern daran, wenn Kinder anfangen zu schwindeln, wenn Kinder anfangen, die Unwahrheit zu erzählen, wenn Kinder anfangen zu lügen, und wie können wir mit unserem Elternverhalten dem eigentlich entgegenwirken? Also was können wir tun, damit unsere Kinder die Wahrheit erzählen?
Ja, beziehungsweise eben auch, um halt so dem auf die Schliche zu kommen, was tun wir eigentlich schon so, weil wir es halt so tun, dass den flexiblen Umgang mit der Realität der Kinder erzeugt, also das dazu führt, dass sie Dinge erzählen, und ich formuliere es jetzt extra so vorsichtig, Dinge erzählen, die sich in unserer Realität ganz anders abgespielt haben. Ja, also dass es da Unterschiede in der Bewertung gibt, absolut, Empfindung und Darstellung.
Genau. Nur in dem Moment, in dem du Dinge, die deine Kinder erzählen, als Lüge betrachtest, wird schwierig, die Beziehung an die erste Stelle zu stellen, wird schwierig, dem Kind wohlgesonnen zu bleiben, weil wir diese Lügen oft persönlich nehmen, weil wir oft eben der Meinung sind, die Kinder machen das absichtlich und wollen uns damit eins auswischen oder irgend so was. Und jetzt einfach mal zu sagen, einfach mal hinzugucken, wollen es einfach mal angucken. Genau, der erste Grund, warum Kinder lügen.
Hallo, ganz kurz zwischenrein, ne? Wir haben festgestellt, bei diesem Podcast sind die meisten unserer Zuhörer und Zuseher, ganz genau gesagt, sind es 74% der Zuschauer und Zuhörer sind nicht Abonnenten unseres Kanals oder des Podcasts. Und deswegen will ich dich jetzt bitten, wir würden diese Zahl gern auf unter 50% senken, und dafür brauchen wir deine Hilfe. Also geh jetzt kurz, wenn du auf YouTube bist, musst du einfach nur unter dem Video auf Abonnieren klicken. Ansonsten in der Podcast-Plattform, wo du gerade bist, Sei so nett und lass uns ein Abo da. Wenn du nach der Folge begeistert bist und sogar noch Zeit hast, freuen wir uns auch noch über eine Bewertung, am besten natürlich mit 5 Sternen. Damit hilfst du uns, dass wir diesen Podcast weitermachen können, dass wir euch weiter hier coole Themen bringen können, und unterstützt damit die Gemeckerfrei-Mission, die Welt für Kinder schöner zu machen. Vielen herzlichen Dank und jetzt viel Spaß weiterhin mit dieser Folge.
Der erste Grund, warum Kinder lügen, ist, wenn sie die Erfahrung gemacht haben, dass die Wahrheit gefährlich ist. Was versteckt sich dahinter?
Ja, was bedeutet das? Die Wahrheit ist dann gefährlich, wenn sie Angst haben müssen vor dem, was, vor den Konsequenzen. Ja, also wenn sie jetzt was auch immer, klassische Beispiele, fragst: Hast du Zähne geputzt? Kind sagt ja, weil wenn es nein sagt, sagst du, ich habe dir doch aber gesagt, du sollst Zähne putzen.
Ja, oder es muss wieder oder sein. Ja, aber jetzt schnell, dann muss es aus dem gemütlichen Bett wieder aussteigen, aufstehen, oder ja, so. Also dass wir halt schimpfen, Maßregeln kritisieren, bewerten, dass also eine negative Reaktion von uns kommt, wenn die Kinder zugeben würden, dass sie die Zähne nicht geputzt haben. Und weil sie geliebt werden wollen, weil das ihr wichtigstes Grundbedürfnis ist, weil wir müssen uns immer, wir müssen immer im Blick behalten, dass die Kinder darauf angewiesen sind, dass sie von uns geliebt werden. Weil nur wenn sie von uns geliebt werden, wenn wir sie lieben, dann sind wir als Eltern bereit, den Aufwand zu betreiben, für sie zu sorgen. Weil, also ich meine, du würdest ja nicht für irgendwie, also ich mache es jetzt mal ganz übertrieben, für ein Stück Hundescheiße, das nachts neben deinem Bett stinkt und schreit, würdest du doch nicht aufstehen. Also ja, wenn es so stinkt, dass du deshalb nicht schlafen kannst. Aber du würdest für irgendwie nassen Schwamm, würdest du nachts nicht aufstehen, wenn der schreit. So, aber für dein Kind stehst du natürlich auf. Und deshalb ist dein Kind drauf angewiesen, dass du es liebst, weil du nur dann bereit bist, für es zu sorgen. Und deshalb vermeidet dein Kind ganz instinktiv Dinge, die dazu führen, dass du aufhören könntest, es zu lieben.
Und deswegen ist auch diese, das, also Kind lügt, weil die Wahrheit gefährlich ist. Gefährlich bedeutet eben auch allein nur deine Missgunst in dem Moment, ja, deine negative Reaktion. Und das ist ja so diese Abstrusität darin, ne, das Kind sagt nicht die Wahrheit, weil es will, dass du es liebst. Und du interpretierst natürlich, also das ist jetzt nicht nur du, das geht allen, das haben wir auch schon gemacht, das ist keine Frage. Das schaffen wir als Erwachsene natürlich super gut, dann zu denken, das Kind tut das gegen mich. Schau mal, was da für eine, das ist ja irre eigentlich. Was da passiert an der Stelle. Nur weil wir unser Erwachsenenverhalten, wo wir sagen, na ja, wenn jetzt du deinen Partner fragst, irgendwas fragst und der sagt bewusst genau die Unwahrheit oder das Gegenteil, das ist ja das, was du unter Erwachsenen als Lüge bezeichnen würdest.
Ja, und gleichzeitig, wie oft? Na, wir gehen, wir haben uns zwar hier so 5 Punkte aufgeschrieben, aber wenn ich hier gehe mal quer, kreuz und quer, vielleicht machen wir am Schluss einfach noch mal so eine Zusammenfassung damit. Weil wir machen das auch unter Erwachsenen. Wir, also ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der nicht die Notlüge immer wieder benutzt. Oder also was weiß ich, so Sachen, dass du halt, da klingelt die Nachbarin und du willst gerade nicht mit der sprechen, weil du keine Lust hast oder die dir eh auf den Senkel geht oder du noch irgendwas für die machen sollst, was du noch nicht erledigt hast, und dann sagst du zu deinem Kind, sag ihr, ich bin nicht da. Oder, was hat uns eine Freundin letztens erzählt, ihre Mama war so strenge Vegetarierin und immer wenn die bei ihr dann zu Besuch war, hat die die Salami aus dem Kühlschrank gegessen. Wenn dann jemand gefragt hat, wer hat denn die Salami gegessen, so Also solche Sachen, dass wir so kleine Lügen im Alltag, dass wir sagen, wir hätten irgendwas, was weiß ich, das Kind wäre krank gewesen, weil wir irgendwas verbockt haben.
Oder allein so, also das ist bei mir immer wieder mal, wenn man gesagt hat, dann kam die Oma zu Besuch, das und das erzählen wir jetzt der Oma nicht. Also das muss, weil das versteht die nicht oder da macht die sich Sorgen und so weiter. Und das war dann eben Und damit machst du, wenn du so was machst, du machst ja das Kind zum Komplizen dabei.
Ja, absolut.
Meine Eltern haben sich auch mal wieder am Telefon verleugnen lassen. Die haben dann immer wieder gesagt, also ich kann das verstehen, mein Vater war Schulleiter und da haben ständig Leute angerufen und irgendwann wollte er halt dann mal nicht. Dann hat das Telefon geklingelt und er hat gesagt, also ich bin nicht da. Dann hat man halt gesagt, nee, der ist nicht da, ich schreib's gerade auf. Weil keiner den, weil Dahinter war natürlich das Ding, keiner hatte den Mumm. Man hätte einfach den Mumm haben müssen, der mag jetzt nicht.
Ja, der ist zwar hier, aber der kennt mich nicht.
Der ist zwar da, aber der geht jetzt nicht ans Telefon. Ich schreib gerne Ihre Nummer auf.
Ja, das wäre ja vollkommen in Ordnung.
Oder halt einfach zu sagen, geht halt keiner ans Telefon. Das wäre ja auch gegangen. Ja. Also nur so, da eben aufpassen, wie oft benutzt du sowas und bist halt damit auch das Vorbild, dass man damit flexibel umgeht.
Ja, und deine Kinder, dein Kind kennt nicht deine moralischen Maßstäbe, wann du das in Ordnung findest. Und jetzt setzt das Kind das für sich um und also macht dir das nach, weil du bist halt einfach das wichtigste Vorbild. Jetzt macht dein Kind dir das nach und setzt dabei aber Maßstäbe, die du jetzt vielleicht moralisch nicht in Ordnung findest, oder wo du sagst, wir haben doch so eine enge Beziehung zueinander, da macht man das nicht. Aber für das Kind, Kinder sind ja noch viel mehr in diesem All-Eins-Gefühl, dass die ihr Herz offen haben für jeden. Deshalb gibt es ja auch kleine Kinder, die jeden umarmen und so weiter. Ich weiß, das machen nicht alle Kinder, aber die Kinder, die das machen, machen das, weil die haben noch so ein offenes Herz, dass die mit jedem dieselbe Liebe tauschen. Und für dein Kind gibt es eben da keinen Unterschied, ob das jetzt die Nachbarin ist, der mal einen Bären aufbindet, oder ob dass du bist, dem sie einen Bären aufbinden. Und von dem her einfach so zu erkennen, okay, wenn deine Kinder dazu tendieren zu schwindeln oder zu lügen oder die Unwahrheit zu erzählen, dann nimm das doch mal als Anlass, bei dir zu gucken, okay, wie oft nutze ich denn so was wie eine Notlüge? Wo überall bin ich nicht so ehrlich? Wo sagst du vielleicht zu deinem Kind, du hast die vergessen, die Schokocreme mitzunehmen, einzukaufen, obwohl du halt die eigentlich nicht, und obwohl du die absichtlich nicht gekauft hast, weil du halt willst, dass die weniger von dem Zeug essen. Oder wo bist du nicht mehr, wenn du sagst, was weiß ich, das Kind dich gefragt hat, kannst du mir ein Schulheft mitbringen oder dies oder das mitbringen, was jetzt nicht so wichtig war, und du vielleicht keine Lust hattest, bei dem Laden noch mal anzuhalten, weil es dir eh schon zeitlich zu knapp war. Solche Sachen halt, wo wir dann schnell mal so irgendeine Geschichte erzählen. Und das einfach mal für dich zu überprüfen: Wo machst du das? Wo machst du es auch mit dir selber? Wo weißt du, dass du irgendwas, ne, ich sollte unbedingt mehr Sport machen, und dann erzählt sie dir so Geschichten wie, ja, heute geht's aber nicht, weil es ja auch nichts anderes, sich selber in die Tasche lügen. Und das muss man einfach für sich bewusst machen haben. Wenn du das tust, dann bist du damit eben auch ein Vorbild für deine Kinder. Aber vielleicht können wir noch mal zurückgehen zu diesen Lügen, wenn die Wahrheit gefährlich ist. Weil was wir ja ganz oft machen, ist, dass wir die Kinder fragen: Warum hast du das und das nicht gemacht?
Genau, und das ist natürlich, das ist schon eigentlich die Vorlage, ja. Das ist die Vorlage für eine Lüge. Das ist eigentlich nicht nur die Vorlage, das ist der Checkout dafür. Weil damit hast du die Lüge schon bestellt und gekauft. Lieferung kommt sofort. Weil du willst eine Begründung. Und du willst noch dazu eine Begründung für was? Weil du fragst es ja nur, wenn es nicht Zähne geputzt hat oder wenn es irgendwo Hausaufgaben nicht gemacht hat. Was auch immer vergessen hat, Kaninchen nicht gefüttert, scheißegal. Du willst eine Begründung und die kriegst du. Und Begründungen stimmen ja schon nicht, die du dir selber erzählst. Wissen wir ja, weiß man, kann man psychologisch nachweisen. Gibt's also, gibt's Studien und Tests dazu. Und das Kind muss dir in dem Moment ja irgendwas erzählen.
Du erwartest eine Antwort, wenn du, wenn du sagst, warum hast du die Zähne nicht geputzt? Warum hast du das Kaninchen nicht gefüttert? Warum hast du deinem Bruder das Spielzeug weggenommen? Dann erwartest du eine Antwort, und das Kind, das auf deine Lüge, auf deine Liebe, nicht auf deine Lüge, auf deine Liebe aus ist, versucht dich mit seiner Antwort zufriedenzustellen. Das heißt, es wird dir eine Antwort geben, von der es selber glaubt, dass sie für dich plausibel ist. Wenn du jetzt also sagst, ich habe mein Kaninchen nicht gefüttert, weil ich hatte heute so viele Hausaufgaben und ich habe da so lange dafür gebraucht, dann sagt— was sagt dann der Papa?
Was würdest du dann sagen, wenn ich als Kind jetzt sagen würde, ich hatte so viele Hausaufgaben?
Wenn ich aber sagen würde, wenn ich gesagt hätte, wer fragt mich doch mal, warum ich das Kaninchen nicht gefüttert habe. Ich hab keinen Bock, blödes Kaninchen.
Okay, das ist wenigstens ehrlich. Was machen wir denn da? Weil dann, wenn das Kaninchen, wenn jetzt keiner mehr Bock hat, das Kaninchen zu füttern, dann kriegt es ja gar nichts zu fressen.
Ja, also die Wahrscheinlichkeit, dass der Papa vielleicht auch nicht so reagiert, wie cool, so cool reagiert, wie der Bert jetzt reagiert hat, sondern dass der Papa vielleicht sagt: Du bist doch sein Kaninchen und du wolltest es unbedingt haben und jetzt kümmere dich auch drum. So, ja, die Wahrscheinlichkeit ist ja relativ groß, was einfach dazu führt, dass das Kind sich sehr schnell überlegt, wenn es ja, weil es braucht, muss ja geliebt werden von dir, dass das Kind sich sehr schnell überlegt, welche Antwort, ja, welche Antwort möglichst dir besser gefällt.
Genau. Und wenn du jetzt aber auf die ehrliche Antwort, könntest du ja einfach reagieren, ja cool, dass du das so ehrlich sagst.
Ja, genau.
Was können wir denn machen, dass es dir leichter fällt, oder soll man das immer miteinander machen? Oder was auch immer.
Ja, genau. Nur da merkst du, die Warum-Fragen führen oft dazu, dass das Kind dir eine Geschichte erzählt, die du gerne hören willst, und hinterher regst du dich dann drüber auf, dass das eine blöde Geschichte war. Also frag lieber nicht warum.
Frag nicht warum und mach natürlich erst recht nicht so was wie: Wer hat denn heute vergessen, das Kaninchen zu füttern? Das ist natürlich überhaupt nicht schön.
Ja, weil dann wirst du bloßgestellt. Niemand will sich gerne bloßstellen. Wenn Fehlermachen als was Negatives betrachtet wird, und das ist ja das, was da mitschwingt in dieser Aussage, wenn Fehlermachen als was Negatives betrachtet wird, wird niemand bereit sein, einen Fehler zuzugeben, sondern dann versucht jeder, diesen Fehler irgendwie unter den Tisch runterfallen zu lassen, jemand anderem in die Schuhe zu schieben, so nach dem Motto: Mir sind heute zwei Teller runtergefallen, ich verstecke die Scherben, hoffentlich merkt es keiner. Und erst beim nächsten großen Fest oder so, wo alle Teller gebraucht werden, fällt dann auf, dass zwei fehlen. Und so solche Dinge, die also die einfach da, wenn es keine Fehlerkultur bei euch zu Hause gibt, dann fangen die Kinder an zu lügen, um Fehler zu kaschieren, um nicht kritisiert zu werden. Und das ist, wenn die Wahrheit gefährlich ist.
Und wenn Fehler gefährlich sind. Da kommen wir ja zu dem, dazu, dass es eigentlich, das hat man in der Folge zu den Hausaufgaben auch schon, wollte ich jetzt nur kurz einen kleinen Querbeweis machen, die sich da auch, die da auch sehr hörens- und sehenswert ist. Geht es halt darum, dass Fehler einfach auch da sein dürfen.
Da sein müssen.
Da sein müssen und zwar von euch allen.
Genau.
Und das auch jeder, da bist du ja auch wieder das Vorbild. Keine Ahnung, wenn du kommst vom Einkaufen heim, deine Frau sagt, wo ist die Milch? Oder ja, keine Ahnung, so sagt es vielleicht so, ja, weil einfach erstmal nur so aus diesem— Wo ist die Milch? Wo ist die Milch da? Ich wollte jetzt gerade den Kindern Müsli machen oder was auch immer. Und du sagst, jetzt hast du die Wahl. Ja, ich habe es vergessen. Oder du sagst: Ja, die war aus.
Die stand gar nicht auf dem Einkaufszettel.
Die stand gar nicht auf dem Einkaufszettel, was auch immer. Anstatt zu sagen: Ja, okay, hab ich vergessen, soll ich gleich noch mal fahren? Ja, genau. Weil das ist das, was du vormachst. Und wenn sie dann reagiert: Ja gut, ist auch egal, dann gibt es heute halt kein Müsli. Oder was auch immer. Wenn jetzt bei euch die Milch nicht systemrelevant ist, dann kann man es sein lassen. Weil damit macht ihr vor, wie die Kinder damit umgehen. Und deshalb immer wichtig, dass es eine, dass eine entspannte Reaktion kommt.
Ja, ich habe neulich unser Auto, ja, ich hatte Besuch von einer Freundin und meine Freundin hat, wir waren unterwegs auf der Insel hier und wir haben im Halteverbot geparkt und haben es nicht gemerkt, weil die ganze Straße war zugeparkt und wir haben es einfach nicht gesehen und wir sind tatsächlich abgeschleppt worden. Und dann hat sie auch zu mir gesagt, also als Wir dann schon auf dem Weg waren wieder zu diesem Parkplatz, wo wir das Auto wieder abholen konnten. Das ging zum Glück alles sehr schnell. Ja, genau. Und dann sagt sie so zu mir: Ja, und wie? Also wie der Bernd denn da jetzt drauf reagiert, wenn ich ihm das erzähle? Und dann ich so: Der wird lachen, weil also das hilft ja auch überhaupt nichts, sich da jetzt noch irgendwie drüber aufzuregen. Nur das ist Fehlerkultur, dass du einfach Fehler machen kannst. Ich meine, es war Also man könnte jetzt sagen, das war einfach sockenblöd, weil am Anfang der Straße war ein großes Schild, dass das eine Fußgängerzone ist und dass das ein Halteverbot ist und nur eine Ladezone ist. Und ich habe das halt komplett nicht gesehen und auch nicht geguckt. Und jetzt einfach sagen, okay, Fehler dürfen einfach da sein. Das gehört einfach dazu. Das ist was Menschliches. Das machen wir dauernd. Genau, aber jetzt haben wir schon fast ein bisschen abgeschweift vom Lügen. Wenn ich jetzt nicht sicher hätte sein können, dass der Bernd so entspannt reagiert, dann hätte ich womöglich gesagt: Da war kein Schild, das kann gar nicht sein, die haben einen Fehler gemacht. Hätte halt versucht, mich irgendwie da rauszureden, anstatt einfach zu sagen: Sie Das war sockendoof von mir, ich habe es halt einfach verpeilt. Wir haben uns noch gefreut, dass wir so nah an der Strandpromenade parken konnten. Wo so viel los war, schätze ich. Also das hat einfach die Art und Weise, wie du auf Fehler reagierst, sorgen dafür, ob dein Kind seine Missgeschicke benennt und dazu steht. Oder nicht. Kinder lernen natürlich auch zu lügen, wenn sie nicht genug Raum bekommen, sie selbst zu sein, wenn sie sich zu oft anpassen müssen, wenn sie tun müssen, was du haben möchtest, wenn ihr ganzer Alltag verplant ist. Dann können sie nicht sagen, ich habe die Spülmaschine nicht ausgeräumt, weil ich hatte schlicht keinen Bock mehr, sondern dann fangen sie an, dir eine Geschichte zu erzählen, warum sie das jetzt nicht machen. Konnten, was einfach nur gelogen ist. Und wenn du merkst, dass dein Kind immer wieder dich anschwindelt bei so alltäglichen Dingen, bei so Aufgaben, einfach überprüf doch mal, ob das Kind genug Raum hat, es selbst zu sein.
Ja, und über sich selbst zu entscheiden. Und das ist das, was es sich dann ja wieder durch eine Hintertür zurückholt, ist eine gewisse Freiheit, die es nicht hat, offensichtlich, oder die es nicht ausreichend hat aus seinem eigenen Blickwinkel für sein eigenes Bedürfnis. Ja, dann haben wir noch einen letzten Punkt: Die Lügen sind ein Schutzmechanismus, also ein Schutzmechanismus des Gehirns. Kinder lügen, weil sie nicht— weil sie— ich meine, das hatten wir schon ein bisschen. Ich muss jetzt aufpassen, wie wir das abgrenzen. Ja, es ist das ist ein bisschen ähnlich wie das mit dem Angsthaben, aber es ist halt, weil sie eigentlich gerne eine andere Realität gehabt hätten. Ja, also sie weiß, sie, das passiert dann aus dem Wissen raus, okay, da hätte was anders laufen müssen.
Ich habe es aber nicht geschafft.
Habe es aber nicht geschafft. Und jetzt ist es so, wenn sie es anders erzählen, ist es für Kinder je nach Alter tatsächlich so, wie sie es in dem Moment erzählen. Dann ist es streng genommen auch noch nicht mal wirklich eine Lüge, sondern es ist vielleicht eher Fantasie, würde man aus erwachsenen Sicht sagen. Spirituell gesehen kann man jetzt auch sagen, ja, welche Realität hat jetzt tatsächlich stattgefunden, was weiß ich. Wenn wir jetzt hier, dann sitzen wir noch 2 Tage da und diskutieren darüber. Nur das ist wichtig, gerade bei jüngeren Kindern, würde ich mal sagen.
Ja, ich glaube, also uns, unsere zwei von unseren Kindern haben mir gerade vorher eine Geschichte erzählt, haben uns über Pfannkuchen unterhalten und den wir früher öfter gebacken haben. Und dann haben sie mir erzählt, dass sie mal zusammen Pfannkuchen gebacken haben und dann hat unsere Tochter einen Esslöffel mehr Zucker in die Creme gemacht, als das Rezept es gebraucht hätte und hat zu ihrem kleinen Bruder gesagt, das erzählen wir jetzt aber nicht. So, und zu sagen, okay, ich mag es halt gerne süß, ich weiß aber, dass da eigentlich süß immer so ein bisschen, also sie hat jetzt nicht noch einen extra Esslöffel Gemüse da reingemacht, ja, sondern Zucker, was ja jetzt bei uns zu Hause auch jetzt schon klar war, das ist nicht das gesündeste Lebensmittel, ist, also haben sie einen Esslöffel mehr Zucker Zucker reingemacht und haben das aber für sich behalten und haben halt nur gesagt, oh, wir haben Pfannkuchen gebacken und schmeckt ja nicht lecker und so, ne, einfach um, und haben die Realität so nach ihrer Vorstellung geformt und nicht drüber gesprochen. Hätten wir, ich kann mich nicht mehr erinnern, ehrlich gesagt, das muss irgendwie, weiß ich nicht, 15 Jahre her sein, aber jedenfalls Hätten wir dann gesagt, boah, der ist aber süß, der Kuchen, dann hätten die Kinder schon gemerkt, unter Umständen, keine Ahnung, ja. Aber halt zu sagen, okay, ich kreiere meine eigene Realität. Und es ist auch eine Fähigkeit, weil wenn Menschen auch schmerzhafte Dinge erlebt haben, dann ist das eine wahnsinnige Fähigkeit, des Gehirns, das da die Perspektive zu wechseln, das umzuformen und neu zu deuten. Es gibt immer diese Geschichte von Familien, in denen der Vater Alkoholiker und Schläger war und die Kinder mit dem Gürtel verprügelt hat. Und es gab 4 Kinder, und jedes der 4 Kinder hat ganz anders mit der Situation umgegangen. Der eine ist auch ein Schläger geworden, der andere ist depressiv geworden, der nächste Nächste ist voll der Streber geworden, und der Übernächste hat es voll hingekriegt und ist ein liebevoller Vater geworden, weil er halt gelernt hat, aus dieser Situation eine Realität zu erschaffen, wie er es nicht machen will und wie er es stattdessen machen möchte. Und diese Fähigkeit, die Vergangenheit umzudeuten, oder jetzt, was weiß ich, da sagt dein bester Freund zu dir: Ich will nicht mit dir spielen, du bist nicht mehr mein bester Freund. Und anstatt zu sagen, ja, die Wahrheit wäre, die Wahrheit wäre, das Kind hat gesagt, es will nicht mehr mit mir spielen, und du sagst, okay, vielleicht hat der heute einen schlechten Tag gehabt. Und das ist auch die Realität geformt.
Ja, das ist ja auch, das ist quasi auch eine Trauma Response. Also wie geht man mit so traumatischen, und das muss ja nicht immer so was Dramatisches sein, aber mit solchen Ereignissen um. Und dein Beispiel zeigt ja, das kann auch, das ist eine sehr positive Funktion auch des Gehirns, oder Funktion ist vielleicht der falsche Ausdruck. Ja, schon, es ist eigentlich eine Funktion.
Ich würde das auch so sehen.
Es ist eine positive Funktion. Man kennt es ja auch, je älter Menschen werden, umso mehr werden die Geschichten von früher immer schöner. Das ist ja auch, und es ist cool, das ist total gut, weil uns das eben ermöglicht, in der Gegenwart positiv zu leben, wenn wir die Vergangenheit eben positiv konnotieren können. Und deswegen ist es nicht cool, das Kindern total abzugewöhnen.
Absolut.
Absolut.
Und gleichzeitig eben zu sehen, ein Kind, das in der Lage ist zu sagen, mein Freund hatte gestern einen schlechten Tag, deshalb hat er gesagt, er will nicht mehr mit mir spielen, ist doch eine Fähigkeit. Ist doch eine Fähigkeit. Nur dafür musst du eben dem Kind den Raum geben, dass es auch an anderen Stellen die Realität umformt. Wir machen das ganz oft auch. Wir formen auch Realität um in unseren Coaching-Programmen dafür, dass Menschen in der Lage sind, eine positivere Sichtweise auf Ereignisse zu bekommen, um innerlich wieder stabiler zu werden und sich selber besser fühlen zu können und dadurch in der Folge liebevoll und klar mit ihren Kindern agieren zu können. Und diese Fähigkeit, na, trainier die deinen Kindern nicht ab. So, das waren jetzt die 5 Punkte. Wollen wir die noch einmal wiederholen?
Das eine ist: Kinder lügen, wenn die Wahrheit gefährlich ist. Dann: Kinder lügen, um geliebt zu bleiben, weil sie geliebt werden wollen.
Müssen.
Müssen sogar, ja. Kinder lernen durch Beobachten auch das Lügen bzw. den flexiblen Umgang oder auch Verschweigen von Dingen. Das ist ja oft dann, erzähl mal der Oma jetzt nicht, ist auch ein Lügen, ist auch nicht das Sein zu können. Kinder lügen, wenn sie nicht genug Raum haben, sie selbst zu sein. Und Lügen ist ein Schutzmechanismus des Gehirns.
Genau. Und jetzt weißt du, was du tun kannst, wenn du dein Kind dabei begleiten möchtest, offen und ehrlich mit dir zu sein.
Vielen Dank fürs Zuhören. Vielen Dank fürs Zuschauen.
Alles Liebe.
Viel Freude damit und hoffentlich bis zum nächsten Mal.
Alles Liebe. Tschüss.
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