Wann du dir keinen Zacken aus der Krone brichst - Podcast 027

In dieser Podcast‑Folge von Uli und Bernd Bott diskutieren die beiden Gastgeber, wie man in zwischenmenschlichen Beziehungen – sei es zwischen Partnern, Eltern und Kindern oder Freundinnen – Verantwortung für die eigenen Gefühle übernimmt und stattdessen echtes Bedauern ("Bedauern ausdrücken") anstelle einer formalen Entschuldigung nutzt. Sie erklären, warum das Bedauern produktiver ist, weil es keine Schuldzuweisung enthält, und zeigen anhand persönlicher Beispiele, wie man Bedauern authentisch formuliert, wie lange man es ausdrücken sollte und dass die verletzte Person selbst entscheidet, wann die Beziehung wieder "gekittt" ist. Der Unterschied zwischen Bedauern und Entschuldigung wird klar herausgearbeitet, ebenso wie die Bedeutung, dem Gegenüber Raum zu geben, besonders bei Kindern. Abschließend laden sie die Hörer ein, an ihrer "Beziehungstoolbox" teilzunehmen, um das Gelernte zu vertiefen.
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Hallo hier bei Gemeckerfrei, dem Eltern-Podcast für dein liebevolles, entspanntes und glückliches Familienleben. Setz dich mit uns an den Tisch. Wir, Uli und Bernd Bott, heißen dich herzlich willkommen.
Hallihallo, herzlich willkommen! Schön, dass du da bist beim Gemeckerfrei-Podcast, und schön, dass du da bist, Schatz. Oh ja, das stimmt. Heute wollen wir mit dir darüber sprechen oder ein bisschen miteinander darüber sprechen. Ja, wieder Welcome back sozusagen. Der Bernd wieder zurück. Stimmt.
Kurze Pause gemacht.
Genau. Wann du dir keine Zacke aus der Krone brichst. Darüber sprechen wir heute.
Wann dir kein Kronjuwele runter poltert.
Und ich glaube, es ist einfach ganz normal, dass wir Menschen Fehler machen.
Absolut.
Niemals absichtlich, aber manchmal tun wir schon Dinge, die für andere sich blöd anfühlen, blöde Konsequenzen haben, die einfach nicht nicht ganz so klug sind.
Ja, und wir merken es manchmal sogar auf dem Weg schon und kriegen es halt trotzdem manchmal nicht anders hin.
Ja, weil wir vielleicht mit uns selber so beschäftigt sind, weil wir selber getriggert sind, weil da eine Baustelle in uns ist, whatever. Und manchmal finde ich auch, manchmal passiert es einem vielleicht auch und man merkt fragst noch nicht mal selber. Ja, auch das. Also jedenfalls kann es schon mal passieren, dass in so einer Beziehung zwischen zwei Menschen, und das ist jetzt völlig egal, ob das jetzt der Bernd und ich sind oder der Bernd und eins unserer Kinder oder ich und eins unserer Kinder oder du und ich oder du und deine Nachbarin oder beste Freundin, whatever. Ja, dass zwischen zwei Menschen der Haussegen mal schief hängt.
Weil eben irgendein Verhalten des einen dazu geführt hat, dass sich die andere Seite schlecht fühlt, nicht wertgeschätzt fühlt, traurig ist, verletzt ist, whatever.
Genau. Und jetzt, wenn du uns schon ein bisschen länger folgst, dann sagen wir an der Stelle ja gerne zu dir, wenn du jetzt derjenige bist, der verletzt ist oder der sauer ist, sich nicht wertgeschätzt fühlt, dann sagen wir ja gerne zu dir: Übernimm doch du die Verantwortung für deine Gefühle, weil du bist der Einzige, der das definitiv in jedem Moment verändern kann. Und ja, das stimmt. Und dazu stehen wir auch weiterhin. Und heute wollen wir einfach mal noch eine andere Perspektive mit reinbringen, die uns, den Bernd und mich, in unserem Leben unendlich weit bringt oder unendlich mir wirklich viel geholfen hat, schon in vielen, vielen, vielen Situationen. Und zwar geht es einfach darum, zu bedauern, Bedauern auszudrücken. Weil wenn du jetzt derjenige bist, der mit seinem Verhalten absichtlich oder unabsichtlich dazu beigetragen hat, dass sich jemand anders verletzt fühlt, gekränkt ist, traurig ist, wie auch immer, dann kannst du das einfach bedauern.
Und ich würde gleich gerne das schon mal mit reinnehmen, dass es eben nicht der Widerspruch ist zu dem, was du gerade eben ja so schön erzählt hast, was wir sonst ja oft zu denen sagen und was die, die uns kennen, eben schon wissen, wo wir sagen, übernimm selbst die Verantwortung. Wenn ich jetzt zu Uli komme, wenn ich jetzt zu dir komme, Schatz, und ich erzähle dir von der Situation, wo ich von jemand anderem in irgendeiner Form gekränkt worden bin, dann bin ich ja der, der gerade mit dir spricht. Also wirst du in dem Moment zu mir sagen: Übernimm die Verantwortung für deine Gefühle, du bist der Einzige, der die drehen kann. Wenn ich der bin, der aber jetzt jemand anderen verletzt hat oder traurig gemacht hat, und ich erzähle dir das, dann wirst du mir sagen— und das ist, was wir jetzt gerade hier mit der Podcast-Folge machen— dann wirst du zu mir sagen: Du kannst bedauern. Genau, weil es ist immer die Perspektive aus mir raus. Was kann ich tun?
Genau. Und wenn ich merke, zum Beispiel Mir ist das passiert. Also wenn ich merke, dass mir das passiert ist, dass jemand anders sich durch mein Verhalten gekränkt oder verletzt fühlt, dann kann ich das bedauern aus tiefstem Herzen, weil es nie meine Absicht war, weil ich immer aus meiner besten Option heraus handle, aber meine beste Option manchmal eben bisschen in Anführungszeichen Müll ist. Ja, also weil in der Situation, ich habe jetzt vor kurzem so eine Situation erlebt, da habe ich einfach, da habe ich einfach mich nicht so verhalten, wie ich selber von mir gerne gewollt hätte, dass ich mich verhalte. Aber ich habe es trotzdem nicht anders hingekriegt. Und das kann ich einfach aus tiefstem Herzen bedauern. Da bin ich heute hingefahren zu der Person und habe das aus tiefstem Herzen bedauert und habe gesagt, dass es mir leidtut und dass ich einfach, dass das einfach von mir blöd war und dass es da auch nichts zu rechtfertigen gibt oder nichts zu schönzureden oder so, sondern dass das einfach Mist war. Und das Interessante an der Stelle ist, und deshalb wollen wir das für dich heute hier auch in der Podcastfolge teilen, weil wir Oft glauben wir Menschen, glauben oft, wenn wir gesagt haben, dass es uns leidtut, dann muss es doch wieder gut sein.
Und wenn es dann nicht gleich wieder gut ist, dann drehen wir manchmal ja den Spieß um und sind dann gleich wieder auf den anderen sauer. Jetzt habe ich doch aber gesagt, es tut mir leid.
Jetzt stell dich doch nicht so an. Genau. Und nein, manchmal ist es dann nicht gut. Ich hatte gleichzeitig neulich mal eine Situation mit einer Mitarbeiterin, wo was nicht funktioniert hat, wo ich halt gesagt habe, du, das stört mich, wenn das nicht funktioniert. Und dann hat die Person gesagt, ja, das tut mir leid und so. Und da habe ich auch bei mir gemerkt, alleine nur der Satz, es tut mir leid, das hat halt in dem Moment noch nicht dazu geführt, dass ich wieder relaxed und entspannt mit dem Thema war. Ja, das. Und jetzt fand ich es so total spannend, weil ich es jetzt innerhalb von wenigen Tagen habe ich es quasi aus beiden Perspektiven erlebt. Und da bin ich total dankbar dafür, weil so ist es mir noch mal bewusst geworden, dass es einen ganz wesentlichen Aspekt gibt, nämlich beim Vergeben geht es nicht darum, also wann eine Sache vergeben ist, sozusagen, wann was wieder gut ist, hängt nicht davon ab, wie, also hängt nicht davon ab, ob der, der einen Fehler gemacht hat, findet, dass es jetzt wieder gut ist, sondern es hängt davon ab, ob derjenige, der gekränkt, traurig, verletzt ist, es so empfindet, dass es wieder gut ist. Der wählt und entscheidet, ob es wieder gekittet ist, ob die Beziehung wieder zurück auf Normal-Null gesetzt ist, sozusagen.
Ja, und das ist das Coole an der Erkenntnis, als wir uns jetzt vorher darüber unterhalten haben, ist, was mir so aufgegangen ist, ist ja, dass das ja, dass wir das einerseits ja in diesen Beziehungen unter uns Erwachsenen beachten dürfen, aber es ist ja auch bei Kindern total wichtig, weil so dieses, jetzt sagen wir sowieso Entschuldigen ist für die Tonne, also einfach so dieses Entschuldigung, es tut mir leid, und dann hingehen und gebt euch mal die Hand und so, ja. Und das ist ja, das ist ja so, das ist ja ein Extremfall davon, aber eben von dem, der verletzt oder gekränkt ist, nicht zu verlangen, dass es jetzt gleich wieder gut zu sein hat, sondern auch da einem Kind den Raum zu geben und sagen, okay, Du darfst jetzt da nicht, das darf jetzt auch eine Zeit dauern.
Ja.
Und dem anderen, das Coole ist, dass die andere Seite dann eben auch ausprobieren und lernen kann, wie kann ich denn mein Bedauern zum Ausdruck bringen, so dass es beim anderen ankommt, so dass es dem anderen dann auch gut tut.
Ja, das ist auch total wichtig, dass es authentisch ist. Weil wenn ich nur sage, ja, tut mir leid. Also manchmal sagt doch jemand zu dir: Tut mir leid. Oder ein Kind sagt: Uli, tut mir leid. Da weißt du schon: Ja klar, hier Popo lecken. Ja, hier rutsch mir den Buckel runter mit deinem Tut mir leid. Ja, das ist natürlich, wenn du was bedauerst. Deshalb sagen wir auch nicht: Entschuldige dich, sondern bedauere es. Bedauern bedeutet, dass mir das aus tiefstem Herzen leidtut, was ich in dem anderen ausgelöst habe. Auch wenn ich weiß, dass jeder für seine Gefühle selbst verantwortlich ist. Aber ich bedauere in dem Moment, dass sich der andere aufgrund dessen, was ich gesagt oder getan habe, gerade schlecht fühlt. Ich drücke mein Bedauern aus und ich drücke so lange mein Bedauern aus, aus tiefstem Herzen, bis die Beziehung zwischen uns wieder gekittet ist. Und da breche ich mir keine Zacke aus der Krone, auch wenn ich 50-mal sage, da habe ich echt Mist gebaut und es tut mir wirklich leid. Und es ist auch okay, wenn du jetzt noch nicht gleich wieder sagst, ja, passt schon, weil du entscheidest, wann es wieder passt.
Ja, das ist Und das ist großartig, weil das ein, das erzeugt schon bei, wenn man dir jetzt zuhört, also wenn ich nicht rede, und du da draußen wirst es wahrscheinlich auch bestätigen können, dass sich schon das Zuhören gut anfühlt. Ja, also das ist schon dieses, ja, das darf so sein, ja, auch ich darf so sein, auch als super spiritueller, persönlichkeitsentwickelter Mensch, der genau weiß, dass man selbst für seine Gefühle verantwortlich ist. Aber auch du darfst mal gekränkt oder verletzt sein und das Bedauern des anderen auch annehmen, und dann natürlich selber zu schauen, wie man wieder rauskommt, ja.
Ja, nur ist es ja, also Beziehungen sind ja immer ein Teamwork. Das ist ja das, was wir, wir machen das ja schon seit Jahrzehnten und ich finde, wir sind ziemliche Meister darin, dass wir sehr schnell da sind, dass wir unser Bedauern ausdrücken. Also das meinen wir ja auch immer, wenn wir sagen, das Wichtigste ist die Beziehung, ist mir doch in dem Moment egal. Also wenn ich jetzt irgendwas sage, was Beim Bernd dazu führt, dass er sich gekränkt fühlt, dann breche ich mir doch keinen Zacken aus der Krone, wenn ich sage: Du, das tut mir total leid, und ich mein Bedauern darüber ausdrücke und ich nicht den Anspruch an den Bernd habe, dass er jetzt selber mit seinen negativen Emotionen klarkommt, weil er weiß ja schon, wie es geht, und er muss sich jetzt nicht so haben, sondern ich drücke einfach mein Bedauern aus mit dem Ziel, die Beziehung zwischen uns wieder zu kitten, so auf ein nächstes Level zu bringen. Ja, weil es gibt nichts Wichtigeres als die Beziehung zwischen uns. Und meine Güte, jeder darf mal, das ist das, was du glaube ich auch gerade gemeint hast, jeder darf mal was in den falschen Hals kriegen, jeder darf mal von irgendwas angefressen sein, jeder darf mal gekränkt sein und dann Kann der andere eben den Lead übernehmen und das Bedauern ausdrücken, so lange, bis es wieder anfängt, aufwärts zu gehen.
Genau. Und das Schöne an dem Begriff oder an der— ist ja nicht nur der Begriff, sondern an der Tätigkeit des Bedauerns und an der Haltung auch, an der Haltung im Bedauern ist, Das ist eben kein Entschuldigen, weil entschuldigen kann ich mich nur, wenn es eine Schuld gibt. Und im Bedauern steckt keine Schuld drin.
Das stimmt.
Weil es kann ja auch sein, super Beispiel, zum Beispiel, wenn ich alleine koche oder so was, dann habe ich oft Kopfhörer auf den Ohren. Höre ich Musik oder Podcast und so. Und da kann es passieren, dass jemand, der zur Tür reinkommt oder um die Ecke hier bei uns in Richtung Küche aus dem Wohnzimmer, mir einen ordentlichen Schreck einjagt. Und das ist ja, das ist ja, mein Gott, das hat ja überhaupt nichts mit dem zu tun, der da gerade um die Ecke kommt. Sich jetzt zu entschuldigen, Entschuldigung, dass ich dich erschreckt habe, ist ja eigentlich totaler Wir sind, weil ich meine, Entschuldigung, dass ich um die Ecke gehe.
In deinem eigenen Haus.
Ja, und es gibt irgendwie auch keinen anderen Weg, ne. Also das ist ja totaler, also an der Stelle so Unsinn. Und deswegen wähle ich gerade dieses Beispiel, weil es eben so abstrus ist, sonst machen wir ja ganz oft. Und bedauern kann ich das aber. Ich kann es bedauern, dass du jetzt erschrocken bist oder dass der andere jetzt erschrocken ist.
Ja, und vielleicht sagst du jetzt, ja, das ist jetzt ja Korinthenkackerei oder Wortfriemelei, aber test es mal aus. Also wir haben für uns gemerkt, dass es einen Riesenunterschied macht, ob man sich entschuldigt, also Schuld, also womit man ja sagt, man hat Schuld auf sich geladen und von der will man sich befreien, oder ob man etwas bedauert. Ja, weil wir gehen einfach davon aus, dass Bedauern sehr viel produktiver, sehr viel wohltuender und sehr viel dienlicher für Beziehungen ist, als sich zu entschuldigen.
Ja, weil es ist ja dem anderen zugewandt. Entschuldigen will ich ja, weil ich etwas loswerden will.
Ja, genau.
Da will ich ja eine Schuld loswerden.
Genau. Und wenn du was bedauerst, dann nimmst du einfach die Verantwortung zu dir, dass du sagst, mein Verhalten hat in dem anderen was ausgelöst, und das bedauere ich aus tiefstem Herzen.
Ja.
Und Jetzt wollen wir dich einfach einladen, mal auszuprobieren. Wo hast du vielleicht bis gestern noch auf die Zacken in deiner Krone geachtet und hast vielleicht gesagt: Ich habe jetzt aber recht, ja, und das ist aber jetzt richtig, wie ich das sehe, und ich habe mich überhaupt nicht falsch verhalten. Ist doch schnupsegal, ob du dich objektiv falsch verhalten hast oder nicht, wenn es in der Situation dazu führt, dass ihr Knatsch habt, dass es dass die Liebe zwischen euch nicht frei fließt, dann ist einfach der Moment gekommen, wo du dein Bedauern ausdrücken kannst, dass es so weit gekommen ist. Und dann drück halt von mir aus dein Bedauern so lange aus, bis der andere auch wieder sein Herz öffnet und die Liebe zwischen euch wieder fließt. Und dann ist es im Endeffekt auch scheißegal, weshalb ihr euch irgendwie in die Haare gekriegt habt oder warum es irgendwie eine Spannung zwischen euch gegeben hat. Also nimm dieses Bedauern als Instrument, wenn du es ehrlich meinst, ja, das, mit dem du einfach Beziehungen konstruktiv gestalten kannst. Und wichtig an der Stelle ist: Derjenige, der sich gekränkt, verletzt, wie auch immer fühlt, wählt aus und entscheidet, wann die Beziehung wieder gekittet ist. Wir freuen uns auf dein Feedback.
Absolut. In diesem Sinne.
Ja, und wenn du Lust hast, wenn du Lust hast, noch mehr darüber zu lernen, wie du Beziehung gestalten kannst und Brücken bauen kannst zwischen dir und deinem Partner oder Partnerin, dann fühl dich herzlich eingeladen, in der nächsten Beziehungstoolbox dabei zu sein, die am 7. April startet. Und genau.
Wir posten den Link in die Shownotes. Falls du die Folge später hörst, geh trotzdem auf den Link, weil die Beziehungstoolbox gibt es immer wieder.
Genau.
Nicht nur jetzt am 7. April, aber eben auch jetzt auch gleich bald.
Genau. Und ganz tagesaktuell sogar im Moment noch zum Aktionspreis.
Genau.
Genau. Dann freuen wir uns auf dich und wünschen dir einen wundervollen Tag. Alles Liebe.
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