Warum du kein schlechtes Gewissen haben brauchst - Podcast 042

In dieser Folge des Eltern‑Podcasts „Gemeckerfrei“ diskutieren Uli und Bernd Bott das häufige Gefühl von Schuld bei Eltern und warum es nicht nötig ist, ein schlechtes Gewissen zu tragen. Sie erklären, dass Eltern in der Regel aus ihrer besten Option handeln und nie bewusst schädlich sein wollen. Das Gespräch führt durch fünf zentrale Schritte, die Eltern helfen sollen, Schuldgefühle zu überwinden: 1) Anerkennen, dass man stets nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat; 2) Offenheit, Neues zu lernen; 3) Geduld, dass Veränderung Zeit braucht; 4) Sichtweise, dass Beziehungen und Eltern‑Rollen lebendig und ständig im Wandel sind; 5) Nutzung von Fehlern als Lerngelegenheiten. Sie betonen die Bedeutung von Ermutigung, das Erkennen von Bemühungen und das Zulassen von Fehlern als Teil eines kontinuierlichen Lernprozesses. Durch Metaphern (Bergbesteigung, Blitzeis) und ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer verdeutlichen sie, dass Angst vor Fehlern das eigentliche Problem ist. Abschließend laden sie die Hörer ein, das Angebot ihres Abo‑Bereichs (Gemeckerfrei Family/Academy) zu nutzen, um weitere Unterstützung zu erhalten, und bitten um Bewertung des Podcasts.
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Hallo hier bei Gemeckerfrei, dem Eltern-Podcast für dein liebevolles, entspanntes und glückliches Familienleben. Setz dich mit uns an den Tisch, wir, Uli und Bernd Bott, heißen dich herzlich willkommen.
Hallihallo und herzlich willkommen! So schön, dass du uns heute wieder zuhörst beim Gemeckerfrei-Podcast.
Und heute zu zu dem Thema, warum du kein schlechtes Gewissen zu haben brauchst.
Genau, weil als Reaktion auf die Folge von letzter Woche, warum Eltern heutzutage versteckt autoritär sind, haben wir verschiedene Rückmeldungen bekommen und unter anderem auch die, dass Hörerinnen gesagt haben, boah, ich habe das gehört und ich habe das Gefühl, ich habe so viel falsch gemacht.
Und das haben wir jetzt, war jetzt gerade auf die letzte Podcastfolge aktuell. Aber wir haben das ja schon immer wieder auch gehört.
Genau.
Das ist ja auch ganz natürlich. In dem Moment, wo du was Neues erfährst oder lernst, merkst du natürlich, dass du das in der Vergangenheit noch nicht so gemacht hast oder noch nicht umgesetzt hast.
Ja, und irgendwie scheint es bei diesem Elternthema scheint uns das dann immer besonders betroffen zu machen oder scheint uns das besonders leid zu tun. Oder da ist irgendwie, so erleben wir es zumindest, aber vielleicht hat es auch damit zu tun, dass es unser Thema ist. Erleben es wir immer wieder so, dass Menschen besonders schnell ein schlechtes Gewissen bekommen oder auch ein besonders starkes schlechtes Gewissen, wenn man es denn so bewerten und einordnen könnte. Und deshalb wollen wir heute mal eine Folge dazu machen und einfach mal drüber sprechen, warum du kein schlechtes Gewissen zu haben brauchst, selbst wenn du erkennst, dass du bis gestern nicht die Mama oder nicht der Papa warst, die du eigentlich gerne gewesen wärst. Also jetzt einfach mal so zu sehen, okay, was ist denn der erste Grund, warum du kein schlechtes Gewissen haben brauchst? Und der erste Grund dafür ist einfach, dass du immer nach deiner besten Option gehandelt hast. Du hast nie absichtlich falsch gemacht. Du bist nie, hast dich nie, bist nie morgens aufgestanden, hast dich vor den Spiegel gestellt und hast dir gedacht, heute mache ich meinen blöden blödes Kind mal so richtig zur Schnecke.
Sondern du hattest ja immer vor, es so gut zu machen, wie es nur irgendwie geht.
Oder hast dir sogar vielleicht vorgenommen: Heute schaffe ich es ohne Gestreite, heute schaffe ich es ohne Meckern, heute will ich, dass das funktioniert. Vielleicht hast du auch gesagt: Das Kind soll, weil ich will so unbedingt, dass es heute kein Geschrei gibt beim Schlafanzug anziehen. Whatever. Aber du hast dich nie hingestellt und hast dir gedacht: Heute würge ich meinem Kind eine rein. Heute bin ich mal so richtig die Ekel-Mama, der Ekel-Papa. Heute zeige ich es ihm oder ihr. Sondern du hast es immer wieder neu versucht, egal wie schwer es gestern war, egal wie sehr du vielleicht abends im Bett gelegen bist und dich gekrämt hast, weil du es nicht so hinbekommen hast, wie du es gerne gehabt hättest. Du hast immer wieder dich aufgerafft und es immer wieder neu versucht. Und auch die Tatsache, dass du dir diese Podcasts hier anhörst, zeugt ja davon, dass du es möglichst gut oder immer besser oder immer gemeckerfreier hinbekommen willst, dass du dich da weiterentwickeln willst und weiterbildest. Und manchmal ist es natürlich so, dass wir einfach auch mal eher so den Finger in die Wunde legen müssen oder mal so bisschen Salz in die Wunde streuen müssen, um halt einfach auch ein bisschen wachzurütteln oder zu sagen, hier, da kann man jetzt einfach nicht sagen, ist ja nicht so schlimm, wenn man das weitermacht. Was wir schon sagen, ist, ist ja nicht so schlimm, wenn es bis gestern passiert ist, weil du es nicht besser wusstest. Und jetzt kriegst du von uns zum Beispiel oder von irgendjemand anderem Wissen dazu geschenkt. Und dann weißt du, dass es anders geht. Und dann kannst du es ausprobieren, es zu verändern. Das ist dann auch noch nicht schlimm, wenn es nicht am ersten, am zweiten oder am dritten Tag schon klappt. Aber wenn du halt sagst: Okay, ich merke wenigstens, es wird besser.
Und ich merke und ich rechne mir vor allen Dingen an, dass ich es anders machen will und mich bewege in die Richtung, in die ich mich bewegen möchte.
Ja, beim Ermutigen, was ja einfach ein total wichtiger, ein ganz wichtiger Aspekt auch in der Begleitung von Kindern ist. Beim Ermutigen gibt es einen wichtigen Aspekt, und zwar Menschen zu ermutigen, wenn sie sich bemühen, das Bemühen zu sehen. Zu sagen: Okay, ich habe es heute schon mal versucht, alle Gefühle da sein zu lassen, um noch mal den Bezug zur letzten Woche zu nehmen. Ich habe heute schon mal versucht, alle Gefühle da sein zu lassen, und irgendwie nach 5 Stunden habe ich es nicht mehr ausgehalten. Und dann habe ich doch noch mal gesagt: Jetzt sei aber mal still, zu meinem Kind zum Beispiel. Und ich habe es aber die 5 Stunden davor schon probiert. Ich habe mich schon bemüht, ich habe schon, oder ich habe es vielleicht vielleicht auch nicht hingekriegt und habe sofort gesagt: „Boah, schrei nicht so rum!" Und habe es aber in dem Moment, wo ich es gesagt habe, gemerkt und kann da— ich hatte vielleicht einen Misserfolg, aber ich habe den gemerkt. Ich habe mich bemüht, auch wenn ich noch nicht erfolgreich damit war. Ich bin auf dem Weg und ich bin auf dem Weg, mir selbst meine Macht wieder zurückzuholen, würdevoll mit mir umzugehen und damit auch würdevoll mit meinen Kindern umgehen zu können. Und der erste Schritt ist eben zu sagen, ich hab's immer bisher aus meiner besten Option gemacht. Der zweite Schritt ist, ich bin bereit, was Neues dazuzulernen. Der dritte Schritt ist, ich erlaube mir, dass es Zeit dauert, dass ich eben nicht mit einem Fingerschnips da bin und Dann kommt jetzt der vierte Schritt, glaube ich. Oder ist das schon der fünfte? Vierter Schritt. Genau. Der vierte Schritt ist quasi dann auch zu sehen, dass Beziehungen ja lebendig sind. Das heißt, ich habe zu unseren Kindern immer und immer wieder, wenn es schwierig wurde, gesagt: Du liebes Kind, wer auch immer es dann gerade war, ich bin heute zum ersten Mal die Mama von einem Jakob, der 13 ist. Auch wenn ich schon eine Anja und einen Felix mit 13 erlebt habe, bin ich heute das erste Mal Mama von einem 13-jährigen Jakob. Und ich habe keine Ahnung, wie das jetzt hier gerade geht.
Und das ist total wichtig, weil das ist eine andere Sicht auf das komplette Leben, als wir es eigentlich noch so in der Schule gelernt haben. Das stimmt aber schon, hat schon, als wir es in der Schule gelernt haben, nicht gestimmt und schon seit 100 Jahren nicht mehr. Weil wir sind nie perfekt, wir sind nie in einem Zustand, dass wir etwas könnten, sondern wir entwickeln uns ständig weiter. Wenn wir Menschen einen Berg besteigen, sehen wir danach den nächsten Berg und sagen, wir denken zwar, wir haben es geschafft, weil beim Hochgehen siehst du die ganze Zeit nur den Gipfel, aber sobald du auf dem Gipfel bist, siehst du, oh, da kommen ja noch mehr Berge, da geht's ja noch weiter. Und deswegen einfach zu sagen, okay, ich bin das erste Mal Mama oder Papa von einem Kind, mit dem Alter XY oder eben dann auch von einem zweiten Sohn mit dem Alter XY und sich selber und auch den anderen eben einzugestehen: Okay, es ist immer wieder neu. Ich lerne immer wieder dazu. Und zum Lernen gehört es einfach auch, dass mal was noch nicht so klappt, wie man es gerne hätte.
Genau. Also das gehört nicht nur dazu. Ich glaube, das ist das Normalste von der Welt.
Das ist eigentlich der Lernprozess.
Lernen bedeutet, ich weiß was nicht. Und ich entwickle die Fähigkeit, dass ich es dann kann. Und in dem Moment, wie du sagst, wo ich es kann, entsteht die nächste. Das nächste Thema, wo ich sage, das kann ich aber jetzt noch nicht. Und so kann man, wie du sagst, sich weiterentwickeln. Also eben zu sagen, auch deinem Kind gegenüber gar nicht, du musst nicht allwissend sein. Du darfst Fehler machen. Dietrich Bonhoeffer hat gesagt, das größte Problem, das wir Menschen haben, ist, dass wir immer Angst haben, einen Fehler zu machen. Ich glaube, ich habe es jetzt nicht ganz richtig zitiert, aber so in etwa. Das größte Problem, das wir haben, dass wir, oder der größte Fehler an uns besteht darin, dass wir immer Angst haben, einen Fehler zu machen. Und du kannst immer aus den Fehlern, du kannst dich die Fehler nehmen und dich schlecht fühlen. Und dann entsteht ein schlechtes Gewissen, weil du sagst: Boah, jetzt habe ich es wieder nicht geschafft. Oder du nimmst den Fehler in Anführungszeichen noch mal als Entscheidungshilfe zu sagen: So will ich es nicht mehr. Auch zu sagen, was weiß ich, angenommen, du bist auf deiner Gemeckerfreireise und es eskaliert eine Situation und du schreist dein Kind ganz fürchterlich an, wie du es vielleicht noch nie angeschrien hast oder zumindest schon lange mehr, dann kannst du dieses, anstatt jetzt zu sagen, dich zu kasteien und dich zu verurteilen und dich zu bewerten und dich schlecht zu fühlen oder wechselweise dem Kind die Schuld in die Schuhe zu schieben, weil es ja so schwierig, anstrengend oder sich sonst wie falsch verhalten hat, sondern du kannst einfach das Ereignis nehmen, um eine committed Entscheidung zu treffen und zu sagen, so will ich es nie wieder. Und ich richte jetzt meinen Fokus komplett Fett darauf aus, wie ich es denn stattdessen haben will. Und das ist auch das, was wir machen, wenn wir mal eine Folge aufnehmen, die ein bisschen Salz in die Wunde streut, dass wir es dir so bewusst machen, dass du daraufhin die Entscheidung triffst: Ich lerne jetzt, wie es anders geht. Ich verändere das jetzt. Ich warte nicht ab. Ich rede es mir nicht schön. Ich sage nicht: Na ja, nur einmal anschreien am Tag ist ja nicht so schlimm. Also es läuft bei uns total gut. Nur morgens, wenn wir aus dem Haus müssen, gibt es jeden Tag Geschrei. Dann läuft es halt einfach nicht total gut, wenn es jeden Tag Geschrei gibt. Und sich das nicht schönzureden, weil in dem Moment, wo du dich nicht schlecht fühlen musst, weil du es noch nicht hinbekommst, musst du es dir auch nicht schönreden. In dem Moment, wo du ein schlechtes Gewissen hast, müssen wir es uns schönreden, weil wir es nur dann vor uns selbst sozusagen rechtfertigen können. Wenn du aber aufhörst, ein schlechtes Gewissen zu haben, kannst du einfach ehrlich hingucken, kannst sagen: Die Situation, die laufen schon, da bin ich voll happy damit. Und es gibt andere Situationen, die gefallen mir noch nicht. Und anstatt mich jetzt schlecht zu fühlen, verändere ich die einfach und lerne, wie es geht, dass mir die Situationen auch gefallen. Und da brauchst kein schlechtes Gewissen haben, sondern einfach nur sagen: Ich wusste es halt bisher nicht besser. Wenn dir noch keiner gesagt hat— na, ich mache so ein klassisches Beispiel: Blitzeis. Es ist Blitzeis. Keiner hat dir gesagt, dass Blitzeis ist. Du steigst aus dem Auto und rutschst aus, fällst hin, tust dir weh. Da bist du ja nicht da, da, da Da bist du nicht schuld, da hast du keinen Fehler gemacht. Es war einfach Blitzeis und du wusstest es nicht. Und dann ist halt einfach was passiert, was du nicht vermeiden konntest, weil du es nicht besser wusstest. Und genauso ist das im Alltag mit den Kindern. Wenn dir was, wenn du es nicht besser weißt und dadurch misslingt eine Situation, dann ist das Einzige, was du sagen kannst, ist zu sagen: Ich wusste es nicht besser. Und das gerne auch den Kindern gegenüber zu sagen: Du, das tut mir total leid. Ich wusste es nicht besser. Ich habe es nicht besser hingekriegt. Es tut mir leid. Und damit bringst du den Kindern gleichzeitig noch bei, wie sie um Vergebung bitten können und dass sie dir vergeben können, dass sie einfach in diese Position rutschen können, zu sagen: Mama, Papa, ist nicht schlimm. Also, wenn du ein schlechtes Gewissen hast, führt es dazu, dass du den Status quo zementierst. Dann brauchst du Misthaufen, über die du dich austauschen kannst, weil du dann über dein schlechtes Gewissen reden musst. Und wir wollen dich einfach einladen, dass du aufhörst, ein schlechtes Gewissen zu haben, und stattdessen anerkennst, was du jeden Tag leistest, welche Schritte du schon gegangen bist, und dass du dir zugestehst, Dinge noch nicht wissen zu müssen, und dass du die lernen darfst und jeden Tag 1%, einen Schritt besser werden kannst. Also besser im Sinne von so, wie du gerne sein möchtest als Mama oder als Papa. Und da unterstützen wir dich natürlich auch gerne auf dem Weg. Wenn du Lust hast, schau doch mal in unserer, in unserem Abo-Bereich vorbei, der jetzt wahrscheinlich schon ganz bald Gemeckerfrei Family heißt und nicht mehr Gemeckerfrei Academy. Und da findest du auch ganz viel Unterstützung dazu, unter anderem auch zum Thema Ermutigung. Und ansonsten freuen wir uns über deine Bewertung, wenn dir der Podcast gefallen hat. Und dann natürlich bis nächste Woche.
Alles Liebe, alles Liebe. Choose.
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