Warum Eltern heute versteckt autoritär sind - Podcast 041

Bernd and Uli Bott argue that modern parents unconsciously repeat authoritarian control through subtle patterns: rewarding obedience with affection, punishing deviation with withdrawal. Children internalize this as personal rejection, leading to either self-abandonment and depression or aggression and delinquency. The hosts say parents must allow the full range of emotions and stop projecting their own emotional struggles onto their kids.
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Hallo hier bei Gemeckerfrei, dem Eltern-Podcast für dein liebevolles, entspanntes und glückliches Familienleben. Setz dich mit uns an den Tisch. Wir, Uli und Bernd Bott, heißen dich herzlich willkommen.
Hallihallo und herzlich willkommen.
So schön, dass du da bist.
Genau, heute wollen wir mal bisschen provokativ einsteigen, warum Eltern heute versteckt autoritär sind. Und vielleicht hat es dir schon, als du den Titel gelesen hast, die Fingernägel hochgebogen oder die Zehennägel. Und du sitzt vielleicht sogar jetzt schon vor deinem Handy und hörst uns zu und bist bist schon drauf und dran, uns widerlegen zu wollen, weil du auf gar keinen Fall dich in diese Schublade stecken lassen willst, dass du autoritär bist, deine Kinder autoritär erziehst oder begleitest. Und ja, ich will dich gern einladen, dich mal drauf einzulassen, weil wir festgestellt haben, wie bedeutsam es ist, weil wir da ganz tief kommen zu gesellschaftlichen Memen, also zu Glaubenssätzen, die wir gesellschaftlich entwickelt haben und noch weiter übernehmen, unbewusst, auch wenn wir es bewusst längst anders machen wollen. Und wir wollen heute einfach einen kleinen Impuls dazu geben, dass du mal drüber nachdenkst und für dich rausfindest, ob das womöglich auch für dich zutreffen könnte.
Genau. Und ganz wichtig dabei ist natürlich, dass wir ja wissen, um jetzt deine Zehennägel wieder ein bisschen zurückzubiegen, weil natürlich wir ja wissen, dass das niemand absichtlich tut.
Natürlich nicht.
Genau.
Also zumindest wer gemeckerfrei hört, will nicht absichtlich autoritär erziehen.
Der könnte ja auch, wer es absichtlich will, der kann es ja einfach offensiv machen. Worüber wir sprechen, ist was, bisschen Subtileres.
Genau. Und dafür darf man erst mal gucken, was war denn eigentlich die Zielsetzung von autoritärer Erziehung? Also warum ist das eigentlich als Erziehungsrichtung, als Erziehungsstil entstanden? Vielleicht denkst du mal selber kurz einen Moment nach. Was glaubst du selber? Wie ist oder warum ist autoritäres Erziehen als Stilrichtung entstanden? Was war das Ziel dahinter? Jetzt frage ich mal den Bernd.
Das Ziel autoritärer Erziehung war, Kinder dazu zu bringen, in der Gesellschaft zu funktionieren.
Genau, sich anzupassen. Ja, du hast eben, als wir drüber gesprochen haben, auch gefügig sein genannt. Also das ist ja auch das, wie früher Schule funktioniert hat mit Rohrstock und so. Also entweder du spürst, oder es gibt halt eine Strafe entsprechend. Ja, also das war ja, kennt man ja vielleicht aus den Geschichten oder Erlebnissen der Großeltern, Eltern noch so. Nur jetzt lass uns mal hingucken, was ist denn heute dein Ziel, wenn du deine Kinder begleitest? Und da gibt es aus unserer Sicht eben zwei verschiedene Ziele. Das eine, dass du uns jetzt erzählen würdest, reflektiert und weitergebildet, wie du bist, würdest du vielleicht Sachen sagen, wie du willst, dass dein Kind sich selbst zum Ausdruck bringt, dass es sich selbst lebt, dass es sein Potenzial entdeckt, dass es glücklich ist.
Dass es für sich einstehen kann.
Ja.
Dass es auch seine Emotionen kennt und lebt.
Für andere das Wort ergreift. Und so, das käme aus deinem bewussten Teil. Und dein Unterbewusstsein, das verhält sich nicht viel anders wie die autoritären Eltern, Lehrer früher. Weil dein Unterbewusstsein will dann doch wieder ganz schnell, dass deine Kinder lieb und nett und angepasst sind. Zum Beispiel, habe ich bei mir selber auch beobachtet, wenn eins unserer Kinder früher mal richtig ausgeflippt ist und rumgeschrien hat, dann habe ich mal das Fenster zugemacht, damit die Nachbarn es nicht hören, zum Beispiel. Oder was weiß ich, wenn der Teenager in irgendwelchen Klamotten rumrennt, die eindeutig gegen dein Verständnis von ordentlich angezogen verstoßen. Wie sehr bist du bereit, das zu tolerieren und wie sehr regulierst du das? Ja, zum Beispiel. Oder Wutanfälle im Supermarkt oder was wir hier jetzt erlebt haben, wenn die Kiddies am Strand rumschreien und die Eltern dann ganz hektisch die Kinder dazu bringen wollen, wieder lieb und nett nett und angepasst zu sein. Weil im Endeffekt, am Ende des Tages, und das ist vielleicht auch einer der Gründe, warum du bei Gemeckerfrei gelandet bist, wünschst du dir, dass deine Kinder genau das sind, lieb und nett, und dass sie funktionieren, dass sie sich sozial verhalten, dass sie nett sind zu anderen, dass sie einfach, na, dass sie gut funktionieren. Da hat sich eben, sagt Jesper Juul, und sagen wir im Vergleich zum autoritären Erziehungsstil, gar nicht so viel verändert. Nur machen wir es heute subtiler, nicht so offensichtlich. Und das ist eigentlich sogar noch ein bisschen fieser, weil wir belohnen angepasstes, liebes, nettes Verhalten mit Liebe. Und wir bestrafen das andere Verhalten mit Liebesentzug, mit Kritik. Und Kritik, das ist eine Perle aus diesem Podcast, die du für dich noch mitnehmen kannst: Kinder nehmen jede Kritik persönlich. Die können nicht sagen, na, das ist jetzt mein Verhalten, hat ihm nicht gefallen, sondern die nehmen, wenn du schlechte Laune hast, bezieht das Kind das auf sich, aus welchem Grund auch immer. Du schlecht gelaunt bist. Wenn du ein Kind kritisierst, fühlt es sich ungeliebt. Und deshalb ist die Waffe der heutigen Eltern, ist Liebe oder Liebesentzug. Also eigentlich ist die Waffe der Liebesentzug. Und damit versuchen wir Kinder in ein angepasstes Verhalten zu lenken, sind dabei oft aber selber lieb und nett. Und das macht es den Kindern viel schwerer zu erkennen, was eigentlich schiefläuft. Also gegen autoritäre Eltern mit abstrusen Regeln konnte man spätestens als Teenager sich auflehnen. Aber gegen Eltern, die immer angepasst sind, die immer lieb und nett sind und aber mit Liebesentzug arbeiten, kann man sich nicht mal als Teenager auflehnen. Da sucht man den Fehler nur bei sich.
Ja, weil du keinen Gegenpart hast.
Genau.
Weil du keinen, das ist, wenn du offensiv autoritär jemand als Eltern hast, dann kannst du zumindest in den Kampf gehen. Genau. Das ist auch nicht, da wollen wir ja nicht dahin zurück. Nur das zeigt sich halt wenigstens. Ja, das ist ja das, weil was wir gerade beschreiben, passiert ja noch nicht mal absichtlich.
Überhaupt nicht.
Keiner, der das jetzt hört oder keiner, der das macht, sagt: Ja, ich mache das ja, weil. Sondern es passiert ja einfach so.
Weil das eben diese gesellschaftlichen Meme sind, diese unterbewusst vermittelten Glaubenssätze, dass Kinder besser wären, dass Menschen besser wären, wenn sie angepasst und lieb und nett sind. Und dann kommt noch was Zweites total Fieses dazu. Auch so ein Mechanismus, der auch immer wieder schon belegt worden ist, dass Menschen, also Eltern, wenn Erziehungsmethoden funktionieren, Dann rechnen Eltern sich das als Erfolg an und sagen: Tolle Methode, habe ich gut gemacht. Also sie sagen, die Methode ist toll und sie selber haben es hingekriegt. Wenn die Methode nicht funktioniert, machen die meisten Eltern die Kinder dafür verantwortlich. Und das ist die zweite Kerbe, die da in die Seele der Kinder geschlagen wird, sozusagen, weil das Kind kann Also zum einen muss es mit Liebesentzug klarkommen und zum anderen wird es dafür verantwortlich gemacht, dass es so ist, wie es ist, und dass es sich quasi falsch verhält und dass es nicht funktioniert. Aber das Kind versucht ja nur anhand seiner Emotionen sein Leben zu verstehen. Also das Kind will ja einfach nur rausfinden, Was fühlt sich für mich gut an? Was fühlt sich für mich nicht gut an? Und in dem Moment, wo es fühlt, was fühlt sich für sie, fürs Kind gut an und was fühlt sich nicht gut an, kann es persönliche Grenzen für sich erkennen und die ausbilden. Und das ist uns ja total wichtig. Wir wollen ja, dass unsere Kinder in der Lage sind, eine persönliche Grenze zu ziehen. Nur wenn wir immer wollen, dass sie lieb und nett und angepasst sind, und selbst wenn wir das nur unterbewusst wollen, Dann nehmen wir ihnen die Fähigkeit, dann verbieten wir ihnen die Fähigkeit, persönliche Grenzen kennenzulernen.
Weil nicht angepasst sein ja auch der Ausdruck einer Grenze ist.
Genau.
An der Stelle einfach zu sagen: Nein, ich bin jetzt eben nicht leise, ich bin jetzt gerade nicht lieb und nett, ich bin jetzt gerade dagegen.
Ich esse den Brokkoli jetzt nicht.
Ich esse den Brokkoli jetzt nicht, was auch immer. Und dann einfach nur zu sagen, das ist einfach der Ausdruck: Hier ziehe ich eine Grenze.
Genau. Und das ist ja immer so, wenn wir Menschen eine Grenze im Außen ziehen. Also zum Beispiel, wenn das Kind sagt, ich esse jetzt keinen Brokkoli, dann sagt es dabei ja, ja zu sich selbst. Es sagt nein zum Brokkoli und vielleicht auch nein zu dir, die du den Brokkoli gekocht hast. Aber es sagt ja zu sich selbst. Und in dem Moment, wo wir ihm nicht erlauben, diese Grenze im Außen zu ziehen, sagt das Kind, muss das Kind nein zu sich selbst sagen. Und da gibt es jetzt, und das ist das, das destruktiv für jegliche Form von Selbstbewusstsein ist, brauchen wir glaube ich nicht weiter drüber sprechen. Also können wir mal noch eine extra Folge dazu machen, aber ist bestimmt jedem, der zuhört, offensichtlich, dass das destruktiv ist fürs Selbstbewusstsein. Und jetzt wissen wir zum Beispiel auch von Friedemann Schulz von Thun, der das Wertequadrat entwickelt hat, wissen wir, dass Kinder, die sich im Übermaß anpassen müssen, die rutschen ab in die sogenannte Selbstaufgabe und Da gibt es nur zwei Wege raus. Der eine Weg ist eine Depression. Das ist das, was tendenziell häufiger Mädchen betrifft als Jungs, die depressiv werden, die vielleicht Essstörungen entwickeln, die Suchtverhalten entwickeln, die krasse Minderwertigkeitskomplexe entwickeln, die sich einfach ungeliebt fühlen und das Gefühl haben, sie kommen da nie wieder raus. So, das ist Selbstaufgabe hin zu Depression. Eine Richtung, die passiert, wenn Kinder sich zu sehr anpassen müssen. Die andere Richtung, die passiert, und das sind tatsächlich eben häufiger die Jungs, die damit zu tun haben, die explodieren völligst, die werden aggressiv, die werden cholerisch, die werden straffällig, also die eskalieren. Jungs, die, und es gibt natürlich auch Mädchen, und es gibt auch bei denen, also ich habe nur gesagt, in der Regel eher das eine ist Eher den Mädchen das andere, eher den Jungs zuzuordnen. Und lieb und nette Kinder können nicht das Ziel sein, weil lieb und nett ist nicht lebendig. Und würdest du als Zuhörer dir nicht an irgendeiner Stelle deines Lebens verboten haben oder gelernt haben, dass du lieb und nett zu sein hast und deine Emotionen verboten haben, dann müsstest du nicht bei Gemecker frei sein. Weil dann würdest du mit deinen Emotionen einfach händeln können, ohne wütend zu werden, ohne zu eskalieren, ohne auszuflippen. Aber du hättest einfach einen normalen, natürlichen Umgang damit gelernt. Und weil du das nicht hast, hast du Probleme mit Geschrei und Gemecker, weil du deine Emotionen nur ausdrücken kannst, wenn sie überkochen.
Und es Wir verlangen das ja dann von Kindern viel zu früh, also in einem jungen Alter, wo sie es einfach ja noch gar nicht können. Können.
Ja, genau genommen, wenn ich dich unterbrechen darf, Bernd, genau genommen ist es ja so, dass wir unsere eigene Unfähigkeit, mit unseren Emotionen umzugehen, die drücken wir den Kindern auf, sagen: Kannst gefälligst, damit ich mich nicht damit auseinandersetzen muss. Unterbewusst.
Ja.
Ja, weil wir sind eigentlich die, die damit klarkommen müssten, wenn Kinder unsere roten Knöpfe drücken. Und wir bestrafen die Kinder dafür, wenn sie unsere roten Knöpfe drücken und sagen, sie sollen damit aufhören. Es ist sehr verquer, wenn man es ganz genau nimmt. Aber da kommen wir schon wieder in die nächste und die nächste und die nächste Folge. Können wir wahrscheinlich Jahre weiterreden. Also was wir dir hier mitgeben wollen, ist einfach mal, dass du anfängst, ja zu sagen zu allen Emotionen, zu all deinen Emotionen und zu allen Emotionen bei deinen Kindern. Und wann immer du bemerkst, dass dieses unterbewusste Meme, dass ein Kind sich anpassen soll, in dir auf die Bühne tritt, schick's doch einfach mal schaukeln. Ja, einfach zu sagen, okay, mein Kind darf auch in der Öffentlichkeit rumschreien, mein Kind darf sich aufregen, mein Kind darf sich ärgern, mein Kind darf die ganze Palette Emotionen leben. Und ich zeige ihm ganz offensiv und offensichtlich, dass ich es genauso liebe, ob es jetzt einen Wutanfall hat oder ob es angepasst ist. Ganz im Gegenteil, ich würde sogar eher noch dazu ermuntern, Emotionen zu leben und einfach zu sehen, okay, da sind wir als Menschheit als Gesamtheit der Menschen noch in einem Entwicklungsprozess. Und es hilft nicht, nur das autoritäre Verhalten zu verändern. Es hilft nicht, den Kindern plötzlich alles zu erklären und zu diskutieren und so weiter. Es hilft auch nicht, lieb und nett zu den Kindern zu sein, wenn ich gleichzeitig dieselbe Erwartung an die Kinder habe, nämlich dass sie funktionieren. Und das Nächste ist eben zu gucken, sind die individuellen Bedürfnisse und das, was ich erwarte an Anpassung, also dürfen die Kinder ihre individuellen Bedürfnisse im gleichen Maß leben, wie ich erwarte, dass es sich anpasst, und sind die beiden Werte in der Balance? Und das ist schon mal ein gutes Kriterium dafür, dass das Kind weder depressiv wird, noch cholerisch. Und da kannst du einfach mal ein bisschen spielen damit. Ja, es ist eine Folge, die dich zum Nachdenken anregt und zum, ja, mal in dein Unterbewusstsein eintauchen. Und wenn du mehr über Wut und Emotionen lernen willst, dann gönn dir unseren Premiumkurs. Es gibt ein erstes 21-Tage-Programm von uns zum Thema Endlich Schluss mit Wutanfällen. Genau, es geht dabei um Wut. Und jetzt sagst du vielleicht, wieso Schluss mit Wutanfällen, wenn ihr gerade sagt, es geht um Emotionen? Ja, genau, es geht um Emotionen. Wut muss da sein dürfen und sie muss nicht sich in Wutanfällen kanalisieren, weil Wutanfälle sind einfach ungesund für alle Beteiligten.
Das ist eigentlich schon das, was wir vorher mit cholerisch bezeichnet haben. Da springt es ja schon über an der Stelle.
Ja, genau. Und deshalb eben gibt es ein 21-Tage-Programm und ich würde das jedem ans Herz legen, egal ob du Kinder hast, die Wutanfälle haben, ob du selbst Wutanfälle hast oder ob du vielleicht sogar Kinder hast, die eher Richtung depressiv und überangepasst schon gehen. Lern mehr über Gefühle, lern mehr über Wut, lern, was es damit auf sich hat, warum Wut so wichtig ist und setz das im Alltag um und fang an, diese alten gesellschaftlich übernommenen Glaubenssätze mehr und mehr über Bord zu schmeißen, damit du deinen Kindern die Möglichkeit gibst, unangepasst und frei erwachsen zu werden. Sei dabei, melde dich an, und bis zum nächsten Mal. Wie immer, bis dann, bis dann, ciao, ciao.
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