Warum ER nicht hört, was DU ihm sagst - Podcast 168

In dieser Podcast‑Folge von Uli und Bernd Bott (Gemeckerfrei) wird das häufige Problem behandelt, dass Partnerinnen einander nicht verstehen – warum Männer oft nicht hören, was Frauen sagen, und umgekehrt. Die Hosts illustrieren das mit Alltagssituationen (Kinder ins Bett bringen, Fußball‑Abholservice, Hausarbeiten) und zeigen, wie scheinbar klare Bitten zu Missverständnissen führen, weil die Botschaft auf verschiedenen Ebenen interpretiert wird. Kern des Beitrags ist das Vier‑Schnäbel‑Vier‑Ohren‑Modell von Friedemann Schulz‑von‑Thun, das vier Kommunikationsseiten (Selbstkundgabe, Beziehung, Sach, Appell) und die entsprechenden Hör‑Ohren beschreibt. Sie erklären jedes „Schnabel‑/Ohr‑Paar“, geben praktische Tipps, wie man das passende Ohr wählt, ein klares Intro schafft und Annahmen vermeidet. Eine Anekdote aus einer Kindertagesstätte verdeutlicht, wie ein Appell fälschlicherweise als Forderung wahrgenommen wird. Abschließend betonen sie, dass die empfangene Botschaft immer das „Machwerk des Empfängers“ ist, ermutigen zu bewusster, langsamen Kommunikation und schließen mit einem Aufruf zur Liebe‑Revolution und zum Teilen des Podcasts.
Chapters
Ich weiß es wirklich noch, der hat mich angeguckt, hat gesagt: Ja, mach das. Und schaue so auf die Uhr nach ein paar Minuten, denke so: Hä, das Auto steht immer noch im Hof, verstehe jetzt nicht. Gehe ich zum Bernd so: Hey, du wolltest doch den vom Fußball abholen. Und der Bernd so: Hä, was wollte ich?
Und dann muss ich trotzdem noch mit dem richtigen Ohr hören an der Stelle, aber es ist natürlich leichter, weil mein Intellekt, falls der vorhanden ist, wie unsere Kinder sagen, um mich zu veräppeln.
Hallo und herzlich willkommen hier beim Gemeckerfrei-Podcast, dem Podcast für liebevolle Beziehungen in der Familie, als Paar und mit dir selbst.
Vielen Dank, dass du hier bist, dass du uns zuhörst und zuschaust.
Genau, wir sind Uli und Bernd Bott, wir sind die Gründer von Gemeckerfrei, sind mehrfache Spiegel-Bestseller-Autoren, haben 4 gemeinsame Kinder und haben schon Tausenden Menschen dabei geholfen, sich ihr liebevollstes familienleben und ihre liebevollste Beziehung zu erschaffen.
Und ja, heute haben wir ein cooles Thema.
Genau, warum sie nicht hört, was er ihr sagt, warum er nicht hört, was sie ihm sagt.
So haben wir die Folge genannt, glaube ich.
Oh ja, warum er— was? Sag doch mal du.
Warum er nicht hört, was sie ihm sagt. Also, aber es geht natürlich in beide Richtungen, aber wir haben natürlich das lustigste Klischeebeispiel, dass wenn Männer nicht zuhören, obwohl Frauen einparken können. Dass Männer nicht zuhören, haben wir genannt. Der kurze Witz kennt ihr schon mit dem Sprachassistenten. Ich weiß nicht, der heißt ja, darf ich das hier sagen, oder ist das Werbung? Ist egal, das kennt jeder. Also die, die diese Sprachassistentin, die jeder kennt, die diesen Namen hat und dann mal anfängt zu reden, für die, die Sorge haben, dass die immer mithört, wird jetzt die männliche Version entwickelt. Die hört garantiert nicht zu. Genau, das passt irgendwie so ein bisschen jetzt.
Genau, warum er nicht hört, was sie ihm sagt, wie Missverständnisse entstehen und wie ihr euch da selber das Leben schwer macht, obwohl ihr eigentlich nur einen gechillten Alltag haben wollen würdet, also haben könntet, ja, und wo ihr eigentlich beide das Gleiche wollt und das aber so grandios schafft, aneinander vorbeizureden, dass ihr hinterher oder immer wieder im Alltag das Gefühl habt, dass euch Welten trennen oder dass Welten zwischen euch liegen. Und dabei wäre es gar nicht so kompliziert.
Vielleicht, nee, genau, nur halt so, weiß gar nicht, ob ich das jetzt schon verraten sollte, das sage ich später.
Das passt jetzt noch nicht. Okay, wir haben mal versucht, ein Beispiel zu finden. Und vielleicht kennst, erlebst du dich da oder findest du dich in diesem Beispiel wieder? Wir sind gespannt. Du, Schatz, du.
Ja.
Schau, jetzt bist du ja heute und gestern und vorgestern warst du ja echt lange in der Arbeit. Und er ist nicht voll cool, wenn du einfach heute die Kinder ins Bett bringen würdest, weil dann hätte die einfach mal noch ein bisschen Zeit miteinander.
Ja, aber das mache ich ja schon morgen. Wir haben ja ausgemacht, wir wechseln das immer ab.
Ja, aber schau, jetzt warst du ja schon die letzten 3 Tage so lang weg immer, und sie jetzt heute haben die ja jetzt von dir noch gar nichts gehabt.
Ja, aber ich bin ja auch— ich habe ja so viel gearbeitet, ich bin jetzt auch voll k.o. und so weiter, und ich habe mich jetzt eigentlich drauf eingestellt, dass, so wie wir es ausgemacht haben, dass wir das so machen. Ja, guckt sie mich so an, da kann ich schon im Spielen fast nicht mehr dabei bleiben.
Was hat sie denn eigentlich gesagt? Was habe ich denn in der Situation eigentlich gesagt? Wenn ich sage, und das ist glaube ich was, was wir Frauen ganz oft machen: Du Schatz, könntest du vielleicht heute, hättest du nicht Lust, vielleicht die Kinder ins Bett zu bringen, weil ihr habt ja heute noch gar keine Zeit miteinander verbracht.
Gemeint hat sie aber: Kannst du bitte die Kinder ins Bett bringen?
Ich bin müde. Genau.
Mach du mal.
Ich kann nicht mehr.
Hätte sie das gesagt, jetzt bei uns beiden, wenn du das zu mir sagst, sage ich, ja klar. Egal wie fertig ich selber bin, weil dann bin ich natürlich der große Held hier, der Beschützer. Aber das hast du nicht gesagt natürlich. Also mit deinen Worten hast du nicht drüber geredet, wie toll du es mir versucht hast, was positiv zu verkaufen. Und ich habe gesagt, kaufe ich nicht. Genau. Und ich habe aber auch nicht auf nicht gehört, ne? Jetzt natürlich extra, weil wir das gespielt haben, aber früher habe ich das auch genauso gemacht und habe es nicht gehört, was du eigentlich gesagt hast.
Ja, und das kannst du für dich schon mal mitnehmen. Wie oft redet ihr Und es ist jetzt vollkommen egal, ob du welches Geschlecht du hast, gerade gilt für alle gleichermaßen. Wie oft redet ihr um den heißen Brei herum? Also wie oft entstehen Missverständnisse, weil ihr glaubt, der andere müsste doch verstehen? Also jetzt, ich hätte es natürlich noch besser spielen können. Ich hätte natürlich sagen können: Oh, du Schatz, wie wäre es denn, wenn du heute mal die Kinder ins Bett bringen würdest. Und dann hätte meine Körpersprache gesagt, was ich nicht mit Worten hätte sagen können. Aber prüf einfach mal nach, wie oft passiert dir das, dass du irgendwie von hinten durch die Brust ins Auge versuchst, den anderen dazu zu bringen, irgendwas zu tun, was dir gerade lieb wäre, dass er doch tun könnte, weil du dich nicht, weil du dich nicht traust, oder weil wahrscheinlich, weil du es nicht gewohnt bist und dich deswegen nicht traust, einfach dein Bedürfnis zu äußern.
Weil das ist ja, da steckt ja ein Bedürfnis dahinter. Das Bedürfnis war ja nicht, dass ich mehr Zeit mit den Kindern verbringe, sondern das Bedürfnis an der Stelle war ja einfach, du warst einfach k.o., schlagsfertig und hättest gern gehabt, dass du das jetzt nicht machen musst. Und aber die Kommunikation war eben nicht über die Bedürfnisse, sondern du hast dir was Logisches ausgesucht, logische Argumentation Interpretation, ne, und dadurch versucht, mich von irgendwas zu überzeugen, oder auch so.
Das passiert ja auch in so Momenten, wo, was weiß ich, einer verbringt gerne Zeit beim Sport zum Beispiel, und der andere sieht nicht, dass der eine halt einfach gern Zeit beim Sport verbringt, weil ihm das gut tut, sondern der hört Ich will nichts mit dir zu tun haben. Oder die Kinder sind mir nicht wichtig. Oder ich will schnell wieder weg. Oder keine Ahnung. Es gibt da so ein Kommunikationsmodell, was viele von euch vielleicht schon mal irgendwo gehört haben und was wir hier einfach noch mal gerne hochholen wollen. Und zwar ist das das Vier-Schnäbel-und-Vier-Ohren-Modell, wo einfach vollkommen klar wird, dass das, was der eine sagt, lang nicht das ist, was der andere hört. Und ich erzähle das einfach mal kurz. Jeder von uns spricht mit 4 verschiedenen Schnäbeln laut diesem Modell. Und jeder, der zuhört, hört mit 4 verschiedenen Ohren. Und jetzt brauchst du kein großer Mathematiker sein, um zu erkennen, dass nicht unbedingt gesagt ist, dass wenn ich mit dem ersten Schnabel spreche, dass du auch mit dem ersten Ohr zuhörst.
Genau, meistens ist es eben genau verkehrt. Also meistens ist der Sender, der Schnabel, ein anderer als das Ohr des Empfängers. Dann kommt halt Mist dabei raus.
Genau.
Und dann entstehen Missverständnisse oder Missverständnisse, wäre eigentlich auch ein gutes Wort. Und da siehst du ja, dass Kommunikation ist quasi immer das Problem und Kommunikation ist auch wieder die Lösung.
Absolut.
Genau. Aber jetzt erzähl mal von diesen 4.
Soll ich erzählen, welche 4 Schnäbel und welche 4 Ohren es gibt?
Okay, also hast ja schon angeteasert.
Genau, also das erste, der erste Schnabel und auch das erste Ohr ist die Selbstkundgabe. Das ist das, wo wir Menschen darüber sprechen oder eben auch hören, was wir über uns selbst preisgeben. Wenn ich also sage: Kannst du heute die Kinder ins Bett bringen? Dann verbringst du noch ein bisschen Zeit mit den Kindern und dabei gähne. Dann sage ich mit dem Selbstkundgabeschnabel: Ich bin müde, kannst du mich unterstützen? Oder: Ich bin müde, ist meine Selbstkundgabe, ich kann nicht mehr. Und wenn du mit dem Selbstkundgabeohr an der Stelle gehört hättest, hättest du mein Gähnen gesehen und hättest gesagt: Ach so, bist du müde, hättest du deshalb gerne, dass ich heute die Kinder ins Bett bringe? Und dann könnte ich zumindest auch sagen: Ja, ich habe mich jetzt nicht getraut, es so zu sagen, aber ja, ich bin eigentlich fix und Fertig. Also das ist der Selbstkundgabe-Schnabel und das Selbstkundgabe-Ohr. Also wenn ich mit dem Selbstkundgabe-Ohr höre, dann höre ich, was der andere über sein Befinden gerade mitteilt, unabhängig davon, was er mit den Worten sagt.
Das muss nicht— also perfekt ist natürlich, wenn du das auch in dem, was du sagst, damit kongruent bist. Dann ist es natürlich am einfachsten. Wenn du sagst: Pass auf, ich bin heute so müde, ich schaffe das nicht, jetzt noch ins Bett zu bringen, kannst du das machen.
Ja.
Und dann muss ich trotzdem noch mit dem richtigen Ohr hören an der Stelle, aber es ist natürlich leichter, weil du es ja auch, weil mein Intellekt, falls der vorhanden ist, würden jetzt unsere Kinder sagen, um mich zu veräppeln, aber dann kann mein Intellekt das entsprechend einordnen. Dann kann ich sagen, ach okay, ja, also darüber redet sie gerade, dann weiß ich, was gemeint ist.
Genau, und wichtig ist, das Selbstkundgabeohr hat nichts damit zu tun, wie sich derjenige, der es hört, fühlt. Das Selbstkundgabeohr ist, du hörst, was der andere sagt. Über sich. Und das Zweite, der zweite Schnabel ist der Beziehungsschnabel oder dann das Beziehungs-Ohr. Das ist der Moment, wo die meiste Kommunikation am leichtesten schiefgeht. Mit dem Beziehungsschnabel sage ich was darüber aus, was ich vom anderen halte, bzw. in was für einer Beziehung wir zueinander stehen. Und wenn der andere mit dem Beziehungs-Ohr hinhört, dann kann er eben, dann kann er hören, was ich glaube, wie wir zueinander stehen. Und was dann aber sofort passiert, ist, dass der, der zuhört, für sich einen Abgleich macht, ob er diese Beziehungsdefinition teilt oder nicht. Und jetzt vorhin in unserem Beispiel hat der Bernd die zum Beispiel nicht geteilt, weil ich habe gesagt: Wäre doch schön, wenn du noch Zeit mit den Kindern verbringen könntest. Und er hat gesagt, na, er hat mit dem Beziehungsschnabel dann geantwortet: Wer bin ich, dass ich mir sagen lasse, dass ich heute die Kinder ins Bett bringen soll? Weil wir haben schließlich ausgemacht, die Bring die morgen ins Bett. Und deshalb an der Stelle verschwimmt am schnellsten zwischen Sender und Empfänger, deshalb sind da die Missverständnisse immer vorprogrammiert. Wenn ich jetzt also zu ihm sagen würde, du schau her, also Liebling, ich weiß, du warst viel unterwegs und du hast viel gearbeitet und ich danke dir sehr dafür und ich weiß auch, dass ich heute dran wäre, die Kinder ins Bett zu bringen und Ich bin aber so müde, Selbstkundgabe, Schnabel, und es wäre mir eine totale Hilfe und ich würde mich total freuen, wenn du heute mit mir tauschen könntest und die Kinder ins Bett bringen könntest, dann sage ich, ich traue ihm, also auf der Beziehungsebene sehe ich uns als ein Paar an, das über solche Dinge sprechen kann, und ich traue ihm zu und ich traue der Stabilität unserer Beziehung zu, dass die so einen Tausch aushält. Ja, so eine Kommunikation, dass ich auch die Schwäche zeigen kann, zum Beispiel, dass das also möglich ist. Gut, dann gibt es das Dritte, dritten Schnabel, drittes Ohr. Das ist relativ simpel, das ist der Sach-Schnabel oder das Sach-Ohr. Deshalb habe ich gesagt, okay, hast du Lust, heute Zeit mit den Kindern zu verbringen, noch Zeit mit den Kindern zu verbringen und die ins Bett zu bringen? Und dann sagst du, Sach-Ohr, sie will, dass ich heute die Kinder ins Bett bringe. Dafür bin ich morgen eingeteilt. Ich sehe keinen Grund, da jetzt irgendwas dran zu verändern. Und dann hast du also meine, also du hast an meinem Sachohr gehört und hast gesagt, gibt keinen Grund, was zu ändern. So, und dann gibt es den vierten Schnabel, das vierte Ohr, das ist der Appellschnabel bzw. das Appellohr. Und damit sage ich was aus, was ich vom anderen gern hätte oder was ich vom anderen erwarte, was der doch bitte tun sollte. Und da eben zu sagen, könntest du heute die Kinder ins Bett bringen, das ist quasi freundlich für, kannst du das bitte machen, ne? Also das ist ein Appell, muss nicht immer, und jetzt mach endlich, alter Sack, ja, nein, nein, das kann auch eben so, das kann auch sein, kannst du mal den Müll rausbringen oder sowas, das ist auch Appell, oder da gibt's Kannst du mir mal zuhören? Hast du im Moment Zeit für mich? Kannst du wahrnehmen, dass ich gerade müde bin? Whatever, das sind auch alles Appelle.
Und das ist natürlich jetzt schon hohe Klasse, weil du mit dem Appell anfangen kannst, und dann kann ich auf eine andere Ebene gehen in der Kommunikation. Wenn ich jetzt, kannst du, hast du gerade Zeit für ein paar Worte? Können wir gerade kurz miteinander sprechen? Ist zum Beispiel so ein Intro, wo der andere sagen kann, ja, kann ich, oder kann ich nicht, bevor man gleich schon losfängt. Ja, das ist anfängt, loslegt.
Und ich würde gerne zu diesem Vier-Ohren-Modell, würde ich gerne noch eine Anekdote teilen, weil das ist vielleicht auch was, was dir auch das ein oder andere Aha-Erlebnis verschafft. Als ich relativ frisch diese Kommunikationspsychologie-Weiterbildung gemacht habe und das überhaupt gelernt habe, habe ich eine Fortbildung gegeben zum Thema Kommunikation für Erzieher damals. Und eine, die Leitung dieser Kita, in der ich da, die habe ich eine Fortbildung gemacht, die hat dann gesagt, nachdem ich dieses Modell erklärt hatte: Jetzt verstehe ich, warum ich seit 30 Jahren, wenn mein Mann sagt, ich könnte meinen Kaffee trinken, aufstehe und einen Kaffee kochen gehe. Weil der Mann sagt, ich könnte mal einen Kaffee trinken. Das ist einfach nur eine Sachaussage und eine Selbstkundgabe, dass er jetzt gerne, dass er halt einen Kaffeedurst hat. Und sie hört seit 30 Jahren mit dem Appellohr, dass sie jetzt aufstehen soll und Kaffee kochen gehen soll.
Ja, wundert sich immer, warum die, wenn er gerade nur so denkt, ich könnte jetzt mal ein Käffchen trinken, warum sie losrennt quasi.
Irgendwann ist es natürlich eine Gewohnheit geworden, dass er sagt, ich könnte mal sagen.
Wenn sie es jetzt nicht mehr macht, dann guckt er auch, was ist jetzt los, bist du taub oder was?
Aber das ist ein klassisches Beispiel für eine Misskommunikation. Er drückt nur ein Bedürfnis aus und sie rast los und hört den Appell. Also nimm dir das einfach mal mit und beobachte in deinem Alltag, wo überall geht Kommunikation schiefläuft, weil du irgendwas erwartest, was der andere hören sollte, was du aber gar nicht sagst, worüber du nicht redest. Und ein wichtiges Ding hat der Bernd eben schon gesagt, ne, es ist wie bei Kindern. Wie oft reden wir, sagen wir zu Kindern, übrigens kannst du mal, Fritz, kannst du mal den Tisch decken? Und der Fritz ist irgendwo im Wohnzimmer am Lego spielen und es passiert und passiert und passiert nichts. Und dann geht's, Fritz, wie oft soll ich dir noch sagen, dass du den Tisch decken sollst? Fritz, ich habe gar nichts irre, was will die von mir?
Ja, das ist ja so.
Weil der ist halt in seiner Welt und spielt Lego und kriegt nichts mit. Und genauso, wenn jetzt der, ja, gehen wir noch mal unser Beispiel zurück, wir, du sitzt vielleicht gerade am Tisch oder was, wir haben vielleicht gerade Abend gegessen, du bist vielleicht schon im Kopf, hast dich schon drauf vorbereitet, dass ich jetzt die Kinder ins Bett bringe, hast schon überlegt, bist vielleicht im Kopf noch in irgendwas von der Arbeit oder hast schon überlegst, wie du jetzt die halbe Stunde oder Stunde gleich für dich nutzen willst. Und da komme ich und sage: Du Schatz, also schau mal, du hast ja so wenig Zeit mit den Kindern verbracht die letzten Tage, so bummf, so mit dem Zaunpfahl.
Du kannst davon ausgehen, dass 3/4 von dem habe ich noch gar nicht, wenn kein Kontakt vorher irgendwie stattgefunden hat, dass ich dich nicht angeguckt habe oder so, 3/4 davon habe ich ja schon gar nicht richtig gehört. Das muss ich ja erst im Nachhinein, was hat sie jetzt gesagt? Ihr kennt das ja, ne? Man sagt so was zu einem anderen und der andere braucht so eine Zeit oder man hört was von einem anderen, man braucht dann Bis ich das erst überhaupt schon überrissen habe, was eigentlich gemeint ist. Und dann habe ich ja auch noch lange nicht detailliert zugehört.
Ja, und das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass der andere dir nicht zuhören will, sondern der ist halt fokussiert. Und es geht ohne Beziehungsaufbau los. Anderes Beispiel, das wir jetzt sehen können, als ich mal, da bin ich mal zu dir ins Büro gekommen, da waren die Kinder noch super klein. Und ich sag so, ich sag zum Bernd, kannst du gleich den einen, unseren Sohn vom Fußball abholen? Und dann sagt der Bernd zu mir, ja klar, mach ich.
Ich hab so gesagt, ja, wahrscheinlich.
Nein, du hast mich angeguckt, ich weiß es wirklich. Er hat mich angeguckt, hat gesagt, ja, macht er. Und ich hab so, ich bin wieder gegangen und so und hab ihm noch gesagt, wann er fahren muss und so. Und schau so auf die Uhr, nach ein paar Minuten, denk so, hä, das Auto steht immer noch im Hof, versteh jetzt nicht. Geh ich zum Bernd so, hey, du wolltest doch den vom Fußball abholen. Hä, was wollte ich? Der war so in seinem Arbeitstunnel in dem Moment. Und das ist überhaupt nicht, das ist eine Riesenfähigkeit, wenn man fokussiert arbeiten kann, ja. Also das geht gar nicht darum, sondern in dem Moment hat er zwar sich so verhalten, als hätte er mich gehört, hat er mich aber nicht gehört. Und weil ich bin auch einfach reingerast. Ich habe gesagt, du, kann ich kurz hier, kannst du mal schnell, weil ich noch irgendwie die anderen Kinder waren wahrscheinlich in der Badewanne oder sonst irgendwas. Wie das halt so ist manchmal. Aber zu sagen, okay, du musst als Erstes immer darauf achten, dass ihr ein Intro schafft. So, kann ich kurz was mit dir sprechen? Ich habe da was auf dem Herzen. Mir wäre was wichtig. Hättest du— ist mir jetzt gerade unangenehm. Es fällt mir jetzt nicht so leicht, darüber zu sprechen. Keine Sorge, ist nichts Schlimmes. Kommt nichts Schlimmes. Und jetzt ehrlich zu sein, nicht versuchen, um heißen Brei rumzureden, sondern jetzt in dem Moment halt einfach zu sagen: Du, kaum mal mehr, kannst du mir helfen? Und dann ist, dann kann der andere sagen: Ja, ich kann auch nicht mehr. Dann könnt ihr sagen: Okay, wie kriegen wir es denn zusammen fertig hin? Oder was weiß ich, du sagst dann schon mal: Okay, also wenn du jetzt sagst, boah, ich krieg's heute auch nicht hin, ich, also ehrlich, total gern jeden anderen Tag, aber heute nicht, und ich muss dringend auf die Toilette und weiß ich Nicht so, ja. Und dann sagst du, okay, ich mache es. Und dann sagt er vielleicht, okay, ich lasse dir schon mal eine Badewanne ein, oder ich mix dir schon mal, koch dir schon mal deinen Lieblingstee, oder keine Ahnung, irgendwas, was halt.
Also da ist halt dann die Ebene, das gemeinsam zu lösen einfach, ne.
Und gemeinsam lösen kann eben auch sein, dass trotzdem ich die Kinder ins Bett bringe.
Oder was auch immer. Genau, dann das Richtige raus. Aber was glaube ich Also einerseits haben wir jetzt ja erklärt, wieso Missverständnisse entstehen können. Andererseits ist immer, wenn mich irgendjemand fragt, ja, wie mache ich das denn mit Missverständnissen? Oder sagen wir mal so, wenn ich Paare sehe oder mit uns Paare sprechen, die sich immer wieder dann da reinreiten in die Scheiße quasi, ja, durch ganz dumme, am Ende des Tages, wenn man dann 2 Tage später, so ein dummes Missverständnis, ja, ist halt zu sagen, okay, Geh halt davon aus, sobald es irgendwie sich verhakt ganz kurz, geh davon aus, es ist ein Missverständnis. Du hast in 99% der Fälle recht. Ja, es ist in 99% der Fälle Missverständnis und damit Misskommunikation. Und sobald du das sagst, sag mal irgendwas, irgendwie reden wir gerade aneinander vorbei, was meinst du denn genau? Dann holst du euch beide auch auf eine Ebene runter. Allein indem du sowas sagst, holst du auf eine Ebene, wo man kurz drüber nachdenkt. Ja, das ist dieses schnelles Denken, langsames Denken. Und in dem Moment willst du das langsame Denken, also das Tiefdenken, weil du dein Gehirn aus der Automatikreaktion rausholen willst. Und das machst du, indem du einfach sagst: Pass auf, da stimmt gerade was nicht. Wir diskutieren über was und das kann eigentlich nicht wirklich sein. Was ist denn los?
Absolut. Und was mir an der Stelle noch wichtig ist. Erst mal natürlich habe ich noch nicht gesagt, dieses Vier-Schnäbel-Vier-Ohren-Modell geht natürlich auf Friedemann Schulz von Thun zurück, Professor in Hamburg. Und das wollte ich auf jeden Fall nicht unterschlagen. Und ich bin, glaube ich, davon ausgegangen, dass die meisten eh schon irgendwo gehört haben. Deshalb habe ich es vorher nicht gleich dazu gesagt. Aber gut, also jedenfalls, das geht auf Friedemann Schulz von Thun zurück. Und der hat einen ganz wichtigen Satz gesagt, und das kann der Gamechanger in euren Beziehungen sein, weil die ankommende Nachricht also das, was du hörst, ist immer das Machwerk des Empfängers! Die ankommende Botschaft ist immer das Machwerk des Empfängers! Also egal, was ich sage, das, was der Bernd da versteht, ist nicht da passiert in meinem Kopf, sondern hier in Bernds Kopf passiert.
Also die Scheiße, die du daraus machst, hast du draus gemacht. Die hat nicht der andere gesagt, wenn wir es mal ganz krass ausdrücken wollen. Das passt ja auch zu dem, du kannst kein Gefühl in den anderen hineintun. Das ist ja genau das Gleiche, weil das Gefühl entsteht ja durch den Gedanken dann.
Ja, absolut. Und wichtig ist halt, das ist jetzt auch kein Freibrief, dass jeder, also wenn ich jetzt zum Bernd sagen würde, du A-Loch, du B-Loch, Du dummer Depp, du blöde Pippi! Dann ist natürlich die Herausforderung für Bernd, wer an der Stelle als Empfänger ist, natürlich größer, da nicht irgendeinen Mist zu—
Nicht die Schimpfworte zu hören und nicht die Erniedrigung drin zu hören, die damit er— Genau. Sondern an der Stelle, ich bleib mal in dem Beispiel noch kurz, weil was du ja auch machen kannst in dem Moment, wenn sie ist gerade völlig drüber und völlig gestresst und so, und pass auf Schatz, ich hol dir jetzt Ein Glas Rotwein oder Prosecco oder ein Eisbad. Ich lass dich mal kurz in die Badewanne ein. Ich pack dich mal kurz an den Füßen.
Halt dich mal ganz lange fest.
Spaß. Aber das ist das, was ich jetzt bei uns dabei hören würde. Schatzi, was ist los? Ist gerade irgendwas passiert?
Ja, genau.
Also das kannst du in dem Moment schon, aber da muss es so extrem sein. So über dein normales Ding, dann kann ich das so über dein normales Verhalten. Das wäre jetzt total abwegig bei dir. Und dann wäre sofort klar, da ist irgendwas. Ja, diese Annahme kannst du ganz oft haben, wenn der andere irgendwie aus einem— sobald der andere eigentlich emotional ist. Das ist es ja.
Ja, genau. Weil da kommt wieder unser Standardsatz auf die Bühne: Wer meckert, hat vergessen, wie großartig er ist. Und das darfst du halt auch sehen, wenn dich jemand angeht in der Kommunikation. Und vollkommen egal, ob es ein Kind ist, dein Partner, deine Partnerin, Arbeitskollege oder sonst irgendjemand. Wer dich angeht in der Kommunikation, der hat selber für den Moment gerade vergessen, wie großartig er ist. Und dann kannst du bei dir bleiben, kannst sagen, okay, die ankommende Nachricht ist mein Machwerk. Also ich entscheide, was ich höre, und ich entscheide jetzt einfach, dass ich nicht mit dem Beziehungsohr hinhöre. Und auch nicht mit dem Appellohr. Also ich höre weder, was ich glaube, was der andere über unsere Beziehung gerade sagt, was der zugesteht, über unsere Beziehung zu sagen. Und ich höre auch nicht hin, was ich glaube, was der andere will, dass ich jetzt tun soll. Sondern ich höre erst mal mit dem Sachohr und ich höre mit dem Selbstkundgabeohr. Dann höre ich nämlich zum einen, worüber redet der gerade? Und Selbstkundgabe, was gibt er dabei gerade über sich selbst preist, was kann ich über den anderen gerade erfahren und wie kann ich dann vielleicht da eine Unterstützung anbieten.
Genau.
Und damit eliminierst du halt wahnsinnig viele Missverständnisse, wenn du gleichzeitig dafür Sorge trägst, dass ihr in Kontakt seid, bevor du überhaupt anfängst zu sprechen. Falls du unseren Podcast noch nicht abonniert hast, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Genau.
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Alles Liebe.
Tschüss.
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