Warum Erklären dein Kind dümmer macht - und was wirklich funktioniert

In dieser Podcast‑Folge diskutieren Uli und Bernd Bott, Eltern und Gründer von Gemeckerfrei, die gängigen Erwartungen an Kinder zu hinterfragen. Sie argumentieren, dass das frühe Erwartungs‑Druck‑Modell – Kinder sollen bereits im Grundschulalter komplexe Fähigkeiten beherrschen – kontraproduktiv ist, weil Lernen primär durch Beobachtung, Nachahmung, Wiederholung und anschließende Variation erfolgt. Sie stellen die drei Lernstrategien vor: 1) Nachahmen – das Kind sieht ein Verhalten und imitiert es; 2) Wiederholen – das Kind übt dieselbe Handlung vielfach; 3) Variieren – das Kind überträgt das Gelernte auf neue Situationen. Daraus leiten sie ab, dass Eltern vor allem als Vorbilder fungieren und das gewünschte Verhalten sichtbar vormachen müssen, anstatt lange Erklärungen zu geben, die nur wirken, wenn das Kind bereits ein mentales Bild hat. Sie betonen, dass die emotionale Haltung (Begeisterung, klare Kommunikation) beim Vorführen entscheidend ist, weil Kinder die Stimmung des Elternteils aufnehmen. Weiterhin kritisieren sie stereotype Rollenbilder, bei denen Mütter „nachgiebig“ und Väter „hart“ seien, und plädieren für eine ausgewogene, liebevolle Klarheit, bei der beide Elternteile aktiv modellieren. Praktische Beispiele reichen von Aufräumen, Fensterputzen, Kochen, bis hin zu Autofahren und handwerklichen Tätigkeiten. Abschließend zeigen sie, dass diese Lernmethoden die Grundlage für lebenslanges Lernen bilden: Interesse, Engagement, Ausdrucksfähigkeit und Zusammenarbeit können dann auf jedes Themenfeld übertragen werden, von Programmieren bis zu Musikinstrumenten. Sie schließen mit dem Appell, nicht zu warten, bis das Kind „irgendwann“ etwas kann, sondern aktiv zu modellieren und zu unterstützen.
Chapters
Ich finde echt nicht, dass du das so erwarten kannst.
Naja, aber irgendwie müssen die ja schon auch später in der Welt zurechtkommen. Da muss man schon auch mal eine Erwartung haben.
Also nur weil ich vielleicht mit 8 Jahren irgendwas noch nicht kann, heißt es ja nicht, dass ich das später in der Welt nicht können kann.
Ja, aber man muss ja irgendwann lernen. Die Kinder müssen es ja irgendwann lernen.
Ja, natürlich, das sage ich ja auch gar nicht, dass sie das nicht irgendwann lernen müssen. Aber nur von: Ich kann es mit 8 noch nicht und ich muss es irgendwann später können, bedeutet ja nicht, dass ich jetzt schon mit 8 Jahren oder mit 9 Jahren oder mit 10 Jahren gelernt haben muss. Ich kann es ja auch später lernen.
Alles zu lernen, und es dauert ja lang. Wir lernen ja langsam, wir Menschen müssen die ja schon mal—
Also ich meine, wie schnell, wie lange hast du denn gebraucht, bis du deinen Führerschein gemacht hast? Also ich meine, du jetzt extra lang, weil du durchgefallen bist, aber, aber, aber, aber das ist jetzt nicht Jahre gedauert, selbst bei dir nicht.
Ja, aber bis ich gut Autofahren konnte, schon.
Aber doch nicht Jahre.
Ja, das ist ja was anderes. Also ich meine, da war ich auch schon 18, 19.
Ja, aber was meinst du, wenn jetzt jemand mit 19 lernt, sein Zimmer aufzuräumen, wie lange der dann braucht, bis er sein Zimmer aufräumen kann?
Ja, lang.
Hä?
Bis er es gelernt hat.
Ja, was ist jetzt daran so schwierig?
Ja, aber was ist denn an Zimmer aufräumen so schwierig? Das kann doch ein Achtjähriger auch schon lernen. Das ist ja genau das Argument.
Ja, aber für einen Achtjährigen ist es ja noch viel schwieriger, weil der hat den Überblick noch nicht.
Er muss ja nur die Sachen nehmen und in die Schublade legen, oder?
Weil du das als Kind gemacht hast.
Keine Ahnung. Hallo und herzlich willkommen hier beim Gemeckerfrei-Podcast, dem Podcast für liebevolle Beziehungen in der Familie als und mit dir selbst.
Wir sind Uli und Bernd Bott.
Wir sind Eltern von 4 Kindern, die Gründer von Gemeckerfrei. Wir sind Spiegel-Bestseller-Autoren von 3 Spiegel-Bestsellern.
Genau, und das Allerwichtigste ist, dass wir schon viele, viele tausend Menschen begleitet haben. Und du bist hier genau dann richtig, wenn du zu den Eltern gehörst, die keine Lust mehr haben auf den nächsten Tipp, oder irgendwie ausprobieren wollen, wie Elternsein geht, sondern wenn du es wirklich von der Pike lernen willst. Weil Elternsein ist eine Kompetenz, ist eine Fähigkeit, die man lernen kann wie Autofahren oder Kopfrechnen. Und dafür sind wir hier.
Oder Zimmer aufräumen.
Oder Zimmer aufräumen, genau. Schön, dass du da bist. Herzlich willkommen zu dieser Folge.
Und wir haben das ja jetzt im Intro so bisschen vorgespielt mit dieser Diskussion, ne, wann Müssen Kinder was lernen? Ja, so, ich habe jetzt den Part übernommen, der gesagt hat, ja, die müssen ja, um später in der Welt zurechtzukommen, müssen sie ja auch jetzt schon gewisse Dinge lernen.
Ja, und das ist ja das, was viele unserer Teilnehmer gerade jetzt auch letzte Woche hatten wir ja wieder eine Challenge, da kommt es ja immer wieder, wenn es darum geht, wie viel mehr, wie viel bedingungsloser kann ich mein Kind lieben oder kannst du dein Kind lieben, dann kommt ja immer ganz schnell, ja, aber Also es geht ja nicht immer nur um Lieben und es geht ja nicht immer nur um nett und so, sondern das ist ja, die Welt ist ein gefährlicher, harter Ort, so ein bisschen. Und wir Kinder müssen lernen, in der Welt zurechtzukommen.
Und dafür müssen sie schon als Kinder mit Druck konfrontiert werden, mit Streit, mit schmerzhaften Erfahrungen, müssen irgendwie, weil sie das mit Schmerzen jetzt die wenigsten sagen, jetzt mit körperlichen Schmerzen. Wobei früher hat man das auch gesagt. Ja, früher war das ja die Argumentation, ja klar, gib mal den Gürtel irgendwie über den Arsch, also über den Hintern, Entschuldigung, weil das muss man ja aushalten. Ja, der Chef kommt dann auch, wenn der Chef kommt, oder der Vater muss kommen.
Oder in der Schule war das ja ganz normal, dass man auch einen auf die Finger gekriegt hat oder so. Also da hat man das als Menschheitstraining betrachtet, dass Kinder das möglichst früh schon ertragen müssen, damit sie auf die Welt vorbereitet sind, sozusagen.
Genau. Und Schule ist ja auch genau unter dieser Idee, also dass unser Bildungssystem, das deutsche Bildungssystem, ist ja entstanden dafür, dass man sagt, wir brauchen Fabrikarbeiter, wir müssen aber, brauchen aber, dass die zumindest ein bisschen lesen und schreiben und rechnen können, weil sonst sind sie ja auch zu dumm, für eine Fabrik zu arbeiten. Und deswegen müssen die Kinder in die Schule. Aber das ist ja gleichzeitig auch eine, hört sich blöd an, aber ist eine Gehorsamsschulung, die ja auch da entstanden ist. Sicherlich in veränderter Form, aber im Grundsatz hat sich das nicht geändert. Obwohl alle danach schreien, eigentlich in der Wirtschaft und so alle danach rufen, dass sie ganz andere Menschen brauchen.
Ja, ja, ja, das ist ja noch mal ein anderes Thema. Sonst sind wir da gleich reingesprungen. Ich muss mich selber gerade bremsen, weil ich wollte schon darauf antworten, was du gesagt hast. Aber die Frage ist einfach, was, welche Erwartungen an Kinder sind gerechtfertigt oder auch notwendig, um die gut aufs Leben vorzubereiten?
Und welche vielleicht auch nicht?
Ja, genau.
Und wann ist eigentlich auch der Zeitpunkt dafür?
Ja, und einfach mal den— also ich möchte einfach den Blick mal darauf werfen, dass wir ja wissen aus der Forschung, wissenschaftlich gesichert, dass Kinder am allermeisten durch Nachahmung lernen. Also es gibt 3 Lernstrategien: Das ist Nachahmen, das ist Wiederholen, und das ist Variieren, die sind ja, bauen ja aufeinander auf an sich. Ja, du ahnst, weil du siehst was, das ahnst du nach, das wiederholst du. Das ist der Grund, warum kleine Kinder 100-mal den Lichtschalter an- und ausknipsen können, oder warum ein Kind auch, das gerade Fahrradfahren lernt oder so, immer nur hin und her und hin und her und hin und her und hin und her. Ja, also das ist Wiederholen, und dann kommt Variieren. Dann variieren beim Fahrradfahren, wer zum Beispiel mal freihändig fahren, oder mal zu probieren. Kann ich eigentlich die Füße von den Pedalen nehmen? Kann ich irgendwie jemanden auf dem Fahrrad mitnehmen? However, ne, kann ich, weil ich Fahrrad fahren kann, kann ich deshalb dann vielleicht auch BMX fahren, oder wie du sagst, durchs Gelände und so. Also das, das ist, sind ja Variationen, und das sind die 3 Lernstrategien. Und wenn ich das einfach weiß, dann kann ich mich als Mama oder als Papa halt so krass entspannen, weil es, weil ich mir dann bewusst machen kann, dass alles, worum es geht, ist, dass ich das Vorbild sein muss für die Dinge, die das Kind lernen soll. Ja, ich muss ja nur vormachen.
Ja, und ich kann ja je nach Alter des Kindes, kann ich ja auch durchaus auch mal sagen, wobei finde ich jetzt sowas wie Zimmer aufräumen nicht so klug dafür, aber gibt ja andere Sachen, wo ich sage, schau mal zu, ich mache es dir mal vor, schau mal zu, und dann machst du es nach.
Also so, was weiß ich, Fenster putzen finde ich, ist voll der gute Beispiel dafür.
Oder auch wenn Kinder bisschen älter sind, du machst irgendwie Heimwerker-Dings mit Holz, du sägst irgendwas ab, sagst, schau mal zu, setzt du die Säge an.
Ja, oder am Laptop oder was, wo du sagst, also ich meine, das ist ja auch so, wenn ich, also das ist ja, ist ja so, dass in vielen diesen Bereichen bist du einfach besser als ich. Also wenn es am Laptop ist, ja, und dann machen wir das ja da genauso, dann sagst du ja auch, schau, also so mache ich das, das ist der erste Schritt, das ist der zweite Schritt, sag ich, guck zu, ja. Dann kann ich es halt nachmachen, weil wir Menschen halt durch Nachahmung lernen.
Eigentlich im Grunde genommen ist die einzige Art zu lernen, die jeder Mensch kann, ist nachahmen. Durch Erklärungen lernen ist erstens total schwer, zweitens das können Menschen nicht von Haus aus. Das müssen sie erst lernen. Und das lernen sie eigentlich auch nur, da habe ich mal was drüber gelesen, tatsächlich, indem sie ja vorher einfach immer nachahmen. Und wenn du gelernt hast, durch eine Erklärung zu lernen, geht es nur, weil du dir während der Erklärung das im Kopf vorstellen kannst. Ja, genau. Es geht auch nur mit Dingen, wo du schon irgendwie eine Idee hast. Angenommen, du hast jetzt noch nie in deinem Leben an einem Klavier gesessen und ich versuche dir jetzt theoretisch zu erklären, wie Alle meine Entchen geht. Da bist du und ich kann Klavier spielen und Alle meine Entchen. Ich habe jetzt lange nicht mehr Klavier gespielt, aber Alle meine Entchen würde ich noch hinkriegen. Auch zwei Hände. Und in verschiedenen Tonarten. Aber du willst, ich könnte dir das jetzt erklären, ich könnte genau erklären, so sehen die Tasten aus, da sind zwei schwarze, das sind drei schwarze, da muss der Daumen hin und so weiter. Und die meisten von euch, ich wette, würden nach drei Sätzen aussteigen.
Ja, ich habe ein gutes Beispiel dafür, weil als du angefangen hast, das so darüber zu sprechen, dass wir Menschen nicht durch Erklärung lernen können, habe ich sofort an meinen Papa gedacht, als der mir mal, da hat er mich irgendwo abgeholt abgeholt, muss ich so 10, 11, 12 gewesen sein. Und da hat er mir mit voll guter Absicht natürlich versucht zu erklären, wie eine Kupplung funktioniert und eine Gangschaltung im Auto. Und ich, also ich kann mich an das Bild noch erinnern, das in meinem Kopf entstanden ist. Und ich weiß halt heute, das ist halt totaler Murks. Ja, also weil das ist halt, ich sehe da irgendwelche Zahnräder und so, also das sieht garantiert nicht so aus. Aber ich habe kein Wort verstanden, ehrlicherweise. Ich habe kein Wort verstanden. Und das ist nämlich das Wichtige, was du gesagt hast. Durch Erklärung funktioniert nur, wenn ich schon innere Bilder von der Sache irgendwie, wenn ich innere Bilder habe, die einen Bezug zu der Sache haben.
Ja, wenn dein Kind zum Beispiel nicht mehr weiß, wie die Toniebox funktioniert, ich weiß nicht, keine Ahnung, ich würde jetzt einen Kassettenrekorder nehmen, ich kenne mich schon aus, und das kommt runter und sagt: Wie mache ich das noch mal, dass ich zurückspule? Und dann sagst du: Ja, dann nimm die Taste. Mit den Pfeilen, mit den zwei Pfeilen nach links. Wo ist links? Dann kriegst du noch die Hand des Links, mach eine Faust, dann geht es hoch und weiß, wo es drücken muss. Ja, weil es ja den Kassettenrekorder kennt. Da kannst du ihm was erklären und dann kannst du es mit Glück übertragen.
Aber kann auch sein, dass es nicht funktioniert.
Kann auch sein, dass es nicht funktioniert, weil es einfach viel Erklärung und zu viel ist. Ja, je nach Alter des Kindes auch. Es sind schon kleine Kinder gemeint. Ja, das ist schon was, was mit dem Alter wird man da besser, weil man halt schon mehr Kompetenz hat. Und das ist ja auch eine Art von variieren, weil manchmal kann ich auch dann, weil ich schon mal einen Kassettenrekorder bedient habe und du erklärst mir jetzt einen CD-Player, dann kann ich das so.
Bei uns ist das ja so, jetzt sind wir jetzt gerade hier und der Herd ist ja schon ein bisschen speziell, wie der funktioniert. Ja, aber weil wir halt schon x Herde in unserem Leben zum Laufen gebracht haben, haben wir halt, haben wir es schon irgendwie hingekriegt.
Ja, steht mal, also genau, das ist so, dass du, was weiß ich, Herd, Backofen, so wo du sagst, okay, selbst wenn der mit so einem Touchscreen ist, wobei da wird es dann schon immer sehr tricky. Ja, aber da kann man so sagen, okay, das kriege ich schon irgendwann hin. Oder wenn du auch weißt, du hast ein Mietauto, damit es auch ein Auto, da ist die Schaltung irgendwie am Automatikhebel statt dem Blinker oder der Wasch, was weiß ich, was da noch alles komplett durcheinander schon. Ja, das ist die ersten 2 Stunden, ist es blöd und dann irgendwann hast du dich dran gewöhnt, weil du halt schon so viele, wenn du schon viele verschiedene Autos gefahren bist, weißt weißt du schon, ja, okay, ich kriege vielleicht die Heizung nicht bedient, aber ich komme vorwärts und rückwärts damit. Ja, voll. Und das können aber Kinder noch nicht.
Ja, ja, voll. Und, und das ist eben das, das noch mal jetzt zurück zu sagen, okay, also Lernen funktioniert durch Nachahmung. Und bei allem, was du willst, dass dein Kind lernt oder irgendwann kann, geht es darum, dass du es ihm vormachst. Und wenn du es ihm oft und oft und oft vormachst, wird es das irgendwann nachmachen. Vielleicht nicht in dem Moment, wo du sagst, jetzt hätte ich gerne Verflix noch mal, jetzt habe ich dir doch schon 5-mal vorgemacht, wie man das Lego aufräumt, jetzt räumst doch mal selber auf. Das wird nicht funktionieren. Nur mit, es gibt doch diesen schönen Spruch, mit Geduld und Spucke fängt man eine Mücke oder wie.
Weil Lernen ja auch nicht linear funktioniert, sondern eigentlich ist Lernen so, Plong, oft, ja, also gerade bei Kindern, ja, das ist so, du denkst, kommt überhaupt nichts an, und auf einmal ist es da.
Ja, und hätten wir die Erwartung nicht, dass das Kind zu irgendeinem Zeitpunkt irgendwas kann, hätten wir einfach kein Leiden. Genau, dann hätten wir, dann gäbe es nichts, worüber wir uns aufregen müssten.
Ja, eine Sache kommt mir noch, das würde ich noch gerne mitgeben, weil wir das Beispiel mit dem Aufräumen gebracht haben, weil was dein Kind auch lernt, ist, wenn du zum Beispiel von Aufräumen immer gestresst oder genervt ist. Da musst du so aufpassen. Das habe ich bei unseren Kindern irgendwann so gemerkt. Ich weiß nicht mehr, bei was es war. Ich habe gedacht, what the fuck, die machen das in genau demselben State wie ich. Und dann habe ich mir gedacht, ich muss das ändern. Also jetzt zum Beispiel, wenn du zum Beispiel aufräumst und die ganze Zeit darüber redest, wie viel Spaß du dabei hast. Also auch guckst, dass du halt auch wirklich irgendwie Spaß dabei hast. Das ist so cool, weil wenn man aufräumt, dann Räumt man das weg und wenn dann alles weg ist, dann sieht es hier so toll aus. Oder wenn ich Lego sortiere oder was auch immer du willst, was du halt so vormachst und du benennst es auch so und hast auch, ich empfehle halt denen auch wirklich, das zu haben, macht es für dich selber auch geiler.
Ja, ja, und vormachen, das funktioniert.
Ja genau, Kinder nehmen ja auch das dahinter auf, die Emotionen. Aber dann tust du euch beiden einen großen Gefallen, weil du hast nach dem Aufräumen gute Laune. Und nicht nur, weil du es jetzt fertig hast, nicht nur aus Erleichterung, sondern weil du schon die ganze Zeit gute Laune hast. Und dein Kind lernt auch immer: Okay, aufräumen kann Spaß machen. Das wird es viel schneller anfangen. Weil da hat ja Gerald Hüther schon gesagt: Begeisterung ist der Dünger fürs Gehirn. Und tatsächlich ist ja auch, das vergessen wir Erwachsenen ja auch immer, aufräumen muss man auch lernen. Das können Kinder nicht jetzt wie, weiß nicht, was kann man denn von angeboren? Atmen, es ist nicht wie Atmen, aufräumen, das muss man auch lernen.
Ja, und also da fällt mir zum Beispiel ein, dass ich ganz oft immer darüber geredet habe, dass ich das so liebe, wenn man während dem Kochen schon wieder aufräumt, also weil das halt dann so geil ist, weil man dann fertig gekocht hat und nicht mehr die Bombe in der Küche eingeschlagen hat.
Und unsere Kinder lieben das voll, die machen das, die, die, wenn wir heute zusammen Kochen, jetzt gerade hier kochen wir ja wieder viel, so immer wieder mal zu dritt oder zu viert, manchmal auch zu fünft, wobei das gibt die Küche nicht her, das ist zu eng. Aber so, das ist total geil, weil du machst irgendwas und jeder, der gerade nichts zu tun hat, nimmt dir so den Müll gleich wieder weg und bringt den weg, weil manchmal schon ein bisschen viel ist.
Manchmal ist schon das Salz und so, die Gewürze wieder weg, bevor du es überhaupt benutzen konntest.
Ich bin noch gar nicht fertig, bring mir das Öl noch mal. Ja, aber das stimmt, das ist genau dadurch entstanden, weil wir das Es gibt ja nichts Schlimmeres, wie du hast so schön gegessen und dann musst du noch so einen Riesensauerstall in der Küche aufräumen. Also wir mögen das halt nicht so. Das ist ja vollkommen okay. Wir gucken halt, dass wir immer so kochen, dass wir währenddessen schon wieder alles relativ gut geregelt kriegen. Genau, das ist aber so, funktioniert es ja. Das ist so.
Und wenn du jetzt da Spaß bei hast und das dann auch noch benennst, dass du dabei Spaß hast, dann bringst du deinen Kindern gleichzeitig nämlich auch wieder bei, dass sie durch Erklärung lernen. Also Erklärung Erklärung muss ja nicht immer sein, okay, und jetzt machst du den ersten Schritt und das ist der zweite Schritt und das ist der dritte und der vierte Schritt, sondern Erklärung ist oft auch einfach Beschreiben, also eine Beschreibung dessen, was du tust. Total, also, oder was weiß ich, wenn ich jetzt, einer unserer Söhne fährt ja noch nicht so lange Auto und der ist jetzt lange nicht gefahren, und wenn er dann mit mir mal mitgefahren ist, oder auch wenn ich auf dem Beifahrersitz gesessen bin, dann habe ich halt immer, habe ich, also jetzt, wir sind jetzt längere Strecken, bin ich ja mit ihm auf dem Beifahrersitz gefahren und ihr seid in dem Auto gefahren. Und dann habe ich halt immer wieder gesagt, schau mal, und an der Stelle würde ich jetzt schon mal bremsen, hier würde ich jetzt schalten, dann würde ich das jetzt, hier würde ich so reagieren, da würde ich schon mal auf die linke Spur fahren. Und das, während er das tut und das dann im Tun gleich wieder ausprobieren kann, da so funktioniert dann in so einem Alter Lernen eben schon auch. Aber das machst du, dem bereitest du den Boden, indem du halt zum Beispiel beim Aufräumen sagst, ah, ich packe jetzt, ah, wie cool, jetzt packe ich alle Tiere hier in die Kiste und cool, dann sind die alle hier zusammen und ich weiß schon, da freue ich mich jetzt schon, weil wenn du das nächste Mal mit den Tieren spielen willst, dann weiß ich genau, dass du die da finden kannst und ich bin schon ganz neugierig, was du als Nächstes mit den Tieren anstellst. Irgendwie so damit, ne? Und dann packe ich das Lego, das tue ich in die Kiste und ich liebe das, wenn das alles in die Kisten sortiert ist und so. Und damit vermittelst du diese Freude an dem Tun und vermittelst ganz nebenbei. Ich will absichtlich nicht spielerisch sagen, sondern du vermittelst nebenbei, was, welche Schritte du tust und benennst es und gibst dadurch dem Kind noch mal extra die Chance, das zu übernehmen.
Ja, genau. Ja. Und du hast dann, wenn es mal, wenn es um komplexere Tätigkeiten geht, ergänzt du ja die Beobachtung durch das, was du sagst. Weil manchmal ist es ja so, wenn ich jetzt das Beispiel mit der Säge nehme, dann sage ich ja, ich nehme die Säge so in die Hand, dass mir das nicht abrutscht. Ich setze die erst mal langsam an, dann nehme ich die andere Hand zur Seite. Ich halte es gut fest. Ja, so diese Dinge ergänzen die Beobachtung. Wenn du aber nicht sagst so, und dann musst du diese, das ist das, was man immer denkt, wie man das anderen beibringt. Und dann musst du die Säge fest in die Hand nehmen oder musst da auf deine linke Hand aufpassen. Nee, du sagst einfach so: Ich nehme das fest in die Hand, dass es nicht verrutschen kann. Ich halte die Säge fest und dann setze ich erst mal an, bis die so gefasst hat. So, wenn du das, dann wird die Beobachtung, die man hat, ergänzt durch das, was du sagst, was man vielleicht nicht so bewusst sieht. Ja, und dann kommt es perfekt zusammen.
Ja, und das ist jetzt genau, was wir jetzt beschrieben haben, ist quasi liebevolle Klarheit oder Führung beim für Alltagsthemen, für Lernen in Alltagssituationen. Weil es geht weder darum, und das ist halt oft so diese Position, die, wenn man jetzt mal geschlechtsstereotyp sein möchte, dann übernehmen Mütter oft so diese Wischiwaschi-Weichei-Position und Männer dann die Gegenposition. In manchen Familien ist auch andersrum, oder es wechselt situativ, aber jetzt jetzt so dieses, zum Beispiel beim Aufräumen, sind, ist die eine Position dann oft, ja mein Gott, dann wird er, räumt er jetzt halt sein Zimmer nicht auf und der wird schon irgendwann lernen, und ja mein Gott, der ist doch auch noch klein, und jetzt bloß jetzt nicht Stress wegen Aufräumen, und das ist ja nicht bedürfnisorientiert, und weiß der Kuckuck so. Und dann aber so voll in den Rückzug zu gehen, und dann gehen die, wenn es die Mama ist, die das macht, geht dann die Mama in die Selbstaufopferung, weil die die dann alles aufräumt und alles macht. Und die Papas kriegen, wenn es jetzt so stereotyp verteilt ist, kriegen halt die Krise, weil die ja sagen, ja, der muss doch jetzt das aber mal machen, und das kann ja jetzt auch nicht sein, und ihr müsst mal Grenzen setzen, und da muss man mal klar durchgreifen, oder wie sagt man, hart durchgreifen. So, aber keiner von beiden begleitet das Kind dabei, diese Fertigkeit jetzt zu entwickeln.
Und wenn du das aber meisterst, also wenn du das machst, ist es ein unglaubliches Geschenk auch für eure Beziehung, also für die Beziehung zum Kind. Weil du dann später, das wirst du vor allen Dingen merken, wenn sie später, wenn sie erwachsen sind, kriegst du dann immer das Feedback, weil dann sagen sie, boah, das habe ich, das habe ich da von dir gelernt, da kann ich mich noch genau erinnern, da haben wir das immer zusammen gemacht. Und Und dann ist das, empfinden die Kinder so und sind da selber auch stolz drauf dann.
Ja, und weil sie halt die Fähigkeit, Dinge zu lernen, dadurch gelernt haben.
Das ist eigentlich das Einzige, wenn man jetzt mit dem, was brauchen die, was müssen sie eigentlich lernen, um in der Welt klarzukommen, dass die einzige Fähigkeit, die sie brauchen, ist die Fähigkeit, sich neue Dinge anzueignen durch Beobachtung. Bisschen Erklärung und dann selber ausprobieren.
Ja, durch Nachahmen. Ja, eigentlich würde ich sagen beobachten, durch Nachahmen, Unterstützung, durch Erklärung, und dann tun und variieren.
Und dadurch, je mehr sie die ersten zwei Schritte machen, können sie in das Variieren, ist dann das, wo Lernen exponentiell wird. Weil je mehr sie, je besser sie in den, die Grundlagen sind, dann können sie alles immer wieder zusammenfügen. Also das war die INS zu sagen, ah okay, ich habe also schon mal gelernt, wie eine, ich habe also am Fahrrad verstanden, wie die Gangschaltung funktioniert mit der Übersetzung. Jetzt verstehe ich auch das Getriebe beim Auto relativ leicht, weil es eigentlich das Gleiche sieht, zwar komplett anders aus, unglaublich komplexer, ich weiß, für alle Pros davon, aber so, das ist dann so, das ist ja zum Beispiel schon mal Variation jetzt rein im Verständnis, aber auch im Tun dann. Ja okay, ich habe Ich kann irgendwie mit einem Messer, ich kann eine Gurke schneiden, dann fällt mir gerade kein gutes Beispiel ein, aber so.
Ich finde, man kann das ja auch auf Themen übertragen, die wir gar nicht mehr können, weißt du, wenn die Kinder in der Lage sind zu lernen, wenn sie die Fähigkeit des lebenslangen Lernens erworben haben. Und da noch mal ein kurzer fachlicher Ausblick, dazu brauchen sie einfach, dann müssen sie Interesse entwickeln, sie müssen engagiert sein, sie müssen müssen dranbleiben können, sie müssen sich ausdrücken können, sie müssen mit anderen zusammenarbeiten können. Und wenn sie das gelernt haben, dann lässt sich das halt auf jedes Thema übertragen. Und dann geht es eben darum, dass Kinder auch sich mit Themen auseinandersetzen, die wir vielleicht total uninteressant finden. Also jetzt einer unserer Söhne hat sich ja, ich weiß nicht wie viele Programmiersprachen beigebracht, und also Das hat der halt gelernt, weil er halt Lernen gelernt hat, ja. So, oder andere Kinder lernen Instrumente, die die Eltern nicht können, oder— also ich finde, es mir geht hauptsächlich um die Dinge, die Jugendliche oder Kinder heutzutage sozusagen so von scratch lernen, also alleine, also durch irgendwelche YouTube-Videos oder mit denen, wo sie sich selber mit beschäftigen, wo es jetzt nicht, wo sie zum Lehrer gehen, sondern wo sie— und da in dieser Welt, also in diesem Aspekt von Welt, wo es darum geht, alleine in Dingen besser zu werden, ist es noch relevanter, diese Fähigkeit zu lernen, entwickelt zu haben. Ja, und jetzt haben wir dir so ein bisschen Einblick gegeben, wie du das anstellen kannst, dass dein Kind die Fähigkeit zu lernen entwickelt und was du weglässt. Nämlich, was es wegzulassen gilt, ist zu sagen: Ja, wird schon irgendwann können, habe ich jetzt nichts mit zu tun. Und genauso lässt du aber weg: Und das muss jetzt gelernt werden, weil Kind muss in der Welt zurechtkommen.
In diesem Sinne, vielen Dank dir fürs Zuschauen und Zuhören.
Alles Liebe, bis nächste Woche.
Tschüss!
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Wieso du machmal dein Kind an die Wand klatschen könntest (obwohl du es liebst)









