Wenn Schule dein Kind krank macht - und du es für normal hältst

Uli and Bernd Bott discuss how school stress causes real physical symptoms in children: headaches, stomach pain, sleep problems, anger. They argue parents shouldn't normalize these signs, and suggest concrete steps like scheduling regular breaks, avoiding over-scheduling, and prioritizing the child's wellbeing over grades.
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Was gefühlt schon aus meiner Sicht immer mehr wird, sind einfach Kinder, die morgens mit Kopfweh aufwachen, die mit Bauchweh aufwachen, die entweder dauernd irgendwie appetitlos sind, nichts essen. Andere Kinder, die überhaupt nicht aufhören können zu essen. Die einfach Kinder, die einfach kein in Anführungszeichen normales kindliches Verhalten zeigen. Also Kinder, die, die von denen, ja, wo man eigentlich sagen würde, das entspricht nicht dem Bild eines Kindes. Also das meine ich mit normales kindliches Verhalten.
Ja, wir hatten es ja schon in unserer letzten Folge auch, wo wir über die psychische Gesundheit geredet haben. Und jetzt geht es eigentlich ja noch mal ein bisschen ums Detail und auch, oder um einen Aspekt davon. Und auch um so die Vorstufen, die halt bei so vielen Kindern schon auftreten, was wir auch mit unseren Teilnehmern merken. Und da kriegen wir ja genau das Feedback, was mit den Kindern los ist und helfen denen natürlich auch, den Eltern, dass sie das dass sie dagegensteuern können. Und das wollten wir eigentlich jetzt hier auch mal ein bisschen aufzeigen. Und dieses morgens, dass es Kindern halt schlecht geht, wie du es gerade beschrieben hast, diese Symptome, das hängt halt damit zusammen, womit die Kinder die meiste Zeit ihres Tages, also wo die Kinder die meiste Zeit ihres Tages verbringen. Und das sind halt ab 6 Jahren dann ist die Schule.
Ja, ja. Und es geht uns überhaupt nicht darum, irgendwie die Schule zu bashen, weil davon ist noch nichts besser geworden. Nur ich möchte, oder wir wollen dahin kommen, dass wir aufhören, Dinge für normal zu erachten. Weil das ist das, was nämlich passiert. Weil wenn du am Spielplatz, beim Elternabend, beim Einkaufen, wie auch immer, also wenn, wenn das normal wird, in Anführungszeichen, dass eure Kinder alle Bauchschmerzen haben, Kopfschmerzen haben, nicht in die Schule wollen. Wenn, wie bei Teilnehmern von uns, jedes dritte Kind in der Klasse eine Diagnose hat und das ist eine gut situierte Schule, dann, dann wird einfach deutlich, dass das anfängt, normal zu werden. Und wenn man eben so diese Zahl der psychisch erkrankten Kinder und wie sich das über die Jahre verändert, dann sagst du, na ja, 2% Wachstum, 3% Wachstum im Jahr ist ja vielleicht nicht so viel. Also bei Geld findet man das nicht so viel vielleicht. Aber also auf, also wenn man das halt dann mal auf 20 Jahre rechnet, dann sind das halt schon echt, es ist halt eine gravierende Veränderung.
Und ja, und es hat ja auch einen Zusammenhang mit der, das ist ja genau auch die Zeit, in der die Ganztagsschule normal geworden ist. Also die war ja vor 20 Jahren noch nicht die Normalität. Da war das noch eine Ausnahme oder da hat es gerade so angefangen. Bei unserem Ältesten war das jetzt in der Grundschule noch nicht normal, bei uns zumindest. Wir waren natürlich bisschen auf dem Land, aber es hat einfach angefangen. Da hat es angefangen, dann wurde das eine Option und inzwischen ist es ja schon fast eigentlich der Standard.
Und jetzt sagen wir nicht, dass es eine Korrelation gibt. Achtung, wir haben keine These hier aufgestellt und gleichzeitig einfach zu sagen, Das kann man, sagt Gerald Hütter zum Beispiel, auch schon sehr, sehr lange, dass Kinder zu wenig frei verfügbare Zeit haben, in denen sie ja, in denen das Gehirn reifen kann, in denen sie ihren autonomen Bedürfnissen nachgehen können. Und wir wollen einfach mal einen Blick drauf werfen, was kannst du eigentlich als Mama, als Papa tun, wie kannst du dein Kind trotz Schulpflicht dabei supporten und unterstützen, dass es eben psychisch gesund erwachsen werden kann. Hallo und herzlich willkommen hier beim Gemeckerfrei Podcast, dem Podcast für liebevolle Beziehungen in der Familie, als Paar und mit dir selbst.
Wir sind Uli und Bernd Bott, wir sind die Gründer von Gemeckerfrei, Eltern von 4 Kindern, Spiegel-Bestseller-Autoren, und wir haben schon Hunderttausenden Menschen dabei geholfen, sich ihren liebevollsten Familienalltag zu erschaffen.
Und wir freuen uns, dass du heute hier bist, weil wenn du hier eingeschaltet hast, gehörst du zu den Eltern, die wirklich wissen wollen, wie dieses verrückte Abenteuer Elternsein, wie das funktioniert, wie das wirklich funktioniert. Und ja, wie gesagt, wie kannst du dein Kind dabei begleiten, dass es psychisch gesund erwachsen wird, auch wenn du in Deutschland lebst oder in einem Land lebst, in dem Schulpflicht gegeben ist und dein Kind quasi von Montag bis Freitag jeden Tag mehrere Stunden in der Schule verbringt. Na, und wichtig ist erst mal auch einzuschätzen, was sind eigentlich so die Signale oder die Symptome, an denen man erkennt, dass dass das Kind unter Stress steht? Wenn man jetzt mal sagt, okay, Schulstress ist ein Stressor für Kinder. Und was sind eigentlich die Symptome, an denen ich erkennen kann, dass mein Kind da vielleicht belastet ist?
Ja, und ein Teil davon sind ja schon die, die du am Anfang genannt hast. Das Kind ist einfach morgens so, diese klassischen, ja, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen hat, dass sich— und ich rede jetzt nicht unbedingt von 15-Jährigen, die stehen so und so schlecht auf morgens. Das ist jetzt keine Frage, für die ist die Zeit zu früh, aber das ist ein anderes Thema. Aber auch schon von jüngeren Kindern, die einfach dann nicht aus dem Bett wollen. Wo du merkst, die haben überhaupt keine— also die haben nicht nur mal keine Lust, in die Schule zu gehen, weil das ist ja irgendwie auch wieder normal, sondern die haben einfach generell eine Abneigung dagegen. Weil eigentlich ist es nicht normal. Ich meine, die treffen da im Normalfall ihre Freunde, ein Teil ihrer Freunde, ja, sind nicht mit dem anderen befreundet, aber das ist eigentlich immer auch irgendwie spannend.
Eigentlich müsste Schule ja ein Ort sein für Kinder, an dem die sich entfalten, entwickeln können. Also eigentlich was, wo du eigentlich ein Lernort, wo du eigentlich als Kind ja gerne sein möchtest. Deshalb freuen sich ja auch die allermeisten Kinder auf die erste Klasse, weil sie da eigentlich gerne hingehen mögen. Und genau, also so, ne. Das sind aber eben auch Kinder, die immer gar nichts aus der Schule erzählen, aber irgendwie so betröppelt mittags oder nachmittags am Tisch sitzen. Das sind auch Kinder, die einfach ständig Albträume haben, schlecht schlafen, Schlafstörungen haben. Das sind Auch oft die so ganz leisen Kinder, die einfach so still sind, die, die für nichts mehr zu begeistern sind, die ja einfach so wie so ein bisschen gedämpft wirken, würde ich jetzt mal sagen. Ja, sind auch die Kinder, die nach Hause kommen und erstmal einen Wutanfall haben und ausflippen. Das ist für uns natürlich als Eltern oft noch anstrengender, aber eigentlich ist es eine Form von gesundem Verhalten, weil die zumindest das schaffen, Anspannung, die sie im Schulalltag erlebt haben, wieder rauszubrüllen, sozusagen. Ja, sind aber auch Kinder, die ständig, also so im Geschwisterstreit, kennst du das vielleicht, wenn deine Kinder so krass im Wettbewerb miteinander sind? Ja, so dieses: Ich bin aber besser und ich kann das aber toller und du bist aber dumm. Oder Kinder, die mal so petzen und den anderen so durch den Schlamm ziehen, sozusagen. Ja, also das sind alles Hinweise darauf, dass das Kind eigentlich unter Druck steht und mehr, also gestresster ist, als es eigentlich sein sollte. Und na, da, wenn wir schon wissen, dass jedes fünfte Kind eine psychische Diagnose hat, dann kannst du einfach davon ausgehen, jedes vierte Kind hat eine Angstbelastung, dann kannst du einfach davon ausgehen, dass es eigentlich Das ist eine Handvoll Kinder unter Hunderten oder so, die halt da völligst, völligst frei davon sind. Ja, genau.
Weil ganz viele halt schon auf diesem Weg sind. Ja, das ist ja immer, ich meine, es gibt irgendwie, irgendjemand hat sich mal entschieden, da ist eine Grenze, ab dann geht es, das ist eine Störung, und davor, oder jetzt ist eine Störung, davor ist es normal in Anführungsstrichen. Und diese Grenzen verändern sich ja auch ständig. Das ist ja immer so wie bei so Ernährungsgeschichten und so. Deswegen ist es, würde ich mich, also es wäre schön, wenn alle, die jetzt zumindest hier zuhören, schon mal darauf achten, dass es halt gar nicht dahin kommt und quasi die Anfänge schon bemerken, um dann da halt gegensteuern zu können.
Und klar ist es auch anstrengend. Also ich weiß, wir Eltern haben immer einen vollen Alltag, wir sind immer froh um jeden Aspekt, den wir outsourcen können. Wir sind immer froh um alles, was funktioniert, sozusagen. Und es erfordert Mut und es erfordert Energie, dahin zu gucken und halt die Bereitschaft zu haben, sagen, okay, ich halte das nicht für normal, auch wenn das nur 5-mal im Monat ist, dass mein Kind morgens mit Bauchweh aufwacht und ich jetzt weiß, der hat jetzt nicht am Tag davor 3 Kilo Gummibärchen gegessen, wo ich ja schon fast davon ausgehe, dass er davon Bauchschmerzen kriegt. Also dass ich halte das einfach, also so diese Einstellung zu haben, wir halten das nicht für normal und wir hören auf zu denken, dass das Kind da halt durch muss. Weil das ist, glaube ich, einer der fatalen Aspekte, dass wir so schnell denken: Ja, mein Gott, also das Leben ist halt kein Ponyhof, da muss man halt jetzt durch. Jetzt stell dich nicht so an.
Muss man lernen, weil später muss man auch auf die Arbeit gehen.
Ja, genau.
Und da, ich meine, wer uns schon ein bisschen kennt, weiß ja, es gibt bei Gemeinsamkeit immer einen Perspektivwechsel. Und da würde ich gerne den ersten schon mal anbieten. Was, wenn es halt nicht darum geht, in der Arbeit zu sein, also zumindest dann für deine Kinder in Zukunft nicht darum geht, das lernen zu müssen, weil du schon davon ausgehst, dass sie eine Arbeit haben, die sie nicht leiden können und die sie anstrengt und die sie stresst und vor der sie Kopfschmerzen und Bauchschmerzen haben müssen. Sondern wie wäre es denn, wenn sie eigentlich, wenn man auch hier wieder einen Cycle durchbricht und sagt, okay, wie wäre es denn, wenn die was machen können, was die gerne machen? Was ihnen entspricht, weil sie eben auch gelernt haben, nämlich andersrum gelernt haben, dass es das gibt und dass das geht.
Ja, und ich habe ja da sogar eine These dazu, weil ich glaube ja, dass jetzt im Zuge der ganzen Arbeitsweltveränderung durch AI und so wird es eh dahin kommen, dass die Jobs, die Menschen halt machen, ohne Freude daran zu haben, dass dass das die Jobs sein werden, die eh wegfallen zum Großteil. Und du wirst dich auf dem Arbeitsmarkt aus meiner Sicht in 20, 30 Jahren nur noch behaupten, wenn du in der Lage bist, exzellent, exzellent zu sein in deinem Bereich. Und das kannst du nur sein, wenn du da mit Begeisterung und Freude dabei bist. Du wirst eine Maschine, wird immer besser sein als du an deinen schlechten Tagen. Und wenn deine schlechten Tage, die, wenn du die Mehrzahl der Zeit in deinem Job auf 30, 40, 60, 70% deiner Kraft läufst, weil du keine Freude dran hast, dann wird dich eine Maschine sehr, sehr schnell überholen. Und das, also wenn ich jetzt bei unserer AI zum Beispiel, wenn ich gucke, was die für Antworten gibt, was die jetzt auch sogar im Sprachmodus, wie sich das wie ich anhört, hört. Also an einem Tag, an dem ich schlecht drauf bin, bin ich hier, wenn ich hier sitze und den Podcast mit dir aufnehme, schlechter als die AI das machen würde.
Also wundert euch nicht, wenn in Zukunft dann ein Klon sitzt.
Quatsch. Nur das ist ja das. Und deshalb ist es auch aus wirtschaftlichen Beweggründen, glaube ich, unermesslich, dass wir anfangen, die Freude und die Begeisterung wieder größer zu machen. Und das in unseren Kindern ja lebendig bleiben zu lassen oder wieder lebendig werden zu lassen, weil eben anders lernen nicht funktioniert und zu mühsam ist.
Ja, weil auch, also, und ich meine, da nehme ich jetzt, ich will nicht zu stark abbiegen in Richtung Schule und so weiter. Ich denke jetzt, wenn man mal uns beide jetzt als Beispiel nimmt, dann haben wir eigentlich nichts von dem, was wir heute benutzen, abgesehen vom bisschen Prozentrechnen und so was, in der Schule gelernt. Und was wir auch gelernt haben, aber das haben wir nicht im Unterricht gelernt, ist kommunizieren. Ja, ich war Schülersprecher und so, da hat man so ein bisschen Führung und sowas schon gelernt. Diese Sachen, ja. Aber das, was wir heute mit Begeisterung den ganzen Tag machen, davon haben wir vielleicht 10% in der Schule gelernt. Ja, bei dir vielleicht noch Referate halten, vielleicht noch das.
Ich durfte halt in der Schule schon das machen, was ich gerne tue, nämlich vor Menschen sprechen. So muss man es eigentlich machen.
Das hast du ja ausgesucht, weil das war ja meistens freiwillig. Also ja, vom Menschen.
Ja, also ich habe, also das liebe ich halt schon immer. So muss man das halt sagen. Und das konnte ich halt da auch schon tun. So, und ja, voll. Also und gleichzeitig halt zu sehen, wie viele von euch noch darin feststecken, dass sie denken, die Kinder müssten Schule bestehen, die müssten gut sein in der Schule, nur deswegen bietet ihnen die Chancen. Und das ist halt ein Irrglaube, das ist halt ein totaler Irrglaube. Also der Bernd ist das beste Beispiel, ne? Du hast so ein schlechtes Abitur gemacht, du hast nichts weiter gelernt, so, ja. Unsere Kinder, und ich weiß, ne, wenn ich da kurz hin abbiegen darf, man, ne, also manchmal ist es auch für uns eine Herausforderung, da die arbeiten ja, ein paar davon arbeiten ja hier bei Gemeckerfrei mit und so, und da einfach zu sehen, die machen Dinge anders als wie wir die machen würden oder so, ja, da auch immer zu gucken, okay, wie kann man da den Raum schaffen, dass die sich da drin entwickeln können, ohne den Leistungsdruck, mit dem wir halt vielleicht gestartet sind, weil wir waren halt, also wir sind halt noch viel stärker mit Leistungsdruck aufgewachsen als jetzt unsere Kinder. Und da das Geduld, das Vertrauen und Wortfindung, das Vertrauen und die Geduld zu haben, dass sich das entwickeln wird, auch wenn die einen anderen Weg gehen, als wir den gegangen sind.
Ja, total. Und das ist ja so, dass also selbst die klügsten Köpfe aus der Wirtschaft und aus der, also auch aus der Wirtschaftsphilosophie quasi, wissen in Wahrheit im Moment nicht, wo es hingeht. Alle haben Thesen, sagen ja, ey, ey, das ersetzen, jenes ersetzen. Aber bis vor ein paar Jahren hat man noch gesagt, Kind, werd Softwareentwickler. Und es sind die ersten, die ersetzt werden. Ich wette, was Gärtner und Poolreiniger und so was haben noch länger Jobs, Handwerker wie Softwareentwickler, weil die, wenn die nicht wirklich auf den AI-Zug aufspringen und dadurch richtig gut werden, sind weg vom Fenster. Braucht keiner mehr. Nur jetzt so, das ist so ein Gedanke, den man früher hatte, stimmt heute schon nicht mehr und es beschleunigt sich alles. Also das Einzige, was schon immer funktioniert hat, dass Menschen, die irgendwas mit Begeisterung tun, und dann ist auch vollkommen egal, ob die das formell lernen, das kann manchmal schon gut sein in einem Studium, in einer Ausbildung.
Medizin würde ich jetzt nicht. Learning by doing.
Genau, vollkommen. Raketenwissenschaften, Naturwissenschaftliche, da sind ja Studien und so wirklich cool. Aber das Wichtige dabei ist die Begeisterung. Das Wichtige ist die Begeisterung. Wenn du dafür sorgen kannst, dass dein Kind das behält, gleich merkt ihr den Gedanken, dass dein Kind die Begeisterung behält, an Dingen auszuprobieren und dabei Dinge zu lernen. Egal ob das in der Schule stattfindet oder nachmittags bei euch im Garten, auf dem Spielplatz, auf dem Skateboard, auf dem was weiß ich, selbst beim Computerspiel.
Ja, weil nur wenn du begeistert bist, und das merken wir halt auch immer so krass, weil dann sagen Leute zu uns: Ja, und wann macht ihr Urlaub? Und so, und, und wir so: Hey, Urlaub? So, also es kann schon mal sein, dass wir nach einer Challenge oder so, dass wir mal einen Tag weniger machen. Aber Urlaub? Ja, oder als wir letztens mal weg waren zu zweit, haben wir auch mal einen Tag lang, haben wir es mal. Aber wenn Am nächsten Tag ist schon wieder so, dann hat einer von uns eine Idee und dann sagen wir, komm, wir könnten doch das machen. Und dann starten wir damit schon wieder los, weil das ist, das fühlt sich für uns nicht nach Arbeiten an, sondern nach, dass das halt, das macht uns halt so Spaß. Und dann, nur wenn du diesen Spaß hast und die Begeisterung hast, dann kannst du dieses Dranbleiben entwickeln. Nur dann bist du in der Lage, dich auch durch Dinge durchzubeißen, die irgendwie haarig sind, die nicht gut funktionieren, die schwieriger sind, als man gedacht hat. Das ist eigentlich halt eine Prozessmotivation, also die Lernmotivation. Jetzt gehen wir noch ein bisschen in die Psychologie oder in die Pädagogik. Ja, man sagt, es gibt einfach 4 verschiedene Motivationstypen, und die 2, die jetzt an der Stelle für uns relevant sind, ist die Lernmotivation und die Leistungsmotivation. Und Schule ist halt dafür gut, Leistungsmotivation zu fördern, also gut in Anführungszeichen. Schule fördert Leistungsmotivation. Es geht nicht darum, ob du Spaß daran hast, Spaß, die Matheaufgaben zu lösen. Es geht nicht darum, ob du Spaß daran hast, das Bild in Kunst zu malen. Es geht einfach nur darum, am Ende des Tages, welches Ergebnis erzielst du damit. Und da gibt es eben schon uralte Studien, die zeigen, dass in der ersten Klasse schon die Lernmotivation um mehr als 50% sinkt, und im gleichen Zug steigt die Leistungsmotivation. Und das ist das, was einfach so unnatürlich— also ich würde gerne sogar sagen, widernatürlich ist, weil wir Menschen sind Wir sind einfach nicht dafür gemacht, immer nur auf irgendwas in der Zukunft hinzuarbeiten, sondern wir sind dafür gemacht, im Hier und Jetzt uns auszuprobieren.
Ja, und Kinder können das eigentlich perfekt. Ja, bis wir es ihnen verlernen, weil die können komplett ziellos Legosteine zusammenbauen, wieder auseinanderbauen, wieder zusammenbauen, ohne das einfach nur ein Turmbauen, Umschmeißen, Turmbauen, Umschmeißen.
Die würden es noch nicht mal Turm nennen.
Genau, die brauchen noch nicht mal einen Namen dafür, weil das machen die einfach. Und es geht den ganzen Nachmittag. Und das, was man wissen muss, und das muss man, da ist immer eben, deswegen ist bei Gemeinschaft immer so wichtig, dass es nicht nur um eine innere Haltung geht, sondern eben auch um das Wissen. Weil das, was du als Eltern wissen musst, ist, dass diese 4-Jährige, 5-Jährige, 6-Jährige so was tut. Der lernt schon noch, zielgerichtet zu arbeiten. Das kommt komplett von selbst. Das muss man an sich Menschen nicht beibringen.
Nee, natürlich nicht.
Das geht ja, das ist in uns an sich schon angelegt, nur halt noch nicht in dem Alter.
Ja, und wenn Kinder in der Schule sind, um noch mal so ein bisschen auf das Schulthema zurückzukommen, dann sind sie halt krass mit Leistungsmotivation oder mit Leistungsdruck mit Druck konfrontiert. Und das, was wir als Eltern zu Hause damit einfach tun können, ist, aus diesem Leistungsdruck auszusteigen, und zwar wirklich auszusteigen. Und das ist für die allermeisten Eltern so, erleben wir das zumindest, eine Riesenherausforderung. Weil klar sagen heutzutage ganz viele Eltern: Es ist mir egal, auf welche Schule mein Kind geht. Es ist egal, was mein Kind für Noten schreibt. Das soll einfach Spaß haben und Kind sein dürfen. Auch aus unseren eigenen Leistungsdruckerfahrungen heraus.
Und die Gelassenheit reicht genau bis zur 3 minus.
Oder bis zur 4 plus, wenn man Glück hat. Aber wenn dein Kind in 3 Fächern auf 5 steht.
Ja. Wenn die Versetzung gefährdet ist.
Dann sind die meisten Eltern, wenn du mal ganz ehrlich bist, nicht mehr so ganz entspannt. Und da merkst du, dass du dir was vor— wenn du zu den Eltern gehörst, die da nicht mehr so entspannt sind, dann kannst du daraus rückfolgern, schlussfolgern, dass du zu den Eltern angehörst, die ihr eigenes Leistungsdruckmuster noch nicht überwunden haben, ja, die das noch nicht überwunden haben. Du hast zwar schon ein Stück weit ausgeweitet, du bist vielleicht nicht mehr so eng. Na, meine Eltern haben schon die Krise gekriegt, wenn ich mal eine 4 hatte, oder ungefähr, ja. Also ich hatte so ein 1-Komma-Durchschnitt auf dem Zeugnis, und wenn ich mal eine 3 oder eine 4 heimgebracht habe, war schon so Es könnte jetzt gefährlich werden, Versetzung und so. Ich so, du hast schon noch alle Tassen im Schrank. Aber das hat sich dann schon ausgedehnt. Aber das ist noch nicht weg. Ja, das ist einfach noch nicht weg. Und unsere Aufgabe als Eltern ist einfach, dass wir die Beziehung in jedem Moment höher ranken als die Leistung, als die Schule, als die Schule.
Auch schon bei den Hausaufgaben.
Ja, Hausaufgaben sind, da kann man auch so ein paar Gemecker rein, Nuggets reinschmeißen. Sind die, ist der Aufgabenbereich der Kinder, da haben wir nichts mit zu tun. Ja, das sind nicht unsere Hausaufgaben, sondern die Hausaufgaben der Kinder.
Und du bist keine schlechte Mama, wenn dein Kind oder schlechter Papa, wenn dein Kind keine so guten Noten hat, wenn dein Kind mal eine Hausaufgabe nicht macht oder mal nur so du effizient hinschlotzt. Also von mir gäbe es da schon Effizienzpunkte. Ich denke mal, dumme Sachen darf man auch schnell und quick and dirty machen.
Wir haben auch immer wieder so Teilnehmer, die sagen, das kann nicht sein, der ist so faul, und dann macht er gerade so viel, dass er mit einer 4 durchkommt.
Also da würdest du halt sagen, das ist total effizient. Ja, das ist, weil Was soll der Quatsch?
Absolut, absolut. Genau. Und da ist einfach Entwicklungs— für viele Eltern steckt da einfach Entwicklungspotenzial drin. Deshalb wollten wir da jetzt mal drüber sprechen. Und achte halt einfach darauf, wenn es bei euch nicht anders geht, als dass dein Kind ganztags in der Schule ist, was einfach unserer Erfahrung nach schon ein Risikofaktor ist für Stress. Stresslevel bei den Kindern. Aber wenn das halt bei dir nicht anders geht, dann achte halt darauf, dass das Kind zum Beispiel jede Woche einen Joker hat oder alle 2 Wochen einen Joker hat, wo es einfach zu Hause bleiben darf, um halt wieder zu resetten, ja, damit das Nervensystem sich noch mal wieder beruhigen kann. Nimm das Kind ernst mit seinem Bauchweh, Kopfweh, Schlafstörungen, Essanfälle, was auch immer. Also nimm es ernst, sieh als Gefahrsignal dafür, dass das Setting, das ihr da gerade erschaffen habt, für dein Kind gerade nicht gut passt.
Ja, ohne dabei ins Drama zu verfallen, sondern sie einfach, okay, ich bemerke was, wie kann ich gegensteuern? Ja, und entweder hast du da jetzt schon genug mitgekriegt oder du holst dir halt Unterstützung. Wir sind gerne da.
Genau. Einen letzten Satz würde ich gerne noch sagen, weil den habe ich jetzt dreimal immer wieder innerlich weitergeschoben. Das ist, wenn Wenn eben auch dein Kind lange Zeit jeden Tag in der Schule verbringt, dann achte doch wenigstens darauf, dass das, was an Freizeit außerhalb von Schule noch zur Verfügung steht, dass ihr das nicht noch verplant. Weil wir denken ja dann immer noch, das Kind muss Sport und Kunst und weiß der Kuckuck was. Und dann sind unsere Kinder, wenn du das in Stunden umrechnest, oft mehr Stunden am Tag fremdgesteuert als wir Erwachsenen. Und bei den Erwachsenen, schau dir die Burnout-Raten an, schau dir das an mit den psychischen Erkrankungen. 41% aller Deutschen jedes Jahr. Unsere Gesellschaft macht uns krank und wir setzen die Kinder unter einen noch größeren Druck als uns selbst. Lass uns doch damit aufhören.
In diesem Sinne vielen Dank fürs Zuhören und Zuschauen. Alles Gute. Hoffentlich hat dir was gebracht und bis zum nächsten Mal.
Tschüss. Ciao.
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