Wie du das selbstbewusstsein deines Kindes ruinierst

Uli von Gemeckerfrei explains why telling your child "I'm proud of you" undermines their confidence. A two-year study of 600 children aged 7-11 from the University of Amsterdam found that praise calling kids special or exceptional breeds narcissism and fear of failure, not motivation. Instead, show unconditional affection and ask if they're proud of themselves.
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Hör auf, zu deinem Kind zu sagen: Ich bin stolz auf dich. Und ich weiß, was du jetzt wahrscheinlich denkst: Uli, das ist doch das Liebevollste, was ich zu meinem Kind sagen kann. Ich habe das auch gedacht, jahrelang. Und ich war überzeugt davon, dass ich damit genau das Richtige tue. Aber lass mich dir erzählen, was mich dann wirklich umgehauen hat. Mein Kind hat irgendwann angefangen, sich vor neuen Dingen zu drücken.— nicht weil es faul war, sondern weil es Angst hatte: Angst davor, nicht mehr das zu sein, als das ich es immer bezeichnet hatte: besonders, einzigartig oder toll! Wenn es was Neues versucht hat und gescheitert ist, war das kein normales Scheitern mehr, sondern es war ein Angriff auf sein gesamtes Selbstbild, auf das Bild, das ich ja sozusagen von ihm selber gemalt hatte! Beim kleinsten kritischen Kommentar von mir, von Freunden oder von Lehrern ist es explodiert. Und zwar nicht, weil es ein schwieriges Kind war, sondern weil sein gesamter Wert an einer einzigen Frage hing: Bin ich noch gut genug, damit meine Mama oder mein Papa stolz auf mich ist? Und ich hatte davor gedacht, ich würde das Selbstbewusstsein meines Kindes stärken, aber in Wirklichkeit habe ich es abhängig gemacht von mir, von meiner Bewertung, von meinem Stolz. Hallo, ich bin Uli von Gemeckerfrei. In diesem Video zeige ich dir, warum „Ich bin stolz auf dich" dein Kind nicht stark, sondern abhängig macht, was die Wissenschaft dazu sagt und welchen einen Satz du ab heute stattdessen besser verwendest. Was ich damals erlebt habe, das ist kein Einzelfall. Eine zweijährige Studie der Uni Amsterdam mit fast 600 Kindern zwischen 7 und 11 Jahren hat genau das untersucht. Die Forscher haben Eltern und Kinder regelmäßig befragt und dabei gemessen, wie sich elterliches Lob auf das Selbstbild der Kinder auswirkt. Und das Ergebnis ist so eindeutig, dass es weh tut: Bei Kindern, deren Eltern sie regelmäßig als besonders, als einzigartig, als außergewöhnlich bezeichnet haben, stieg das Selbstwertgefühl nicht, und zwar nicht nur kein, nicht nur viel nicht, sondern gar nicht. Was stattdessen stieg, war ihr Narzissmus. Sie hielten sich für besser als andere, sie forderten Sonderbehandlungen ein und hatten gleichzeitig panische Angst vorm Scheitern. Na, und dieses, diese panische Angst vorm Scheitern erkennst du eben daran, dass dein Kind nichts Neues mehr ausprobiert, dass es total empfindlich reagiert, wenn du nicht sofort sagst, dass es toll ist, wenn es einfach keine Stabilität in sich selbst entwickelt hat, weil dann der gesamte Wert den dein Kind fühlt, an eine externe Bewertung verknüpft war, an den Stolz und die Bewunderung ihrer Eltern. Weil wenn du sagst, ich bin stolz auf dich, dann klingt es liebevoll. Aber was dein Kind hört, ist: Ich bin stolz auf dich, Klammer auf, wenn du etwas geleistet hast, Klammer zu. Und damit wird dein Stolz zur Währung, Dein Kind fängt an, für deinen Stolz zu arbeiten, nicht für sich selbst. Und warum machen wir das dann trotzdem? Weil ich sag dir das nicht, um dich zu beschämen. Ich sag dir, weil ich selber genau da gewesen bin. Wir loben unsere Kinder, weil wir sie lieben. Wir wollen, dass sie sich gut fühlen. Vielleicht auch, weil wir selber als Kind zu wenig Bestätigung bekommen haben. Also ich komme noch aus einer Zeit, wo der Satz „nicht geschimpft ist gelobt genug" ja schon noch üblich war, ne. Das Problem ist also nicht deine Absicht, deine Absicht ist eine gute, aber das Problem ist die Wirkung, weil Lob, das entweder auf Eigenschaften oder auf Leistungen, auf Ergebnisse zielt, also eigentlich jedes Lob sagt dem Kind immer, du bist nur wertvoll, wenn du die Erwartung erfüllst. Und das Kind, das dich liebt und deine Zuwendung braucht, um zu überleben, wird alles tun, um diesen Standard zu halten, auch wenn es dafür zum Beispiel aufhört, Risiken einzugehen, auch wenn es aufhört zu scheitern, auch wenn es aufhört, wirklich innerlich zu wachsen. Und jetzt höre ich euch schon mit den verschiedenen Arten von Lob um die Ecke kommen, weil vielleicht ist dir schon lange klar, dass so ein Klasse, prima, super, fein gemacht, dass das keine so gute Idee ist. Und vielleicht geht's dir so wie mir und du sagst lieber Sätze wie: Du bist großartig, du bist so wundervoll, du bist so ein Geschenk für mich, weil das an keine spezifischen Fähigkeiten geknüpft ist. Die Forschung zeigt allerdings, dass genau dieses personenbezogene Lob die narzisstischen Anteile verstärkt. Aber auch verhaltensbezogenes Lob: Das ist aber lieb von dir, dass du deinem Bruder was abgibst. Oder leistungsbezogenes Lob, wow, eine Eins, siehst du, geht doch, oder eben ergebnisorientiertes Lob, so was wie, das hast du gut gemacht, all das bewirkt nicht das, was wir uns erhoffen. Was die Forscher einfach rausgefunden haben, ist, was das Selbstwertgefühl deines Kindes tatsächlich stärkt, und es ist einfach nicht das Lob, es ist die bedingungslose Zuneigung, die eben nicht an Leistung, an Eigenschaften oder an Erfolg geknüpft ist. Einfach dieses: Ich liebe dich, weil du da bist. Und dazu kannst du im ersten Schritt den Satz „Ich bin stolz auf dich" aus deinem Wortschatz streichen, weil dein Stolz ist einfach irrelevant. Das ist das Gefühl deines Kindes, das relevant ist, nicht deines. Dein Kind kann stolz auf sich selbst sein muss, aber nicht. Wenn dein Kind dir also ein Bild zeigt, eine Prüfung bestanden hat, einen Turm gebaut hat oder eine andere Herausforderung gemeistert hat, dann frag doch stattdessen ab heute, ob es stolz auf sich selbst ist. Und dann schau dein Kind an, warte auf seine Antwort, und wenn es sagt, ja, es ist stolz auf sich, dann frag weiter, wie fühlt sich das an, und unterhaltet euch darüber. Wenn es sagt, nee, es ist nicht stolz auf sich, dann frag und sprecht darüber, ob es Freude hatte beim Tun, wie es sich dabei gefühlt hat, was es sich vielleicht von dir erhofft. Und natürlich verläuft dieses Gespräch mit einem Kleinkind anders als mit einem Teenager. Passt es halt entsprechend ans Alter an. Und in der Folge bewertest du nicht mehr, du fängst an wahrzunehmen, Du gibst dem Kind die Autorität über sein eigenes Erleben zurück. Und genau das, also nicht dein Applaus, sondern dieses Zurückgeben ans Kind, das ist der Boden, auf dem echtes Selbstbewusstsein wachsen kann. Und dazu braucht's am Ende mehr als nur ein paar neue Sätze. Es braucht einfach einen anderen Blick aufs Kind, eine andere Definition deiner Rolle als Mama oder Papa und ein verändertes Verständnis von Elternschaft. Und das kann ich aus eigener Erfahrung nur sagen, ne, und salopp ist gut gemeint, nur gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Und hier in dem Video, das wir dir hier verlinken, geht es darum, wie viel Bildung dein Kind braucht, und da kannst du zu diesem Thema tiefer eintauchen, um einfach die Mama oder der Papa zu werden, die oder der du von Herzen gerne die ganze Zeit schon sein möchtest. Ich freue mich, wenn du wieder einschaltest. Bis dahin, alles Liebe, tschüss!
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