Wie du dich nicht mehr auf die Palme bringen lässt - Podcast 017

Uli and Bernd Bott explain why parents get angry at their kids and how to stop. When your child lashes out, the conflict isn't about what they said. It's a feeling in their body that needs ninety seconds to pass before you respond. Stay present, say nothing, then act.
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Hallo hier bei Gemeckerfrei, dem Eltern-Podcast für dein liebevolles, entspanntes und glückliches Familienleben. Setz dich mit uns an den Tisch, wir, Uli und Bernd Bott, heißen dich herzlich willkommen.
Hallo und herzlich willkommen.
Ja, hallo, so schön, dass du uns wieder zuhörst.
Genau, und heute, während du vielleicht das Palmenrascheln im Hintergrund hörst, weil wollen wir mit dir darüber sprechen, wie du es anstellst, dass du dich nicht auf die Palme bringen lässt. Weil, sagen wir mal so, es weiß doch eigentlich jeder, dass es nix hilft, wenn man drauf einsteigt, wenn ein Kind irgendwie motzig ist, oder?
Nee, es hilft ja überhaupt nichts, und es ist tatsächlich jedem ja, jedem an sich klar, weil was passiert? Es wird nur schlimmer. Ja, ist eigentlich, wenn wir ganz ehrlich sind, egal ob Kind oder nicht Kind, voll funktioniert mit Partnern genauso, absolut.
Und gleichzeitig ist es aber halt eben so, dass es das eben doch, obwohl wir es wissen, wir es oft tun und wir uns auf die Palme bringen lassen, wenn Kinder zum Beispiel einfach Anschuldigungen vorbringen, grundlos schlecht gelaunt sind, Dinge nicht tun, von denen wir gerne hätten, dass sie sie tun. Was ist Ever. Und wir haben gerade vor ein paar Tagen wieder ein Beispiel dazu erlebt und nehmen das zum Anlass, mit dir darüber zu sprechen. Und zwar hat unser 16-jähriger Sohn, und auch 16-Jährige und Erwachsene und Kleine, also Alter ist völlig egal, können einfach mal mit dem falschen Fuß aufstehen oder können einfach mal schlechte Laune haben und fühlen sich einfach mal, ja, irgendwie negativ. Also es geht ja bei Gemeckerfrei überhaupt nicht darum, keine negativen Gefühle mehr zu fühlen. Das ist ja auch so ein Missverständnis. Aber ich fange mal mit der Geschichte jetzt richtig an. Also wir wollten abends essen gehen, die Kids waren kiten, das erste Mal. Das war für die super anstrengend. Die waren fix und fertig, waren in ihren Zimmern, haben gechillt, sich ausgeruht. Und hier in der Anlage fühlen die sich irgendwie sicherer, wenn die ihre Zimmertüren zuschließen. Das heißt, ich kann nicht einfach reingehen, oder ich konnte nicht einfach reingehen und sie aufwecken. Und dann habe ich an die Zimmertür geklopft und erst leise und dann lauter. Davor hatte ich schon irgendwie 3 WhatsApps geschrieben und dann kam irgendwann nur so ein: Bist du— warum machst du so ein— willst du hier das ganze Zimmer kaputt schlagen?
Warum schlägst du immer meine Tür ein?
Ja genau, das war es. Danke fürs Erinnern.
Ich hatte schon 2 Tage vorher auch schon mal morgens so geklopft. Hatten wir auch schon. Das sind hier so geile Holztüren halt, die so richtigen Krach machen. Da muss man nicht irgendwie fest dagegen hauen.
Na, und jedenfalls hat er gesagt, warum musst du immer meine Tür einschlagen? Und dann war er irgendwie so ein bisschen motzig, während wir losgelaufen sind. Wir sind da so am Strand entlang gegangen und er hat so vor sich hin und immer müssten wir seine Tür einschlagen und warum wir ihm nicht geschrieben hätten und überhaupt ist das doch sowieso alles irgendwie blöd und hat da so ein bisschen vor sich rum, ich würde jetzt mal sagen, so vor sich rum genölt. Früher, wäre mir das passiert, dass ich dann eingestiegen wäre, dass ich dann gesagt hätte: Meine Güte, dann schlaf halt nicht ein am Nachmittag, stell dir halt selber einen Wecker, war doch klar, dass wir essen gehen wollen, und überhaupt, ich habe dir geschrieben und ich habe auch nicht sofort laut geklopft, aber wenn du nicht reagierst, blablabla. Das wären all die Dinge gewesen, wo ich früher super eingestiegen wäre, wo ich einfach das Das wäre quasi, wie er hätte mir quasi den Streit auf dem Servierteller—
auf dem Silbertablett serviert.
Ja, so sagt man es, genau, danke. Und heute wissen wir das einfach, heute wissen wir das einfach, dass es einfach in dem Moment überhaupt nicht um die Sache geht, sondern es geht darum, dass er sich vielleicht erschrocken hat in dem Moment, in dem er vom Klopfen aufgewacht ist. Dann hat er sich vielleicht geärgert, weil er überhaupt eingeschlafen ist, war angestrengt und erschöpft, weil das Kiten anstrengend anstrengender war als gedacht.
Ja, und es war ja, also ich glaube, das eine ist, dass es nicht um die Sache geht und ja noch viel mehr nicht um uns als Personen. Also das ist ja seine, selbst wenn er es als, als wenn es ein Kind oder ein Jugendlicher persönlich formuliert, ist es nicht persönlich gemeint. Genau, weil das persönlich zu nehmen ist ja unsere Reaktion dann, ne. Und das ist ja das, was Was dann passiert wäre, wenn man sich dann, weil wir uns ja selber schuldig fühlen, dann, wenn einer sagt: Ja, aber warum klopfst du so laut? Warum erschrickst du mich immer so? Und dann—
Ja, oder wir fühlen uns missachtet, weil, also mir würde es, ich würde mich jetzt eher nicht schuldig fühlen, ich würde mich eher missachtet fühlen, weil ich habe ja nichts Böses getan. Ich wollte ihm ja was Gutes. Also ich hätte ihn ja auch schlafen lassen können, dann wäre er, hätte halt kein Abendessen gekriegt und das hätte er sicher auch doof gefunden. So nach dem Motto, also früher hätte ich eher das Gefühl gehabt, ich will ihm doch was Gutes tun und warum sieht er nicht, dass ich ihm was Gutes tun will. Also so, und heute ist einfach so, dass wir einfach wissen, okay, der, der hat sich jetzt gerade was angestaut, da ist gerade ein Gefühl, da sind gerade Gefühle in dem Körper, und die müssen einfach erst wieder raus. Und da brauche ich überhaupt nicht mit dem Kopf drauf zu reagieren, weil Gefühle lassen sich nicht mit dem Kopf erklären oder mit dem Kopf besänftigen. Das hast du sicher auch schon tausende Male erlebt, wenn dir jemand erklärt hat, warum es überhaupt nicht notwendig ist, sich über irgendwas aufzuregen, und du sagst einfach, fühlst einfach, dass du dich trotzdem aufregst. Oder, na, also gestern sind unsere großen Kinder hier nachgekommen und sind ungeplanterweise mit zwei Flügen gekommen und nicht gemeinsam. Und mein System hat dann schon mal so kurz versucht, ja, ist es jetzt ein Zeichen? Stürzt jetzt eins von den Flugzeugen ab? Was auch immer. Mein Kopf will ja auch manchmal komische Geschichten erzählen, ne? Und Und dann habe ich mir, als dann unsere Tochter auch so lange nicht kam mit dem Taxi abends, habe ich echt Arbeit gehabt, mir keine Sorgen zu machen. Und da hättest du mir jetzt 1000 Erklärungen sagen können, warum ich mir keine Sorgen machen muss. Ich musste das Gefühl in mir verändern. Das kann ich aber nicht verändern, indem ich mir eine Erklärung dafür zurechtbastle, sondern das Gefühl verändere ich, indem ich es annehme, indem ich hingucke und indem ich dasein lasse und es dann wieder ziehen lassen kann. Ja, 90 Sekunden dauert es, bis ein Gefühl durch den Körper durchgerauscht ist, sozusagen. Und wenn du es einfach da sein lässt und einmal durchrauschen lässt, kannst du anschließend dich wieder auf was Neues fokussieren.
Ja, und vor allen Dingen finde ich immer, dass wenn du in diesen 90 Sekunden eben bei dir bleibst.
Ja.
Also das Gefühl durchlaufen lässt. Und für mich heißt jetzt bei mir bleiben, dann auch erstmal einfach die Klappe halten. Also nicht zu agieren selbst. Ja. Sondern es einfach nur durchgehen lassen. Und danach wieder aus dem— Danach stellt sich ja an sich eine Klarheit ein.
Ja.
Also das, wenn man das weiß, merkt man es und merkt man es mit der Zeit dann einfach mal und kann dann wirklich sagen, okay, es geht durch und danach ist wieder so eine Ruhe da, so eine Klarheit. Und dann ist eigentlich wieder der Zeitpunkt, um zu sagen, okay, wie will ich denn jetzt reagieren oder was will ich jetzt sagen, ja, wie machen wir jetzt weiter.
Genau, und bei den Kindern, wenn so ein Gefühl eben durch das Kind durchläuft und das Kind noch nicht weiß, dass es jetzt vielleicht besser gerade die Klappe hält, oder das nur eine Strategie ist, die halt vom Wehren funktioniert, ja, dann ist es bei dem Kind halt so, also jetzt bei unserem Sohn zum Beispiel ist so, der zetert halt dann so ein bisschen vor sich hin für ein paar Minuten, und man merkt schon, wie er schon gelernt hat, sich selber dann zu regulieren. Das läuft dann durch ihn durch, und dann 10 Minuten später, wenn man ihn einfach in Ruhe lässt, und noch, ich kann da noch ein bisschen bisschen Liebe hinschicken, gedanklich, und dann lasse ich ihn einfach in Ruhe. Und 10 Minuten später sagt er: Tut mir leid, dass ich gerade so komisch war. Wo wir dann sagen: Braucht dir nicht leid zu tun, gibt nichts, darf einfach da sein, ja. Und hast dich halt gerade nicht gut gefühlt damit, und es musste halt durch dich durchlaufen, um völlig die Bewertung loszulassen. Auch was sind eigentlich gute Gefühle, was sind schlechte Gefühle? Weil nur weil wir da eine Bewertung drauf haben, dass gute Gefühle besser wären als schlechte Gefühle. Kommt ihr überhaupt, entsteht überhaupt die Idee, dass hinter Gemecker frei stecken könnte, dass man jetzt, dass man hier keine negativen Gefühle fühlen darf, sondern die dürfen voll da sein. Aber du entscheidest dich einfach, dass du eben die negativen Gefühle deines Gegenübers, deines Kindes, nicht als Sprungbrett benutzt, um deine eigenen negativen Gefühle zukultivieren, sozusagen. Sondern eben einfach zu sagen, die negativen Gefühle des Kindes sind die negativen Gefühle des Kindes. Die haben mit mir nichts zu tun. Und das Einzige, was ich zu tun habe, ist, das Kind dabei zu begleiten, die zu durchleben. Und da gibt es eben verschiedene Techniken. Die eine, die eben bei unserem Sohn gut funktioniert, ist, dass er es einfach durchleben darf. Das funktioniert auch beim Bernd gut. Würde ich den da in dem Moment ansprechen, das würde genauso wenig gut tun, wie wenn ich darauf eingehen würde. Und bei anderen, oder auch gerade bei kleinen Kindern, die das noch nicht so gelernt haben, da hilft oft aktives Zuhören. Zuhören, die Kinder einfach darin bestärken und ihnen Worte geben für ihre Gefühle, damit sie selber überhaupt eine Kategorie dafür erkennen. Das kannst du ein bisschen vergleichen mit Farben lernen. Einem 16-Jährigen musst du nicht mehr sagen, guck mal, der Beutel da ist orange. Dem zweijährigen Kind würdest du vielleicht noch sagen, guck mal, da ist ein orangener Beutel, weil du ihm damit auch die Information übermittelst, dass der Beutel da orange ist. Ohne dich hinzustellen und zu sagen, welche Farbe hat der Beutel, ja, sondern einfach so im Gespräch, im Normalen, in der normalen Unterhaltung lässt du diese Informationen einfließen. Und genauso kannst du eben diese Informationen einfließen lassen, dass du das Kind fragst, kann es sein, dass du dich gerade ärgerst, oder kann es sein, dass du gerade wütend bist, und ihm dadurch hilfst, Kategorien zu finden für seine Gefühle. Das sind jetzt zum Beispiel zwei Strategien, die so funktionieren, um dem Kind zu helfen, das Kind dabei zu unterstützen, seine Emotionen zu durchleben und dann durch den Körper laufen zu lassen, um dann wieder happy und glücklich sein zu können. Ja, so kannst du hier Ich guck gerade zum Bernd, ob der noch was dazu ergänzen will, aber ich glaube fast, das ist einfach eine knackig kurze Auf-den-Punkt-Folge. Und wir wünschen dir ganz viel Spaß beim Ausprobieren, beim Dich-nicht-auf-die-Palme-bringen-lassen und vor allen Dingen dabei auch nicht, das würde ich noch gerne ergänzen, nämlich Dich nicht, das Kind nicht dafür verantwortlich machen, dass Du jetzt dann deine negativen Emotionen ausleben kannst. Weil du rumgemeckert hast, als ich an deine Tür geklopft habe, deshalb bin ich jetzt schlecht gelaunt. Bullshit! Du bist schlecht gelaunt, weil du entscheidest, schlecht gelaunt zu sein. Und genauso bist du gut gelaunt, wenn du entscheidest, gut gelaunt zu sein. Und da dürfen wir als Eltern unsere Kinder in Ruhe lassen und die Verantwortung bei uns selbst behalten. Und so kann es ganz leicht gelingen, dass du dich eben nicht auf die Palme bringen lässt, sondern dem Kind den Raum hältst, dass es einfach da sein darf mit allem, was zu ihm dazugehört. Dann wünschen wir dir einen schönen Tag, alles Liebe, bis bald, tschüss!
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