Wieviel Entertainment brauchen Kinder - Podcast 035

In this episode of the Eltern‑Podcast "Gemeckerfrei", hosts Uli and Bernd Bott discuss how much structured entertainment, hobbies and after‑school activities children actually need. Drawing on personal anecdotes about their own kids, observations from their coaching work, and reflections on modern performance‑driven culture, they argue that children benefit far more from unstructured time, boredom and the freedom to be with themselves. They warn against overscheduling, the pressure to fill every free moment with activities, and the loss of self‑sufficiency and creativity that results. The hosts advocate for allowing children (and parents) to experience quiet moments, play spontaneously (e.g., with a ball or a simple toy), and develop the ability to sit with their thoughts. They also critique parental expectations that push children into multiple sports or music lessons, suggesting that such pressure can limit the development of other talents. Throughout, they emphasize the importance of intuition, inner dialogue, and the creative flow that emerges when children have space to be bored, and they provide practical mindset advice for parents to reduce entertainment overload and nurture self‑reliance in their children.
Chapters
Hallo hier bei Gemeckerfrei, dem Eltern-Podcast für dein liebevolles, entspanntes und glückliches Familienleben. Setz dich mit uns an den Tisch, wir, Uli und Bernd Bott, heißen dich herzlich willkommen.
Hallo und herzlich willkommen.
So schön, dass du uns zuhörst.
Heute wollen wir mal über Entertainment sprechen und die Frage, wie viel Hobbys, Entertainment-Programm brauchen Kinder?
Ja, und wir sind ja so bisschen drauf gekommen über ein Gespräch beim Abendessen mit unseren eigenen Kids, weil da, wo wir hier gerade sind, lief die Kinderdisco und wir haben so zum Spaß bisschen zu unseren Jungs gesagt, kommt mal, macht mal mit oder so.
Ich habe gesagt, komm, wir gehen mal mitmachen.
Einfach, wir haben natürlich nicht mitgemacht, aber so zum Spaß gesagt.
Ich wäre voll mitgemacht, ich wäre voll mit dem Johannes dahin gegangen, absolut.
Genau. Und dann hat der Johannes gesagt, na, wenn er mal eine Nichte hat oder einen Neffen oder ein eigenes Kind oder so, dann wäre das ja voll cool, so für das Kind auch so in so einem Urlaub zu sein, wo es so Programm gibt und alles.
Genau, dann haben wir aber gleichzeitig gefragt, so von wegen, hier, ich weiß, also so, den meinst du so den ganzen Tag Programm? Und dann hat er gesagt: Nee, nee, nee, nee, nee, nee, auf gar keinen Fall. Und halt aber die Kinderdisco findet er halt cool, weil da sind auch irgendwie so zwei Lieder, die mag er auch besonders gerne. Und na ja, wie das halt immer so ist bei Kinderdiscos, ja, sehr eingängig. Von dem her, wir hören die jetzt schon eine Weile. Und also, und das hat uns so darauf gebracht. Noch dazu kam der Vorschlag auch aus unserem Team: Wie viel Hobbys, wie viel Entertainment, wie viel Nachmittagsbeschäftigung brauchen denn Kinder? Und dann ist es noch so, das finde ich, ist noch so der dritte Aspekt. Wir sind ja gerade in einem Club und da kannst du eigentlich den ganzen Tag dich entertainen lassen. Von, also eigentlich vom Aufstehen bis zum Schlafengehen und gerade, dass nachts nicht noch einer kommt.
Essenspausen gibt es nicht.
Du kannst essen und dich entertainen lassen. Also das ist schon. Letztes Jahr waren wir schon mal hier und da haben ganz viele Sachen nicht stattgefunden wegen Corona. Und jetzt dieses Jahr, also wir vier sind alle so, dass wir immer mal wieder eigentlich gucken wie ein Auto, weil das ganz schön viel ist. Und unsere Jungs sagen das auch ganz klar. Sie brauchen nicht die ganze Zeit jemanden, der sie bespaßt. Sie sitzen. Sie brauchen ihre Zeit für sich und genau deshalb wollten wir da mal gerne drüber sprechen.
Ja, und gerade ja auch. Also dann haben wir uns ja auch so ein bisschen daran erinnert, wie das früher auch mal in Urlauben war oder so mit den, als unsere Kinder noch kleiner waren und wie viel eigentlich entsteht, wenn eben nichts da ist. Also nichts außer vielleicht mal einer Sandschaufel und einem Eimer.
Ja, und ich würde es ja gar nicht auf Urlaub gerade beziehen, sondern Es ist ja auch, wie viele Stunden hat der Johannes Flummi gespielt und immer nur den Flummi auf den Boden, gegen die Wand, auf den Boden, gegen die Wand, auf den Boden, gegen die Wand. Alle unter ihm, neben ihm sind wahnsinnig geworden, weil das ganze Haus gewackelt hat, so ungefähr. Aber da war der stundenmit beschäftigt. Und wenn man ihn anschließend gefragt hat, was er gemacht hat, dann hat er gesagt, er hat Flummi gespielt und er hat nachgedacht. Und ich erinnere mich da auch dran. Ich habe ganz viele Stunden meiner Kindheit, habe ich gefühlt mit Nachdenken oder mit Tagträumen oder mit einfach mit mir sein verbracht. Und wir sehen einfach, dass viele Kinder heutzutage nicht mehr die Chance haben, Zeit mit sich selbst zu verbringen oder halt nur sehr minimiert Zeit mit sich selbst zu verbringen. Und wir sehen das sehr kritisch, weil Eigentlich könntest du dich als Mama, als Papa ja total freuen, wenn das Kind sagt, es will nicht zum Fußball, es will nicht zum Handball, es will kein Klavier lernen, es will weiter dasitzen und in die Luft gucken, oder es will im Garten spielen, oder es will Flummi spielen, oder es will ein Hörspiel hören, weil Dann ist das Kind sich selbst genug. Dann braucht es niemand anderen, um sich genug zu sein. Und das ist mit eine der größten Fähigkeiten, die aus meiner Sicht, aus unserer Sicht Kinder behalten dürften, sich selbst genug zu sein.
Ja, und sie lernen ja auch so Ich glaube, also wenn ich mich so an mich erinnere als Kind, ich habe da total meine innere Welt ja auch kennengelernt, also meinen inneren Dialog kennengelernt und so ja auch gelernt, irgendwie vielleicht, wo ist so meine Intuition und wo ja, was steckt alles so in mir drin. Und dafür braucht man einfach Zeit, glaube ich.
Ja, man braucht Zeit.
Und die Zeit, die halt mit nichts gefüllt ist bzw. nur damit dann natürlich.
Ja genau, und eben nicht zu sagen, jetzt habe ich eine Viertelstunde Freizeit sozusagen oder eine halbe, oder jetzt komme ich um 4 aus der Schule und um 5 bin ich auf dem Fußballplatz, weil das ist ja, das kennst du von dir ja auch, also Intuition oder so, das lässt sich ja nicht per Knopfdruck anschalten, sondern da musst du dich ja reinschwingen, ja. Da brauchst du ja mitunter auch ein bisschen, bis du in die Verfassung kommst, überhaupt mal mit dir selbst verbunden und in Kontakt zu sein. Bei Kindern merkst du das auch daran, dass die ja auch brauchen, bis sie mit sich selbst in ein Spiel finden können, ja. Es gibt dieses wundervolle Zitat, das, wenn du uns schon ein bisschen kennst, du bestimmt schon mal gehört hast von uns: Langeweile haben bedeutet eine lange Weile Zeit für etwas haben. Haben. Und das ist das Vakuum, das es braucht, damit Kreativität entstehen kann. Und wenn wir die Kinder zu sehr entertainen und beschäftigen, dann verlieren sie die Fähigkeit, eigenständig kreativ zu sein. Dann werden die voll abhängig davon, dass ständig jemand kommt und ihnen irgendwas anbietet, mit ihnen irgendwas macht, sie irgendwie entertaint. Und Ich weiß nicht, ob das für dich das Ziel, ob das das Ziel ist, das du verfolgst für deine Kinder. Also vielleicht ist es nicht so schlimm, wenn man nicht mit 6 oder 8 oder 10 schon Fußball spielen oder Klavier spielen oder irgendwas anderes lernt. Vielleicht ist es wichtiger, Zeit zu haben und nichts zu tun. Gibt ja schon von Pippi Langstrumpf dieses Zitat. Und dann muss man ja auch noch Zeit haben. Wie war es genau? Dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.
Ja, und genau der Zustand ist es. Genau dies wirklich. Und da auch, ich kann mich noch so gut erinnern, wie mich da immer alles gestört hat. Also wie das dann echt, wenn dann irgendjemand kam und hat gefragt: Ist alles gut? Ja, natürlich ist alles gut. Ich sitze hier still und gucke in die Luft. Was soll daran nicht gut sein? So ungefähr. Das Einzige, was nicht gut war, war die Frage. Ja, da entstehen tatsächlich dann einfach immer auch total gute Ideen, weil sich so diese kindliche Fantasie dann einfach in sich selbst verlieren kann.
Ja, und in neue Sphären hinaufschwingt sozusagen. Und gleichzeitig ist es natürlich in unserer Leistungsgesellschaft total out sozusagen. Wir haben uns hier jetzt auch mit Menschen unterhalten vor kurzem und dann kam auch so die Frage: an unsere Jungs: Und welchen Sport habt ihr früher gemacht? Und könnt ihr auch dies und könnt ihr auch das? Und habt ihr das gemacht und jenes gemacht? Und habt ihr schon Instrumente gelernt und dies und dies und jenes? Also da sind wir so, wir sind ja schon fast getrieben vor Freizeit, in Anführungszeichen Stress. Und ich finde das voll cool, wenn man, also deshalb sind wir ja auch hier, weil wir das mögen, dass man hier so simpel Sport machen kann und gut versorgt ist und jetzt eben auch für unser Manuskript viel Raum geblieben ist. Für unser Buch und gleichzeitig einfach zu sehen, okay, es wäre jetzt für mich kein Ziel, meine Kinder in ein Leben zu begleiten, wo sie keinen ganzen Tag in sich selbst ruhend zufrieden sein können, sondern eigentlich abends schon wissen müssen, was sie am nächsten Tag, was weiß ich, 4 Stunden Beachvolleyball, 3 Stunden Tennis, dann noch irgendwie surfen und abends Disco und zwischendrin essen und noch ein paar Bahnen schwimmen und ein Quiz auch noch am besten. Und das kann man auch mal machen. Also verstehe mich nicht falsch, es geht überhaupt nicht darum, dass wir der Meinung sind, dass man diese Dinge nicht tun darf. Nur überprüfe immer gut auch bei dir selbst, aus welcher Motivation heraus machst du das? Triffst du Menschen, weil du Menschen treffen musst? Weil du dir alleine nicht genug bist? Oder triffst du Menschen, weil du Zeiten hast, in denen du dir alleine genug bist, und Zeiten hast, in denen du gerne dich gegenseitig mit anderen inspirierst? Und wie hättest du das gern für deine Kinder? Dürfen die sich genug sein?
Ja, und ich glaube, es ist halt gerade um jetzt noch mal so in den, in Anführungsstrichen, normalen Alltag. Überzugehen, wo ja schnell die Gefahr— also hier kann man sich ja noch aussuchen. Also hier kann ich ja noch sagen, okay, ich gehe jetzt zum Beachvolleyball oder zum Krafttraining oder was es halt auch immer gerade gibt. Und morgen gehe ich nicht hin. Morgen lasse ich mir mal einen Tag frei und liege nur auf der Liege. Nur jetzt, wenn ich jetzt natürlich bei Kindern so gucke, die dann irgendwie vielleicht heute auch schon die meisten bis um 4 in der Schule sind oder zumindest bis um 3. Und dann sind eben noch so diese festen Aktivitäten. Das wird ja schnell so ein Terminplan und der ist ja noch nicht mal mehr frei entschieden dann.
Ja, selbst wenn das Kind gesagt hat, es spielt gerne Fußball, hat es nicht gesagt, dass es jede Woche zweimal mittwochs und freitags von 17:30 bis 19:00 gerne Fußball spielt, sondern es hat halt nur gesagt: Ja, Fußball spielen macht mir gerade Spaß. So wie wir hier letztens so einen 5-jährigen jähriges Kind mit dem Brokkoli. Der Papa stand mit dem Kind am Buffet und das Kind hat nur geschrien, dass es kein Brokkoli will. Und der Papa ganz verzweifelt: Aber gestern mochtest du doch Brokkoli. Ja, gestern.
Genau. Ja, so sind Kinder. Und wir sind es ja in Wirklichkeit auch ganz oft.
Ja, voll.
Wir haben nur halt gelernt, wenn du so was ausgemacht hast, dann gehst du natürlich auch hin, weil wir uns das dann auch oft nicht erlauben zu sagen: Ich mag halt eigentlich nicht.
Ja, und weil wir auch glauben, wir müssten uns Termine setzen, dass wir Dinge wirklich tun. Aber schau dir die Kinder an, die gerade ihre absolute Verbundenheit mit Fußball zum Beispiel haben. Die spielen ja die ganze Zeit Fußball. Denen musste ja, ne, der Felix hatte ja auch so einen Kumpel, dem musste man den Ball ja vom Fuß schneiden abends, weil der ja die ganze Zeit nur am Fußballspielen war. Nur Da ist auch die Frage, wie viel Unterricht, wie viel Training braucht es und wie viel geht es einfach nur ums alleine gegen das Garagentor kicken oder mit Kumpels auf der Wiese kicken und einfach im Flow sein. Und das ist Kreativität. Kreativität bedeutet, ich bin im Flow. Dafür muss ich in der Freude sein. Das kann ich nicht erzwingen und das funktioniert auch nicht mittwochs von 5 bis 6, sondern Flow passiert, wenn genug Zeit war zum Dasitzen und Stillwerden und vor sich hingucken. Und deshalb wäre halt unser Approach oder unser, das, was wir dir gerne mitgeben möchten, sei da noch viel geduldiger mit deinen Kindern, wenn die bestimmte Hobbys vielleicht mal angefangen haben, aber eigentlich ist es jede Woche Geschrei, Geterz, Gezieh, Gezerre, bis die da überhaupt sind, ja, dann bitte spart euch das. Ja, man kann alles noch irgendwann später lernen. Und wenn man es nicht lernt, dann ist dein Kind vielleicht ein Kind, das andere Qualitäten und Fähigkeiten entwickelt. Weil es sind nicht alles Sportler, es sind nicht alles Musiker. Und die ganzen Genies, die ganzen Denker, die haben denken gelernt, indem sie Zeit hatten zu denken. Weil es gibt ja die wundervolle 10.000-Stunden-Regel: Bis du in irgendwas gut bist, musst du es 10.000 Stunden lang gemacht haben. Und wenn ich ein Kind immer zum Sport, zum Musikunterricht, zum was weiß ich bringe, dann reduziere ich die Stunden, in denen es in einem anderen Bereich ein Genie werden kann, indem es diese 10.000 Stunden trainiert, sozusagen.
Ja, und da muss man einfach, da muss man halt diesen Stress rausnehmen. Also das ist, die Kinder müssten das jetzt anfangen, jetzt lernen sie noch so leicht und so weiter. Also ich kann noch an meine— als ich Musiklehrer war, habe ich mal einen Schlagzeuger getroffen, der war damals 27, der hat Deutschlandtourneen gespielt als Schlagzeuger und so weiter, also war ein Berufsschlagzeuger, wirklich sehr, sehr guter Drummer, der Andreas, und der hat mit 16,5 angefangen, der hatte davor kein Instrument gespielt, nichts. Mit 16,5 hat der einen Kumpel gehabt, der ein Schlagzeug hatte, hat sich da drangesetzt gesetzt und hat gesagt: Boah, das gefällt mir. Seine Eltern haben ihm dann eine Trommel gekauft und darauf hat er dann 3 Jahre geübt wie ein Irrer und hat dann studiert und also Musik studiert und ist Schlagzeuger geworden.
Du kannst also, glaub keine Geschichten von Entwicklungsfenstern und solchen Sachen, sondern dein Kind und auch du, ihr könnt alle zu jeder Zeit das lernen, was für euch gerade dran ist, wenn ihr euch erlaubt, euch den Raum Raum zu geben, fühlen zu können, was wann dran ist. Aber auch dafür muss es genug Raum geben zum Dasitzen und vor sich hinschauen. Und gleichzeitig ist es zum Beispiel so, dass wir mit unseren Coaching-Kundinnen, vor allem dann auch im VIP-Programm und so, mit denen trainieren wir wochenlang, dass die aus diesem dauernd was tun müssen Hamsterrad wieder aussteigen können und stattdessen sich einfach mal hinsetzen setzen und aufs Wasser gucken und still werden und im Sein wieder ankommen. Und wie cool wäre das, wenn deine Kinder das nicht im Erwachsenenalter wieder lernen müssten, sondern wenn sie es gar nicht verlieren, weil du einfach den Stress rausnimmst, was Freizeitgestaltung angeht. Und einen letzten Punkt würde ich gerne noch dazu nehmen, weil manchmal kommt dann auch, dass die Eltern sagen: Ja, aber mein Kind will das unbedingt alles. Will Fußball und Handball und Klavier und Klarinette und was weiß ich. Ja, und da würde ich halt gerne einfach mal reingeben: Wie gut kannst du selber sein? Wie im Hustle bist du selber? Was ist da für ein unterbewusster Erwartungsdruck vielleicht auch an die Kinder? Und wie gut kann das Kind Zeit mit sich selbst verbringen? Und wenn du merkst, dass es ein eigentlich dauernd irgendwas tun will, weil es nicht gut Zeit mit sich verbringen kann, dann würde ich eher trainieren, wie es Zeit mit sich verbringt, als ihm zu ermöglichen, ständig noch, noch und noch und noch und noch eine Aktivität auszuüben. Ja, also Entertainment darf reduziert sein auf wenige mitunter auch spontane Dinge, damit genug Raum bleibt für die Entwicklung von Kreativität, für die Verbindung mit der eigenen Intuition, fürs Wachsen durch Sein. Muskelwachstum findet in den Pausen zwischen dem Sport statt. Auch Kinder wachsen in den Pausen und wie viel mehr Pause zum Nichtstun kannst du deinen Kindern ab heute ermöglichen. In diesem Sinne wünschen wir dir noch einen wundervollen Tag. Alles Liebe. Tschüss.
Ciao.
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