Wir haben unsere Kinder aus der Schule genommen – und würden es sofort wieder tun

In dieser Podcast‑Folge des Gemeckerfrei‑Podcasts erklären die Gründer Uli und Bernd Bott, warum sie ihre vier Kinder aus dem traditionellen Schulsystem genommen haben und seitdem ein unschooling / free‑schooling‑Modell leben. Sie schildern ihre langjährige Erfahrung mit zehn‑elf verschiedenen Schulen, die Abhängigkeit von einzelnen Lehrkräften und die Starrheit des Systems, das kaum Raum für individuelle Lernbedürfnisse ließ. Ein Wendepunkt war ein „Deal“ mit ihrem Sohn 2018, der zu einem Umzug an den Bodensee und zu einer alternativen Schule führte, die jedoch ebenfalls stark von Lehrpersonal abhing. Daraufhin entschieden sie sich, ihr Berufs‑ und Familienleben ortsunabhängig zu machen, verkauften ihr Haus und reisten vier Jahre lang mit den Kindern. Während dieser Zeit entdeckten sie, dass das Fehlen von Zwang das natürliche Lerninteresse der Kinder weckt, sie eigenverantwortlich werden und ein breites Allgemeinwissen aufbauen. Sie diskutieren praktische Fragen zu Abschlüssen – externe deutsche Prüfungen, das britische Curriculum und Online‑Schulen – und betonen, dass jedes Modell möglich ist, wenn es zur Lebensvision der Familie passt. Nach mehreren Jahren des Nomadentums erkannten sie den Bedarf an einer festen Basis und definierten Kriterien (eigene Zimmer, Arbeitsplatz, Stabilität). Abschließend ermutigen sie andere Eltern, die bestehenden Schul‑ und Betreuungsmodelle zu hinterfragen, die Preise der jeweiligen Optionen zu prüfen und mutig ein passendes Familien‑Lebensmodell zu wählen.
Chapters
Heute reden wir über ein Thema, das glaube ich für viele Eltern wahnsinnig relevant ist, vor allem wenn dein Kind schon 5 Jahre oder älter ist. Ja, und wir wollen dir mit dieser Folge auch zeigen, dass wir nicht ausgeliefert sind als Eltern, ja, sondern dass wir immer Wahlmöglichkeiten haben. Und es gibt natürlich Wahlmöglichkeiten. Also jede Wahlmöglichkeit hat immer einen Preis. Und die Frage ist einfach, ob wir bereit sind, den Preis zu bezahlen oder für welchen Weg wir bereit sind, den Preis zu bezahlen. Vielleicht kann man es so sagen.
Und weil wir die Podcastfolgen immer an Fragen von euch oder von unseren Teilnehmern aufhängen, hat es natürlich auch noch eine persönliche Story von uns mit drin und führt uns so ein bisschen so viereinhalb Jahre oder so zurück. Aber was da war, verraten wir jetzt noch nicht.
Okay. Hallo und herzlich willkommen hier beim Gemeckerfrei-Podcast, dem Podcast für liebevolle Beziehungen in der Familie, als Paar und mit dir selbst. Wir sind Uli und Bernd Bott. Wir sind die Gründer von Gemeckerfrei.
Wir sind Eltern von 4 Kindern und Spiegel-Bestseller-Autoren.
Ja, und Wir haben schon Hunderttausenden Eltern geholfen, ihr liebevolles Familienleben zu erschaffen.
Ja, und du bist hier richtig, wenn du keine Lust mehr hast auf den 100.000. Erziehungstipp von TikTok oder sonst woher und keine Lust mehr hast auf erschöpfendes, bedürfnisorientiertes Begleiten, Gentle Parenting oder wie auch immer du das nennen magst, sondern einfach lernen willst, wie geht es denn einfach? Und wie geht's im Flow? Wie geht's Elternsein? Wie geht's Paarsein? Und wie werdet ihr zu so einer richtig coolen Familie?
Ja, voll.
So, dann lese ich mal die Frage vor.
Da bin ich mal gespannt.
Was waren eure Gründe, eure Kinder ganz aus der Schule zu nehmen? Und wie geht es mit dem Unschooling? Wie ist es für die Kinder und wie ist es für euch als Eltern? Wie sieht euer Alltag aus? Machen die Kinder trotzdem einen Abschluss? Wie oft zieht ihr um und wünscht ihr euch nicht irgendwann eine Base als Heimat? Vielleicht könnt ihr dazu eine Podcast-Folge machen. Ich finde euren Lebensentwurf unglaublich interessant. So, das war die wortwörtliche Frage.
Okay, da müssen wir ja eigentlich noch ein bisschen weiter ausholen, finde ich.
Ja.
Weil also bevor wir vor viereinhalb Jahren ja entschieden haben, auf Reisen zu gehen und damit die Kinder, also eigentlich dann nur noch das letzte Kind aus der Schule zu nehmen, weil die anderen waren schon fertig, dem ist ja eine Geschichte vorausgegangen.
Ja, genau. Also Zuerst mal war es, also noch mal ein paar Jahre zurück, haben wir so immer mehr gemerkt, dass halt, also sagen wir mal so, unser erstes Kind hat sich mit Schule relativ leicht getan.
Ja, man muss da vielleicht was dazu noch mit reinschmeißen, weil ich habe ja früher gedacht, weil ich ja selber auch so eine angepasste Schülerin war, habe ich gedacht, ja, Wenn wir das zu Hause cool machen, dann ist das, wenn die halt in die Schule gehen und so, das ist ja nicht so tragisch.
Genau, das war die Grundidee. Das hat mit dem ersten Kind auch einigermaßen funktioniert. Ja, mit dem zweiten nicht mehr. Nicht mehr. Das hat dann schon so in seiner ganzen Schullaufbahn bis zur 10. Klasse oder so 5, 6, 7 Stunden.
Ja, ich meine, man muss ja noch, man muss ja auf jeden Fall sehen, wir haben, um das jetzt gar nicht auf einzelne Kinder zu pointen, also unsere 4 Kinder haben ja zusammen 10 verschiedene Schulen besucht.
Ich glaube, es waren sogar 11 oder 11.
Ja, vielleicht habe ich mich verzählt. Also wir haben irgendwie jede, also wir wollten es schon immer gerne für die Kinder anders. Also wir waren halt so wie viele Eltern mit dem Schulsystem halt nicht besonders happy. Und wir sind also schon auch unser Ältester war dann sofort auf so einer neu gegründeten Schule, was wir ausprobiert haben. Also wir haben irgendwie alle, wir haben ja sehr ländlich gewohnt damals, aber wir haben alle Schulen, die im Umkreis irgendwie erreichbar waren und die irgendwie auch nur den Hauch von wir machen was anders oder alternativer oder so, die haben wir ausprobiert und haben da auch lange Fahrwege auf uns genommen, haben die Kinder da durch die Gegend chauffiert und da viel Zeit und Geld. Und weil das waren ja oft dann auch Privatschulen und so weiter, also haben da viel auch investiert, um ein anderes Lernerlebnis für die Kinder zu ermöglichen.
Genau, haben uns immer engagiert, auch an den Schulen immer mitgearbeitet und so weiter und so fort.
Und unsere Erfahrung war, dass es ziemlich zäh war.
Ja, genau. Also das war jetzt nie so, dass man sagen könnte Bingo, da ist es jetzt gerade so richtig optimal.
Ja, vielleicht an der einen Grundschule war es noch ganz cool. So, und gleichzeitig halt zu sehen, wie Und das ist ja die Erfahrung, die wir quasi an zwei Stellen gemacht haben. Das habe ich ja einerseits in den Kitas, habe ich die Erfahrung gemacht, die ich halt beraten und begleitet habe, und eben in den Schulen, in denen unsere Kinder waren, dass es gab immer wieder einzelne engagierte Lehrer. Also das ist mir an der Stelle auch total wichtig zu sagen. Unsere Kinder hatten mitunter richtig gute Lehrer.
Ja, großartige Menschen.
Aber die Systeme waren so zäh und so langsam, und es war so, also erstens war es halt immer total davon abhängig, ob das Kind gerade einen guten Lehrer erwischt hat oder nicht, und zweitens war es halt quasi unmöglich, irgendwelche Veränderungen mit anzustoßen. So, ja, also das war einfach Also da haben wir uns echt auch in der Elternarbeit oft wie die Zähne ausgebissen. Ja, also haben da so und waren damit. Jetzt kannst du natürlich sagen, ja, ihr sagt doch immer, das kann man sich alles selber kreieren. Ja, auch das haben wir uns selber kreiert, um ja dann daraus unsere Schlüsse zu ziehen. Ja, und die Erfahrung zu machen. Also alles gut. Ich habe da auch überhaupt keinen Kram oder ist alles gut, wie es gewesen ist. Wir haben halt nur gemerkt, so das, wie wir uns das gedacht haben, haben, dass unsere Kinder Schule erleben könnten. Das hat halt so nicht stattgefunden.
Wir haben es nicht gefunden.
Ja, genau. Und dann kam halt der Punkt, dass wir dann, sind wir ja erst schon mal, das muss man euch noch dazu erzählen, dass ja 2018 haben wir mit einem unserer Söhne so einen Deal gemacht, weil der kam da nämlich immer an und der hat sich so schwer getan auf normalem Gymnasium. Und der hat das, das hat den einfach, also nicht, dass der, also der ist super intelligent, also das war nicht, dass das zu schwer für den war, aber das Setting hat für den einfach nicht gepasst.
Und dann haben wir natürlich auch schon in gewisser Weise ja auch infiziert, weil es war ja auch unser Gedankengut in gewisser Weise, was er sich dann natürlich mit übernommen hat. Und dann hat er uns immer wieder aus so einer Jugendzeitschrift dann so Schulen vorgeschlagen, wie er das so, alternative Schulen. Und das war aber so ein Ort, Garten, wo wir jetzt gesagt haben, nicht unbedingt unsere Lieblings— waren sicher tolle Städte, aber für uns jetzt halt nicht, ne. Und hat dann was gefunden, dann haben wir, oder genau, dann haben wir gesagt, okay, schau, da gibt's eine Schule am Bodensee und das wäre jetzt, das wird uns auch gefallen dort.
Und dann haben wir, nee, dann war es ja so, dass wir gesagt haben, Entschuldige, wenn ich dich unterbreche, weil dann, ich glaube, das habe ich auch so mit ihm ausgekaschpert, deshalb weißt du das gar nicht mehr so genau, weil dann habe ich mit dem Deal geschlossen.
Ja, genau, dazu wollte ich gerade kommen.
Ja, ja, ja, haben wir Deal mit ihm geschlossen zu sagen, du kommst jetzt, machst dieses Schuljahr und kommst damit klar und kriegst es irgendwie hin. Ist uns egal, ob du durchfällst oder nicht, aber wir wollen nicht jeden Mittag dieses Genöle und Geschreie und Gezicke und diesen Kampf, weil wir wollen gemeckerfrei aufbauen. Weil wenn wir gemeckerfrei aufgebaut bekommen, dann haben wir die örtliche Unabhängigkeit, dass wir woanders hinziehen können, weil das hätten wir davor ja nicht können, weil wir ja mit den Fortbildungen, so waren wir ja ortsgebunden, wo wir unser Geld verdient haben.
Und den Deal haben wir mit ihm eben ausgemacht. Und dann war das Ergebnis, dass wir in den Sommerferien nach Stuttgart, an den Bodensee gezogen sind.
Genau.
Und waren dann da ein Jahr, eineinhalb Jahre.
Ja, halt irgendwie auch noch zufälligerweise zu Corona-Zeiten.
Und das war halt auch wieder so ein Schul— war halt auch wieder eine Schule. Also am Ende ist es halt immer eine Schule, die halt natürlich ihr eigenes Ding gemacht hat und das auch gut, in vielen Dingen gut gemacht hat. Auch da hat wieder das— ist wieder das Gleiche zugetroffen, was du— ist jetzt Deutsch, ist egal— was du gesagt hast, dass es halt immer auf die— es hängt halt sehr stark von den einzelnen Personen ab, ja. Und es ist ja auch klar, der Lehrer ist ja auch ein total, oder die, die dort heißt ja dann oft pädagogische Begleitperson, ist ja auch ein wichtiges Element darin. Ist halt nur mal schade, wenn eben dann die, wenn es da so starke Unterschiede gibt und so.
Und gleichzeitig muss man halt sehen, dass wir sind ja immer tiefer in diese Gemeckerfrei-Materie eingetaucht, weil wir ja das dann auch gecoacht und gelehrt haben und dadurch dadurch, also in dem Moment, ich weiß nicht, vielleicht kennt es der ein oder andere von euch, wenn du was anfängst weiterzugeben, musst du ja noch besser in dem Konzept werden. Also du musst noch, und das hat natürlich uns auch als Familie total gedient, dass wir angefangen haben, das weiterzugeben, weil wir dadurch halt auch all die blinden Flecken, die wir davor bei uns vielleicht noch hatten, haben wir halt dann aufgedeckt. Und weil wir, weil wir merken konnten, Ja, wo passt es noch nicht und so weiter. Und dadurch ist die Schere halt immer weiter auseinandergeklafft und unsere Bereitschaft, uns quasi so Augen zu und durch, die wurde halt immer niedriger. Und dann kam parallel dazu halt der Wunsch, wurde der Wunsch halt größer, reisen zu gehen. Den hatten wir davor auch schon, bevor wir umgezogen waren. Aber da haben wir uns noch nicht getraut, muss man ehrlich auch sagen. Ja, da war der Schritt für uns zu groß. Und dann war halt der Moment gekommen, wo wir gesagt haben, okay, eigentlich könnten wir das jetzt mal ausprobieren.
Ja, und dann haben wir das gemacht.
Genau, damit haben wir dann halt nach den 2 Monaten Testphase haben wir dann die Kinder auch, also den, den Kleinsten aus der Schule genommen.
Ja, und wir haben eigentlich, gab es so ein paar Monate davor, das finde ich, vergessen wir sogar immer ein bisschen, weil Wir haben eigentlich, also eins unserer Kinder war ja zu der Zeit gerade mit dem, hat er gerade seinen Schulabschluss gemacht, den Realschulabschluss gemacht. Und da war ursprünglich der Plan, dass der bei uns eine Ausbildung macht. Ich habe ja extra, ich habe so ein Ausbilder-Dings da gemacht, dass ich zum digitalen Bürokaufmann oder irgend so was ausbilden darf. Als Geschäftsführer kann man das relativ leicht. Ich musste das am Wochenende machen und so. Und dann war eigentlich die Idee, dass er bei uns eine Ausbildung macht. Diese Idee haben wir dann auch schon verworfen, weil wir ihn, das heißt ja auch wieder Berufsschule und so weiter, und wir gesagt haben, das schafft es. Also ich habe irgendwie gesagt, ich pack das nicht, dass der jetzt da noch mal in die Schule gehen muss, weil das wird den wieder nerven. Und dann ist es ja auch noch Berufsschule. Das ist, also ich sage jetzt mal nichts gegen Berufsschule, ist auch cool. Und ich finde, das deutsche Ausbildungssystem ist eine tolle Sache. Also ich finde es da in vielen Sachen eine sehr tolle Sache. Aber das wäre jetzt für—
Zu uns hat es halt nicht gepasst.
Zu uns hätte es in dem Moment überhaupt nicht gepasst. Und von dem her war das schon eigentlich auch— waren es eigentlich eineinhalb Kinder, die wir quasi nicht mehr in die Schule geschickt haben.
Ja, und gleichzeitig war es halt so, dass ich habe ja eigentlich schon jahrelang von Reisen geredet. Ja, das muss man halt auch dazu sagen. Das war für uns halt schon, oder also Ich weiß nicht, ob für uns.
Ja, es war für uns.
Also das war halt schon so was, wo ich gesagt, also haben wir eigentlich, also ich glaube, ich habe erst noch gedacht, das machen wir erst, wenn die Kinder richtig groß sind. Das war so das, was ich mir erst mal vorstellen konnte. Aber ja gut, also ich meine, wir sind schon, wenn man jetzt mal noch mal so tief taucht in unserem ersten gemeinsamen Urlaub 1995 auf Zypern am Strand gesessen und haben STS gehört und hatten da schon die Idee, dass wir am Strand wohnen wollen. Also das war also eigentlich alles schon in die Richtung. Und dann, dann war, hat uns halt, also dann haben wir halt Anfang 2022 haben wir halt so eine 8-Wochen-Testphase gemacht, sind reisen gegangen, damals ja sehr eingeschränkt, weil man nur in manche Länder reisen konnte aufgrund von Corona. Das Reiseziel auch sehr einfach aus Und dann haben wir das gemacht und dann kam das halt, dass die Kinder dann, also waren wir erst mit 2 Kindern unterwegs, den 2 Jüngeren. Und die haben dann halt relativ schnell gesagt, da haben sie Lust drauf, das wollen sie weitermachen. Und dann haben wir halt alles verkauft, uns abgemeldet und sind halt einfach dann reisen gegangen und waren ja dann 4 Jahre eigentlich reisen.
Und das Wir wären aber nie auf die Idee gekommen, also da direkt jetzt zum Beispiel mit irgendeiner Online-Schule weiterzumachen, was ja auch viele reisende Familien machen, was ja auch seine Berechtigung hat sicherlich, aber war für uns keine Option an der Stelle.
Weil wir wollten erstmal, dass das System sozusagen aus den Kindern rausfließen kann, also dass dieses Müssen und Bespaßtwerden und extrinsisch motiviert sein, dass das erstmal erstmal so gut wie möglich aus den Kindern rausfließt.
Und es hat auch eine Zeit gedauert, und dann hat es aber wirklich angefangen, dass die selbst sich einfach angefangen haben, für Dinge zu interessieren. Und man merkt auf einmal dann, und das ist das, finde ich, ein wichtiges Takeaway an diesem Unschooling, oder eigentlich nenne ich es lieber Free Schooling, finde ich irgendwie besser. Weil auf einmal dieser natürliche Wissensdurst wieder entsteht, dieser natürliche: Ich will einfach alles lernen unter der Sonne, was es gibt. Ich will wissen, warum was so ist. Ich will das rausfinden, und zwar am liebsten sofort. Ich will es verstehen. Und das hat sich einfach so, hat man auf einmal so gemerkt. Wie du ja gesagt hast, je mehr das System so raus war und kein Zwang mehr da war, weil einfach überhaupt kein Zwang da war, und auf einmal ist das Interesse wieder gewachsen, sind die Augen aufgegangen für die Welt, und dann waren auf einmal Wahlen interessant und dieses interessant und das interessant, und wir haben Sachen über die Länder gelernt, in denen wir sind, die hätten wir selber nicht gelernt und so weiter.
Ja, also Wahnsinn. Also das ist ja heute so, Dass da gerade jetzt unser Jüngster, der weiß Dinge zu Themen. Also da kommt irgendeine Frage am Esstisch. Mir fällt jetzt blöderweise gerade nichts ein. Kommt so eine Frage auf und wir so alle so: Hä, wer hat denn da? Also da habe ich noch nie drüber nachgedacht. Und dann sagt der so: Ja, das ist das und das und das haben wir so. Hä, wieso weißt du das? Ja, habe ich mich mal für interessiert, habe ich mal nachgeguckt. Und so passiert das irgendwie ständig. Und der hat ein Allgemeinwissen. Also unfassbar, unfassbar. Und gleichzeitig haben wir halt schon auch was dazu beigetragen. Das ist mir auch letztens erst noch mal so richtig bewusst geworden, als ich mich mit einem unserer Söhne darüber unterhalten habe, weil wir haben natürlich ganz bewusst immer wieder die Kids vorgeschickt. Also so, dass wir gesagt haben, okay, jetzt gehen wir zu denen, gehen wir ins Tal der Könige in Ägypten zum Beispiel. Ja, was müssen wir denn da jetzt alles wissen? Was gilt sitzt denn da? Was braucht er denn? Oder an Flughäfen. Also ich bin ja mittlerweile der, der sich alleine an Flughäfen verlaufen würde, weil wir immer die Kinder vorgeschickt haben, dass die sich halt zurechtfinden. Und dadurch sind wir eigentlich die, die immer nur allen hinterherdackeln, so gefühlt. Und die kennen sich immer, wissen immer alles und so weiter und so. So haben wir halt an ganz vielen Stellen eigentlich dafür gesorgt, dass, ohne dass die es eigentlich gemerkt haben, die Verantwortung für Dinge übernommen haben und halt so im Leben gelernt haben.
Ja, total, total.
Macht der auch einen Abschluss? Also gerade macht dann ja Online-Schule und werden wir sehen, was da noch bei rauskommt oder nicht.
Und also vielleicht für alle, das ist ja mal lustig, weil es so viele Menschen nicht wissen. Du kannst alle Abschlüsse der Welt, also die, die Sinn machen, sage ich mal. Das ist im Endeffekt, kannst du entweder, du kannst jeden deutschen Schulabschluss extern machen, kannst dich da selber drauf vorbereiten. Da gibt es auch schon genug Kinder, die nie eine Schule gesehen haben und dann ein externes Abitur gemacht haben mit sehr gutem Ergebnis. Du kannst aber auch das British Curriculum, nach dem British Curriculum dann diese Abschlüsse machen, die ja international noch viel anerkannter sind an Unis und so weiter. Da kannst du dann eine Fächer wählen. Das kannst du online machen, das kannst du vor Ort machen. Da gibt es in jedem Land Prüfungsstationen, da gibt es in jedem Land englischsprachige Schulen dazu. Gibt es natürlich auch deutschsprachige Schulen, die das unterrichten und so weiter. Also das ist ein, wenn man da mal aus dem Kokon des deutschen Schulsystems rausguckt, gibt es da eine unglaubliche Bandbreite. Es gibt auch unglaublich tolle Online-Schulen. Es gibt da, also keine Ahnung, jetzt natürlich nicht miterlebt mit unseren Kindern, aber vom Konzept her, von Ideen gibt es Dinge, die treffen sich dann immer wieder weltweit und so weiter und so fort.
Also das ist einfach, da ist einfach die Frage, was für ein Leben passt zu euch und wie wollt ihr leben? Also Das Einzige, was wir immer wieder festgestellt haben, ist, dass wir es schon früher hätten machen sollen. Ja, also so, wenn ich jetzt so denke, also ich würde jedem Kind wünschen, dass es frei von außerhäuslicher Betreuung aufwachsen kann. Also egal, ob das jetzt Kita ist oder Schule ist. Es gibt ja auch immer mehr Studien, die eben die das eben darlegen, dass der Stress, den Menschen, den Kinder dort erleben, den Mehrwert bei Weitem— der Mehrwert ist bei Weitem nicht so hoch, als dass es den Stress rechtfertigen würde. Man darf sich halt immer überlegen, wie würde man sich selber fühlen, wenn man im Großraumbüro mit 25 oder 30 anderen Menschen sitzen würde, die halt unterschiedlich gut in der Lage sind, auf Anweisungen zu reagieren. Und also Horror. Also für mich wäre es heutzutage der pure Horror. Und natürlich, wir haben die Folge ja gestartet auch so mit dem Ding, dass das natürlich alles einen Preis hat. Ja, also ich denke, da werden wir in nächster Zeit noch öfter auch im Podcast drüber sprechen. Das haben wir ja auch schon in einer der letzten Folgen gemacht, dass für uns das halt wesentlicher Aspekt ist, unseren Alltag so zu gestalten, dass der für uns alle, also für die großen und die jüngeren Menschen, so muss man ja vielleicht sagen, weil klein passt jetzt bei uns nicht mehr, aber dass es halt für alle Familienmitglieder ein Alltag ist, der für die passend ist. Ja, also es kann einfach nicht sein, dass der Alltag so ist, wie er ist, weil das die Karriere ist, die ich machen will. Oder ich kann auch nicht sagen, ich bleibe in dem Ort wohnen, an dem wir schon immer wohnen, wohnen, wenn einfach die Kinder in der Schule nicht glücklich sind. Ich würde niemals jeden Tag ein Kind schreiend in die Kita bringen, nur weil das halt so ist. Also das sind einfach so Punkte, wo wir einfach dafür plädieren und euch auch da Mut zusprechen wollen oder den Rückhalt geben wollen, zu sagen, trau dich, Modelle zu finden, die zu euch als Familie passen. Und das möchte ich noch mal hervorheben. Das ist nicht so, dass uns das in die Wiege gelegt wurde. In keinster Weise. Wir haben entschieden, dass wir das hören, dass unser Kind in der Schule nicht glücklich ist. Wir haben gesagt, okay, wir machen, wir stellen unser Business um, dass wir ortsunabhängig sind. Weil nachdem wir alle Schulen ausprobiert hatten, die irgendwie erreichbar waren, war klar, wir lösen ist nicht dort, wo wir gewohnt haben. Also müssen wir umziehen, also brauchen wir eine andere Einkommensquelle, also haben wir ein neues Business gestartet, sind dann einmal quer durch Deutschland gezogen, haben es da ausprobiert, haben festgestellt, es ist immer noch nicht so geil, wie wir es gerne hätten, und haben daraufhin halt unser Zuhause aufgegeben sozusagen und sind reisen gegangen. Ja, was natürlich uns uns Freude und Spaß macht. Aber natürlich haben wir nicht einen Ort, den wir zu Hause, also hatten wir jetzt 4 Jahre lang nicht einen Ort, den wir zu Hause nennen, wo wir hin zurückgefahren sind, wenn und so, sondern wir sind halt auch, wir mussten halt auch alle paar Wochen oder alle paar Monate mit einem neuen Setting klarkommen. Also sowohl die Kinder als auch wir. Und das ist halt der Preis, den wir dafür bezahlen, dass dass halt unsere Kinder nicht mehr in Systeme gepresst werden, die ihnen nicht gut tun. Ja, und jetzt kannst du dir ausrechnen, dass der Preis sich für uns lohnt, weil sonst würden wir es ja nicht machen. Ja, und gleichzeitig war ja noch Teil der Frage, ob wir uns nicht irgendwann wieder eine Base wünschen. Das war ja dann vor anderthalb Jahren so, dass unsere Kinder gesagt haben, boah, ich hätte eigentlich gern mal wieder ein eigenes eigenes Zimmer.
Also die hatten schon immer eigene, also ein Zimmer, das immer mein Zimmer ist. Ja, muss man schon dazu sagen. Wir sind jetzt nicht im Van rumgereist, sondern die hatten schon, wir haben immer in Airbnbs gewohnt und da hatte jeder sein eigenes Zimmer.
Natürlich.
Das war natürlich schon immer Standard. Also abgesehen von Einzelhotelübernachtungen, wo die zwei Jungs sich mal ein Zimmer geteilt haben oder so, aber üblicherweise hat immer jeder sein eigenes Zimmer.
Natürlich.
Aber halt immer wieder ein anderes. Alle paar Monate halt wieder in einem anderen Land, in einem anderen Haus. Und dann so.
Und so dieses: Ich will mein Bett haben, in dem ich immer schlafen kann. Ich will einen Schreibtischstuhl haben. Ich will einen PC haben. Ich will wieder Lego bauen können. Ich will all diese Dinge, für die man halt, wenn man nur mit einem Koffer reist, halt nicht die Kapazität hat. Und dann Daraufhin haben wir ja entschieden, dann, das war witzigerweise, waren wir da in der Stadt, haben gerade im Café gesessen und gefrühstückt, und dann haben wir so, haben die Kinder das so aufgebracht, dann haben wir so gesagt, oh ja, was müsste das denn für Kriterien haben, dann haben wir die Kriterien zusammengetragen, dann haben wir uns umgeschaut, haben gesagt, ja, das wäre hier eigentlich, und daraufhin haben wir jetzt ja seit einem Dreivierteljahr oder so haben wir jetzt eine Base, ja, so, und von da weg reisen wir halt jetzt noch so viel weiter, wie wir weiterreisen wollen. Ja, ich hoffe, wir haben das umfassend beantwortet und wollen dir einfach den Mut zusprechen, dich zu trauen, dein Leben auf deine Weise zu leben.
Ja, und das passt auch zu einer der vorigen Folgen, zu den Wundern, weil es am Ende darum geht, dass du nicht denkst, ah, für mich geht es nicht, weil weil für uns ging es auch nicht, weil, ja. Und wenn das, und dann einfach sagst, ja, okay, also was, wenn es doch geht? Ja, das ist so der Einstieg, ist eigentlich immer, was, wenn es doch geht, um diese Tür mal aufzumachen und um dann Gedanken denken zu können und Lösungen finden zu können, die dich dem näher bringen.
Weil nichts von dem, was, wie es für uns gegangen ist, ist irgendwie unique, oder nichts von dem ist besonders, nichts Von dem ist nicht etwas, was jeder andere auch schaffen kann. Das ist, wir kochen auch nur mit Wasser, schon immer. Was wir halt tun, ist, wir sind halt super konsequent in der Umsetzung. Wenn wir feststellen, irgendwas passt nicht für uns, dann verändern wir das und sind da sehr kompromisslos. Und sehr wenig leidensfähig. In diesem Sinne, jetzt habe ich das mal gesagt, in diesem Sinne, sonst immer dein Standardsatz, bis zum nächsten Mal, alles Liebe, tschüss!
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