Zu stolz für ein sorry? Was Paare damit wirklich anrichten

Uli und Bernd Bott erklären, warum Menschen sich schwertun zu sagen "Entschuldigung" und was das in Partnerschaften anrichtet. Ein Satz kann bis zu 16 verschiedene Bedeutungen haben. Wer regelmäßig vergibt, senkt sein Cortisol und stärkt sein Immunsystem.
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Neulich habe ich mal einen Film gesehen und der ging— ich weiß ehrlich gesagt nicht mal mehr, wie der hieß und so, ich weiß ja immer nicht mehr, wie das ist. Aber was ich mir schon gemerkt habe, ist, dass in dem Film ging es um eine App, und zwar um eine Sorry-App, dass du über eine App quasi sorry zu jemandem sagen kannst. Mit dem du halt schon länger irgendwie im Clinch liegst, oder wo du schon länger, also um halt diese Hürde zu nehmen oder die Hürde kleiner zu machen, den ersten Schritt zu tun und einfach mal Tut mir leid zu sagen. Und da ist mir das erst noch mal aufgefallen, dass das viele Menschen einfach eine Hürde ist. Also da war eben dann auch die, das war ganz interessant, weil die Hauptdarstellerin sozusagen, die diese App entwickelt hat, die hatte gleichzeitig mit ihrer Tochter irgendwie Beef und hat das, hat sich irgendwie super gekrämt darüber, dass sie diesen Beef hatte, und hat aber, hat deshalb quasi auch die App entwickelt, aber sie da erst noch gar nicht angewendet, sozusagen selber nicht angewendet, weil sie es nicht geschafft hat, über ihren Schatten zu springen. Und wir haben gleichzeitig, haben wir ja, als wir letztens irgendwie mal so versucht haben, noch mal so zu rekapitulieren, was sind eigentlich so unsere Beziehungsgoldnuggets sozusagen, sind wir ja da so drauf gekommen, dass das eben eine der Sachen ist, die so wahnsinnig bedeutsam ist, dass wir da jetzt einfach mal drüber reden.
Sorry, seems to be the hardest word.
Hallo und herzlich willkommen hier beim Gemeckerfrei-Podcast, dem Podcast für liebevolle Beziehungen in der Familie, als Paar und mit dir selbst.
Wir sind Uli und Bernd Bott, wir sind die Gründer von Gemeckerfrei, wir sind Spiele-Bestseller-Autoren, Eltern von 4 Kindern.
Und wir haben schon viele, viele, viele tausend Menschen dabei begleitet, ihr liebevolles und gemeckerfreies Familienleben zu erschaffen. Und wir freuen uns, dass du heute hier bist. Und du bist hier richtig, wenn du einfach keinen Bock mehr hast auf die nächsten Erziehungstipps, sondern wenn du wirklich von der Pike auf lernen willst, wie Elternsein und wie Beziehungen ja heute funktionieren. Schön, dass du da bist.
Ja, und es ist ja so eine, es ist ja mit diesem, was bedauern, auch sagen, es tut mir leid, oder klassisch sagt man ja entschuldigen, was ja so ein verkehrtes Wort ist, da können wir später auch noch mal drüber reden. Das ist ja so spannend, weil wir das ja versuchen, also ganz viele Menschen versuchen das ja den Kindern ständig beizubringen. Sich zwei gestritten, dann so, und jetzt gebt euch die Hand, vertragt euch wieder und sagt Entschuldigung, und jeder sagt, es tut mir leid, und so, ja. Und gleichzeitig ist es aber so, dass wir, oder viele Erwachsene, sich damit total schwer tun und das einfach oft auch nicht machen. Also sowohl in Beziehungen, also sowohl in den Paarbeziehungen als auch in anderen Beziehungen, Verwandtschaftsbeziehungen oder so, sich damit einfach total schwer tun, oft einerseits weil sie sich grämen oder weil sie sich denken, der andere müsste, oder auch weil sie sich selber so schlecht oder schuldig fühlen, dass sie eigentlich nicht da gar nicht drüber kommen, ja, da, oder vielleicht auch Angst haben vor der Reaktion.
Ist ja gleichzeitig so, dass wir oft, wir wollen ja oft von unseren Kindern oder für unsere Kinder, dass sie das, was wir selber nicht können, dass sie das besser machen als wir. Also das ist ja gar nicht, gar nicht, auch wenn du sagst, wir wollen das oft von den Kindern und können selber nicht, das ist ja gar nicht als Kritik gemeint. Das ist einfach zu sehen, wie unnatürlich das geworden ist, einfach die Beziehung zu egal wem höher zu ranken als irgendwelche Zwistigkeiten, die zwangsläufig passieren, wenn Menschen miteinander interagieren. Ja, also ich meine, das, das, ich finde es immer so spannend. Ich habe ja mal Kommunikationspsychologie gelernt, und da gibt es ja diese Kommunikationsquadrate und die Sender, also die Schnäbel und die Ohren, den Sender und den Empfänger, und Und wenn man sich da einfach bewusst macht, dass jedes Mal, wenn eine Person was sagt, gibt es 16 Möglichkeiten, wie ich das verstehen kann. Und da einfach, da ist es eigentlich schon so, also als ich das gelernt habe, habe ich mir gedacht, so krass, eigentlich ist es voll das Wunder, wie oft Kommunikation gelingt.
Ja, weil eigentlich funktioniert es ja dann nur jedes 16. Mal. 15 Mal redest du ja aneinander vorbei, also oder hörst aneinander vorbei, ist ja scheißegal, wie du das nimmst. 16-mal. Wobei es ja noch dazu so ist, dass du ja eigentlich ja immer schon den Two-Way denken musst. Dann sind es schon wieder 32. Also es ist ja Wahnsinn.
Also genau, und da eigentlich anstatt davon auszugehen, dass es immer funktionieren müsste, kann man also— und da, ich sag das jetzt in Anführungszeichen, kann man schon eigentlich eher davon ausgehen, dass es nicht funktioniert. Aber jetzt nicht im Sinne von, ich manifestiere jetzt, dass es nicht funktioniert. Deshalb sage ich in Anführungszeichen, sondern es geht halt eigentlich darum, dass ist das, wenn man es nicht persönlich nehmen würde, was der andere sagt. Also, und jetzt muss ich noch einen Schritt weitergehen, weil die ankommende Botschaft ist ja immer das Machwerk des Empfängers.
Also das nicht, du sollst, du darfst nicht persönlich nehmen, was du hörst.
Ja, genau.
Das ist ja nicht, was der andere sagt, ist ja sowieso, was du draus machst, ist ja nur eine Interpretation. Also was ich draus mache, ist Interpretation. Also ich darf ja nicht auf das Ich darf eigentlich dem nicht glauben, was ich höre.
Ja, genau. Also, und das ist ja auch das, was wir alle kennen, dass das so tagesformabhängig ist, was wir hören. Also es gibt Momente, da, da, da hättest du früher, oder es gab Momente, so muss ich sagen, wenn du da auf eine, also wenn du da was gesagt hast, dann gab es Tage, an denen hat mich das überhaupt nicht gestört. Und an anderen Tagen bin ich dir fast an die Gurgel gegangen dafür. Und das hatte ja überhaupt nichts mit dir zu tun. Das hast du ja auch. Also da ging es, glaube ich, mal um irgendwas an meinem Laptop. Erinnere ich mich sogar, dass das, dass ich mich drüber aufgeregt habe, weil du irgendwas geschlossen hast, eingestellt hast, irgendwas aufgemacht, irgendwie hast irgendwas an meinem Laptop gemacht, ohne mich zu fragen. Und ich hatte irgendwie gerade einen blöden Tag und habe mich, das hat mich voll, also das habe ich mich einfach voll drüber aufgeregt in dem Moment. Und dann hast du noch gesagt, hast du auch gesagt, dir kann man es auch nicht recht machen, weil die anderen Tage willst du immer, dass ich das für dich mache und so, da bist du immer total dankbar und so. Und also das einfach, weil die ankommende Botschaft ist das Machwerk des Empfängers. Das heißt, du entscheidest nicht, was der, also es geht nicht darum, was der andere sagt, sondern es geht darum, was du hörst, was wir hören. Und jetzt wird es ja noch abstruser, weil Also jetzt sage ich ja nicht, also angenommen, du sagst jetzt was zu mir, also du könntest ja auch irgendwie zu mir sagen, was weiß ich, du Dumpfbacke, jetzt wenn man nicht irgendwie, ne, jetzt sagst du, du Dumpfbacke, zu mir, und jetzt ist es natürlich so, dass wir gesellschaftlich gesehen sagen, ja, das ist aber was Blödes, so, aber das sind ja die wenigsten Aussagen, wo man schon per se davon ausgehen kann, das ist negativ gemeint, und selbst dabei, du Dumpfbacke, das kann ich auch wieder so so und so verstehen.
Ja, es gibt im Bayerischen so eine Sache, da kannst du zu einem sagen, du Drecksau. Und es heißt eigentlich dreckiges Schwein. Also das kann ein Schimpfwort sein, aber das kann auch ein Kompliment sein. Ja, du bist da eine Drecksau. Es kann auch sein, du bist irgendwie echt ein gerissener Hund. Ja, und selbst der Tonfall sagt es nicht unbedingt aus. Meine Oma hat das früher zum Beispiel, wenn die da irgendwie dabei war und ich war mit Kumpels oder so was. Dann konnte die das nicht. Genau, die konnte das nicht differenzieren.
Ja, also jetzt sagst du jetzt genau. Und jetzt höre ich einen Angriff und mach dir einen Vorwurf daraus. Also nur das, lass das mal durch dich sickern, wenn du uns jetzt hier zuhörst, wie abstrus das ist. Ich höre einen Angriff und anstatt zu sagen, oh, das tut mir jetzt leid, dass ich da einen Angriff gehört habe, sage ich, du Depp, wieso sagst du, du Drecksau, zu mir? Also ja, so. Und jetzt, wenn man mal ein anderes Beispiel nimmt und du sagst, was weiß ich, warum hast du die Spülmaschine nicht ausgeräumt.
Und ich könnte auch nur sagen: Oh, die Spülmaschine ist noch nicht ausgeräumt.
Und jetzt kann ich hören: Wieso habe ich nicht die Spülmaschine ausgeräumt? Oder ich kann hören, dass du sagst: Die Spülmaschine ist noch nicht ausgeräumt. Aber ich höre was, mache daraus was, dass ich es als Angriff höre und beschuldige dich dann dafür, dass du das gemacht hast. Und dann erwarte ich von dir, dass du dich bei mir entschuldigst.
Ja, oder wir haben halt irgendwie einen Tag lang Ärger.
Ja, also wir jetzt nicht, aber—
nein, nein, es ist alles nur hypothetisch.
Also nur, dass du mal— also ich möchte— wir wollen gerne darauf hinaus, dass dir bewusst wird, wie abstrus das ist, wann wir überhaupt der Meinung sind, dass der andere was falsch gemacht hat. So, aber jetzt ein Schritt weiter. Wenn es ja darum geht zu sagen, okay, Kommunikation ist 1 zu 16, ist die Chance, dass es gelingt. Also wenn es jetzt mal nicht gelingt, und ich finde, es gelingt ja oft viel öfter als 5, also als 1 zu 16 Mal. Also wir sind eigentlich alle ganz schön gut in Kommunikation, wie ich finde. Und gleichzeitig, wenn es halt mal nicht gelingt und der andere das jetzt auf dem Fall, den anderen auf dem falschen Fuß erwischt, oder der das halt irgendwie blöd hört, dann kann ich doch sofort mein Bedauern darüber ausdrücken. Dann kann ich doch einfach sagen, boah, das tut mir total leid, das war nicht, da war nicht meine Absicht, oder ich bedauere, dass du das jetzt so, dass das bei dir so angekommen ist. Oder manchmal kann es ja auch sein, ich habe mich im Ton vergriffen, weil ich gerade irgendwie halt schräg drauf bin, mich irgendwas gestresst Stress hat oder keine Ahnung, dann sage ich halt einfach, boah, das tut mir total leid, ich habe jetzt gerade da total überreagiert. Und diese Fähigkeit, halt über nichts da, also halt das sofort sagen zu können, also zu sagen, ich kann halt sofort, es tut mir leid sagen, und ich habe gerade das.
Und der Witz, also weil ich höre jetzt schon viele da draußen.
Echt, du hörst die wahrscheinlich?
Die schon sagen, ja, aber wenn ich doch recht habe, wenn es doch um XY geht. Der Witz ist, dass du da sogar erstmal die Ebenen trennen darfst, meiner Meinung nach, weil erstmal geht es bei dem Bedauern oder bei dem Sagen, es tut mir leid, ja nur darum, sagen, oh, es tut mir leid, weil ich habe jetzt in dir eine Emotion ausgelöst, das war überhaupt nicht mein Ja, oder ich habe, also das meine Absicht, wenn man, na, ich kann ja in dir keine Emotion auslösen, aber halt so dieses, ja, ja, es ist zwischen uns irgendwie halt schräg geworden durch das, was ich gesagt habe. Ja, genau, weil am Ende, und ich finde, das ist auch das, da wo wir letztens drüber gesprochen haben, das, was wir früher gemacht haben, als wir noch relativ jung zusammen waren, ja, wir sind immer noch jung, aber noch jünger waren, Da finde ich, haben wir das schon oft so gemacht, dass wir gesagt haben, boah, es tut mir leid, dass wir uns da jetzt gerade in so einen Streit oder so einen Twist reingeritten haben. Und das war erstmal völlig losgelöst von der Sachebene, um die es vielleicht dann später noch mal ging oder sowas, sondern eigentlich nur zu sagen, okay, das war jetzt irgendwie sau doof, dass wir da hier jetzt uns angekackt haben.
Wegen nichts und wieder nichts hat uns jemand angekackt.
Ja, nichts davon, worüber man sich in die Haare kriegt, ist es in Wahrheit wert.
Absolut. Und das wäre das. Ich glaube, ich habe dich jetzt ein bisschen rausgebracht vielleicht, weil du warst ja eigentlich an dem Punkt zu sagen, dass wenn jemand sagt, ja, aber wenn ich doch recht habe. Und das ist, glaube ich, das, worum es geht, dass wir das noch mal rauspointen. Das ist das, das zwei verschiedene Dinge sind. Zu sagen, das tut mir leid, oder ich bedauere das, hat nichts damit zu tun, ob ich jetzt grundsätzlich der Meinung bin, dass man besser so macht oder so macht. Also, das hat erstmal nur damit zu tun, zu sagen, ich bedauere, dass das jetzt zwischen uns zu einem Missverständnis geführt hat, dass wir da uns in die Haare gekriegt haben, dass das zwischen uns gerade irgendwie blöd ist. Einfach nur um die Beziehungsebene in, um in der Sprache der Kommunikations- Psychologie zu bleiben, um die Beziehungsebene wieder zu klären, um wieder zu sagen, also dass wir zwei sozusagen gegen den Rest der Welt oder gegen jedes Thema, das zwischen uns stehen könnte, und so, das ist alles, was es braucht. Ja, das ist das, was dahinter steckt. Und auf einer anderen Ebene ist es natürlich so, dass das Einer der Sätze, die auch zu Gemecker frei gehören, aber die natürlich auch in der Persönlichkeitsentwicklung sonst oft verbreitet sind, ist einfach die Frage: Willst du recht haben oder glücklich sein? Weil beides geht halt eigentlich nicht.
Ja, das ist natürlich, das ist halt der nächste Punkt. Ja, weil du kannst nur vergeben und du kannst auch nur, was ja das im Endeffekt ist. Also wenn ich sage, ich Also, und Vergebung ist ja nicht immer, also jetzt eben im katholischen Sinne, Vergebung ist eine hierarchische Geschichte. Nein, das ist überhaupt nicht. Also vergeben ist ja auch mir selbst vergeben, ist der Situation vergeben, ist uns als Paar vergeben, und wie auch immer du es definieren willst. Aber der Satz, ich bedauere es, es tut mir leid, hat auch mit Vergebung zu tun. Dafür musst du natürlich immer dein Ego auf die Seite schieben.
Ja, voll.
Solltest du sowieso anfangen in einer Beziehung, wenn du gerne hättest, dass sie gut funktioniert und dass ihr auf Augenhöhe kommt und dass ihr über möglichst wenig in die, euch in die Haare kriegt oder als Endziel sogar gar nicht mehr, dann geht es halt immer darum, wie kann ich mein Ego, und das ist ja das Rechthabenwollen im Endeffekt, auf die Seite schieben und kann akzeptieren, dass es nicht richtig ist, bloß weil ich denke, es ist richtig.
Ja, einfach diese Sicht auf die Welt zu entwickeln, dass es kein Richtig und kein Falsch gibt, sondern das. Und da finde ich, gibt es halt so viele Beispiele, weil, na, also siehst jetzt ja an uns schon wieder. Wir sitzen im selben Zimmer. Jetzt haben wir heute auch noch eine ähnliche Farbe an, aber der Bernd sitzt hier im Poloshirt und wahrscheinlich ist dir warm. Ich habe Wollpulli an und mir ist kalt. Also oder kühl zumindest. Also das ist, was ist jetzt richtig? Also was ist jetzt richtiger? Sind 25 Grad warm? Sind 25 Grad kalt? Das ist einfach subjektiv. Es ist subjektiv. Ist ein Essen scharf oder nicht scharf? Da ist uns das vollkommen klar, dass diese Dinge subjektiv sind. Aber so ist es eben mit allem im Leben. Und Wenn ich davon ausgehe, dass jeder immer in jedem Moment nach seiner besten Option handelt, dann will mir ja niemand absichtlich was Böses. Also keiner steht morgens auf und denkt sich: Heute will ich mal richtig Streit mit meinem Partner haben und heute mache ich mal die Kinder rund und so. Also das passiert ja nicht. Also wir geben unser Bestes und in der Hektik des Alltags übersteuern wir halt mal oder kriegen es halt mal nicht so hin, wie wir es in unserer besten Version oder in der Highest Energy oder wie auch immer halt vielleicht hinkriegen würden. Und dann kommen wir da halt hin, dass wir halt mal zu schroff sind oder keine Ahnung. Und dann einfach zu sagen, boah, das tut mir jetzt total leid, dass das zwischen uns gerade passiert ist, ist halt eigentlich das Einfachste von der Welt.
Und je schneller man es— ist eigentlich immer noch einfacher, je schneller man es sagt, weniger Zeit man da vergehen lässt.
Genau, und das ist das, was wir euch einfach, was wir euch mitgeben wollten, na, weil da, da, da, stotter, stotter, da, das ist sowas, was uns rückblickend gesehen immer sehr gedient hat, weil der Bernd war einfach super schnell darin, früher zu sagen, es tut mir leid, und konnte das schon immer sehr gut. Ich habe das von ihm ein Stück weit auch gelernt. Was ich halt schon immer gut konnte, ist, dass ich nicht bereit war, in der Situation unausgesprochen stehen zu lassen. Also dieses, wir reden jetzt einen Tag oder zwei oder fünf da nicht drüber, das hätte es bei uns einfach nicht gegeben. Das gab es nicht, weil das, und das bedingt sich, weil je länger du es aufschiebst, umso schwieriger wird es.
Ja, ja, das ist wie Zahnschmerzen.
Ja, ja, ja, genau.
Macht man immer ein größeres und größeres, größeres Ding draus, im Endeffekt die Hürde immer größer wird.
Ja, und dann Und dann ist es nicht mehr natürlich, weil dann wird es irgendwann erzwungen und dann wird es schwer. Dann brauchst du vielleicht eine App. Und genau das ist einfach nur so die Einladung zu sagen: Kann ich eigentlich? Wie viel schneller kannst du ab heute es tut mir leid sagen? Und zwar nicht nur sagen, sondern auch meinen. Weil es tut mir leid zu sagen bedeutet weder, dass du eine Schuld auf dich nimmst, noch bedeutet es, dass du einverstanden sein musst mit der Meinung des anderen. Es bedeutet einfach nur, es tut mir leid, dass wir es gerade miteinander nicht besser hingekriegt haben.
Im Sinne von, ich bedauere das. Ich finde, das kann man nicht so gut sagen. Aber es ist eigentlich die Haltung dahinter. Die Haltung dahinter ist ein Bedauern und es tut mir leid. Es ist kein Schuldeingeständnis. Es geht überhaupt nicht um Schuldeingeständnis, weil es gibt ja keine. Es gibt ja in den Fällen meistens, es gibt eigentlich nie da eine Schuld, weil dann gäbe es ja schon wieder ein richtig oder falsch. Deswegen ist das Wort Entschuldigung Von wegen entschulden ist da halt auch, ja, das ist, wenn du einem 100 Mark geliehen hast, Euro geliehen hast und gibst sie zurück, dann ist das eine Entschuldung.
Ja, aber das passt ja nichts damit.
Hat in so einer, in so der menschlichen Kommunikation eigentlich nichts verloren. Ich sage es auch immer wieder noch, weil irgendwie kann man sich nicht so leicht abgewöhnen, aber ich meine es nicht so. Ich meine wirklich ein, ich bedauere das. Ja, das ist eigentlich die Haltung dahinter.
Ja, und was halt auch wichtig ist, wenn man in dieses Bedauern geht, was ja wieder dem Vergeben gleichkommt, da darf man halt einfach wissen, dass zu vergeben ist halt ein Muskel, den man halt trainieren kann. Und je häufiger du das halt trainierst, umso höher wird zum Beispiel dein Selbstwert. Weil Menschen, die vergeben können, haben einen höheren Selbstwert als Menschen, die das nicht können. Oder Menschen, die gut vergeben können, also die gut es tut mir leid sagen können und das auch meinen, die sind gesünder, die haben besseres Immunsystem, Themen, deren Cortisolspiegel ist niedriger. Also das hat nur positive Auswirkungen auf denjenigen, der sagt, es tut mir leid. Und es ist mitnichten so, dass man sich da kleiner macht, drunter stellt, oder sich da irgendwie einen Zahn aus der Krone bricht. Zahn aus der Krone bricht, also, ne, dass man sich— ist es mitnichten so, dass man sich eine Zacke aus der Krone bricht, sondern du stellst einfach nur die Beziehung, rankst die Beziehung wichtiger als dein Ego. Und das ist immer in der Beziehung, am Ende geht es immer darum, dass du das Wir wichtiger nimmst als deine individuelle, persönliche, egozentrierte Bedeutsamkeit. Und dann hast du aber halt, in der Folge entsteht daraus halt eine Beziehungs- Beziehung in der Tiefe oder in der Qualität, die so viel wertvoller ist als alles, was du jemals erreichen könntest, wenn du dein Ego fütterst. Deshalb mag sich das vielleicht im ersten Schritt als Hürde anfühlen, das Ego zur Seite zu stellen, aber das ist sowas von wert. Von dem her herzliche Einladung, das auszuprobieren.
Viel Freude und Erfolg damit.
Alles Liebe, bis zum nächsten Mal. Tschüss.
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