#14 Work-Life-Balance ist Quatsch!

Deutsche Podcast-Folge (oh my Job) von JobGenius, die den Begriff "Work-Life-Balance" kritisch hinterfragt und ihn als unrealistischen Mythos bezeichnet. Statt täglichen Ausgleichs plädiert die Episode für eine ganzheitliche Lebensbalance und das Finden persönlicher Rhythmen, ergänzt um praktische Reflexionsfragen (Was will ich wirklich? Wobei will ich keine Kompromisse machen? Was macht mich unglücklich?).
Strebst auch du dieses Jahr nach einer besseren Work Life Balance? Tu das bitte nicht schon. Der Begriff ist eine große Mogelpackung und Gehirnwäsche. Ich möchte in dieser Folge die Mythos Work Life Balance einfach mal entzaubern und dir ein viel besseres Konzept vorstellen, mit dem du wirklich ein ausgeglichenes Leben führen kannst.
Willkommen bei oh my Job, dem Podcast der Karrierebibel. Nutze deinen wöchentlichen Kick für Kopf und Karriere. Entdecke echte Insider Tipps mit wertvollen Impulsen in der Jochen May. Viel Spaß bei der heutigen Folge.
Cool, du bist noch da und du bist auch bereit, an deinem Weltbild rütteln zu lassen. Das finde ich richtig klasse, denn viele schalten ja ab oder gehen sofort auf Konfrontation, wenn jemand mit einer anderen Meinung um die Ecke kommt. Du aber nicht, du alter Rakete. Und das finde ich gerade in der heutigen Zeit eine wirklich gute Eigenschaft. Aber lass uns zu Beginn den Begriff Work Life Balance etwas genauer anschauen. Work Life Balance beschreibt das harmonische Gleichgewicht zwischen Leben und Arbeit. Anspannung im Job und Erholungsphasen in der Freizeit sind perfekt ausbalanciert. Gerät dieses Zusammenspiel jedoch in Schieflage, dann leidet entweder der Joballtag oder das Privatleben. Und gelingt einem über einen längeren Zeitraum diese Work Life Balance nicht, dann drohen Frust im Job und Überforderung oder gar ein Burnout. So jedenfalls die Theorie. Der Grundgedanke dahinter ist natürlich überhaupt nicht verkehrt. Aber wer den Begriff allzu wörtlich nimmt und permanent seine Work Life Balance verbessern will, der wird daran scheitern. Und das habe ich leider schon an vielen Stellen bei einigen Menschen gesehen. Der Grund dafür sind falsche Annahmen. Viele Menschen laufen heute einer Vorstellung hinterher, die sich nicht umsetzen lässt. Zur Verdeutlichung meiner Kritik am Work Life Balance Modell habe ich einmal fünf Argumente und Antithesen aufgestellt. Work Life Balance ist ein Mythos. Der allzu perfekte Ausgleich, die virtuose Balance zwischen Beruf und Privatleben, die gibt es nicht. Sie kann auch gar nicht gelingen. Zwar können wir Prioritäten setzen, Pläne machen, Kalender und Listen führen, weniger arbeiten und die Freizeit optimieren, doch gerät das Leben dadurch ja nicht wirklich in Balance. Leben ist schlicht und ergreifend nicht planbar. Zufälle Plan passieren beruflich wie privat. Wer diese krampfhaft kontrollieren und permanent ausgleichen will, der erzeugt dabei nur neuen Druck. Anstrengung und Ausgleich müssen sich nicht jeden Tag die Waage halten. Was wirklich den Stress reduziert, ist eine schnellere Anpassungsfähigkeit, eine höhere Frustrationstoleranz und vor allem mehr Gelassenheit im Leben. Es gibt zwei Dinge, um die wir uns weniger Sorgen machen. Erstens Dinge, die wir sowieso nicht kontrollieren können und zweitens Dinge, die wir kontrollieren können. Also eigentlich alles. Punkt 2. Der Mensch ist von Natur aus unausgeglichen. Schon Sigmund Freud war felsenfest davon überzeugt, dass Unausgeglichenheit ein wesentlicher Teil unserer Existenz sei. Sie ist unser Motor für Ehrgeiz, Engagement und Kreativität. Zahlreiche Unternehmer und Leistungsträger sind gerade deshalb so erfolgreich, weil sie von dieser inneren Unruhe getrieben werden. Sie sind unzufrieden mit dem Status quo und suchen einen Weg, etwas zu verbessern. Das in dieser Phase ist mit Sicherheit keine ausgeglichene Work Life Balance. Aber das juckt diese Menschen auch überhaupt nicht. Im Gegenteil, im ihr Ergebnis sind große Produktivität, große Ideen und Visionen und eine tiefe Zufriedenheit, der dann aus ihren Erfolgen resultiert. Der Begriff selbst ist Bullshit. Okay, das ist hart, stimmt aber schon. Das Wort Work Life Balance ist ein Widerspruch in sich. Er erklärt nämlich Leben und Arbeit zu Gegensätzen, die man ausgleichen müsse. Das ist aber grober Unfug und echte Gehirnwäsche. Wer arbeitet, der lebt genauso. Und da gibt es überhaupt nichts auszugleichen. Für viele Menschen ist ihr Beruf sogar sinnstiftend und absolut befriedigend. Schon der Literatur Nobelpreisträger Thomas Mann erkannte, dass Arbeit zwar schwer und manchmal ein freudloses und mühseliges Stochern sei, aber nicht zu arbeiten, das sei die Hölle. Man denke nur an die vielen Arbeitslosen, die gerne einen Job hätten. Die haben eine Menge Freizeit. Aber sind sie deswegen ausgeglichener, mehr in Balance? Oder zahlreiche Selbständige und Unternehmer. Ich habe etliche Freunde, die einen 10 bis 12 Stunden Tag haben. Fühlen Sie sich deswegen ausgelaugt und unausgeglichen? Nein, sie lieben, was sie tun. Sie finden in ihrem Job Erfüllung und sehen in ihrer Arbeit einen tiefen Sinn, der sie permanent motiviert und antreibt. In einem Beruf, der uns erfüllt, spielt die Menge der Zeit, die wir dafür investieren, überhaupt keine Rolle. Wenn du müde bist von einem Beruf, in dem du zu viel getan hast, dann hast du in Wahrheit zu wenig von dem getan, was dir die nötige Energie gibt. Wer jetzt nach einem permanenten Ausgleich sucht, der laboriert am Ende nur an den Symptomen, aber nicht an der Ursache. Generell sollte deine Arbeit nicht nur dein Broterwerb sein, sondern auch ein Ort, an dem du glücklich sein kannst und dich weiterentwickeln kannst. Wählst du den Job nur des Geldes wegen, ist das zwar legitim, aber ich glaube, dass es viele Menschen in die Sackgasse führt. Es muss nicht immer Spaß machen, es muss nicht immer eitel Sonnenschein sein. Aber zumindest der Sinn in der Arbeit und der Spaß, der grundsätzliche, der sollte vorhanden sein. Und dann muss man da nichts ausgleichen. Es geht nicht um Balance, sondern um Rhythmus. Der Mensch ist nun mal keine Maschine, die man an und ausschalten kann. Es gibt Phasen, die verlangen von uns vollen Einsatz, vielleicht sogar mal 12 oder 14 Stunden Einsatz am Tag. Das kenne ich selber nur aus eigener Erfahrung sehr, sehr gut. Wenn ich zum Beispiel ein neues Magazin entwickelt habe in der Vergangenheit, dann war die Woche vor dem Erscheinungstag die härteste von allen. Bis spät in die Nacht haben wir noch an den Texten oder an den Layouts gefeilt. Dann gab es um 23 Uhr vielleicht noch eine Pizza und um eins noch einen doppelten Espresso, damit wir überhau die Nacht durchhalten. Aber es war ein Riesenspaß. Dasselbe passiert regelmäßig, wenn wir zum Beispiel die Karrierebibel einfach neu relaunchen oder ein neues Produkt initiieren. Oder hier dieser Podcast am Abend, bevor der Podcast startete, hat nichts richtig funktioniert. Alle Posts und Newsletter dazu waren schon scharf gestellt. Doch die Plattformen, also Apple, Amazon, Spotify, die wollten den account und die erste folge einfach nicht freigeben. Bis abends um 10 uhr haben wir daran noch gearbeitet, gebangt, gehofft. Erst dann hat Apple als letzter den Account online gestellt und der Start von diesem Podcast oh my job war überhaupt sicher. Beinahe wäre die komplette Produktion, also zumindest die Anfangsphase, in die Hose gegangen. Und sowas passiert schon mal. Und dann geben wir eben alle Kraft, Zeit und Energie in diese eine Sache, überlegen uns auch einen Plan B oder sonst eine Lösung. Aber solche Phasen gehen auch wieder vorbei. Und auf diese wilden Zeiten folgen dann Phasen des Ausgleichs und der Muße. Dann feiern wir das Erreichte und freuen uns darüber, dass wir den Berg bezwungen haben. Das kann und soll man genießen und diese Zeiten dauern, mal länger und mal kürzer. Der Mensch ist nun mal ein rhythmisches Wesen, kein permanent ausgeglichenes. Fachleute sprechen auch vom Biorhythmus oder unserer Leistungskurve. Auch ein interessanter Aspekt. Wir alle durchleben am Tag mehrere Leistungshochphasen und auch Tiefphasen. Dann fällt unsere Arbeit in so eine Art Loch. Alles wird schwerer, wir können uns kaum noch konzentrieren. Und dann gibt es sogar noch ganze Tage oder Wochen, in denen wir einfach nicht in die Puschen kommen. Das kann am Wetter liegen, an der fehlenden Sonne oder mangelnder Bewegung. Vielleicht ist es aber auch dein Körper, der dir gerade sagen Ey, mach mal langsamer, ich brauche das gerade immer Nur funktionieren funktioniert eben nicht. Wahre Ausgeglichenheit entsteht deshalb eher, indem du deinen ganz persönlichen Rhythmus findest, über den Tag verteilt, genauso wie innerhalb von Wochen, Monaten oder vielleicht sogar Jahren. Weniger die Zeit managen, die vergeht sowieso immer gleich schnell, sondern vielmehr deine Aufgaben und deine Energie managen. Das führt zu mehr Balance, aber nicht jeden Tag. Work Life Balance herstellen. Und these Nummer 5 Balance ist kein Gleichgewicht. Es ist vielleicht das größte Missverständnis überhaupt, dass eine Balance ein vollkommenes Gleichgewicht darstellen soll. Das ist in der Mathematik, vielleicht aber nicht in der Psychologie und im Leben. Work Life Balance bedeutet ja genau nicht, dass beide Bereiche, Liebe und Arbeit gleich stark verteilt sein müssen oder täglich genauso viel Zeit und Aufmerksamkeit erhalten müssen, damit wir in Balance sind. Echte Lebensbalance bedeutet vielmehr, dass die Verteilung von Zeit und Energie bewusst und ganz individuell nach unseren Wünschen und Bedürfnissen gestaltet wird. Manche Menschen sind zum Beispiel schon im Gleichgewicht, wenn sie 10 oder 12 Stunden am Tag arbeiten können, weil es ihnen Spaß macht. Sie sind echte Arbeitstiere und brauchen das Work hard, play hard. Dafür nehmen sie sich vielleicht am Ende noch später ein, zwei Wochen frei und lassen es dann richtig krachen, machen Party bis in die Nacht und bis nichts mehr geht. Andere wollen aber lieber in Teilzeit arbeiten, um sich gerade mehr um die Familie kümmern zu können. Und wieder andere schaffen sich viel Zeit frei für ein Hobby, was sie gerade erfüllt. So kann eine optimale Work Life Balance für die einen schon erreicht werden, wenn sie 80 Prozent der Zeit in die Arbeit investieren, während das bei anderen genau umgekehrt ist. Wer von beiden hat jetzt recht? Keiner und alle beide. Welche Verteilung für dich optimal ist, das entscheidest du für dich ganz alleine. Und das kann je nach Rhythmus und Lebensphase auch mal ganz anders verteilt sein. Der Fehler, den viele hier begehen, ist, dass sie Work Life Balance vertikal verstehen und meinen, sie müssten jeden Tag ausgleichen. Richtiger ist die Work Life Balance aber horizontal, also im Längsschnitt eines Lebens. Deshalb spreche ich auch viel lieber von der Lebensbalance. Eine generelle kritik an der work-life balance ist der fokus auf nur einen Lebensbereich. Wir haben dabei immer nur den Job, die Work im Blick, die wir dann unbedingt ausgleichen müssen. Der Job wird also ständig optimiert und ausgeglichen, aber die sozialen Bereiche, die bleiben dabei stets außen vor. Was ist zum Beispiel mit unserer Beziehung, der Zeit, mit Freunden, mit der Familie oder mit einem Hobby? Du kannst deine Arbeitszeit auf eine 4 Tage Woche reduzieren. OK, wenn du die restliche Zeit dann alleine zu Hause hockst oder deine Beziehung gerade zerbröselt, wird dich das nicht ausgeglichener machen. Meine Empfehlung lautet Nimm Abschied von dem Begriff Work Life Balance und strebe vielmehr nach einer ganzheitlichen Lebensbalance. Mal geht der Beruf vor, mal das Private. Und das ist auch völlig okay so. Solange du im Längsschnitt deines Lebens für Ausgleich und Regeneration sorgst, ist alles im Lot. Darüber hinaus hilft mir zumindest, dir vielleicht auch stets das große Ganze im Blick zu behalten. Mein Stell dir hierzu immer wieder folgende drei Was will ich wirklich? Nimm dir von Zeit zu Zeit ein paar Minuten zur Selbstreflexion. Was sind deine Erwartungen und Ziele im Leben? Was willst du noch erreichen? Wo liegen aktuell deine Prioritäten? Die können sich immer wieder verschieben. Deshalb ist es ja so wichtig, sich diese immer wieder bewusst zu machen. Nur so kannst du deine Lebensbereiche und damit meine ich eben jetzt nicht nur die Arbeit, sondern auch das Privatleben und alles andere drumherum für dich in die gerade passende Balance bringen. Zweitens Wobei will ich keine Kompromisse machen? Die Frage zwingt dich dazu, dich festzulegen. Welcher Lebensbereich ist dir gerade aktuell besonders wichtig? Und hier sollte auch dein Fokus liegen. Dann kommst du automatisch mehr in Balance. Um langfristig zufrieden zu bleiben, musst du dir die Frage aber regelmäßig stellen. Nur so werden mögliche Veränderungen und Verschiebungen bei den Gewichten erkannt. Und was macht mich unglücklich? Ich weiß, es ist eine negative Frage, aber ich finde sie wichtig. Leider finden sich nämlich viele Menschen mit der Situation ab, die sie aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Identifiziere solche Störquellen und verändere diese konsequent. Vielleicht brauchst du wieder mehr Zeit für Freunde oder für deinen Partner. Vielleicht ist es aber auch ein neuer Job, in dem du nochmal neu durchstarten willst und kannst. Dann mach das. Aber bitte hör auf, die perfekte Balance zu suchen und dieser nachzujagen. Freiheit ist nicht tun und lassen zu können, was ich gerade will. Freiheit ist die Dinge umzusetzen, die ich mir gerade vornehme. Viel Erfolg.
Das war oh my job, dein Kick für Kopf und Karriere. Hat dir die Folge gefallen? Dann vergiss nicht, den Podcast gleich zu abonnieren und empfehle uns deinen Freunden. Wir freuen uns auf ein Wiederhören.










