#19 Wann ist die richtige Zeit zu kündigen?

This is a German-language podcast episode transcript (oh my Job) advising listeners on whether and when to quit their job. The host presents seven reflective questions to evaluate motives, attempts made to resolve issues, desired changes, consequences and timing, practical next steps (contracts, finances, applications), and a final certainty check before resigning. Emphasis is on avoiding impulsive resignations, preferring planned, 'Hin-zu' motivations and family support.
Manchmal möchte man alles hinschmeißen, dem Chef die Kündigung auf den Tisch knallen und dann nix wie weg. Es gibt solche Tage, manchmal sogar Wochen. Und den Gedanken, einfach mal alles hinzuschmeißen, den hatte wohl jeder Arbeitnehmer, jede Arbeitnehmerin schon einmal in seiner Karriere. Aber eine solche Entscheidung will immer gut überlegt sein. Deshalb lass uns heute mal über sieben Fragen sprechen, die sich jede und jeder vor einer Eigenkündigung stellen sollte.
Willkommen bei oh my Job, dem Podcast der Karrierebibel. Nutze deinen wöchentlichen Kick für Kopf und Karriere. Entdecke echte Insider Tipps mit wertvollen Impulsen. In der Moderation Jochen May. Viel Spaß bei der heutigen Folge.
Aufgeben ist keine Option. Den Spruch höre ich ständig und überall, vor allem von vielen Erfolg Coaches. Und leider, das muss man dazu sagen, wird er häufig auch missbraucht, um den Leuten noch einen Kurs, noch ein Seminar und noch ein Buch zu verkaufen. Immer geht es dann ums Durchhalten, ums Kämpfen und Weitermachen. Aber ist es wirklich sinnvoll, sich den eigenen Emotionen und Gedanken zum Trotz abzumühen? Klare Nein, Aufgeben ist eine Option und es kann sogar ein wichtiger und richtiger Schritt sein, um Neues und und Besseres zu beginnen. Für viele klingt Hinschmeißen nach Schwäche, nach Versagen oder nach dem eigenen Scheitern. Aber das ist es nicht. Es kann genauso ein Befreiungsschlag sein, die Reißleine, die du endlich ziehst, bevor es noch schlimmer wird. Bei allem ist mir nur immer wichtig, dass eine solche Entscheidung nie aus dem Affekt heraus getroffen wird. Spontanes Hinschmeißen aus akutem Frust oder aus Wut, das ist wirklich keine Lösung. Denn sind wir ehrlich, die Gründe dafür, die kommen nie über Nacht. Vielmehr hat sich da meistens etwas über Wochen, Monate oder gar Jahre aufgestaut. Viele Menschen verdrängen das so lange es geht, bis es nicht mehr geht. Und dann gibt es eine Explosion. Die aber kann alles noch viel schlimmer machen. Davon abgesehen funktioniert das sofort Hinschmeißen in Deutschland in den meisten Fällen ja sowieso nicht, weil Arbeitnehmer, Arbeitgeber an die jeweilige Kündigungsfrist gebunden sind. Wer also aus dem Affekt heraus etwas Dummes macht oder sagt, muss damit womöglich noch ein paar Wochen im Betrieb leben. Und das willst du ja nun wirklich nicht erleben. Deshalb lass uns den Gedanken heute einfach mal durchspielen und uns 7 wichtige Fragen stellen, die du für dich beantworten können solltest. Bevor du hinschmeißt, kündigst oder den Job wechselst? Die erste Frage ist fast schon trivial, aber sie ist eben auch die wichtigste. Und erste Frage ü Was sind meine Gründe? Wer spontan hinschmeißen will, hat ja meistens etwas erlebt, was das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Entweder hat der Chef komplett überreagiert oder ein Kollege ist übergriffig geworden oder es müssen schon wieder Überstunden gemacht werden und extra Arbeiten erledigt werden, die natürlich auch mal wieder nicht bezahlt werden. All das ist super ärgerlich. Ich fühle dich dabei, wenn es dir gerade genauso geht. Aber all diese Anlässe sind, wenn sie hier und da nur auftreten, noch kein Grund, sofort hinzuschmeißen. Ganz Flucht ist keine besonders erwachsene oder reife Reaktion. War das kein Ausrutscher und kommt das häufiger vor, dann ist das ein Grund Zuerst für ein 4 Augen Gespräch mit dem Chef. Erstmal sollte jede und jeder versuchen, das Problem bei der Wurzel zu packen und zu lösen. Davon abgesehen gibt es in jedem Job auch mal unschöne Momente. Ja, auch Chefs und Kollegen sind eben nur Menschen und die machen Fehler, wie wir selber ja auch reden. Hilft also an der Stelle immer, finde ich jedenfalls. Viel wichtiger an der Frage Was sind meine Gründe? Ist aber die Motivation dahinter. Wer sich neu orientiert, sollte dafür nie eine sogenannte Weg von Motivation haben, also einem reinen Fluchtreflex nachgehen. Die meisten Menschen geraten nämlich dann vom Regen in die Traufe. Entscheidend bei jedem Jobwechsel übrigens ist immer eine sogenannte Hin zu Motivation. Bedeutet du solltest immer genau wissen, wohin du wechseln willst und warum. Wie soll denn der neue Job oder Arbeitgeber genau aussehen? Was willst du auf keinen Fall mehr? Was ist dir wichtig? Welches berufliche Ziel verfolgst du damit? Und bringt dich der neue Job diesem Ziel auch wirklich näher? Glaub mir, für jede Kündigung gibt es gute, aber auch schlechte Gründe. Und einfach nur weg von etwas zu wollen, ist vielleicht ein guter Anlass, aber eben noch kein guter Grund. Sobald du aber genau weißt, wohin bzw. Zu was hin du dich bewegen und entwickeln willst, kannst du diese Entscheidung viel bewusster treffen und auch den nächsten Arbeitgeber und Job viel bewusster auswählen. Die zweite Frage Habe ich alles versucht? Im Grunde ist das die Gewissens oder Anschlussfrage an die erste Gerade habe ich es ja schon angesprochen. Der erste Versuch sollte immer eine Aussprache mit dem Chef sein. Vieles lässt sich unter vier Augen gut regeln, wenn beide sachlich und konstruktiv nach einer Lösung suchen. Bitte vergiss nicht, es gab mal einen Grund, warum du dich hier in diesem Unternehmen beworben und auch diesen Job angenommen hast. Vielleicht stimmen gerade nicht 100 Prozent an dem Job, aber wenn 90 Prozent immer noch okay sind und passen, sollten dich die akuten zehn Prozent Ärger nicht dazu bringen, einen eigentlich guten Job einfach so wegzuschmeißen. Auch willst du dir ja hinterher nicht vorwerfen müssen, nicht doch alles versucht zu haben. Jedenfalls wäre das immer mein Anspruch, um mich selbst mit erhobenem Haupt hinterher im Spiegel betrachten zu können und sagen zu können, an mir hat es am Ende nicht gelegen. Die dritte Was will ich verändern? Wer alles hinschmeißen will, sagt ja im Das will ich nicht oder nicht mehr erleben oder nicht länger mitmachen und erleiden müssen. Aber was willst du stattdessen zu wissen, was man nicht mehr will, ist ja nur die halbe Miete. Was fehlt, ist eine klare Vorstellung davon, worauf du in Zukunft mehr achten oder mehr Wert legen willst. Dahinter steckt nicht zuletzt die Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Wie gesagt, so ein Kündigungsimpuls ploppt nicht einfach über Nacht auf, sondern der gärt. Langsam brodelt es auf, bis es überkocht. Aber das ist zum Teil auch Es tut mir leid, dass ich das sage deine Verantwortung. Deshalb ist die Frage auch so wichtig, weil sie dir hilft, eine ähnliche Entwicklung in Zukunft zu vermeiden. Was will ich verändern? Hinterfrage und reflektiere an der Stelle ruhig noch einmal die entscheidenden Ursachen und identifiziere die Punkte, die dir künftig umso wichtiger sind. Jetzt kommen wir zu einer oft recht unbequemen Welche Konsequenzen sind damit verbunden? Je größer der aktuelle Frust, desto weniger denken die Menschen an die Zukunft. Sie wollen jetzt sofort etwas ändern, nur raus aus dem miesen Job und weg vom miesen Chef. Aber das ist eben wieder nur diese Weg von Motivation und in der Regel auch zu kurz gesprungen. Versuche an der Stelle mal eine übergeordnete Perspektive einzunehmen, also dich einfach mal neben dich zu stellen und das Ganze im Gesamtbild zu betrachten. Und dann fragst du Welche Auswirkungen hat meine Entscheidung hier und heute in der Zukunft? Okay, die offensichtlichste ist natürlich, du kündigst und musst dir einen neuen Job suchen. Klar, Aber das ist eben nicht alles. Darüber hinaus gibt es noch weitere Wie viel Zeit kalkulierst du zum Beispiel für deine Jobsuche und Bewerbung? Und ist diese Frist realistisch? Werden deine finanziellen Reserven dafür reichen? Wie stehen deine Chancen aktuell auf dem Arbeitsmarkt? Wie realistisch ist es, dass du beim Wechsel mindestens genauso viel verdienst wie vorher? Und gibt es überhaupt potenzielle Arbeitgeber in der Nähe? Oder müsstest du für den neuen Job sogar umziehen? Kannst du das überhaupt? Also mit deinem Partner oder den Kindern? Sind alle dazu bereit, überhaupt? Was sagt dein Partner dazu? Unterstützt er oder sie dich dabei voll und ganz? Wie wirkt sich deine Kündigung auf den Lebenslauf aus? Hast du vielleicht schon zum dritten Mal in Folge das Handtuch geworfen, noch innerhalb von nur einem Jahr? Wie wirkt das dann auf neue Arbeitgeber? Und wie kannst du deine Entscheidung gut begründen? Du merkst, Risiko und Reue liegen nah beieinander. Umso wichtiger ist, sich vor mögliche Konsequenzen bewusst zu machen. Am wichtigsten finde ich aber immer noch, dass du den vollen Rückhalt in der Familie hast. Wenn du eine Baustelle im Beruf aufmachst, brauchst du nicht auch noch eine zweite zu Hause einen Zwei Fronten Krieg und sorry für das militärische Bild kann keiner gewinnen. Deshalb solltest du immer vorab mit deinem Partner über eine solche Entscheidung sprechen. Deshalb seid ihr ja Partner im Wortsinn. Seinen Partner hinter sich und an der Seite zu wissen, gibt genau den Rückhalt, den man in einer solchen situation braucht. Frage 5 ist wieder tricky. Wann ist der richtige Zeitpunkt? Ja, es kann sein, dass dieser Schritt längst überfällig ist und du besser heute als morgen kündigst. Es kann aber eben auch sein, dass dein Timing gerade nicht gerade das Beste ist, wenn der Arbeitsmarkt zum Beispiel gerade schlecht ist und potenzielle Arbeitgeber eher einen Einstellungsstopp verhängen oder gar Mitarbeiter entlassen. Dann ist es unter Umständen sinnvoller und auch ratsamer, noch eine Zeit im aktuellen Job zu bleiben, alles weitere und den Absprung gut vorzubereiten, aber ebenso lange noch die Füße stillzuhalten. Gutes Timing ist alles. Und oft ist es sogar besser, sich aus einer ungekündigten Stellung heraus und einer Position der Stärke bei einem anderen Unternehmen zu bewerben, als wenn man schon arbeitslos ist. Dann bist du nämlich in einer Position, in der der Schwäche Klar Die Entscheidung ist auch abhängig davon, in welcher Situation du gerade steckst, von deiner Gesundheit oder deinem Leidensdruck. Verstehe ich, aber es schadet eben auch nicht, das optimale Zeitfenster abzupassen und dann auch zu nutzen. Mit Frage 6 bist du praktisch schon auf dem Sprung. Welche Schritte sind notwendig? Im Grunde ist die Entscheidung für dich schon gefallen, doch auch hier würde ich erstmal alle wichtigen Schritte genau überlegen, diese planen und vorbereiten, bevor du dann Nägel mit Köpfen machst in Form von einer Kündigung. Dazu gehören zum Beispiel in den Arbeitsvertrag schauen und die Kündigungsfrist ausrechnen, die Bewerbungsunterlagen aktualisieren und hübsch machen, den Arbeitsmarkt sondieren und passende Stellen suchen, den eigenen Marktwert ermitteln, sodass du genaue und auch realistische Gehaltsvorstellungen hast. Benötigst du eventuell noch Zusatzqualifikation für deinen neuen Traumjob? Dann ist die Ist noch Zeit für eine Fortbildung. Und wer sich zum Beispiel komplett neu orientieren möchte, also Quereinsteiger sein will, der sollte prüfen, ob es dafür vielleicht sogar eine passende Umschulung gibt. Ich würde zum Beispiel immer, auch wenn das nicht ganz so modern klingt, mit dem Jobcenter sprechen und mich einfach mal erkundigen, welche Möglichkeiten es dort gibt. Schließlich wird manches sogar von der Arbeitsagentur gefördert und auch finanziert und dann musst du das nicht auch noch selber bezahlen. Apropos Arbeitsagentur. Bedenke bitte, wer selber kündigt, muss mit einer bis zu dreimonatigen Sperre beim Arbeitslosengeld rechnen. Die Zeit solltest du also aus eigener Tasche überbrücken und auch finanzieren können. Deswegen natürlich auch noch mal die Hast du genug Rücklagen? Und wenn nicht, dann sollte man sie spätestens jetzt anfangen anzusparen, denn das gibt einem immer deutlich mehr Freiheit. Die siebte und letzte Frage klingt leider wieder etwas banaler als sie ist. Bist du dir wirklich sicher? Also bis hierhin hast du dir viel überlegt, reflektiert, Gründe benannt, hoffentlich eine Hinzumotivation identifiziert, den richtigen Zeitpunkt abgepasst und erste Schritte vorbereitet. Alles gut, Klasse. Trotzdem bewahrt die letzte Frage dich noch mal vor einer Kurzschlussreaktion. Bist du dir absolut sicher, dass du das für dich heute entscheiden willst und kannst? Ist das der beste Schritt für dich? Wenn die Antwort ja lautet, dann go for it. Mach Nägel mit Köpfen und quäle dich nicht weiter rum oder arrangiere dich mit einem Job oder einem Umfeld, was dich überhaupt nicht mehr glücklicher, sogar unglücklich macht, wo dein Wert nicht geschätzt wird, wo du vielleicht am Ende sogar krank wirst. Andernfalls kannst du immer nochmal an einer internen Lösung arbeiten. Vielleicht sind auch deine Erwartungen viel zu hoch. Ich kenne einige Leute, die den sogenannten Traumjob auf einen so hohen Sockel stellen, dass dieser praktisch unerreichbar wird. Dann kommst du, egal wohin, du wechselst, immer vom Regen die Traufe. Du wirst nie glücklich werden. Manchmal ist es aber auch gar nicht der Job, sondern die eigentlichen Frustfaktoren liegen außerhalb der Arbeit. Du kanalisierst sie nur dorthin. Dann ist es wieder wichtig, nach den wahren Gründen wie in Frage 1 zu forschen und 100 Prozent ehrlich zu sich selbst zu sein. So oder so, und da bin ich mir ziemlich sicher, werden dir diese sieben Fragen auf die richtige Spur helfen und zu einem bewussten und vor allen Dingen erfolgreichen Karrieresprung helfen. Das wünsche ich dir jedenfalls von Herzen. Wir hören uns dann nächste Woche wieder.
Das war oh my Job, dein Kick für Kopf und Karriere. Hat dir die Folge gefallen? Dann vergiss nicht den Podcast gleich zu abonnieren und empfehle uns deinen Freunden. Wir freuen uns auf ein Wiederhören.










