#32 Endlich einen Schlussstrich ziehen?

Why do we stay in jobs, relationships, and projects long after they stop working? The hosts explore the psychology behind delay: shame, fear of finality, and the sunk-cost fallacy. They name the signs it's time to quit: your health suffers, you're moving away from your goals, your employer shows no appreciation.
Chapters
Setze nicht so oft ein Komma, wo du einen Punkt machen solltest. Heute spreche ich mit dir über ein schwieriges, aber notwendiges Wann solltest du einen Schlussstrich ziehen? Im Leben kommt immer wieder mal der Zeitpunkt, an dem wir einen Punkt machen und ein Ende finden sollten. So wie jetzt kann es nicht weitergehen. Davon werden wir nur unglücklich oder krank oder sind es schon. Dennoch machen viele dann trotzdem weiter, arrangieren sich irgendwie mit der Beziehung, mit dem Job, mit dem eigenen Business. Dabei ist es längst Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen. Nur bitte dich mit diesem Podcast. Wir reden heute genau über dieses Thema und hören uns gleich wieder.
Willkommen bei oh my Job, dem Podcast der Karrierebibel. Nutze deinen wöchentlichen Kick für Kopf und Karriere. Entdecke echte Insider Tipps mit wertvollen Impulsen in der Jochen May Viel Spaß bei der heutigen Folge.
Die Redewendung einen Schlussstrich ziehen bedeutet, mit einer Sache, einer Beziehung, einem Job, manchmal auch einer Diskussion, endgültig abzuschließen und das alles hinter sich zu lassen. Ähnlich wie beim Schlussmachen erklären wir dabei etwas für uns und andere als beendet. Nur mal so. Sprachwissenschaftler vermuten, dass die Redewendung aus der Buchhaltung kommt. Der Schlussstrich ist die waagerechte Linie am Ende der Bilanz. In der Buchführung wird schließlich ganz unten ein Strich gezogen und damit macht man dann einen Abschluss einer Rechnung. Jetzt wird bilanziert und man sieht das Gute oder rote zahlen. Genauso ist das auch im übertragenen Sinne. Wir ziehen Bilanz und müssen rote zahlen. Das ist es nicht wert. Wir haben viel investiert, Zeit, Geld, Leidenschaft, vielleicht auch Liebe. Doch es kommt zu wenig zurück. Die Rechnung und Bilanz ist negativ. Besser wir ziehen hier einen Schlussstrich. Doch das können viele nicht. Die Frage warum? Ich bin mir sicher, auch du standest schon mal vor einer solchen Situation. Und vielleicht fiel es auch dir dann schwer, einen solchen Schlussstrich zu ziehen, einen Punkt zu setzen. Kein Komma. Vielleicht musstest du dich von einem anderen Menschen trennen, deiner einst großen Liebe. Vielleicht war es auch ein Herzensprojekt, der Traum von einem eigenen Business, einem ganz anderen Beruf. Die Idee von dem ganz großen Durchbruch in deinem Leben, der dann aber leider doch nicht kam. Je mehr wir vorher investiert haben, desto schwerer fällt uns das Loslassen und Abschied nehmen. Und das, obwohl die meisten Menschen hinterher eine große Erleichterung spüren, wenn sie etwas loslassen, dass sie eigentlich festhält und am Boden hält oder einfach nicht weiterkommen lässt. Und genau das hat mehrere Gründe. Um einen Schlussstrich zu ziehen, müssen wir uns eingestehen, dass wir gescheitert sind. Und das tut erstmal unglaublich weh. All die Bemühungen waren umsonst, hatten nicht den erhofften Effekt und vielleicht waren es sogar mehrere Anläufe. Doch nichts davon hat geholfen. Nun liegen vor uns die Scherben, es ist aus, wir sind am Ende und eben leider gescheitert. Das muss man sich erstmal verdauen oder eingestehen können. Der zweite Grund ist zugleich der erste Gedanke, der uns dann in den Kopf Gibt es nicht doch noch einen Weg gebe ich viel zu früh auf. Vor so einem radikalen Schritt haben wir enorme Zweifel an dieser Entscheidung und und wir fürchten uns vor der Endgültigkeit. Ein Schlussstrich ist immer etwas Finales. Eine gemeinsame Zukunft oder einen Rückzieher gibt es danach nicht. Das ist bei einer Kündigung ganz genauso wie bei einer Trennung von einem Partner, in der Regel jedenfalls. Und nicht zuletzt liegt es dann vor uns, das Ungewisse. Das Alte hat zwar nicht gut funktioniert, aber das können wir wenigstens und das kennen wir auch. Jetzt müssen wir etwas verändern und brauchen einen neuen Plan, ein neues Ziel. Und wer das noch nicht hat, der braucht dann zumindest viel Mut und Selbstvertrauen, um eben diesen Schritt ins Ungewisse zu wagen. Ich denke da zum Beispiel an einen Freund von mir, der sich von seiner Partnerin getrennt hat. Leider die meisten trennen sich wohl und haben da schon längst einen neuen Partner am Start. Eine Affäre, aus der mehr geworden ist. Im Grunde ist es immer unfair dem Verlassenen gegenüber, weil die Trennung mit einem Betrug beginnt. Und das ist ja dann gleich doppelt schwer zu verkraften. Aber wenn es so ist, dass eine oder einer von beiden erkennt oder sogar beide erkennen, es ist vorbei, unsere Beziehung ist gescheitert, dann trennen sie sich in der Gewissheit, erst einmal wieder ganz alleine zu sein, ohne Partner, ohne Beziehung. Und dann müssen sie sich erst wieder sortieren und überlegen, wie sie einen neuen Partner finden, wie sie nicht allein bleiben. Ich glaube übrigens, dass das genau der Grund ist, warum sich Paare erst trennen, wenn eine oder einer von beiden etwas Neues gefunden hat. Solange halten beide an einer Beziehung und Fassade fest, obwohl sie längst Das wird hier nichts mehr. Mit dem Job ist das übrigens oft ganz genauso. Wir ahnen oder wissen, das wird hier jetzt nichts mehr. Die Stelle, das Unternehmen sind alles andere als eine Traumbeziehung und eine positive Entwicklung nimmt das hier auch nicht mehr. Trotzdem harren dann viele aus und hoffen, erst Nägel mit Köpfen machen zu müssen, wenn sie etwas Besseres gefunden haben. Also erst die neue Beziehung und dann die Trennung. So minimieren wir dann das Restrisiko, das allerdings immer bleibt, könnte besser werden oder auch schlechter. Jeder Absprung hat daher immer diesen bitteren Beigeschmack, dieses Ungewisse. Der Schlussstrich ist eben selten unsere erste Option. Genau weil es eine Herausforderung ist, schieben die meisten diese Entscheidung so lange wie möglich vor sich her, bis es eben gar nicht mehr anders geht. Lieber ein Schrecken ohne Ende als ein Ende mit Schrecken. Einige werden dabei regelrecht kreativ, reden sich die Dinge schön und belügen sich und andere arrangieren sich eben doch noch irgendwie so was dabei. Aber tatsächlich Wir verlängern nur die Leiden und machen uns am Ende alles nur noch schwerer oder steuern gar in den eigenen Ruin. Kennst du den Concord Effekt? Der Concordeffekt beschreibt in der Psychologie ein übersteigertes Engagement und eine Art Selbsttäuschung. Betroffene geben einfach nicht auf, obwohl sie es sollten. In der Ökonomie spricht man auch von der Sunk Cost Fallacy, also dem Irrtum der versunkenen Kosten. Es ist so eine Mischung aus Unvernunft, Uneinsichtigkeit und Trotz. Beobachten lässt sich das gerade eben auch, dieser Concordeffekt vor allem an der Börse. Menschen investieren dort ihr Erspartes, doch die Aktie oder die Aktien oder die Kryptowährung entwickeln sich alles andere als erwartet. Die Verluste steigen und steigen. Weil aber schon so viel investiert wurde, werfen dann viele dem schlechten Geld auch noch weiteres Gutes hinterher, bis alles Ersparte weg ist. Oder die junge Frau, die unbedingt Model werden will, obwohl ihr die Freunde und Profis längst bescheinigen, dass sie weder den Look noch die Maße dafür hat, aber aufgeben niemals. Also investiert sie immer weiter ihr Geld in irgendwelche Modelschulen oder Pseudoagenten. Oder der Mann, der sich unsterblich in seine Kollegin verknallt, obwohl die ihm schon dreimal signalisiert hat, dass sie lieber mit Catweazl ausgehen würde als mit ihm. Also wird er zum Stalker, bis ihn die sexuelle Belästigung auch noch um seinen Job und Ruf bringt. Alles Fälle von Concordeffekt. Den Namen verdankt dieser psychologische Effekt tatsächlich dem legendären Überschallflugzeug das inzwischen nur noch im Museum zu bestaunen ist. In den er Jahren, als der britisch französische Flieger entwickelt wurde, schossen die Kosten weit, weit über das Ziel hinaus. Und das schon in der Entwicklungsphase. Es drohte ein Milliardengrab. Aber aufgeben und sein nationales Gesicht verlieren auf gar keinen Fall. Das kam für die Flugzeugbauer überhaupt nicht in Frage. Die Ingenieure machten einfach weiter, Die Concorde wurde gebaut, aber eben zu Milliardenkosten für die Steuerzahler. Auch später im laufenden Betrieb flog die Concorde nur teilweise Gewinne ein und ihre Geschichte endete sogar in einem Fiasko, wie wir wissen. Im Job kann da auch wieder etwas ganz Ähnliches passieren. Auch dort ziehen viele Menschen viel zu spät die Notbremse. Woran aber lässt sich dann der richtige Zeitpunkt erkennen, um einen beruflichen Schlussstrich zu ziehen? Gute Frage und ganz schwer allgemein zu beantworten, weil das natürlich individuell völlig verschieden ist. Aber es gibt aus meiner Sicht ein paar universelle Der Beruf entwickelt sich falsch. Wer einen neuen Job antritt, der verbindet damit in der Regel viele Hoffnungen und Erwartungen. Womöglich hat der Arbeitgeber auch bei der Bewerbung einige Versprechen gemacht, doch dann kommt alles anders. Versprechen werden gebrochen oder immer wieder aufgeschoben. Die Entwicklung nimmt eine unerwartete und unerwünschte Richtung. Wenn du merkst, dass der Job dich von deinen beruflichen oder auch Lebenszielen entfernt, dann kann das ein Indiz dafür sein, lieber doch noch woanders einen Neuanfang zu wagen. Zweitens. Deine Gesundheit leidet Ja. Ich persönlich finde, das ist einer der stärksten Gründe für einen Jobwechsel überhaupt. Viel Stress, ein ungesundes, vielleicht sogar toxisches Arbeitsklima oder Mobbing oder dauerhafte Unzufriedenheit. Ja, all das ist Gift für die Gesundheit und einer der besten Gründe, um einen Schlussstrich zu ziehen. Die eigene Gesundheit ist überhaupt nicht verhandelbar und sollte immer an erster Stelle auf deiner Prioritätenliste stehen. Der Arbeitgeber zeigt keinerlei Wertschätzung. Arbeitgeber sind im Umgang mit Mitarbeitern extrem verschieden. Die einen setzen auf regelmäßige Anerkennung und Feedback, was gut ist und andere glauben, nicht geschimpft ist. Wertschätzung genug ist es natürlich nicht. Findest du dich aber in einem solchen Umfeld wieder, solltest du dich damit nicht einfach arrangieren. Meine Meinung Besser wird es meistens nicht. Es kann also ein guter Grund sein, einen Schlussstrich zu ziehen. Es gibt keinen beruflichen Fortschritt. Viele Menschen wählen ihren Beruf aus Leidenschaft, weil sie darin einen Sinn sehen und ihre Talente und Potenziale ausschöpfen können. Wenn du jedoch an die sprichwörtliche gläserne Decke stößt und es auf absehbare Zeit überhaupt keinen Fortschritt mehr gibt, dann ist ein Schlussstrich oder Jobwechsel ebenfalls eine Alternative, die du in Erwägung ziehen solltest. Wer jetzt ausharrt, verliert nicht nur den Spaß, sondern meistens auch noch seine Leidenschaft. Um es nochmal ganz deutlich zu Keinen Schlussstrich zu ziehen, obwohl dir da alle Zeichen Signale senden, bremst immer die eigene Entwicklung. Es ist ein gefährlicher Irrglaube, sich dadurch alle Türen offen zu halten. In Wahrheit schließt du dir damit nur die eigene Tür zum Notausgang und schiebst eine längst überfällige Veränderung und Entscheidung in weiter auf. Bleibt noch die Wie kann ich denn einen Schlussstrich ziehen? OK, Und an dieser Stelle gibt es mal keine sieben Tipps, denn einen Schlussstrich zu ziehen ist eigentlich ganz trivial und einfach. Es ist damit wie beim Grenzen setzen oder Nein sagen. Fasse dir ein Herz und schließ mit den Dingen ab, die dich unglücklich machen oder Boden halten. Oder beende ein hoffnungsloses Projekt hier jetzt heute ohne Wenn und Aber. Wer doch nur wieder einknickt und kneift, etwas zu beenden, wird sich nach kurzer Zeit darüber ärgern. Vielleicht ist die heutige Folge von oh my Job genau das, was du gebraucht hast, das Zeichen, auf das du immer gewartet hast. Dann hör auf dein Herz, deine innere Stimme und mach es nicht so wie beim Concordeffekt. Gibt dir selbst die Chance für einen Neuanfang, vielleicht auch deinem Partner. Und wenn die Zukunft auch ungewiss ist, du bist ja immer ein Teil davon und kannst sie mitgestalten. Und genau dabei wünsche ich dir jetzt und heute viel Erfolg. Wir hören uns nächste Woche wieder. Dein Jochen.
Das war oh my Job, dein Kick für Kopf und Karriere. Hat dir die Folge gefallen? Dann vergiss nicht, den Podcast gleich zu abonnieren und empfehle uns deinen Freunden. Wir freuen uns auf ein Wiederhören.










