#34 Aufgaben gleich erledigen, wirklich besser?

Podcast-Transcript (deutsch) über Präkrastination — das impulsive Sofort-Erledigen wichtiger Aufgaben als Gegenstück zur Prokrastination. JobGenius beschreibt Definition und Ursprung (David A. Rosenbaum, 2014), persönliche Erfahrungen als Präkrastinierer, negative Folgen (Stress, Schlafstörungen/"bedtime precrastination", verminderte Kreativität) und gibt praktische Gegenstrategien (Prioritäten setzen, Eisenhower-Methode, Delegieren, Pausen planen, Grenzen/Nein sagen, Feierabend schützen). Die Folge enthält persönliche Beispiele und Verweise auf weiterführende Inhalte (Folge 22, Karrierebibel).
Chapters
Das Prokrastinieren, das kennst du schon, also das regelmäßige Aufschieben von Aufgaben, die wir eigentlich erledigen sollten, aber gar keine Lust dazu haben, weil sie keinen Spaß machen oder unangenehm sind. Zum Beispiel das Lernen oder die Wohnung aufräumen müssen oder endlich die Steuererklärung machen. Das Gegenteil davon, das kennen die wenigsten. Das Präkrastinieren, Das ist das Gegenstück zum Prokrastinieren, also der Aufschieberitis. Und es gibt tatsächlich Menschen, die sich enorm schwer damit tun, zu viele offene Baustellen zu haben oder die dringende Aufgaben sofort erledigen müssen. Was auf den ersten Blick ziemlich gut und wahnsinnig engagiert klingt, hat aber eine gefährliche Schattenseite. Und genau darüber spreche ich heute mit dir und zwar aus eigener Erfahrung, denn ich bin tatsächlich ein bekennender Präkrastinierer.
Willkommen bei oh my job, dem Podcast der Karrierebibel. Nutze deinen wöchentlichen Kick für Kopf und Karriere. Entdecke echte Insider Tipps mit wertvollen Impulsen. In der Moderation. Jochen May. Viel Spaß bei der heutigen Folge.
Das Phänomen der Präkrastination hat Erst seit rund zehn Jahren einen Namen entdeckt hat es 2014 der US Psychologie Professor David A. Rosenbaum von der Pennsylvania State Universität. Seitdem weiß auch Ich bin ein Präkrastinierer. Ganz Ich hasse offene Baustellen. Zwei bis drei Bälle in der Luft jonglieren, überhaupt kein Problem. Das kann ich gut. Aber wenn es zu viele Dinge gleichzeitig gibt, die eigent dringend erledigt werden müssen und ich das dann nicht auch noch delegieren kann, dann stresst mich das und zwar ganz ungemein. Einer meiner Wege, das zu kompensieren. Ich bin enorm schnell geworden und das kann ich tatsächlich sehr gut. Schnell schreiben, schnell denken, schnell analysieren und entscheiden. Das Tempo erlaubt mir natürlich auch, mehr Dinge in Angriff zu nehmen und auch abzuarbeiten. Das sage ich aber überhaupt nicht, um mich jetzt hier schamlos selber zu loben, denn dabei bleiben natürlich andere Dinge auf der Strecke. Und mir ist völlig bewusst, dass es letztendlich auch nur eine Ersatzhandlung oder Notlösung für das eigentliche Problem der Präkrastination ist. Denn das führt dazu, dass man ungeduldig wird oder zum Aktionismus neigt und manchmal eben auch komplett kopflose Entscheidungen trifft, die mit etwas Abstand und mehr Gelassenheit oder Geduld viel besser oder auch billiger gewesen wären. Kennst du das auch? Bist du auch so ein Präkrastinierer? Dann Lass uns mal über unser Thema sprechen, bevor wir noch hier den Stresskollaps erleiden. Die potenziellen Folgen sind nämlich alles andere als erstrebenswert. Neben Bluthochdruck und einem gepflegten Burnout drohen natürlich auch inhaltliche Risiken, wenn wir präkrastinieren. Wir kommen innerlich einfach nicht zur Ruhe und das blockiert Kreativität. Wer ständig in Gedanken schon bei der nächsten Aufgabe ist, der lebt nicht im Hier und Jetzt und kann sich auch nicht voll und ganz auf die jetzige Aufgabe einlassen oder konzentrieren, obwohl die es eigentlich verdient hätte. Schließlich war sie doch noch dringender als die nächste Aufgabe, sonst würden wir sie ja nicht zuerst erledigen. Logisch, oder? Aber genau das verhindert die Präkrastination. Hinzu kommt dann noch das schlechte Gewissen der Familie oder Freunden gegenüber. So richtig abschalten können wir nämlich erst, wenn alles Wichtige erledigt ist. Erst wenn alle wichtigen Baustellen geschlossen sind, dann finden wir zur Ruhe. Und das kann sogar so weit führen, dass Betroffene gar nicht mehr schlafen können oder wollen, bevor die Dinge wirklich abgeschlossen sind. Manche wachen oder stehen deswegen sogar nachts wieder auf, setzen sich an den Laptop oder an den Schreibtisch. Bedtime precrastination nennen Forscher von der Universität Utrecht dieses Problem oder Phänomen. Bleibt natürlich noch die Frage nach dem Warum. Warum neigen Menschen überhaupt zur Präsentation? Das habe ich mich selber auch gefragt und ein bisschen recherchiert und folgende Antworten Zum einen steckt dahinter der Wunsch nach mehr Zeit. Präkrasinierer sind fleißig, diszipliniert und auch latent übereifrig. Sie können hart arbeiten und arbeiten deswegen auch oft viel und viel zu lange. Gleichzeitig sehen sie sich nach mehr Freizeit. Die aber können sie sich eben nicht gönnen, solange noch Dinge zu tun sind. Also versuchen sie, so wie ich zum Beispiel, immer schneller zu werden. Statt einfach mal fünfe gerade sein zu lassen, klotzen sie immer noch mehr ran in noch kürzerer Zeit. Und spätestens jetzt merkst du, dass das, was ich gerade eben erzählt habe von mir überhaupt kein schamloses Eigenlob war, sondern vielmehr das Geständnis. Ich bin oft ein Getriebener meiner selbst. Ein zweiter Grund kann der Wunsch nach Anerkennung sein. Wer generell im Wettkampfmodus lebt, also ehrgeizig ist und unbedingt an der Spitze stehen oder es dorthin schaffen will, der weiß, dass das nur mit harter Arbeit gelingt und die Folge ist wieder ein schnelleres, härteres und vor allen Dingen effizienteres Arbeiten. Psychologische Studien konnten zum Beispiel zeigen, dass Präkrastinierer nach dem Schließen ihrer Einbaustelle ein enormes Hoch und Glücksgefühl erleben. Das ist schon mal eine gute Sache, aber das Erfolgserlebnis hält nur kurz an. Deshalb wird dann gleich wieder die nächste Aufgabe in Angriff genommen und die nächste Baustelle aufgemacht und das macht sie wieder unglücklich, so lange, bis sie eben wieder diese Baustelle schließen können. Blöd. Was also kann man gegen dieses doofe Präkrastinieren oder gegen Präkrastination tun? Ja, das habe ich mich auch gefragt. Gegen so eine hohe Arbeitsmoral und gesundes Engagement ist natürlich zunächst mal überhaupt nichts einzuwenden. Leidet aber eben die Lebensbalance darunter, sollten wir das optimale Maß zwischen Pro und Präkrasinieren wiederfinden und vor allen Dingen, und das war mein Schlüssel, mehr Gelassenheit lernen. Der erste Schritt zur Lösung ist immer, sich das Problem selber einzugestehen und bewusst zu machen. Das war bei mir damals auch der Fall. Erst dadurch, dass das Ding überhaupt einen Namen bekam, wusste ich ah, ich bin ein Präkrasinierer. Aha, OK. Und jetzt kann ich natürlich daran auch gezielt arbeiten, es vermeiden oder überwinden. Ganz wichtig ist aber daraus auch wieder den Druck herauszunehmen und zunächst mal ganz nüchtern und sachlich die Ursachen zu analysieren. Und die können bei jedem ein bisschen anders sein. Mir hat zum Beispiel geholfen, dass ich am Anfang des Tages mir einen Überblick über die wichtigsten Aufgaben des Tages verschaffe und dann klare Prioritäten setze. Den Rest versuche ich zu delegieren oder zu verschieben. Im Grunde genommen ist es ein klassisches Vorgehen nach der sogenannten Eisenhower Methode. Wenn du mehr darüber erfahren willst, einfach mal auf der Karrierebibel nach Eisenhower suchen eingeben, findest du Eisenhower Methode, Eisenhower Prinzip, das ist das Stichwort. Gleichzeitig plane ich mir aber regelmäßig Zeitfenster am Tag, um Pausen zu machen, um abzuschalten oder etwas, das mir mental gut tut, körperlich natürlich auch. Deswegen ist es jetzt genauso dringend wie die anderen todos. Pausen sind wichtig und denen gebe ich eben auch Prioritäten. Dazu gehört aber eben auch das Nein sagen oder Grenzen setzen können. Auch das muss man lernen und das kann ich heute relativ gut. Wenn du dazu mehr wissen willst, dann hör dir doch gerne noch mal die Folge 22 von oh my Job an. Für mich bedeutet ich springe eben zum Beispiel nicht sofort ans Telefon, nur weil es klingelt und ich beantworte auch nicht jede Mail sofort, nur weil sie im Posteingang aufschlägt. Ich lehne auch Jobs oder Coachings an, wenn ich das Gefühl habe, ich habe dafür gerade keine Zeit oder die Aufgabe reizt mich nicht, Ich kann mir das heute zum Glück leisten. Aber eben genau dieses Nein sagen und Grenzen setzen ist extrem wichtig und hilft mir jedenfalls dabei, die Dinge auch wirklich zu erledigen, die ich erledigen will und schaffen muss. Und das Letzte ist dann natürlich auch den Fokus zu behalten, also seine Lebensbalance zu wahren und zu schützen. Wenn Feierabend ist, dann ist wirklich Schluss. Dank Smartphone sind wir ja alle ständig mit der Außenwelt verbunden und auch erreichbar. Aber mal Wie viel kostbare Lebenszeit verschwendest du zum Beispiel mit irgendwelchem unnützen Zeug in Social Media? Hier noch einen Kommentar schreiben müssen da noch ein Posting raushauen, müssen hier noch was lesen, da surfen. Das kann zwar ein toller Zeitvertreib sein, aber es kann eben auch ein Zeitvertreib oder Verschwendung sein. Deswegen sollten wir hier ganz klare Prioritäten setzen, was uns persönlich gut tut oder besser täte. Wen interessiert zum Beispiel dein Kommentar auf Instagram oder Facebook oder sonst wo überhaupt noch morgen? Wer liest deine Postings von letzter Woche? Machen sie dein Leben wirklich besser, wenn du das alles dir lange überlegst, um da was aufzubauen? Wenn man sich überlegt, all die Energie könnte ich vielleicht für was anderes viel mehr oder auch sinnvoller nutzen. Ist die Entspannung am Abend mit dem Partner, mit der Familie oder mit Freunden nicht vielleicht was viel Wertvolleres und Wichtigeres? Die ganzen Follower, die kommen nicht zum Umzug, wenn du mal jemanden brauchst, die kannst du auch nicht nachts um zwei anrufen, wenn du ein Problem hast, die Freunde, die Familie, den Partner aber eben schon Gut, den Partner muss man nicht anrufen, aber du weißt, was ich meine. Deswegen Präkrastination ist ein Problem, kann man aber lösen. Habe ich auf jeden Fall auch schon zu einem großen Teil gelöst, Aber ein bisschen Präkrasinierer steckt eben doch noch in mir, kriege ich aber auch noch raus. Und wenn du Anregungen dazu hast, dann schreib mir doch gerne noch und zeig mir, wie du dieses Problem in den Griff bekommen hast. Ich würde mich auf jeden Fall freuen. Ansonsten hören wir uns nächste Woche wieder.
Dein Jochen, das war oh my job, dein Kick für Kopf und Karriere. Hat dir die Folge gefallen? Dann vergiss nicht, den Podcast gleich zu abonnieren und empfehle uns deinen Freunden. Wir freuen uns auf ein Wiederhören.










