#43 Networking wie ein Profi

Jochen May explains why networks matter and shares four core rules: set a goal, prioritize quality over quantity, give before you ask, and maintain relationships. Use the 70/20/10 rule: spend 70% building trust, 20% on self-promotion, 10% asking for help.
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Beziehungen schaden nur dem, der keine hat. Den Satz hat mir mein Vater schon vor über 40 Jahren gesagt und recht hat Privater oder beruflicher Erfolg ist niemals ein Alleingang. Niemand schafft das ohne Freunde, Unterstützer oder Mentoren. Networking öffnet regelmäßig Türen, die sonst verschlossen bleiben. Die richtigen Kontakte zur rechten Zeit, das sprichwörtliche Vitamin B, Das bringt jeden und jede beruflich wie privat weiter. Vor allem Berufsanfänger unterschätzen regelmäßig die Bedeutung von Netzwerken. Dabei gibt es sogar noch eine zweite wichtige Baue dein Netzwerk dann, wenn du es nicht brauchst oder noch nicht brauchst, um davon zu profitieren, wenn du es brauchst. Falls du also noch kein wirklich effektives Netzwerk besitzt, dann solltest du heute unbedingt wieder zuhören, denn wir sprechen über professionelles Networking und wie du Netzwerken ganz einfach lernen kannst. Also bleib dran.
Willkommen bei oh my Job, dem Podcast der Karrierebibel. Nutze deinen wöchentlichen Kick für Kopf und Karriere. Entdecke echte Insider Tipps mit wertvollen Impulsen in der Jochen May Viel Spaß bei der heutigen Folge.
Ich selbst habe schon oft von meinem Netzwerk profitiert, als ich zum Beispiel 2011 vom Journalismus in die Wirtschaft gewechselt bin. Damals als Ressortleiter bei der Wirtschaftswoche zum Head of Social Media bei yellowstrom musste ich mich glücklicherweise gar nicht bewerben. Mein Netzwerk hat mich empfohlen. Auch sonst haben Netzwerke zahlreiche Vorteile. Zum einen die Erfahrung. Man muss nicht alle Fehler selber machen. Gerade von den Erfahrungen und Tipps der Kontakte kann man unglaublich viel lernen. Das bringt mich direkt zum zweiten Inspiration. Denn der Austausch mit Gleichgesinnten erzeugt sowas wie viele neue und wertvolle Ideen. Das gibt uns gute Impulse und bringt wichtige Insider Infos, vielleicht sogar für den Job. Auch die Kooperation ist ein Vorteil eines Netzwerks, denn dort findest du häufig auch Partner für gemeinsame Projekte oder sogar für ein eigenes Unternehmen. Die Unterstützung ist natürlich auch etwas, wovon man als Networker profitiert. Gegenseitige Hilfe, Beruf oder bei privaten Problemen. Und ja, nicht zuletzt entstehen dabei Freundschaften aus den losen Kontakten, vielleicht sogar langfristige und stabile, die ein Leben lang halten können. Ich denke, jedem ist der Nutzen von Netzwerken klar, auch wenn manche dabei erst einmal negative Assoziationen wie Seilschaften oder Vetternwirtschaft haben. Ja klar, solche Netzwerke gibt es auch. Ebenso Geheimbünde elitäre Zirkel und Clubs mit strengen Aufnahmeritualen und Regeln. Aber das Prinzip dahinter ist ja immer doch gleich. Es geht vor allem um permanenten Wissensaustausch, um gegenseitige Unterstützung und natürlich um private wie berufliche Vorteile. Nach dem Eine Hand wäscht die andere. Das hilft dir dann zum Beispiel bei der Jobsuche oder bei der Karriere oder einem eigenen Business, weil es immer jemanden gibt, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt. Bevor ich allerdings tiefer in das Thema Netzwerken lernen einsteige, möchte ich unbedingt die vier Grundregeln des Netzwerkens nennen. Die sind wirklich wichtig und werden leider, leider heute immer wieder ignoriert. Schade, denn wirklich jeder kann effektives und professionelles Netzwerk lernen und auch ein Netzwerk aufbauen, aber eben nur, wenn er oder sie diese vier Grundregeln bitte beachtet. Und das erste ist relativ Bestimme dein Ziel, bevor du irgendwelche Menschen ansprichst, Kontakte auf LinkedIn und Co. Knüpfst. Überlege dir bitte, was du mit deinem Netzwerk erreichen willst. Worum geht es dir dabei überhaupt? Um einen beruflichen Nutzen oder mehr private Kontakte? Geht es vorrangig um um den fachlichen Austausch mit anderen Experten oder darum, sich beruflich weiterzuentwickeln? Klar, die Grenzen sind dabei verschwimmend, aber dein Hauptfokus, den solltest du kennen, denn nur so kannst du auch die passenden Kontakte auswählen. Der zweite Punkt Das ist direkt wieder einer von den häufig Ü Klasse statt Maße. Ein Netzwerk ist nur so wertvoll wie dessen Mitglieder. Wen man in sein Netzwerk aufnimmt, sollte von den gerade genannten Zielen abhängen und nicht von der reinen Anzahl. Viel hilft dabei überhaupt nicht viel. Bitte immer Qualität vor Quantität. Und der dritte Punkt Auch der wird ganz gerne ignoriert. Erst geben, dann nehmen. Networking lebt von Gemeinsamkeiten und gegenseitige Hilfe. Darum macht man das ja auch überhaupt. Aber die Reihenfolge ist dabei entscheidend. Zuerst solltest du immer andere unterstützen und da dich fragen, was du zu der Gruppe beisteuern kannst. Erst dann kommt das Nehmen und erst dann kannst du auch wirklich Hilfe von anderen erwarten. Dahinter steckt der sogenannte Reziprozitätseffekt, der eben auch in dem Sprichwort Eine Hand wäscht, die andere erst geben, dann nehmen. Und die vierte Kontakte müssen gepflegt werden. Beziehungen und Geschäftskontakte brauchen diese Pflege sonst bleiben es eben nur lose Verbindungen und auf die kann man sich nicht wirklich verlassen. Daher solltest du deine Kontakte durch regelmäßige Treffen und den persönlichen Austausch immer wieder aktivieren oder reaktivieren. Die Gründerin Lauren Berger hat hierfür mal vor einiger Zeit die sogenannte 3 mal 1 Regel erfunden. Sie pflegt zum Beispiel jeden ihrer Kontakte mindestens dreimal im Jahr, jeweils im Frühjahr, im Sommer und im Herbst. Warum im Winter nicht, weiß ich nicht, aber so hat es sich halt erfunden. Oft reichen ihr dazu schon ein kurzes Telefonat und ein paar E Mails. Der Social Media Berater Mike Sansoni wiederum hat die 70 20 10 Regel für erfolgreiches Netzwerken entwickelt und die 70 Prozent deiner Zeit solltest du nutzen, um Vertrauen aufzubauen und andere zu unterstützen durch deinen Rat, durch aktive Hilfe oder die Vermittlung weiterer Kontakte. 20 Prozent der Zeit verwendest du hingegen für dein Selbstmarketing, also indem du im Netzwerk mehr über dich persönlich erzählst, über deine Ziele und Projekte. Aber bitte nicht prahlen dabei. Das soll ja vor allem helfen, damit dich andere besser einschätzen und verstehen können. Dadurch wissen sie dann natürlich auch besser, womit sie dich vielleicht einmal unterstützen können. Das Selbstmarketing geht also hier nicht darum, um irgendwas zu verkaufen. Du willst ja in deinem Netzwerk in erster Linie nicht verkaufen, sondern du willst vor allem, dass andere wissen, was du so für ein Typ bist und wie sie dich vielleicht unterstützen können. Und die letzten 10 Prozent, die nutzt du dann eben tatsächlich, um aktiv um Hilfe zu bitten, aber eben nur 10 Prozent. Auch an dieser 70 20 10 Formel kann man wieder das Verhältnis von geben und und nehmen ablesen. 90 Prozent sind mehr oder weniger geben und nur 10 Prozent sind nehmen. Die Gelegenheiten zum Netzwerken sind heute übrigens zahlreicher und größer als vor vielen, vielen Jahren, als ich damit noch angefangen habe. Zu meiner Zeit musste man noch raus auf große Networking Events oder Kongresse, um Gleichgesinnte zu treffen. Heute geht das natürlich alles auch online, aber es gibt noch viele weitere Optionen. Und denk bitte an der Stelle nicht nur an das Online Netzwerken. Online hast du Möglichkeiten wie Social Media, also LinkedIn, Instagram und die ganzen Social Media Plattformen. Es gibt auch Fach Foren, in denen man sich engagieren kann oder gemeinsame Online Kurse oder Mastermind Gruppen, die online stattfinden. Auch hier trifft man natürlich auf Gleichgesinnte. Gleichzeitig geht das offline Netzwerken ganz genauso auf Messen und Kongressen nach wie vor. Ich war erst vor paar Wochen auf der Zukunft Personal und habe da einige alte Bekannte und Leute aus meiner Bubble getroffen. Genauso geht es natürlich im Job oder auf Tagungen. Auch Networking Events gibt es nach wie vor. An der Universität kann man hervorragend netzwerken, vor allem natürlich dann auch über die Alumni Netzwerke, die es dort gibt. Vielleicht gibt es sowas auch für Auszubildende aus deinem Jahrgang. Workshops, Seminare, Sportvereine und Verbände sind fantastische Netzwerkplattformen. Und genauso natürlich private Feiern, also wirklich so was Banales wie eine Geburtstagsfeier oder Hochzeit. Da lernt man manchmal total spannende Leute kennen. Bei all diesen Gelegenheiten gilt aber natürlich auch Qualität vor Quantität. Wähle bitte genau aus, wen du in dein Netzwerk holst und maßgeblich dafür sind aus meiner Sicht vor allem drei Kriterien Das erste Kriterium sind Gemeinsamkeiten. Knüpfe in erster Linie Kontakte zu Menschen, die dieselben Ziele wie du verfolgen. Gemeinsamkeiten verbinden nicht nur emotional, sie schaffen auch bessere Ideen und ähnliche Lösungen für gemeinsame Probleme und gleiche Herausforderungen. Das zweite Kriterium sind Vorbilder. Die zweite Gruppe sollten Menschen sein, die bereits erreicht haben, wo du noch hin willst. Diese Kontakte dienen dir nicht nur als positive Beispiele und Vorbilder. Du kannst hier auch wieder von den schon angesprochenen Erfahrungen lernen und bekommst meistens auch noch ganz exklusive Insider Tipps von deinen Mentoren im Netzwerk. Und das dritte Ergänzung. Ich finde, du solltest dich auch mit Menschen verbinden, die deine Schwächen ausgleichen. Gianluca Canabacci, Professor an der ESMT Berlin und Netzwerkexperte. Wenn Sie Ihr Netzwerk nur in Bereichen unterstützt, in denen Sie schon selber überragend sind, bringt das keinen Mehrwert. Erst wenn man aber Ihre Schwächen ergänzt, dann steigert das Ihre Möglichkeiten. Im Grunde genommen waren das ja schon einige Tipps zum Netzwerken. Der Rest ist allerdings auch keine Raketenwissenschaft. Und wie immer kannst du viele weitere Tipps noch auf der Karrierebibel nachlesen. Ein paar Punkte sind mir allerdings noch besonders wichtig, daher erwähne ich sie hier nochmal ganz Sei bitte immer vorbereitet. Damit meine ich nicht nur die eigenen Ziele zu kennen, sondern sich ebenfalls zu überlegen, was du zum Beispiel zu bieten hast, welche deiner Stärken und Talente anderen nutzen könnten und welche Bedürfnisse deine Zielgruppe hat. Sprich neue Kontakte, also nicht völlig platt planlos an oder überrumple die Leute mit einer Kontaktanfrage. Ich finde, das ist wahnsinnig plump. Idealerweise informierst du dich vorher online oder auf dem Networking Event, wer dort alles ist, wer vielleicht Vorträge hält oder was die Besucher dort verbindet. Und daraus ergeben sich dann automatisch schöne Gesprächseinstiege für den Smalltalk oder für den ersten Austausch. Zum Was hat sie hierher geführt? Wie fanden sie den Vortrag? Was hat sie am meisten inspiriert oder was nehmen sie heute von dem Event mit und womit beschäftigen sie sich zurzeit? Richtig gute Smalltalk Tipps kannst du natürlich auch noch mal in der Folge 38 von oh My Job nachhören. Da spreche ich dann ausgiebig über die Kunst des leichten Plauderns mit Fremden. In der Folge habe ich auch schon gesagt, dass Menschen glauben, immer dann ein gutes Gespräch zu führen, wenn sie selbst die meiste Zeit sprechen. Ja, das ist ein bisschen narzisstisch von uns allen, aber für dich und dein Networking bedeutet das natürlich zugleich, dass du immer viele Fragen stellen und aktiv zuhören solltest. Fragen stellen, das können auch Schüchterne und Introvertierte. Gleichzeitig erfährst du dabei aber viel über dein Gegenüber und bekommst so viel Aufmerksamkeit und auch noch zahlreiche Sympathien, weil man eben am liebsten selber die ganze Zeit quasselt. Ein weiterer wichtiger Punkt beim Networking Bitte immer positiv bleiben. Ich selbst habe schon Menschen auf Messen oder Kongressen getroffen, die voller negativer Energie waren und ihren kompletten Lebensfrust dann irgendwie ventiliert haben, Wenn man sie ansprach, oh, der Redner war total scheiße, das Catering hier schmeckt ja überhaupt nicht und die Veranstaltung, also letztes Jahr, das war ja deutlich besser. Auch in Deutschland gehen ja sowieso langsam die Lichter aus. Alles schlimm hier. Wenn das alles auch noch stimmt, dann hat es trotzdem keine gute Wirkung auf dein Gegenüber. Ganz ehrlich, würdest du mit so einem Miesepeter weiterhin Kontakte halten wollen? Also ich nicht. Dasselbe gilt für alles Absichtsvolle und Bemühte. Networking muss unbedingt seine Leichtigkeit behalten. Das ist ein bisschen wie beim Flirten. Sobald du die Absicht dahinter spürst, bist du verstimmt. Alle Magie ist dann verflogen. Du ahnst der oder die Macht und sagt das alles nur um mich oder dich oder wen auch immer ins Bett zu kriegen und das ist ziemlich doof. Beim Networking geht es in der Regel nicht um das Bett logischerweise, aber vielleicht um einen Job oder eine Kooperation oder einen Gefallen. Und sobald man aber spürt, mein Gegenüber will nur etwas von mir haben, um einen Vorteil zu gewinnen, dann ist man selber raus. Dahinter steckt nämlich ganz offensichtlich kein Interesse an der eigenen Person, sondern nur an dem Nutzen, den diese Person für einen bestimmten Zweck hat. Und dann geht es auch nicht um eine echte oder dauerhafte Beziehung, sondern eben um ein Business Quickie. Und dafür sind wir uns doch alle irgendwie viel zu schade. Andersrum wird ein Schuh draus. Kennst du den Spruch Bühne schafft Bühne? Niemand mag selbstverliebte Sprücheklopfer oder Luftpumpen, indem du aber anderen im Gespräch eine Bühne baust, sie lobst und ermutigst und auch ein paar bewundernde Komplimente machst. Aber bitte nicht nur zum Ausziehen. Das ist wieder viel zu oberflächlich. Lässt du nicht nur die anderen strahlen. Du wirst selbst zum Star in der Runde, weil jeder solche aufmerksamen Menschen mag und mit Sympathien überschüttet. Ja, auch das hat wieder viel mit aufmerksamem und aktivem Zuhören zu tun. Aber darum geht es eben beim immer erst geben und viel später erst nehmen. Solange du dabei freundlich, charmant und erfrischend humorvoll bleibst, vor allem aber authentisch, wirst du ganz einfach neue und gute Kontakte knüpfen können. Meine Erfahrung ist zudem, dass du ruhig mehr persönliche Geschichten von dir erzählen solltest. Baue in den Smalltalk ruhig ein paar lustige Anekdoten von dir ein, vielleicht sogar einen kleinen Fehler von dir, über den du selber lachen kannst. Solche Geschichten machen dich nicht nur menschlich und nahbar, sondern auch wieder extrem sympathisch. Das Wichtigste beim Netzwerken aber bleibt, damit überhaupt anzufangen und das möglichst frühzeitig. Networking ist eine aktive Strategie, bei der es darum geht, gezielt Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Und zwar dann, wenn du sie noch nicht brauchst. Du erinnerst dich, von alleine passiert da gar nichts. Nimm dir also bewusst Zeit dafür und beginne so früh wie möglich, damit dein Vitamin B auch wirklich wirken kann. Denn du weißt ja, Beziehungen schaden nur dem, der keine hat. Bis nächste Woche.
Dein Jochen das war oh my job. Dein Kick für Kopf und Karriere. Hat dir die Folge gefallen? Dann vergiss nicht, den Podcast gleich zu abonnieren und empfehle uns deinen Freunden. Wir freuen uns auf ein Wiederhören.










