#47 So gelingt ein Neustart

Podcastfolge (Transkript) über den Wunsch und das Vorgehen für einen persönlichen oder beruflichen Neustart. Der Sprecher reflektiert über Ursachen für Unzufriedenheit, Risiken und Chancen eines radikalen Wechsels und beschreibt praktische Anregungen — Auszeiten (z. B. Jakobsweg, Mallorca), finanzielle Abwägungen, mentale Flexibilität, Mut und soziale Unterstützung — sowie eigene Erfahrungen und Haltungen.
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Ich weiß ja nicht, ob du das auch kennst, aber manchmal habe ich den starken Wunsch nach einem echten Neustart. Einfach mal den Reset Knopf drücken und alles zurück auf Anfang setzen, einen kompletten Tapetenwechsel gestalten und sich einfach mal ganz neu erfinden oder etwas ganz anderes machen. Ich habe da ab und zu richtig Lust drauf. Das bedeutet gar nicht mal, dass man mit seinem aktuellen Leben oder seinem aktuellen Job unzufrieden sein muss. Aber ich In uns stecken doch häufig noch viel mehr Talente und Ideen, die wir auch mal ausleben wollen. Und das Leben ist schließlich zu kurz für irgendwann. Aber wie geht das? Was muss man bei einem Neustart unbedingt beachten? Ich nehme dich heute mal mit in meine eigenen Überlegungen und meine eigenen kleinen Wünsche ab und an und vielleicht ist ja auch etwas für dich dabei. Also dranbleiben.
Willkommen bei oh my Job, dem Podcast der Karrierebibel. Nutze deinen wöchentlichen Kick für Kopf und Karriere. Entdecke echte Insider Tipps mit wertvollen Impulsen in der Moderation. Jochen May, viel Spaß bei der heutigen Folge.
Ich weiß ja nicht, wie groß auch dein Wunsch nach einem echten Neustart ist, aber du bist drangeblieben. Und das ist schon mal schön. Oft wird der Wunsch nach einem Neustart ja von einer Krise überschattet. Irgendwas löst dieses Verlangen aus. Vielleicht ist es eine Beziehung, die längst festgefahren und nicht mehr erfüllend ist oder ein Job, der einfach keinen Spaß mehr macht und nur noch aus Routinen besteht. Teils ist der Neustart auch aus gesundheitlichen Gründen dringend erforderlich, weil der Körper einfach nicht mehr so weitermachen kann oder will wie bisher. Egal was es jetzt bei dir ist. Wer erstmal an diesem Punkt in seinem Leben angekommen ist, der will oder muss etwas ändern, möchte sich verändern zum Besseren und für eine schönere Zukunft. So ein radikaler Wechsel macht natürlich auch Angst, denn damit verbunden sind ja nicht nur Chancen, sondern immer auch ernstzunehmende Risiken. Wird es tatsächlich besser oder tausche ich nur ein Übel gegen ein anderes ein? Bin ich der Veränderung physisch, aber auch psychisch und finanziell gewachsen? Und wie geht es danach weiter, wenn der Neustart nicht gelingt? Denn auch das kann ja immer passieren, dass du zwar tolle Pläne hast, aber sie gehen am Ende nicht auf. Viele Menschen hält das am Ende davon ab, etwas Neues zu wagen. Sie bleiben dann an einem Leben hängen oder einem Job oder einer Partnerschaft, die zwar zunehmend unglücklich machen, aber dafür irgendwie kalkulierbar sind. Ich bin heute mehr denn je davon überzeugt, dass das ein gefährlicher Trugschluss ist. Oft endet der mit einem bösen Erwachen. Das habe ich selbst schon bei einigen Jobs meiner Freunde erlebt und leider bei einigen Ehen auch. Am Ende gab es den großen Knall. Dann war die Veränderung trotzdem da, aber unfreiwillig und in Form einer Kündigungswelle oder einer Affäre mit anschließender Scheidung und manchmal sogar noch mit einem Rosenkrieg. Das dann kein Neustart, sondern eher ein Kaltstaat. Dann muss man sich neu erfinden, aber eben unvorbereitet und vor allem unter dem Diktat von anderen. Ich finde das wenig erstrebenswert und ziehe lieber vorher Konsequenzen, aber eben zu meinen Bedingungen selbstbestimmt eben. Natürlich ist es wichtig, hierbei keine voreiligen Entscheidungen zu treffen, klar. Stattdessen gilt es erstmal die Ursachen für die eigene Unzufriedenheit zu erforschen. Das mache ich dann auch so. Eine unbekannte Unzufriedenheit im Job kann ja manchmal auch Ursachen daheim haben und umgekehrt. Also manchmal reichen dann schon kleinere Veränderungen aus. Vielleicht, dass man auch im Privaten etwas umstellt, andere Hobbys hat oder sich mehr um Ausgleich kümmert und sorgt. Und das hat dann schon wieder einen großen zufriedenstellenden Effekt auf den Beruf. Oder vielleicht stellt man auch etwas in der Partnerschaft um gemeinsam, um dann wieder mehr Spaß an aneinander und miteinander zu haben. Ein Bekannter von mir hat sich dazu beispielsweise eine längere Auszeit genommen und ist ein Teil des Jakobswegs gewandert. Dem vorausgegangen war allerdings die Insolvenz seines eigenen Arbeitgebers und damit ein plötzlicher Jobverlust. Ich finde, das ist durchaus einer der besten Wege und Startpunkte für eine Neuorientierung. Sich einfach mal zurückziehen, in Klausur mit sich selbst gehen und die Zeit zum Reflektieren nutzen. Natürlich ist der Jakobsweg nur eine Alternative. Der wird im Moment sehr populär genutzt und ist auch ganz schön. Aber ein Wochenende oder eine Woche Auszeit können ganz genauso funktionieren. Hauptsache, es ist dein persönlicher Kraftort. Bei mir ist es zum Beispiel die Insel Mallorca. Hier ziehe ich mich im Frühjahr nur allzu gerne an meine Finca zurück und sortiere dabei dann meine Gedanken und bekomme meistens auch gute neue Ideen. Wie es dann in dem laufenden Jahr weitergehen soll. Dabei helfen natürlich auch ganz zentrale und grundsätzliche Fragen wie zum Was ist mir eigentlich wichtig? Was kann ich? Was fällt mir leicht und was fällt mir eher schwer? Wofür stehe ich? Oder will ich stehen? Was brauche ich, um glücklich zu sein? Worauf kann ich verzichten? Worauf will ich nicht verzichten? Und wie wichtig ist mir zum Beispiel finanzielle Sicherheit? Woran habe ich Freude? Wobei finde ich Entspannung? Wohin will ich mich in Zukunft entwickeln? Was muss ich dazu verändern? Und wie sieht vielleicht auch ein perfekter Tag aus? Sowas halt. Ich selbst befinde mich noch in diesem ersten Stadium und weiß zum Beispiel schon ganz genau, was ich nicht mehr will. Das ist wahrscheinlich bei vielen anderen auch der Fall, aber das ist eben nur die halbe Miete. Bevor es einen Schritt weitergeht, möchte ich ganz genau meinen Kurs und mein Ziel bestimmen, gerne auch mit einem zeitlichen Horizont, sonst wird es schnell unrealistisch. Parallel dazu ist es also unbedingt erforderlich, sich mit allen möglichen Konsequenzen vertraut zu machen. Das sind bei den meisten Menschen wohl zuerst die finanziellen Konsequenzen. Klar, wie viel wärst du zum Beispiel bereit für dein Lebensstandard oder deinen Lebensstandard einzuschränken? Und worauf würdest du alles verzichten, wenn du dafür deinen Lebenstraum verwirklichen könntest? Das ist eine durchaus schwierige Frage, weil man muss eben abwägen, was ist mir jetzt wichtiger? Viel Geld oder glücklich sein, aber dafür halt etwas bescheidener leben? Klar, auch ich würde mir am liebsten wünschen, alles auf einmal zu bekommen. Das wäre natürlich besonders hübsch und bequem und ich hätte überall die Traumvilla und hätte einen tollen Job und so weiter. Aber das gelingt halt nur selten, Sind wir mal realistisch. Also also muss man in der Regel doch Kompromisse schließen und solche Überlegungen helfen dann dabei, unnötigen Ballast abzuwerfen. Ich habe schon oft festgestellt und auch mit meiner Frau darüber gesprochen, dass man für ein glückliches Leben deutlich weniger braucht, als viele meinen und noch viel weniger, als uns z.B. instagram und Co. Vorgaukeln. Wer z.B. mit leichtem Gepäck reist, der öffnet sich nicht nur viele Türen, sondern schafft auch größere Erfolgschancen. Ich denke da zum Beispiel an meine lieben Nachbarn. Beide sind Frührentner und beziehen keine allzu üppige Rente. Trotzdem leben sie ein ausgesprochen schönes Leben, das mich selber immer wieder inspiriert. Eben weil sie nicht so viel Geld haben, schöpfen sie zum Beispiel beim Einkaufen zahlreiche Discounter Angebote aus. Und ich muss ganz ehrlich sagen, meine Nachbarin kann fantastisch kochen. Die zaubert aus einfachsten Zutaten drei Sterne Menüs. Großartig. Die beiden essen jeden Tag extrem gut und frisch und nichts dabei wird verschwendet. Zugleich leben sie im Jahr bis zu neun Monate in Spanien. Die beiden campen nämlich seit Jahren und haben den Haushalt daraufhin komplett reduziert. Ich finde, es ist ziemlich feines Leben im Herbst und im Winter oder auch im Frühjahr sind sie immer schon in der Sonne, genießen auch noch den Rentnerrabatt auf dem Campingplatz und nehmen sozusagen da auch noch das Luxus Campingangebot wahrscheinlich. Und wenn es dann ab Juni voll und teuer wird, dann kehren sie einfach nach Deutschland wieder zurück. Ein Leben an der Sonne und das eben auch ohne viel Geld. Und glaub mir, die beiden haben mit zahlreichen Krebserkrankungen in der Vergangenheit auch die Schattenseiten gesehen. Aber lassen sie sich davon einschränken oder abhalten, ein glückliches, freies und sonniges Leben zu führen. Eben genau nicht. Wer will, der findet Wege und wer nicht will, der findet eben Gründe. Das ist eines meiner Lebens Motty. Motti. Ich glaube, Plural von Motto ist Motti. Aber das bringt mich eben auch zu einem zweiten, ganz wesentlichen Schlüssel für einen erfolgreichen diese geistige Flexibilität, die man dazu braucht. Wer etwas wirklich will, der muss sich dann auch auf Neues einlassen, auf ein neues Umfeld, neue Menschen, neue Kollegen, neue Aufgaben und Herausforderungen, vielleicht auch auf ein ganz anderes Arbeiten oder Arbeitsmodell. Manche wagen zum Beispiel den Sprung in die Selbstständigkeit, das habe ich selber auch vor gut zehn Jahren gewagt. Andere gehen ins Ausland und bauen sich da ein komplett neues Leben auf und lassen sich auf eine komplett andere Kultur ein. Dafür benötigen wir allerdings dann auch die Bereitschaft, uns diesen neuen Umständen anzupassen. Und und das fällt eben wieder vielen schwer, weil wir unsere neue Rolle im neuen sozialen Umfeld erst wieder finden müssen. Den sozialen Status, den wir vielleicht bisher hatten, den können wir ja in der Regel nicht mitnehmen. Also müssen wir uns da wieder einen neuen Status aufbauen, fangen vielleicht von vorne an. Und das ist halt sehr unbequem und durchaus auch mit Risiken verbunden. Warst du vorher zum Beispiel Führungskraft in deinem Unternehmen bist du als Selbstständiger plötzlich der oberste Dienstleister deiner Kunden und musst vor allem gerade am Anfang vieles selber machen. Warst du vorher in deiner Bubble ein bekannter Promi oder Influencer, bist du im Ausland auf einmal ein Niemand und so weiter. Und dazu braucht es dann noch eine zweite Mut. Ohne Mut fangen wir erst gar nicht an oder geben sofort wieder auf. Ebenso brauchen wir den Mut, wenn die ersten Rückschläge kommen, oder? Und die kommen ja garantiert. Die Frage ist also, wie groß ist dein Leidensdruck gerade? Wie sehr willst du die Veränderung, den Tapetenwechsel wirklich? Und was bist du bereit dafür zu opfern, dich einzuschränken? Und nicht zuletzt hilft natürlich ein starker Rückhalt durch die Familie und Freunde, und zwar echte Freunde. Ich glaube schon. Wer einen solchen Schritt wagt, der wird viele gute Ratschläge hören. Die meisten sind auch gut gemeint, aber gut gemeint ist halt auch noch längst nicht gut gemacht. Manche Bekannte und Verwandte wissen es selbst ja auch nicht besser, weil sie einen solchen radikalen Schritt selber nie gegangen sind. Und dann schließen sie nur von sich auf andere. Und das hilft dann als Tipp oder als Rat nicht wirklich weiter, weil sie es ja selber nie gemacht haben. Ich selbst kann da zum Glück auf ein großes Netzwerk blicken und mit Menschen sprechen, die schon ganz unterschiedliche Lebenswege gegangen sind. Und hier ist es dann natürlich wichtig, seine Ratgeber gezielt auszuwählen und sich vor allem von Menschen fernzuhalten, die am Ende doch nur Zweifel und Ängste schüren, weil sie selber diesen Schritt nie gewagt haben. Klar, auch die Kritiker sollte man dabei jetzt nicht ausschließen, denn die sehen eben auch nicht alles rosarot. Aber grundsätzlich suche ich mir Mentoren und Kreise von positiven Menschen, die mir zeigen, wie ein Neustart gelingen kann. Und wer weiß, vielleicht ist auch mein Prozess schon bald soweit, dass ich den großen Schritt, zu dem es mich immer wieder hinzieht, einfach auch mal durchziehe. Karrierebibel und Co. Mache ich ja jetzt schon seit gut 20 Jahren. In meinem Job bin ich schon seit über 30 Jahren. Ich hätte schon Lust, noch mal was ganz Neues zu machen. Aber keine Sorge, nächste Woche gibt es wieder eine neue Folge von oh my Job und den Podcast, den ziehe ich auf jeden Fall noch bis Jahresende durch. Ich würde mich freuen, wenn wir uns nächste Woche wiederhören. Bis dahin, dein Jochen.
Das war oh my job, dein Kick für Kopf und Karriere. Hat dir die Folge gefallen? Dann vergiss nicht, den Podcast gleich zu abonnieren und empfehle uns deinen Freunden. Wir freuen uns auf ein Wiederhören.










