Fachkräftemangel: Chancen?

Germany's skilled-labor shortage hits IT and engineering hardest, giving workers in those fields real leverage with employers. But not all specializations win: gear specialists for combustion engines are losing ground. JobGenius clarifies that even in tight markets, applicants still have to apply and compete.
Jochen, uns erreichen immer wieder Zuschriften von unseren Leserinnen und Lesern. Ein Thema, das kam jetzt öfter vor, ist das Thema Fachkräftemangel. Davon liest man ja fast jeden Tag. Was heißt das eigentlich für Arbeitnehmer?
Also ich glaube, man muss da differenzieren. Es gibt den Fachkräftemangel, aber nicht überall. Und da, wo es ihn gibt, entstehen natürlich wahnsinnig neue Chancen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Und das kann dann den eigenen Marktwert steigern, muss es aber nicht. Also man muss sich genau anschauen, in welchen Bereichen gibt es diesen Fachkräftemangel. Den gibt es zum Beispiel ganz stark im Bereich Informatik, für Programmierer beispielsweise, für Ingenieure auch, aber auch da nicht für alle. Weiß ich jetzt zum Beispiel von meinem Schwager, Also da ist es natürlich Elektroingenieure, ja klar, Maschinenbau, ja klar, immer noch Fahrzeugingenieure, schwierig. Mein Schwager war zum Beispiel auf Getriebe spezialisiert, Die brauchst du natürlich bei Elektroautos nicht mehr. Also die haben es dann zum Beispiel schwer. Also man muss genau reinschauen, in welchem Bereich gibt es tatsächlich den Fachkräftemangel Und da entstehen neue Chancen.
Dann darf ich doch nachfragen, welche Chancen gibt es denn gerade jetzt?
Also wenn es Chancen gibt, also sprich, wenn du zu einer Spezies gehörst, zu einer Berufsgruppe, die gerade sehr gefragt ist auf dem Arbeitsmarkt, dann finde ich, kann das eine gute Gelegenheit sein, den Job zu wechseln und jetzt tatsächlich auch sich auf die Suche zu machen, den Traumjob zu finden, den man immer schon haben wollte, der perfekt zu einem passt und den dann eben auch zu bekommen, weil man aus verschiedenen Angeboten auswählen kann. Aber, und das betone ich halt auch immer wieder, auch wenn ich mich damit nicht beliebt mache, es gibt immer noch nicht diesen sogenannten Bewerbermarkt. Der macht so einige Leute gerade auf dem Arbeitsmarkt etwas besoffen zu. Bewerbermarkt ist dann, wenn du angerufen wirst, wenn sich die Leute um dich reißen, dann ist Bewerbermarkt. Aber alle anderen, die jetzt noch Bewerbungen schreiben müssen, also sprich sich auf eine offene Stelle bewerben oder eine Initiativbewerbung schreiben, die sind nicht im Bewerbermarkt. Da ist es tatsächlich noch so, dass der Arbeitgeber ein Angebot macht und du bewirbst dich darauf, diese Stelle haben zu wollen. Und da muss man dann natürlich weiterhin sich mühe geben bei der Bewerbung.
Wenn ich jetzt noch keine gesuchte Fachkraft bin, wie könnte ich denn eine werden und was sollte ich mir vorher vielleicht gut überlegen?
Also ganz, ganz wichtig ist, und das gilt für alle Arbeitnehmer, unabhängig vom Fachkräftemangel oder nicht, dass man sich auf dem Arbeitsmarkt klar positioniert und auch spezialisiert. In Fachkreisen spricht man da von einem sogenannten T shaped Modell. Das kann man sich so ein bisschen vorstellen wie so ein T. Hier oben die waagerechte Linie, das ist der Generalist. Also du hast schon breite Fähigkeiten, aber hier unten diese senkrechte Linie, da gehst du in die Tiefe. Das ist deine Spezialisierung. Und genau diese Menschen, also Menschen mit so einem T shaped Profil, die werden auf dem Arbeitsmarkt immer gesucht und immer gefördert und natürlich auch besser bezahlt. So, das ist der erste Schritt, also eine klare Spezialisierung, idealerweise natürlich eine, die den eigenen Talenten, Fähigkeiten und Leidenschaften entspricht. Der zweite Schritt ist dann, dass ich sichtbarer werden muss auf dem Arbeitsmarkt. Also möchte ich irgendwann mal auf diesen Bewerbermarkt kommen, Muss ich sichtbarer werden, damit mich Headhunter, Personaler, Recruiter ansprechen? Hey, du wärst genau die richtige Person für diesen oder jenen Job bei uns. Wie mache ich das? Natürlich mache ich das, indem ich meine Expertise heute vor allem im Internet unter Beweis stelle. Das kann ich tun, indem ich Kommentare bei anderen schreibe, bei anderen Experten, also nicht irgendwo bei Trullala Profilen, sondern natürlich schon in Fachkreisen, in wichtigen Gruppendiskussionen und und und, indem ich selber Post schreibe, also ein eigenes Profil habe, vielleicht sogar ein eigenes Blog. Ich bin ja ein großer Fan davon, dass Menschen ein eigenes Blog haben kann, will nicht jeder. Dann geht es aber natürlich auch Auf Profilen wie LinkedIn oder Xing, dass man da versucht, möglichst sichtbar zu werden und was zu schreiben. Und die dritte Möglichkeit ist, Gastbeiträge zu schreiben. Also wenn man nicht gerade eine etablierte Webseite hat, wie ich jetzt zum Beispiel noch anfängt, dann kann man aber zumindest damit anfangen, Gastbeiträge auf großen, größeren Seiten zu haben, natürlich Fachblogs in erster Linie, die eben schon eine gewisse Sichtbarkeit haben. Und auch damit wird man dann sichtbarer. Ich selber habe darüber zum Beispiel meinen Vermarkter irgendwann mal gefunden, die hatten einen Gastbeitrag in einer anderen Webseite geschrieben, die ich gelesen habe und habe gesagt, oh, das sind aber sehr kompetente, spannende Menschen und bin dann irgendwann mal auf diesem Weg zu meinem Vermarkter von meiner Webseite gekommen. Tolle Kooperation, also so kann es gehen. Gastbeiträge schreiben, Kommentar schreiben, selber Posts machen, auf jeden Fall sichtbarer werden und damit die Vorteile der sogenannten passiven Bewerbung nutzen.










