Schwächen richtig nennen im Bewerbungsgespräch

A German-language podcast episode (oh my Job) explaining how to answer the interview question about personal weaknesses. It argues interviewers ask to test self-reflection and growth potential, recommends a three-part answer formula (name the weakness, list measures taken, show positive development), gives example weaknesses and model responses, and warns which weaknesses never to mention.
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Oh, diese Frage hassen Bewerber. Es ist die Frage nach den Schwächen im Bewerbungsgespräch. Nicht wenige bringt die Frage ins Schwitzen. Irgendwie ist es ja auch unangenehm, ausgerechnet bei der Bewerbung über eigene Defizite und Mängel zu sprechen. Passt so gar nicht. Warum stellen Personaler dann diese Frage überhaupt? Ist das so ein Psychospiel oder wollen sie Kandidaten damit demütigen? Nichts davon stimmt. Und auch wenn viele die Frage so gar nicht mögen, sie ist wichtig und verrät unglaublich viel auch über dich selbst. Lass uns also heute in der Folge von oh my Job über Schwächen im Vorstellungsgespräch sprechen, warum Personaler danach fragen und natürlich auch, wie du Personal perfekt auf die Frage antwortest.
Willkommen bei oh my Job, dem Podcast der Karrierebibel. Nutze deinen wöchentlichen Kick für Kopf und Karriere. Entdecke echte Insider Tipps mit wertvollen Impulsen. In der Moderation Jochen May, viel Spaß bei der heutigen Folge.
Stell dir vor, du bist in einem Vorstellungsgespräch und der Personaler oder die Personalerin fragt dich plötzlich, was sind ihre größten Schwächen? Ein Klassiker. Und glaub mir, die Frage wird in nahezu jedem zweiten Interview gestellt. Aber warum eigentlich? Die Frage nach den Schwächen ist ein wichtiger Test, wie selbstreflektiert und selbstbewusst im Wortsinn eine Bewerberin oder ein Bewerber tatsächlich ist. Personaler wollen wissen, ob du dir der eigenen Grenzen und Herausforderungen deiner Persönlichkeit bewusst bist und wie du damit umgehst. So manche Kandidaten missverstehen die Frage als Angriff auf ihre Persönlichkeit und meinen, Personaler wollten sie damit nur in ein schlechtes Licht rücken, womöglich um am Ende das Gehalt zu drücken. Aber das ist natürlich Quatsch und auch falsch. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen, das weißt du, das wissen auch Personaler und deswegen ist das auch gar nichts Schlimmes. Und natürlich reden alle viel lieber über ihre Stärken, klar. Aber wie gehst du mit deinen Defiziten und den kleinen Macken und Fehlern um? Auch das gehört doch zur Persönlichkeit. Und wenn man jemanden kennen will, dann will man natürlich auch diese Seite kennenlernen. Und sie verrät ja auch ganz viel über diese Persönlichkeit. Denn in deinen Schwächen steckt unglaubliches Potenzial. Und damit meine ich gar nicht mal, dass du daran arbeiten kannst und sie vielleicht sogar mal in eine Stärke verwandelst. Das muss gar nicht sein. Vielmehr geht es um den grundsätzlichen Umgang mit Kritik, mit eigenen Fehlern oder mit schwierigen Situationen. Wer jetzt zum Beispiel souverän und konstruktiv über seine Schwächen sprechen kann, der oder diejenige wird auch später im Job Verantwortung für Fehler übernehmen, berechtigte Kritik annehmen oder aus Fehlern lernen. Und das meine ich dann am Ende auch mit Potenzial. Menschen, die zu ihren Schwächen stehen und Fehler als Teil ihrer Entwicklung oder eines Wachstumsprozesses sehen, die tragen enormes Potenzial in sich und sind auch in der Lage, ständig überall sich und ihre heutigen Schwächen hinauszuwachsen. Es geht also bei der Frage nur vordergründig um die genannte Schwäche. Genau genommen interessiert Personaler die auch gar nicht so sehr. Viel Wichtiger ist jetzt die Fähigkeit zur Selbstreflexion, zur Selbstkritik und der Wille zur Veränderung und zur Verbesserung. Und genau diese Eigenschaft ist in so ziemlich allen Berufen und Jobs wichtig, weil sie zeigt, dass du insgesamt lernfähig und entwicklungsfähig bist. Und solche Mitarbeiter sucht natürlich jedes Unternehmen. Wie also antworten Bewerber am besten auf die Frage nach den Schwächen. Natürlich gibt es keine allgemeine oder oder perfekte Antwort auf die Frage nach den Schwächen, aber ich kann dir eine Art Formel und ein paar Beispiele zeigen, die helfen, die Frage optimal zu beantworten und zu meistern. Egal was du am Ende auf die Frage nach den Schwächen im Vorstellungsgespräch antwortest. Bewährt hat sich stets die folgende dreiteilige Formel für eine kluge Antwort. Situation schildern. Deshalb neige ich zu Also die Schwäche einfach ehrlich nennen. Zweitens Gegenmaßnahmen nennen. Aus diesem Grund habe ich also Was tust du? Wie gehst du mit der Schwäche um? Und drittens eine positive Entwicklung aufzeigen. Das hat dann dazu geführt, dass ich also was hat dein Wille zur Veränderung? Die Maßnahmen, die du ergriffen hast und Aktionen. Was haben die bewirkt? Positiv natürlich und verändert? Wie sieht das Ganze konkret aus? Tatsächlich gibt es ein paar sehr menschliche und deshalb natürlich auch sympathische Schwächen, die du problemlos im Bewerbungsgespräch nennen kannst. Zum Beispiel das Präsentieren oder Reden vor vielen Menschen. So also könnte zum Beispiel eine gute Antwort zu dieser Schwäche aussehen. Ich habe teils noch Probleme damit, vor größerem Publikum zu sprechen. Ich bin dann oft nervös und fühle mich unwohl, aber ich versuche das in den Griff zu bekommen. Deshalb habe ich vor zwei Wochen einen Rednerkurs bei einem namhaften Coach gebucht. Du merkst schon, hier wird die Formel genau umgesetzt. Problematisch wäre die Schwäche natürlich nur, wenn im neuen Job eine Kernkompetenz ist. Öfter vor Gruppen zu referieren, zum Beispiel als Pressesprecher oder als Lehrerin oder Lehrer, passiert das aber nur selten. Dann hält sich auch das Handicap in Grenzen. Indem du dann erzählst, dass du ein Seminar dazu absolvierst oder gebucht hast, wird die Schwäche schon abgemildert. Gleichzeitig ist es eigentlich schon wieder fast eine Stärke, dass du hierfür deine Freizeit und eigenes Geld investierst. Ein anderes Beispiel. Du kannst dich zum Beispiel im Großraumbüro schlecht konzentrieren oder lässt dich leicht ablenken. Auch das kannst du als Schwäche nennen. Und zum Beispiel dann so eine starke Geräuschkulisse wie im Großraumbüro macht mir häufig Probleme. Deshalb habe ich mir extra ein paar Gegenschallkopfhörer gekauft. Den Tipp hat mir mal eine Kollegin gegeben. Seitdem ich diese bei der Arbeit nutze, habe ich das praktisch im Griff. In dem Fall ist die Schwäche eigentlich schon keine mehr und du hast für das Problem längst eine ganz pragmatische Lösung gefunden. Das Beispiel zeigt deshalb auch, dass du im Bewerbungsgespräch keinesfalls immer nur aktuelle Schwächen nennen musst, sondern auch ehemalige Defizite oder Probleme von gestern nennen darfst. Wie gesagt, es geht Personalern nicht um die Schwäche selbst, sondern vielmehr um deinen Umgang damit und ob und wie sehr du an dir arbeitest. Eine Frage, die mir in dem Zusammenhang oft gestellt wird, ist dann die, ob es denn gute und sympathische bzw. Schlechte Schwächen gibt. Auch das lässt sich nicht wirklich allgemein beantworten, weil das ja immer auch von dir und dem zukünftigen Job abhängt. Wer sich im Meeting nicht so gerne zu Wort meldet oder er schüchtern ist, der wirkt erstmal angenehm bescheiden und auch sympathisch. Aber für eine Führungskraft oder einen Berater wäre das schon ein ziemlich großes Handicap und meistens eben auch ein Ko Kriterium für eine Bewerbung. Prinzipiell gilt, die Schwäche sollte nie direkt mit den Anforderungen des Jobs im Konflikt stehen. Lies dir hierzu am besten noch mal die Stellenanzeige durch und überlege dir, was zu den wichtigsten Skills gehört. Und die solltest du dann bitte auf keinen Fall als Schwäche nennen. Umgekehrt gibt es aber meist ein paar Schwächen, die man immer mal nennen kann, die relativ harmlos sind, deshalb aber leider auch ein bisschen abgedroschen klingen. Ich empfehle diese nicht wirklich zu nennen, sondern nur, wenn dir nichts Besseres oder Spezifischeres, was zu dir persönlich passt, einfällt. Beispiele für solche allgemein sympathischen Schwächen. Ich nehme mir oft zu viel auf einmal vor. Ich habe noch wenig Berufserfahrung. Das ist natürlich ein Handicap von Berufseinsteigern. Ich kann schlecht Nein sagen oder ich telefoniere ungerne und schreibe lieber Mails. Das ist in Kontaktjobs auch nicht immer nur von Vorteil. Ich kann manchmal zu stur sein, ich bin manchmal zu direkt und muss tatsächlich diplomatischer werden. Generell gilt, nenne wirklich niemals mehr als maximal zwei Schwächen. Oft reicht auch schon nur eine. Nach einer zweiten wird dann eher gefragt, wenn Personaler das Gefühl haben, die erste Antwort war eine einstudierte und sie wollen dann einfach noch mal nachfragen und hoffen dann beim zweiten Mal auf eine spontanere, ehrlichere und natürlich auch authentischere Antwort. Du darfst die Antwort und Schwäche natürlich auch gerne durch einschränkende Adjektive relativieren, zum Beispiel durch Hin und wieder tue ich das oder gelegentlich, vereinzelt, stellenweise oder manchmal bin ich so und so. Aber auch hierbei bitte nicht zu sehr herunterspielen, denn es geht ja, wie gesagt, um den ehrlichen Umgang damit. Laut einer Harvard Studie geben nur 23 Prozent der Bewerber echte Schwächen zu und das ist sehr schade, denn in derselben Studie kam auch heraus, dass Personaler nur die Kandidaten am Ende einstellen, und zwar zu 80 Prozent, von denen sie das Gefühl haben, dass sie bei dieser Frage ehrlich waren. Forscher des University College in London haben sogar herausgefunden, wer im Bewerbungsgespräch selbstkritisch bleibt, steigert seine Jobchancen. Achtung, jetzt kommt's um das Fünffache. Das ist mein. Und jetzt noch die Frage natürlich, welche Schwächen du auf keinen Fall nennen solltest. Auch dafür gibt es natürlich ein paar Beispiele, weil sie einfach nie gut ankommen. Und dazu gehören zum Beispiel fehlende Teamfähigkeit. Das ist eine der schlimmsten Schwächen überhaupt, die du nennen kannst. Denn in jedem Unternehmen wird natürlich in Teams gearbeitet und Einzelkämpfer oder Eigenbrötler stellt wirklich niemand ein. Unpünktlichkeit auch so eine Schwäche. Wer Probleme mit Pünktlichkeit hat, hat meistens auch Probleme mit Zuverlässigkeit. Und das ist auch ein echter Jobkiller. Also bitte auf keinen Fall nennen oder ansprechen. Und der dritte Jobkiller und die dritte Schwäche negativer Art ist mangelnde Motivation. Wer so etwas sagt, sagt damit ich mache hier nur das Notwendigste und auf mehr habe ich keine Lust. Aber ganz ehrlich, würdest du dich selber mit dieser Arbeitsmoral einstellen? Eben. Also im Vorstellungsgespräch nennst du bitte wirklich nur Schwächen, die mit der Stelle wenig bis gar nichts zu tun haben und auch keine Zweifel an deiner Eignung oder Motivation wecken. Allzu negative Eigenschaften können die Jobchancen dramatisch reduzieren. Alles andere ist aber kein Problem, solange du als Bewerberin oder Bewerber offen reflektiert und ehrlich mit deinen Schwächen umgehst. Und ich finde auch überhaupt ist das keine schlechte oder veraltete Frage. Im Gegenteil, du kannst sie dir ja auch jetzt hier und heute ohne Vorstellungsgespräch einfach mal selber Welche Schwächen erkennst du bei dir und wie gehst du damit um? Ja, das kann manchmal unangenehm sein, weil die Frage ein bisschen am Ego kratzt. Aber nur wer sich selbst ehrlich und realistisch sieht und einschätzt, der kann auch an sich arbeiten und persönlich reifen und wachsen. Der Rest, der hat höchstens noch die Chance, US Präsident zu werden. Kein schlechter Job. Aber auch da sieht die Welt dann halt sehr schnell, dass der Kaiser in Wahrheit nackt ist. Wir hören uns in zwei Wochen wieder. Ich freue mich schon auf dich. Dein Jochen.
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